Wilhelm Busch und die Folgen

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IN KÜRZE: Das Werk von Wilhelm Busch (1832 bis 1908) braucht sicher nicht groß vorgestellt zu werden. Seine Bildergeschichten wie "Max und Moritz" oder "Die fromme Helene" sind bis heute vielen Lesern wohlbekannt. Mit seiner genialen Verbindung von Wort und Bild gehörte er ohne Zweifel zu ... Bericht lesen





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Wilhelm Busch und die Folgen - Ralf König
Seiten: 144, Ausgabe: 1, Broschiert, Ehapa Comic Collection - Egmont Manga & Anime
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Wilhelm Busch und die Folgen / König, Ralf / Laska Comix / Reiche, Volker / FLIX / K., Ulf / Graupner, Ulf S. / DuO / Hage, Anike Wilhelm Busch und die Folgen / König, Ralf / Laska Comix / Reiche, Volker / FLIX / K., Ulf / Graupner, Ulf S. / DuO / Hage, Anike
Buch, gebundene Ausgabe, 144 S., Comic, Erschienen: 2007
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Freilich, dies Gesamtwerk ist uns heilig.
Erfahrungsbericht von KaiRabe über Wilhelm Busch und die Folgen
25. April 2008


Produktbewertung des Autors:   

Aufmachung: sehr schön 
Zeichnungen: gut 
Unterhaltungswert: sehr hoch 
Anspruch: geht so 
Fun-Faktor: groß 

Pro: Abwechslungsreiche und unterhaltsame Comics nach Wilhelm Busch .
Kontra: nichts

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

IN KÜRZE:
Das Werk von Wilhelm Busch (1832 bis 1908) braucht sicher nicht groß vorgestellt zu werden. Seine Bildergeschichten wie "Max und Moritz" oder "Die fromme Helene" sind bis heute vielen Lesern wohlbekannt. Mit seiner genialen Verbindung von Wort und Bild gehörte er ohne Zweifel zu den Ahnen von Comics und Mangas, die die enge Verbindung von Text und Bildern weiter perfektioniert haben. Daher ist es natürlich eine sehr gute Idee, heutige Künstler aus diesen Bereichen auf Buschs Werk anzusetzen und ohne besondere Vorgaben einigen Comic- und Manga-Zeichner aus deutschen Landen in diesem Band Gelegenheit zu geben, ihre eigenen Beiträge vorzubringen, die auf Klassikern von Wilhelm Busch aufbauen. Anlass der Veröffentlichung war der 175. Geburtstag Buschs im Jahre 2007; doch auch 2008 kann natürlich als Gedenkjahr gelten, da Wilhelm Busch vor genau 100 Jahren starb.
So bietet also dieser 144 Seiten starke Band der Ehapa-Comic-Collection Beiträge von 9 Zeichnern bzw. Zeichner-Duos, darunter so bekannte Namen wie Ralf König, Volker Reiche oder Flix. Der Band wird eröffnet mit einem sehr lesenswerten Vorwort von Comic-Fachmann Andreas C. Knigge.
Insgesamt ein sehr schöner Band, dessen Beiträge mit der gebotenen Respektlosigkeit mit dem großen Vorbild umgehen und ihm somit durchaus gerecht werden.

DIE MACHER:
Das sehr informative Vorwort schrieb der Comic-Fachmann Andreas C. Knigge. Er gründete einst das Fachblatt "Comixene" mit und war danach jahrelang als Lektor beim Carlsen-Verlag tätig.

Der erste in Band vertretene Zeichner (und gewissermaßen der Star des ganzen Projekts) ist der 1960 geborene Ralf König. Schon mit den frühen "Schwul-Comix" etablierte er in den achtziger Jahren seinen Stil, um nicht zu sagen sein Programm. Seit dieser Zeit ist er ein sehr produktiver Künstler, dessen Werke auch außerhalb der deutschen Grenzen sehr geschätzt werden. Meilensteine waren natürlich "Der bewegte Mann" (1987) und die Fortsetzung "Pretty Baby" (1988), die zusammen die Vorlage zu Sönke Wortmanns Film "Der bewegte Mann" (1994) bildeten. Auch "Kondom des Grauens" (1987, Film 1996) und "Wie die Karnickel" (2002) konnten in Comic und Film überzeugen und beweisen Königs Popularität.

