Wild at heart

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Die Schlangenlederjacke als Individualitätsmerkmal

5  03.12.2003

Pro:
bizarre Bilder,tolle Schauspieler, David Lynch eben

Kontra:
nichts für Zartbesaitete Hollywoodjünger

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

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barkeeperquark

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:504

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 206 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

David Lynch gehört nun schon seit ewigen Zeiten zu den Regisseuren, die die Welt spalten. Manche feiern ihn als einen der größten Filmemacher unserer Zeit, ander wiederum können mit seinen Machwerken so gar nichts anfangen. Meine erste Begegnung mit David Lynch war irgendwann in den 80er Jahren, als ich erst "Dune" zum ersten Mal sah und wenig später "BlueVelvet". Mit "Dune", der heute immer noch als Meisterwerk gilt, konnte ich nicht viel anfangen, doch "Blue Velvet" hatte das gewisse Etwas, um ihn für mich zu einem besonderen Film zu machen.
1990 dann erschien "Wild At Heart" und ich weiß noch, daß dieser Film damals nicht die großen Kinos meiner Heimatstadt erreichte, sondern nur im kleineren Programmkino in Uninähe zu begutachten war. Während viele schon vom kommenden TV-Ereignis "Twin Peaks" (Zusammenarbeit von David Lynch und Mark Frost) schwärmten, schaute ich mir erstmals "Wild At Heart" an. Seitdem ist viel Wasser die Ruhr hinabgeflossen und ich habe den Film unzählige Male gesehen.

