Wiesbaden Dr. Horst Schmidt Kliniken

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Eine wunderbare Klinik für die Entbindung

5 23. Sep 2001 (11. Mar 2002)

Pro:
kompetente Ärzte und Schwester, Kinderklinik mit Intensivstation im Haus, alle Vorzüge einer modernen grossen Klinik

Kontra:
nichts für Fans z . B .  von intimen Geburtshäusern

Empfehlenswert: Ja 

schneeweisschen

Über sich: Dummdidumm...

Mitglied seit:28.06.2000

Erfahrungsberichte:180

Vertrauende:205

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 103 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Als ich 12 Jahre alt war, teilte man mir mit, ich würde niemals Kinder bekommen können. Zumindest würde ich die Geburt mit ziemlicher Sicherheit nicht überleben.
Damals nahm ich diese Nachricht recht gelassen auf, denn die Tragweite einer solchen Feststellung ist einem in diesem Alter noch nicht bewusst. Kinder?? Gerade war ich dem Babypuppen-Alter entwachsen...
Zur Erklärung: ich leide (naja, direkt leiden tue ich eigentlich nicht) an einer Blutgerinnungsstörung mit Namen von-Willebrand-Jürgens-Syndrom. Hääh? Ich erspare ich eine umfassende Erklärung dieser Krankheit. Sie ist vergleichbar mit der Bluterkrankheit, die dürfte euch ja mit Sicherheit etwas sagen.
Aufgrund dessen nahm man also an, ich würde bei einer Geburt verbluten müssen.

6 Wochen nach meinem 21. Geburtstag lernte ich den Mann meines Lebens kennen (in der Disco, man glaubt es kaum). Ein halbes Jahr später verlobten wir uns (zufällig wiederum in einer Disco – spontan – unsere Freunde bastelten uns Ringe aus Strohhalmen). Und im Juni 1998 feierten wir eine traumhafte Hochzeit. Schon recht früh dachten wir über Kinder nach, mein Mann sogar eher als ich.
Im August 1999 wurde ich schwanger, hatte jedoch eine Fehlgeburt in der 11. Schwangerschaftswoche. Es wird vermutet, dass meine Gerinnungsstörung Anteil daran hatte.
Erst im November 2000 war es wieder soweit: ich saß total nervös im Wartezimmer meiner Frauenärztin und wartete auf das Ergebnis meines Schwangerschaftstests. Als die Sprechstundenhilfe mir ein Kinderbuch in die Hand drückte mit den Worten: „Das werden Sie bald brauchen“, meinte ich in Ohnmacht fallen zu müssen. Die nächsten Monate verliefen ziemlich dramatisch. Häufige und starke Blutungen nahmen mir jede Hoffnung auf eine diesmal intakte Schwangerschaft. Viele Wochen durfte ich nur liegen.
Doch siehe da, ich war im 7. Monat, da besichtigten mein Mann und ich dann endlich mal 2 Krankenhäuser. Vorher waren wir einfach zu abergläubisch.
Die beiden Kliniken waren die Uniklinik in Frankfurt und die Horst-Schmidt-Kliniken (kurz HSK) in Wiesbaden-Dotzheim. Die Uniklinik kannte ich schon durch meine Fehlgeburt. Damals liefen einige Dinge dort schief, weil man meine Krankheit einfach nicht ernst genug nahm. Allerdings hatte ich von den traumhaften Kreissäälen (gott, schreibt man das so?) dort gehört. Und ich muß zugeben, die sind wirklich toll. Wunderbar gestaltet, man vergisst fast, dass man in einem Krankenhaus ist.
Doch das bessere Gefühl bezüglich Betreuung und Kompetenz hatten wir bei der Besichtigung der HSK in Wiesbaden. Die Kreissääle sind dort zwar nicht so hübsch, aber uns wurde versichert, unter der Geburt sei einem das eh vollkommen Wurst.