Danach ist das Duo Laska an der Reihe. Unter diesem Namen arbeiten Elke Reinhart (geboren 1967) und Gerhard Schlegel (Jahrgang 1966) seit Jahren erfolgreich zusammen. Vor diesem Band war mir das Duo hauptsächlich durch die witzige Reihe "Luzie aus der Hölle" ein Begriff, von der 2007 beim Verlag Schwarzer Turm endlich ein Album erschienen ist. Die beiden pflegen einen sehr nett anzusehenden Funny-Stil, der auch hier zu überzeugen versteht.

Ebenfalls dem klassischen Funny ist Ulf S.Graupner, Jahrgang 1964, verpflichtet. Von ihm kannte ich vorher in erster Linie die schönen Strips um "Ritter Runkel". Außerdem ist Graupner ein wichtiger Mann bei der Gestaltung von "Knax", dem Comic-Heft der Sparkasse, das durchgehend sehr nett gemachte Comics zu bieten hat.

Sehr eigenständig kommt in diesem Band der Beitrag von Volker Reiche, geboren 1944, daher; der hier veröffentlichte Comic erinnert zunächst kaum an Reiches bekannte Reihen, vor allem natürlich sein reifes Alterswerk "Strizz", das er seit 2002 zeichnet. Vorher war Reiche in extrem unterschiedlichen Comic-Welten zu Hause, lieferte unvergessliche Beiträge zum deutschen Underground (so in "Hinz und Kunz" 1978-81) oder schuf an Carl Barks orientierte "Donald Duck"-Stories (1979 bis 1987). Außerdem erfand er die urige Gestalt "Willi Wiedehopf" (1984) dessen "Abenteuer" eine eigentümliche Mischung von Disney-Zeichenstil und viel Frankfurter Lokalkolorit zeigen. Bleibt noch zu erwähnen, dass er auch jahrelang die Comic-Erlebnisse von "Mecki" ins Bild gesetzt hat.

Ein echtes Duo - auch vom Namen her -bilden Asu und Reami, Jahrgang 1985 bzw. 1986. Die beiden Manga-Zeichnerinnen sind seit 2003 sehr erfolgreich tätig und arbeiten unter dem schlichten Namen DuO zusammen.

Dann folgt ein Zeichner, dessen Werk ich schon immer für sehr bemerkenswert gehalten habe. Flix -alias Felix Görmann, Jahrgang 1976 - hat mich mit herausragenden autobiographishen Comics voll für sich eingenommen. Dies gilt insebesondere für die "Held"-Serie, nämlich "Held" (2003), "Sag was" (2004) und "Mädchen" (2006), alle erschienen bei Carlsen Comics. Als Ergänzung gab es 2007 den Band "Heldentage" (ebenfalls Carlsen) mit je einem Comic-Strip zu jedem Tag des Jahres 2006 - Fortsetzung soll folgen... Flix' unverwechselbarer Stil ist für mich schwer einzuordnen, besticht aber auch bei seinen Cartoons in der Reihe "Verflixt" (ab 2002).

Nach Flix folgt ein Zeichner, der mir vorher nur vom Namen her bekannt war: Martin tom Dieck, Jahrgang 1963, pflegt einen relativ schwer zugänglichen Comic-Stil, der ihn eher in die Nähe der in Galerien zu bewundernden bildenden Kunst rückt als sich irgendeinem kommerziellen Comic-Konzept anzupassen.

Dies ist bei dem 1969 geborenen Ulf Keyenburg, kurz Ulf K., sicher nicht ganz so ausgeprägt. Zwar scheint auch er eher der Lyrik als dem Kommerz verpflichet zu sein, aber die schiere Schönheit seiner der "klaren Linie" nachempfundenen Zeichnungen kann sicher ein etwas größeres Publikum ansprechen.

Zum Abschluss bietet Anika Hage, Jahrgang 1985, einen weiteren Manga-Blick auf Wilhelm Buschs Universum.

