Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
es macht Spaß, es geht auch ohne Alkohol |
| Kontra: |
es kann aus den Fugen geraten, wenn keiner aufpasst |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Nachdem ich nun einige Kinderpartyspiele beschrieben und vorgestellt habe, kommen nun die Erwachsenenspiele an die Reihe. Keine Angst, alles bleibt jugendfrei, auch wenn man sich unter Erwachsenenspiele so allerlei vorstellen könnte. Nein, aber es ist im Prinzip ganz harmlos und man kann davon auch eine richtige Kinderspielvariante schaffen. Doch nun einmal der Reihe nach.
Kennen gelernt habe ich das Spiel durch meinen Bruder. Er war 18 Jahre älter als ich und lebte mit einer Frau zusammen, die zwei Kinder in meinem Alter hatte: eine Tochter wenige Monate älter als ich und einen Sohn, ein Jahr älter als ich. So wuchsen wir praktisch zusammen auf und haben auch einige Geburtstage mit einander gefeiert.
Als wir dann endlich aus dem Alter der Kinderspiele heraus waren, sahen unsere Partys auch anders aus. Es gab Essen vom Partyservice oder es wurde ein Buffet erstellt und eine Suppe dazu gereicht. Es gab auch nicht mehr nur alkoholfreie Getränke, sondern es gab eine leichte Bowle und es wurde Musik gehört, getanzt, gelacht und auch geflirtet. Mit 18 fühlt man sich ja so erwachsen.
Und irgendwann brachte mein Bruder, der trotz der vielen Jahre, die er älter war als wir, ich sage mal Jugendlichen, immer ein gern gesehener Partygast bei uns allen war, das Trinkspiel „Wilde Sau“ ins Partyprogramm. Er selbst hatte es auf einer Feier seines Schützenvereins kennen gelernt und schlug es uns jungen Leuten dann mal als Partyspiel vor. Dazu muss ich sagen, dass es auf den Feiern im Hause meines Bruders immer so war, dass keiner von uns jungen Leuten mehr fahren musste. Entweder wurden wir angeholt (wie ich von meinen Eltern) oder sie blieben einfach über Nacht da. Darauf legte mein Bruder großen wert und sonst hätte er auch schon dieses Trinkspiel unterbunden. Das einmal vorab wegen der Sicherheit nach so einer Party in Hinblick auf den Straßenverkehr.
So kam ich also zu dem Spiel „Wilde Sau“. Und so geht es:
Alle Gäste sitzen um einen Tisch herum. Es gibt zwei Würfelbecher mit einem Würfel darinnen. Diese werden an zwei Enden des Tisches gestartet und man muss so lange würfeln, bis man eine 6 gewürfelt hat. Dann erst darf man den Würfelbecher weiter geben. Da zwei Würfelbecher im Spiel sind und man eben wie gesagt, nur dann weiter geben darf, wenn eine 6 gewürfelt wird, treffen die Würfel irgendwann bei einer Person zusammen. Und diese Person muss dann zur Strafe einen Schnaps, ein Glas Bowle oder was immer man ausgesetzt hat, trinken.
Was tun, wenn die Gruppe zu groß ist?
Dann teilt man die Gruppe entweder in zwei Spielreihen ein oder man gibt einen weiteren Würfelbecher ins Rennen, denn der Clou ist ja, wenn sich die beiden Becher treffen.
Was nimmt man an Alkohol?
Wir haben es meistens mit dieser leichten Bowle gespielt. Die wurde dann in Schnapsgläser gefüllt, damit es nicht zuviel war, denn am Ende soll ja keiner so richtig unter dem Tisch liegen. Ab und an haben wir auch diese Liköre von Berentzen wie „Saurer Apfel“ oder „Plum“ dazu genommen. Eben was man so mag und was nicht ganz so hochprozentig ist.
Geht es auch ohne Alkohol?
Ganz klar kann man dieses Spiel auch alkoholfrei spielen. Das haben wir zum Beispiel an Silvester 1994 getan, als ich hochschwanger war mit meinem zweiten Sohn. Da haben wir eben zur „Strafe“ ein Glas Mineralwasser getrunken und zwar alle Gäste durch die Bank und auch dann hat es Spaß gemacht. Es kommt eben nicht auf den Alkohol an, sondern auf das Spiel selbst.
Man kann es natürlich auch noch abändern, dass man zur Strafe einen Löffel Senf nehmen muss, oder Chilisoße oder irgendetwas anders scharfes, saures oder gar zuckersüßes. Da bleibt einem ja alles überlassen. Insofern kann man da auch problemlos eine Kindervariante entwickeln, die nichts mehr mit Alkohol zutun hat.
Fairness beim Spiel?