Die Entscheidung fiel uns sehr schwer. Wir wohnen genau zwischen Frankfurt und Wiesbaden, und je nach Tageszeit (Berufsverkehr) wäre die eine oder die andere Klinik besser gewesen, wenn die Wehen einsetzen.
Dann bekam ich den Tip, mich doch einfach in beiden anzumelden, was ich dann auch tun wollte. In Frankfurt bekam ich einen Termin erst 3 Wochen vor dem offiziellen Entbindungstermin, obwohl ich auf die Risikoschwangerschaft-/geburt hinwies.
Da hatte ich in der HSK mehr Glück. Ich bekam einen angemessen Termin für die Hebammensprechstunde. Die findet direkt neben dem Kreissaal statt (der ganze Bereich heisst dort Kreissaal). Eine sehr freundliche Hebamme hörte sich unsere Geschichte an und empfahl, doch lieber noch einen Arzt zu konsultieren. Nach einiger Wartezeit (Zeit muss man dort wirklich mitbringen, da die meisten Kinder ja ohne exakte Vorankündigung auf die Welt kommen).
Ich wurde von Arzt zu Oberarzt, von Oberarzt zu Chefarzt „weitergereicht“.
Ende vom Lied – jede Menge Untersuchungen (natürlich bei mir besonders Blutuntersuchungen) folgten. 3 Tage lang nahm man mich sogar stationär auf. Ich wurde als Chefarzt-Patienten gehandelt, obwohl ich nicht privat versichert bin. Aber in meiner speziellen Lage übernahm er die Angelegenheit lieber persönlich, was ich sehr sehr angenehm fand. Sein Name: Privat-Dozent Dr. Gonser. Ein sehr kompetenter und freundlicher Mann. Für die „kleineren“ Entscheidungen wurde mir eine Ärztin zugewiesen, die ich besonders lobend erwähnen möchte: Frau Dr. Dederichs.
Ich möchte jedoch unbedingt betonen, dass alle (wirklich alle!!) Ärzte, mit denen ich zu tun hatte einen super Eindruck gemacht haben. Am meisten hat mich beruhigt, dass niemand von ihnen allwissend tat und bei Unsicherheiten lieber nochmals Rücksprache mit den höheren Instanzen hielt.
Ausserdem wurde jeder im Kreissaal über meine Person informiert, für den Fall, dass ich gerade dann mit Wehen vor der Tür stehe, wenn die mich behandelnden Personen gerade nicht im Hause waren.
Kurzum, ich fühlte mich in sehr guten Händen und war bereit, mein Kind auf der Stelle zur Welt zu bringen.

Eines Tages erhielt ich einen Anruf, ich möchte doch bitte mit meinem Mann nochmals vorbeikommen, man möchte die Details nochmals mit uns durchsprechen. Bis dato stand fest, dass ich während der Geburt mit Gerinnungsmitteln versorgt werden würde.
Doch die Befürchtung, ich würde mitten in der Nacht auftauchen und dann doch für hektische Panik sorgen, führte zu der Entscheidung, einen geplanten Kaiserschnitt vorzunehmen.
Das war für uns zunächst ein Schock, denn eigentlich hatten wir uns eine natürliche Geburt vorgestellt (so schon kitschig wie im Film halt). Doch die Argumente sprachen für diese Entscheidung, und so erklärten wir uns einverstanden. Dies geschah an einem Freitag (2 Wochen vor dem off. Geburtstermin). Am Montag wurde ich stationär aufgenommen, am Dienstag (03. Juli 2001) sollte die OP stattfinden. Fix und fertig vorbereitet für den Kaiserschnitt erlebte ich noch einen ganz schönen Schrecken. Natürlich wollte man mich nicht ohne Blutkonserven für den Notfall operieren, doch durch einen Notfall in der Nacht zuvor, waren überraschend sämtliche Vorräte aufgebraucht. Im schlimmsten Fall müsse man die OP auf Donnerstag verschieben. Ich dachte ich müsste sterben. Ich wollte jetzt endlich mein Kind bekommen, ausserdem hatte ich schon Wehen und war mir sicher, dass der Kleine mit Sicherheit nicht bis Donnerstag warten würde.
Doch Gottseidank wurden noch 4 Konserven gefunden, so dass ich 10.45 Uhr in den OP geschoben wurde. Ca. 10:55 Uhr wurde ich in Vollnarkose gelegt. Schon 5 Minuten später konnten mein Mann und meine Eltern durch die geschlossene Tür unseren kleinen Janek schreien hören.
Ich wachte erst ca. 2 Stunden später aus der Narkose auf, mit fürchterlichen Schmerzen, da ich zusätzlich zur Bauchwunde auch noch mit den Nachwehen zu kämpfen hatte. Janek brachte man zur Beobachtung über Nacht in die Kinderklinik (im selben Gebäude), weil man prüfen wollte, ob er Anzeichen meiner Erkrankung zeigte. Dennoch wurde er mir gegen Abend kurz an mein Bett gebracht, damit ich ihn endlich auch sehen konnte. Es war einfach unbeschreiblich, dieses kleine Würmchen im Arm zu halten. Er war übrigens 49 cm groß und 3420 g schwer (nur der Vollständigkeit halber). Und natürlich das wunderbarste und hübscheste Baby der Welt – versteht sich ja wohl von selbst.