DER INHALT:
Noch bevor Ralf König mit drei sehr schönen Beiträgen diesen Band eröffnet, gibt er noch ein kleines Vorwort "Im Vorhinein" über die Rolle, die Wilhelm Buschs Werk bis heute spielt, und dass in deutschen Landen, wo man doch - so König - dem Comic generell nicht viel abgewinnen kann: "Man weiß wohl noch von Asterix und Micky Maus -sonst kennt man nix. Hier und da hört man ein wenig von Strizz und Flix und Moers und König, doch der Comic steht im Rufe des tiefsten Schunds auf höchster Stufe"(S.21). Aber - oh Wunder - Wilhelm Busch wird gern gelesen und wie zum Beweis auch oft zitiert.
Los geht's danach mit "Der fromme Schlomm": die bösen Buben Max und Moritz lesen allerlei Schund - "Sex, Gewalt und Nichtgenutz, Comichefte, Schund und Schmutz". Ganz im Gegensatz zu diesen verworfenen Zeitgenossen steht Pfarrer Schlomm, der am Ort sehr beliebt ist. Es weiß allerdings wohl auch niemand, dass Schlomm die damals noch kleinen Max und Moritz unsittlich angefasst hat. Nun, inspiriert von ihrer tollen Lektüre sinnen die beiden auf Rache. Nachts schleichen sie sich auf den Friedhof und graben einen Totenschädel aus. Was damit genau geschieht, sollte jeder selbst nachlesen...
Weiter geht es mit "Plüsch und Plum", sowie auch mit Max und Moritz, die sich ein weiteres Mal um die Aurechterhaltung ihres schlechten Rufs bemühen. Dabei treibt sie hier kein Rachemotiv, vielmehr wollen die beiden Rabauken anscheinend nur mal einen genauen Blick in die Wohnung der beiden homosexuellen Herrn Plüsch und Plum werfen. Dort lassen sie ihrer Zerstörungswut freien Lauf - bis Plüsch und Plum auftauchen und nun selbst genug Grund haben, sich an den bösen Buben zu rächen...
In der folgenden Kurzepisode "Schwein und Hammel" müssen die bekannten Max und Moritz noch die Folgen "falscher" Ernährung ertragen. Ralf König hat ganze Arbeit geleistet; seine Anleihen bei Wilhelm Busch sind nicht nur thematisch, sondern zeigen sich auch in der Gestaltung, die Comic-Bilder mit zugehörigen Reimen unter dem Bild bietet. Wunderbar, auch was die Reime anbelangt. Ein hervorragender Auttakt zu diesem Band.

Auch Laska nehmen sich "Plisch und Plum" an, doch entsprechend ihrem Temperament auf in wesentlich comicartigerer Form in sehr ansehnlichem Funny-Stil. Der alte Kaspar Schlich will zwei junge Hunde ertränken, doch die beiden werden von den Jungen Paul und Peter gerettet und mit nach Hause genommen. Dort sorgen die jungen Hunde - nun Plisch und Plum getauft - für allerlei Ärger, da sie eine ziemliche Zerstörungswut an den Tag legen. Der gute Herr Schlich beobachet das muntere Treiben und kommt regelmäßig zu fast gleichlautenden Schlussfolgerungen: "Ist fatal!" - bemerkte Schlich - "Hehe! Aber nicht für mich." Immerhin ist wie bei Wilhelm Busch das gute Ende vorprogrammiert. Anders als Ralf König bleiben die beiden Laskas ganz eng bei Busch und überzeugen mit einer wunderschön nostalgisch gestalteten Story.

Ulf S.Graupner liefert "frei nach Wilhelm Busch" seine Version von "Die Entführung aus dem Serail" ab. Dabei bedient er sich einer Technik, die die Story durch Bilder und darunter stehende Texte in Reimen erzählt; die Bilder haben fast alle das Format einer halben Seite und sind nur mit einigen eher matten Rottönen koloriert. Das wirkt alles sehr nostalgisch, auch wenn im Text diverse Anachronismen zu erkennen sind ("Meniskus-Resektion"). Inhaltlich geht es um den Sultan Mahmud, der sich gerne näher mit einer für fünf Dinar erstandenen Sklavin befassen würde. Diese verweigert sich jedoch und wird zur Strafe ins "Frauenhaus" gesperrt. Zum Glück kommt bald ihr Bräutigam Ritter Arthur und will sie befreien - es folgt die slapstickartige Befreiung. Noch ein sehr schön anzusehender Beitrag.

Volker Reiche liefert einen Beitrag ab, der optisch nicht an seine mir bekannten Comics erinnert. Der Comic "Willis Welt" ist ein in kraftvollen Farben gemalter Beitrag, der sich offensichtlich an Wilhelm Buschs Landschaftsbildern orientiert. Zum Inhalt: Willi streift durch die Lande, um hinter einen Zaun ein kleines Picknick einzunehmen. Aber ein kleiner Junge stört das Vergnügen, indem er mit einem Blasrohr auf den guten Willi feuert. Hätte er mal besser nicht getan...
Ein herrlich boshafter Beitrag, der auch Reiches Underground-Vergangenheit erkennen lässt: genial ist Willis aufgeregtes Gesicht ins Bild gesetzt (S.66 Mitte), Robert Crumb lässt schön grüßen.