Ich kann mich an einige Spiele erinnern, wo es nicht mehr so ganz fair zuging. Doch das war im Endeffekt nicht schlimm, da die Stimmung dabei immer hoch herging und man meistens auch nicht merkte, dass geschummelt wurde. Doch ab und an kam es halt schon mal vor, dass man den Würfelbecher in der Hand hatte und ganz fixiert darauf war, eine 6 zu würfeln und dann schummelte derjenige neben einem und schon bekam man eine Strafe eingeschenkt. Doch wenn dabei alles im Rahmen bleibt, ist das auch kein Problem mehr. Denn es macht Spaß und das ist die Hauptsache.
Wie kommt das Spiel bei den Mitspielern an?
Ich kann von uns aus sagen in der Altersklasse von 18 bis gut 23 Jahren haben wir es gerne gespielt. Es machte Spaß, natürlich auch die kleinen süßen Likörchen zu trinken und es war immer eine besondere Stimmung dabei. Wir haben uns gegenseitig angefeuert und uns gefreut, wenn es den einen oder anderen erwischte. Wenn Alkohol im Spiel ist, ist die Stimmung immer recht ausgelassen, es wird viel gelacht und gealbert und da passte dieses Spiel einfach dazu. Es kam auch nie wirklich vor, dass einer zuviel getrunken hat, was wohl auch auf die Anwesenheit meines Bruders, der meistens dabei war, zurückzuführen war. Irgendwie hat er das Ganze immer gelenkt und viel Stimmung mit hineingebracht. Er konnte so was wirklich gut und es machte uns jungen Leuten nie etwas aus, dass er soviel älter war als wir. Er gehörte zum Feiern einfach dazu.
Nach dem Alter von 23 Jahren habe ich persönlich dieses Spiel nie wieder gespielt. Denn mit meinen beiden Kindern, die ich da hatte, hatte ich andere Aufgaben und so ausgelassene Feiern waren dann eine andere Welt. Ich denke aber, dass das Spiel auch im fortgeschrittenen Alter Spaß macht. Ich habe es ja an meinem Bruder gesehen, der bis nach seinem 40. Geburtstag noch Spaß daran hatte.
Wer spielt so ein Spiel?
Ich denke, man muss noch eine gute Portion Kind in sich tragen, um dieses Spiel zu mögen. Es muss einfach Spaß machen zu spielen, denn sonst wird ein billiges „Besäufnis“ daraus, wenn man den Alkohol über das Spiel stellt. Das sollte dabei nicht passieren.
Wie gesagt, uns machte es sogar nur mit Mineralwasser einen Heidenspaß, als unser zweiter Sohn wenige Tage nach Silvester geboren werden sollte und da finde ich es einen ganz feinen Zug von unseren Freunden, dass auch sie auf den Alkohol mir zur Liebe verzichtete haben und wir auch so Spaß haben konnten. Da stand dann wirklich dieses Spiel im Vordergrund und nicht das Trinken. Nur zur Beruhigung aller, meine Gäste haben an diesem Silvester auch Sekt und Mischgetränke zu trinken bekommen. Doch es wollte sich eben keiner BETRINKEN, denn das ist für eine hochschwangere Gastgeberin bestimmt nicht angenehm.
Daher waren alle sehr vorsichtig im Genuss von alkoholischem Getränk.
Wann spielt man so ein Spiel?
Auf einer Geburtstagsparty von jungen Leuten gern gespielt und auch auf Silvester ist es der Renner. Eben wenn eine größere Gruppe ausgelassener Menschen mit einem gewissen Spieltrieb zusammenkommt.
Wichtiges?
Ich fand es immer wichtig, darauf zu achten, dass bei dem Spiel keiner zuviel getrunken hat. Man sollte dann darauf achten, dass das Spiel rechtzeitig abgebrochen wird. Aber gut, das liegt eben im Sinne des Betrachters. So haben wir es immer gehalten.
Wichtig ist außerdem, dass man niemanden zwingt, Alkohol zu trinken. Sollte auf einer Feier jemand dabei sein, der absolut negativ dem Alkohol gegenübersteht, aus welchen Gründen auch immer. Kann man gut eine Flasche Brause oder Mineralwasser oder was immer er trinkt parat haben. Es darf niemand zum Genuss von Alkohol gezwungen werden.
Fazit:
Ich habe dieses Spiel sehr gerne gespielt. Es hat viel Spaß gemacht und war ein wunderschöner Bestandteil meines Erwachsenwerdens und der dazugehörigen Bekanntschaft mit dem Alkohol. Ich habe daraus gelernt, dass man mit Alkohol Spaß haben kann, sich aber nicht sturzbetrinken muss und dass es zur Not auch ohne geht.
Ich gebe diesem Spiel alle Sterne und widme diesen Bericht meinem inzwischen leider verstorbenen Bruder, an den ich die ganze Zeit während des Schreibens denken musste:
Du fehlst mir!