Wimbledon- sieben Stufen zum Tennishimmel
01.11.2004
Pro:
Atmosphäre, Tennis vom Allerfeinsten, Traditionen . . .
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
 weissblau
Über sich:
Mitglied seit:21.03.2004
Erfahrungsberichte:24
Vertrauende:4
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 21 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
„If you can meet with triumph and desaster. And treat those two imposters just the same.“... ... dieser Satz steht über dem Eingang des altehrwürdigen Center Courts von Wimbledon, einem Stadtteil im Südwesten von London. Frei übersetzt bedeutet das “Wahre Größe beweist nur, wer Triumph und Niederlage gleich behandelt.“ Willie Renshaw, Fred Perry, Rod Laver, Björn Borg, Martina Navratilova, John McEnroe, Boris Becker, Steffi Graf, Pete Sampras und heutzutage Roger Federer oder Maria Sharapova sind nur die berühmtesten Spieler die auf dem heiligen Rasen der 13 000 Zuschauer fassenden Tennisarena nach hartem Kampf den goldenen Siegerpokal bzw. bei den Damen den „Venus Rosewater Dish“ gen Himmel stemmen durften. Großartige Spieler wie Ivan Lendl oder Mats Wilander mussten auf vergeblich auf diesen Augenblick warten. Angefangen hat alles im Jahr 1877, als 22 Britische Gentlemen um einen Pokal im Wert von 25 Pfund kämpften. Als erster Wimbledonsieger ging der Brite Spencer W. Gore in die Geschichte ein. Sieben Jahre später durften erstmals auch Damen an diesem Turnier teilnehmen. Damals wie heute müssen die Spieler bei den All England Lawn Tennis Championships in weiß gekleidet sein, Verstöße werden mit Strafen geahndet, die bis zum Ausschluss vom Turnier führen können. Bis 1921 wurden die Championships an der Worple Road ausgetragen, 1922 zum ersten Mal an der wohl bekanntesten Strasse der Tenniswelt, der Church Road. Im selben Jahr wurde das Turnier zum ersten Mal nach dem heutigen Modus ausgetragen und die Challenge Round, bei welcher der Vorjahressieger automatisch im Finale gesetzt war.Der legendäre Fred Perry, der die AELTC dreimal(1934-1936) in Folge gewann, war der letzte männliche Wimbledonsieger der aus England stammt. Bei den Damen nimmt Virginia Wade diesen Status mit ihrem Sieg 1977 ein. Seitdem wartet man in England vergebens auf einen heimischen Champion, Tim Henman ist diverse Male unglücklich gescheitert, aber dennoch der Liebling der Briten. Ihm ist sogar der sogenannte „Henman Hill“ gewidmet, ein Hügel vor einer riesigen Leinwand an Court No 1. Hier verfolgen die Fans, die lediglich eine „Ground Admission“ ergattern konnten, die Matches auf den großen Courts auf denen ihr „Gentleman Tim“ meistens spielt. An Eintrittskarten kommt man nur sehr schwer. Karten für die drei großen Courts werden vor dem Turnier verlost, 500 Karten für Center Court, No 1 und No 2 jeden Tag an der Anlage direkt verkauft. Diese sind so begehrt, dass die Leute teilweise vor den Ticketschaltern übernachten. Dritte Möglichkeit auf die Anlage zu kommen sind die „Grond Admissions“, sie berechtigen den Käufer, Spiele auf den Courts 3 – 19 anzuschauen und die Stehtribüne auf Court 2 zu betreten, hier sind die Plätze aber sehr begrenzt. Auch für diese Karten muss man very british natürlich stundenlang anstehen, das „queueing“ ist aber bestens organisiert. Ab 3 Uhr Nachmittags kann man am Ticket Resale Karten für die großen Courts erstehen, auch hierzu muss man aber anstehen. Das Essen auf der Anlage ist ganz hervorragend, es gibt diverse Imbissbuden die alles erdenkliche Verkaufen. Und natürlich die Erdbeeren. Auch wenn sie extrem teuer sind sollte man sich das traditionelle Wimbledongericht, Erdbeeren mit Schlagsahne, auf gar keinen Fall entgehen lassen. Auch die Auswahl an Getränken lässt nichts zu wünschen übrig, von Wasser bis zum Champagner gibt es alles. Auch für andere menschliche Bedürfnisse ist bestens gesorgt.Nichtsdestotrotz steht natürlich immer noch der Tennissport im Mittelpunkt und hier sieht man wirklich Rasentennis vom allerfeinsten, auch wenn das traditionelle „Serve and Volley“ leider so gut wie ausgestorben ist, nur noch wenige Spieler wie Henman oder Rusedski zelebrieren diese Art des Tennis, mit der man, falls man sie perfekt beherrscht, vor einigen Jahren das Turnier dominieren konnte. Pete Sampras, siebenmaliger Sieger an der Church Road, Boris Becker, mit 17 Jahren jüngster Wimbledonsieger oder auch Stefan Edberg, der wohl beste Serve and Volley Spieler aller Zeiten, triumphierten mit ihrer aggressiven „Aufschlag - ans Netz rennen – Punkt machen“ Spielweise. Der Sieg von Andre Agassi 1993, einem Spieler der das Netz scheut wie der Teufel das Weihwasser, wurde der Anfang vom Ende dieser eleganten Spielweise eingeläutet. Auch wenn sie zwischendurch mit Sampras noch einmal ein letztes Hoch hatte, fand sie dann 2002 endgültig ihr Ende, als mit Lleyton Hewitt ebenfalls ein Grundlinienspieler die Championships gewann. Bei den Damen gewann Martina Navratilova als letzte Serve and Volley Spielerin den Venus Rosewater Dish. Obwohl sich das Grundlinientennis nun auch in Wimbledon durchzusetzen scheint ist es in jedem Fall immer noch einen Besuch wert. Weitere Informationen zu Tickets, Siegerlisten etc. findet ihr unter www.wimbledon.orgDanke fürs Lesen-Bewerten und kommentieren!
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21.11.2004 10:48
Faszinierendes Turnier, was aber leider schon ein wenig von seinem Flair verloren hat, aber der Tennissport ist ja allgemein ein wenig abgeflacht!
01.11.2004 12:55
auch wenn ich nie nach Wimbledon gekommen wäre, ärgert es mich sehr dass ich wegen einem fast nicht mehr vorhandenen Meniskus kein Tennis mehr spielen kann. Weil zugucken macht nur halbsoviel Spaß! Gruß Edgar