Über Nacht blieb ich noch unten im Kreissaal, am nächsten Tag kam ich auf die Wöchnerinnen-Station. Dort gibt es nur Ein- und Zweibettzimmer. Und fast von jedem Zimmer eine traumhafte Fernsicht in die Umgebung. In jedem Zimmer gibt es ein Bad, Duschen gibt es mehrere auf dem Gang (natürlich nicht direkt AUF dem Gang). Ausserdem gibt es mehrere Still- und Wickelzimmer. Besonders angenehm, wenn man stillen will und den Besuch der Nachbarin nicht unbedingt aus dem Zimmer jagen will. Ansonsten gibt es auch in jedem Zimmer auch ausklappbare Wickeltische und die entsprechende Versorgung mit Windeln, Feuchttüchern usw.

Eine kurze Erwähnung zum Essen:
man kann jeden Tag aus verschiedenen Menüs seinen Favoriten wählen, und in der Regel war das Essen auch immer gut geniessbar. Das Frühstück wird in der stationseigenen Cafeteria in Büffetform serviert. So kann man auch die anderen frischgebackenen Mamas gut kennenlernen. Wer noch nicht aufstehen kann, also z.B. Kaiserschnitt-Patientinnen bekommen das Frühstück natürlich ans Bett.

Am späten Nachmittag brachte man mir meinen kleinen Schatz dann entgültig. Ein gesunder kleiner Mann. Da ich aufgrund des Kaiserschnitts und der Schmerzen noch nicht selbst für ihn sorgen konnte, holte man ihn die ersten 2 Nächte über Nacht ins Babyzimmer. So konnte ich mich noch etwas erholen. Am Morgen bekam ich ihn dann immer frisch gewickelt und angezogen wieder.
Die Säuglingsschwestern sind (bis auf eine Ausnahme) alle sehr sehr nett und hilfsbereit. Ein besonderes Dankeschön auf diesem Weg und die lustige Schwester Claudia und an Schwester Sandra, beides herzensgute und geduldige Menschen. Und an die Hebammen Gudrun und Nina.

Alles in allem blieb ich 11 Tage in der Klinik, weil ich halt noch Spritzen bekam und man mich noch ein Weilchen beobachten wollte. So hatte ich insgesamt 3 verschiedene Zimmernachbarinnen, die alle nach 3-5 Tagen schon nach Hause durften.
Am Anfang war ich sehr froh, dass ich mich noch erholen konnte und wenn ich wollte, auch jederzeit den Kleinen ins Babyzimmer fahren konnte (in seinem Bettchen). Von Tag zu Tag ging es mir besser, und als es soweit war, dass ich es mir vorstellen konnte, noch mehr Kinder zu bekommen, durfte ich Heim.

Auf diesem Wege möchte ich ein riesigen Dankeschön loswerden an alle Beteiligten. Die uns Mut gemacht haben, aber auch auf realistische Probleme hingewiesen haben, die mir die Hand gehalten haben in den Moment wo ich den Tränen sehr nahe war. Die dafür gesorgt haben, dass mein Sohn und ich wohlauf nach Hause konnten – was vor der Geburt sowohl ich als auch mein Mann nicht so recht glauben wollten. Wir hatten selten darüber gesprochen, aber wir beide hatten Angst, dass ich die Geburt nicht überleben würde.

Und jetzt denken wir schon an Geschwisterchen für unseren kleinen Sonnenschein......

Danke auch an alle, die bis zum Schluss gelesen haben.


Euer sehr sehr glückliches Schneeweisschen

P.S. In meinem Profil gibt es ein Foto von mir und meinem kleinen Würmchen.

 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
JessicaM.

JessicaM.

04.03.2003 12:53

Danke für den schönen Bericht. Ich bekomme im Sommer mein Baby und habe mich auch schon so ziemlich auf die HSK festgefahren. (Ich war auch schon beim Info-Abend für werdende Eltern, da war ich erst in der 15. Woche und hätte am liebsten gleich das Baby bekommen...) Jedenfalls hat mich der Bericht in meiner Entscheidung bestätigt! Vielen Dank! Jessi

Kletterrose

Kletterrose

23.02.2003 17:04

Jetzt wo ich deinen Bericht gerade gelesen habe, fielen mir manche Stellen direkt wieder ein, aber nach 1 1/2 Jahren hätte ich rein aus der Erinnerung nicht mehr gewusst, ihn von dir gelesen zu haben... Ja, das mit den Kliniken steht ja auch noch für uns irgendwann an, es soll ja immer soooo gute geben und dann wieder weniger gute. Ich hoffe, wir finden dann rechtzeitig die richtige. Plant ihr eigentlich immer noch ein Geschwisterchen für Janek? LG Jana

Janet74de

Janet74de

02.12.2002 14:54

Auch wenn es sich gemein anhört: bin ich froh, daß ich so normal bin;-) Wann gibt's von Janek ein neues Foto? Liebe Grüße Janet

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