Die Story:
~~~~~~~~~~
Sailor Ripley (Nicholas Cage) und Lula Fortune (Laura Dern) sind ein Paar. Doch Lulas Mutter (Diane Ladd) paßt dies so gar nicht. Sie engagiert jemanden, der den beiden auf einer Treppe auflauert. Es kommt zu einem Handgemenge zwischen Sailor und dem Attackierer, in dessen Folge Sailor diesen auf ziemlich drastische Art und Weise ins Jenseits befördert. Als Sailor nach zwei Jahren im Gefängnis wieder freikommt, wartet Lula auf ihn und die beiden machen sich auf den Weg, so weit wie möglich von Lulas Mutter entfernt zu kommen.
Natürlich will Marietta verhindern, daß sich Lula ihrem Einflußbereich entzieht und so hetzt sie nicht nur ihren Lover und Privatdetektiv Johnnie Farragut (Harry Dean Stanton) hinter den beiden her, sondern auch noch ihren ehemaligen Geliebten, den Verbrecher Marcellos Santos (J.E. Freeman).
Auf ihrer Reise Richtung Süden entfaltet sich die Liebesbeziehung zwischen Sailor und Lula immer weiter, auch wenn Lula von Erinnerungen an den Tod ihres Vaters und bizarren Gedanken an ihren Cousin Dell und Onkel Pooch heimgesucht wird. In Texas angekommen, versucht Sailor bei seiner Bekannten Perdita (Isabella Rosselini) in Erfahrung zu bringen, ob die beiden verfolgt werden bzw er gesucht wird (seine Reise verstößt natürlich gegen die Bewährungsauflagen). Durch Perdita lernen die beiden Bobbie Peru (Willem Defoe) kennen, einen ziemlich schmierigen Ganoven, der Sailor zu einem Überfall überreden kann, bei dem so einiges anders läuft als ursprünglich geplant.

Filmdaten:
~~~~~~~~~~
Originaltitel: Wild At Heart
Produktionsjahr: 1990
Lauflänge: 124 Minuten
Regisseur: David Lynch
Darsteller: Nicholas Cage, Laura Dern, Willem Defoe, Dianne Ladd, Isabella Rosselini,J.E. Freeman
Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Meine Meinung:
~~~~~~~~~~~~~~
David Lynchs Filme sind keine leichte Kost und so ist es auch nicht verwunderlich, daß die Geschichte von Lula und Sailor kein einfacher Liebesfilm ist. Der Film ist gespickt mit Sex, Crime und Rock`N`Roll, dies jedoch nie auf platte Weise sondern immer durch bizarre Bilder, interessante Schnitte und abwechslungsreiche Musik. Man vermutet zwar immer, daß es ein Happy End geben wird, doch erstens kann man sich da bei David Lynch nie wirklich sicher sein und zum anderen wird die Liebe zwischen Lula und Sailor auf harte Proben gestellt.
Bei den Darstellern gibt es keinen Grund für Kritik. Nicholas Cage brilliert hier wieder einmal. Mal legt er eine unheimliche Coolness an den Tag (lässig wie er sich seine Zigaretten anzündet), bringt dann wieder viel Gefühl rüber, wenn er für Lula ein Lied schmettert, und gibt zum Ende hin auch den innerlich zerrissenen Menschen, der sich nicht mehr sicher ist, ob er das richtige tut.
Laura Dern kann ebenso als Lula überzeugen. Sie ist weitaus mehr als nur das dumme Blondchen, was dem Macho Sailor verfallen ist. Auch sie ist innerlich gepeinigt, nicht nur von ihrer bösen Mutter, sondern auch von den Bildern, die in ihrem Kopf herumspuken.
Willem Defoe ist ebenfalls noch besonders hervorzuheben, der sicherlich einen der ekligsten und schmierigsten Gangster der Filmgeschichte gibt. Bei seiner Annäherung an Lula möchte man vom Sitz aufspringen und ihm das häßliche Gebiß einschlagen.

In Sachen Sexszenen und Gewaltdarstellungen geht David Lynch mal wieder kaum Kompromisse ein. Gleich zu Beginn wird dies deutlich, wenn Sailor den Kopf des Angreifers auf der Treppe aufschlägt und die Kamera hier nicht abblendet. Auch später geht es noch ein paar mal recht drastisch zur Sache.
Bei den Liebesszenen zwischen Lula und Sailor wechselt es zwischen gefühlvollen erotischen Bildern und eher wilden Szenen, was die Lust der beiden klar dokumentiert.
Wie so oft in Lynchs Filmen spielt auch die Musik eine große Rolle. Wie auch bei "Twin Peaks" verpflichtete David Lynch für die musikalische Untermalung Angelo Badalamenti, der stimmungsreiche Songs schuf. Zudem schmettert Sailor, der große Elvisfan, noch einen Klassiker und als Gegenpol taucht die Metalcombo "Powermad" auf, bei deren Konzert Lula und Sailor richtig abzappeln. Fragmente ihrer Songs dienen auch immer wieder als Untermalung heftigerer Szenen. Da greift ein Rad ins andere und bietet dennoch einiges an Abwechslung!

Wer mit Filmen von David Lynch etwas anfangen kann, der wird auch "Wild At Heart" mögen. Er ist sicher nicht so verschroben wie "Lost Highway" oder so mystisch wie "Twin Peaks", bietet aber eine wirklich interessante Story in etwas anderen Bildern. Wer Filme abseits des großen Hollywoodkinos mag, sollte ebenso auf seine Kosten kommen. Nicht zu empfehlen ist der Film allerdings demjenigen, der auf seichte Hollywoodkost steht!
Von mir ein klarer 5 Sternefilm!

vielen Dank fürs Lesen, Kommentieren und Bewerten,
der AntiWeihnachtsQuark

PS: Der Titel bezieht sich auf Sailors Jacke, die er den Film über trägt und seinen Ausspruch: "Die Schlangenlederjacke ist Ausdruck meiner Individualität"!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lorin76

Lorin76

23.02.2008 20:08

Schöner Bericht. Aber ich finde nicht, dass Nicolas Cage in diesem Film brilliert, er stört mich in diesem Film.

logan

logan

24.07.2007 17:24

http://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/filmanalyse/material/wild/beschreibung_fischer.htm

The-Wishmaster

The-Wishmaster

31.12.2003 02:53

Ich glaub den sollte ich endlich mal kucken, wollte ich schon seit Jahren machen...

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  1. Lorin76
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