Von DuO stammt der Beitrag "Die beiden Enten und der Frosch" - und von offensichtlicher Nostalgie ist in diesem Manga nichts zu sehen. Die Story wird in groben Zügen in Versen erzählt, die durch längere Manga-Passagen, die auch mit Fotos ergänzt sind, illustriert werden. Die beiden "Enten" - zwei junge Mädchen - wollen zum "Teich", einer Disko dieses Namens. Als Enten kann man sie wohl deshalb bezeichnen, weil die eine eine Daisy Duck-Maske und die andere einige (Enten-)Federn trägt. In der Disko haben es beide auf den "Frosch" - einen jungen Mann in grün - abgesehen. Es entbrennt ein harter Kampf, bei dem die vorgegebenen Verse in kreativer Weise die Handlung bestimmen. Sehr schön - und auch optisch eine Abwechslung zu den vorherigen Beiträgen.
Flix wählt wie so oft die Perspektive eines Ich-Erzählers für seine Fassung von "Meine fromme Helene". Die Hauptfigur - gleichzeitig Erzähler - ist ein Junge, der gern im "Arbeitszimmer" seiner Großmutter in einem Wilhelm Busch-Band schmökert, obwohl er das Zimmer eigentlich nicht einmal betreten darf. Er liest "Die fromme Helene" und hat einen Riesenspaß dabei. Flix arbeitet zweigleisig und erzählt abwechselnd die Busch-Story eigenständig nach und berichtet über die begeisterte Reaktion des jungen Lesers. Während die Rahmenhandlung mit dem Jungen in normalem Flix-Zeichenstil gehalten ist, ist die "fromme Helene"-Nacherzählung mit eiförmigen Figuren mit winzigen Extremitäten gestaltet, die zudem auf leicht angeschwärzten Bildern agieren. Eine reizvolle Gegenüberstellung. Leider steigert sich der junge Leser in eine solche Begeisterung, dass seine geheimen Lesestunden nicht unbemerkt bleiben; aber zum Schluss steht immerhin eine überzeugende Schlussmoral. Ein überragender Beitrag - wer hätte von Flix Anderes erwartet?

Martin tom Dieck nähert sich einem Kapitel aus "Maler Klecksel" auf seine Weise an. Er erzählt in wenigen großen Bildern, die nur durch einzelne Wörter ergänzt sind, von der Auseinandersetzung zwischen einem Künstler und einem Kritiker, bei der es handfest zugeht. Immerhin scheint es nach dem Kampf mit dem Künstler wieder deutlich aufwärts zu gehen. Ein Beitrag, der für mich recht sperrig wirkt und mir nicht ganz zugänglich ist.

Ulf K. schuf in Zusammenarbeit mit Martin Baltscheit den Comic "Der kleine Herr Paul findet das Glück", der bis auf den Titel einige Lautmalereien und den Namen "Hans Huckebein" ohne Worte auskommt. Der kleine Herr Paul wartet auf den Bus, als sich zu ihm eine größere Figur gesellt, ein Mann (?) mit dem Kopf eines Raben. Nach einiger Zeit gibt Paul das Warten auf und geht zu Fuß - kurz danach sieht er aber den Raben-Mann im Bus an sich vorbeifahren. Dieses und weitere Ereignisse deuten darauf hin, dass der Rabe ein Glückspilz ist. Der kleine Herr Paul will mehr über diesen Typ wissen und kommt zu dessen Wohnung, wo ein Schild auf den Bewohner "Hans Huckebein" hinweist...
Tolle Zeichnungen und eine etwas rätselhafte Story - sehr schön gemacht.

Zum Ende des Bandes gibt es Anika Hages Neufassung von "Die feindlichen Nachbarn" als schwarz-weißen Manga. Ein Mädchen, das bald in die Wohnung seiner Großmutter ziehen will, stellt sich schon mal bei den neuen Nachbarn vor - einem Musiker und einem Maler, die sich nicht ausstehen können. Die beiden kämpfen mit harten Bandagen und drohen sich sogar die Zerstörung von Klavier bzw. Gemälden an. Da will das Mädchen namens Karen den Streit schlichten. Keine Verse, keine Farben - ganz anders als der erste Manga im Band, aber auf seine eher zurüchkhaltende Art ein gelungener Abschluss dieses Bandes.

