Wild at heart

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David Lynch setzt Maßstäbe

5  19.01.2000

Pro:

Kontra:

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


Wolke2001

Über sich:

Mitglied seit:10.01.2000

Erfahrungsberichte:92

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 13 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Keine zehn Minuten vergehen bis zum ersten brutalen Totschlag, und kurz danach sitzt Hauptfigur Sailor (Nicolas Cage) auch schon in einer Zelle, weil er seine Notwehr gegenüber einem gedungenen Killer, den die eifersüchtige Mutter seiner Freundin Lula auf ihn angesetzt hatte, doch ein wenig übertrieben hat. Als Sailor nach ein paar Jahren entlassen wird, wartet die achtzehnjährige Lula (Laura Dern) immer noch auf ihn, sie holt ihn gegen den ausdrücklichen Befehl ihrer Mutter am Gefängnistor ab, und gemeinsam begeben sich die beiden auf eine lange Flucht quer durch Amerika. So schnell ist lange kein Film mehr zur Sache gekommen, und bis zum furiosen Ende wird er den Zuschauer von einer optischen Sensation zur nächsten, von einem Knalleffekt zum anderen, führen.

Und mit "Wild at heart" hat der amerikanische Regisseur David Lynch, vor allem bekannt geworden durch "Blue Velvet", zwar die "Goldene Palme" des Filmfestivals von Cannes gewonnen, zugleich aber auch Kritiker wie Zuschauer in zwei unversöhnliche Lager gespalten: Extreme Gewaltdarstellungen und eine zarte Liebesgeschichte fügen sich in diesem Film zu einer befremdlichen Mischung - was für die einen ein Meisterwerk hintergründiger Kinounterhaltung ist, gilt den anderen als zynischer Schocker, der alle Sinne brutal zu vergewaltigen droht. Denn Lula und Sailor, zwei im Grunde unschuldige Märchenfiguren, werden auf ihrer abenteuerlichen Reise rücksichtslos bedrängt: Lulas fanatische Mutter hetzt gleich mehrere Killer auf die beiden, einmal werden sie zu Zeugen eines schrecklichen Verkehrsunfalls, Sailor wird eigentlich wider Willen in einen Raubüberfall verwickelt und landet erneut im Gefängnis, und Lula sieht sich von einem unappetitlichen Widerling beinahe vergewaltigt.

All das zeigt Lynch mit offensichtlicher Freude am grellen Effekt, seine Bilder sind oft hyperrealistisch - und dabei ist sein Film doch weniger spekulativ als eigentlich nur ein Reflex auf eine moderne Welt, in der Schrecken und Gewalt längst zum Alltag gehören. Zugleich geht es aber auch um eine grosse Liebesgeschichte, und damit doch wieder um ein Märchen: Die Beziehung zwischen Lula und Sailor übersteht, jeder Wahrscheinlichkeit zum Trotz, alle Anfechtungen, wozu es am Ende allerdings der Hilfe jener guten Fee bedarf, die schon in dem legendären Hollywood-Klassiker "The Wizard of Oz" einen wichtigen Auftritt hatte, um das Happy-End vorzubereiten - eine Sequenz, die von Lynch mit sichtlichem Spass an der Parodie inszeniert wurde.

Die so vielgescholtenen drastischen Gewaltszenen in "Wild at heart" (während der Vorführung in Cannes sollen empörte Journalisten lange vor dem Ende das Kino verlassen haben) werden denn auch immer wieder ironisch gebrochen, womit es Lynch gelingt, seine eigentlich simple Story so hinterhältig zu erzählen, dass sich der Betrachter einem ständigen Wechselbad der Gefühle ausgesetzt sieht, dass man sich beim Zuschauen kaum einmal auf gewohnte Seherfahrungen verlassen kann, sondern mit stets neuen Überraschungen konfrontiert wird.

Und das ist womöglich das Kalkül des David Lynch, der in Interviews gerne davon redet, dass man im Kino nur von der Kraft des Bösen und der Kraft des Guten erzählen könne, alles andere sei allenfalls "lauwarme Sauce" - dass dieser Regisseur sein eigenes Medium auch kritisch unter die Lupe nimmt und mit seiner ungewöhnlichen Erzähltechnik die Klischees gängiger Dramaturgien offenlegt, um sie gleichzeitig zu verfremden und sie damit seinen eigenen Geschichten dienstbar zu machen.


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  1. Athomzombie
  2. der_dominator
  3. KyleKatarrn
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  1. patricia

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