DATEN:
_______
"Wilhelm Busch und die Folgen"
von Ralf König, Laska, Ulf S.Graupner, Volker Reiche, DuO, Flix, Martin tom Dieck, Ulf K., Martin Baltscheit und Anika Hage
Herausgegeben von Martin Jurgeit, mit einem Vorwort von Andreas C.Knigge
144 Seiten, größtenteils in Farbe, Softcover, Format 24 mal 17 cm
Ehapa Comic Collection 2007, in Zusammenarbeit mit JNK
ISBN 978-3-7704-3173-1
Preis: 15 Euro
www.ehapa-comic-collection.de

INSGESAMT:
Ein Mann wie Andreas C.Knigge kann nicht irren, wenn er in seinem Vorwort Wilhelm Busch als einen der großen Vorfahren der Comic- und Manga-Welt preist und sich zufrieden darüber äußert, dass heute in Wilhelm Buschs Heimatland eine so aktive Szene von Künstlerinnen und Künstlern tätig ist. Denn die Beiträge in diesem Band wissen zu überzeugen - gut, dass keinerlei Vorgaben gemacht wurden und es jedem selbst überlassen war, wie er / sie sich mit Wilhelm Busch auseinandersetzt. Auch die Länge der Beiträge war offensichtlich nicht vorgegeben, so dass keiner der Beiträge allzu kurz und substanzlos daherkommt. Natürlich könnte man sich einen Band erträumen, wo auf viel mehr Seiten noch ganz andere Zeichner präsentiert werden. Hätten nicht auch Leute wie Martin Frei, Peter Puck oder Isabel Kreitz etwas zum Thema zu sagen?

Das ändert aber nichts daran, dass hier ein sehr überzeugende Annäherung an Wilhelm Busch vorgelegt wurde, die wichtige Tendenzen der heutigen deutschen Comic-Welt klarmacht. Der erklärte Star der Veranstaltung ist Ralf König - er wird als einziger der Macher auf dem Cover genannt und darf sich gleich mit drei kurzen Beiträgen austoben. Und das tut er auch in respektloser Weise, die zudem sehr gut in seinem ihm eigenen Zeichenstil ins Bild gesetzt ist. Geradezu legendär gut finde ich auch die Verse, mit denen er seine Beiträge einleitet und die ein kurzes, prägnantes Schlaglicht auf die deutsche Comic-Welt werfen. Hier noch einmal die besten Verse der Einleitung:

Comics? Die liest doch der Franzos'!
Der Deutsche rümpft die Nase bloß.
Man weiß wohl noch von Asterix
und Micky Maus - sonst kennt man nix.
Hier und da hört man ein wenig
von Strizz und Flix und Moers und König,
doch der Comic steht im Rufe
des tiefsten Schunds auf höchster Stufe.

Aber ruft man: "Wilhelm Busch!"
sofort: Trommelwirbel, Tusch!
und schon tönt das Loblied: "Freilich,
dies Gesamtwerk ist uns heilig!"

Nach dieser Einführung kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, zumal ja außer König selbst auch schon Flix und Volker Reiche ("Strizz") ins Spiel gebracht werden, die denn auch mit sehr schönen Beiträgen überzeugen. Flix kann ich eh nur weiterempfehlen, denn auch sein Comic in diesem Band bezeugt sein geniales Talent, (pseudo-)autobiographische Comics von hoher Qualität zu schaffen. Hinzu kommt speziell hier eine überraschende Abwechslung der Zeichenstile. Die gibt es bei Volker Reiche hier zwar nicht, aber sein gemalter Beitrag ist auch so perfekt gelungen und überzeugt in seiner perfiden Bosheit.

Auch den Rest des Bandes finde ich sehr lesenswert, vom Funny-Stil von Laska und Ulf S.Graupner bis hin zum Manga-Stil der jungen DuO und Anika Hage. Irgendwo dazwischen liegen die sehr künstlerisch-lyrischen Comics von Ulf K./ Martin Baltscheit und Martin tom Dieck. Ich kann daher allen an der deutschen Comic-Szene interessierten nur raten, sich diesen Band ausführlich vorzunehmen - oder mal wieder in den "echten" Wilhelm Busch reinzusehen. 

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