Ich geb auf

3  01.03.2002 (14.01.2003)

Pro:
Wer's durchzieht hat gute Berufsaussichten

Kontra:
Sehr viel Selbstdisziplin nötig

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Gesamteindruck der Schule:

Lehrniveau:

Qualität der Lehrkräfte:

Betreuung durch Lehrstühle:

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schopfi

Über sich: Seit Mai 2006 bin ich Beraterin bei Partylite (Direktvertrieb von Kerzen und Accessoires über Heimvo...

Mitglied seit:07.11.2001

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Update folgt am Ende des Berichtes...

Nach meiner Ausbildung zur Informatikkauffrau war ich erstmal froh, dass ich die Prüfung hinter mir hatte und mich endlich ausruhen konnte. Das war Ende Juni 2000. Schon nach einer Woche ging mir dann durch den Kopf, dass ich mich ja immer für Betriebswirtschaft interessiert habe und mich weiter mit dem Thema beschäftigen wollte. Mir war aber gleichzeitig bewusst, dass ich nicht an einer Präsenzuni studieren würde, weil ich Geld verdienen und meinen Beruf nicht aufgeben wollte. Ich habe mich dann im Internet über die Möglichkeiten eines Fernstudiums informiert und bin an der Fernuni Hagen hängen geblieben.

Einschreibefrist war der 15. Juli und in einem Gespräch mit meinem Freund, mit dem ich zusammen wohne, habe ich geklärt, dass mich das interessiert und er hat mich sofort unterstützt und gemeint, dass ich es auf jeden Fall ausprobieren sollte, auch wenn ich hinterher feststellen sollte, dass es nicht das richtige für mich wäre.

Gesagt getan, habe ich mir die notwendigen Informations- und Anmeldeunterlagen über die Seite www.fernuni-hagen.de zusenden lassen. Für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaft sind alle Informationen sehr gut aufbereitet und leicht verständlich, man weiß sofort, welche Kurse man belegen muss und beim Ausfüllen des Anmeldeformulars gab es auch keine Probleme. Für wichtige Fragen sind im Internet auch Telefonnummern angegeben, damit einem weitergeholfen werden kann, diese musste ich bisher aber noch nicht nutzen.

Eingeschrieben habe ich mich für den Studiengang Diplom-Kauffrau BWL, der als Teilzeitstudium eine Regelstudienzeit von 14 Semestern (7 Jahre) festgelegt hat. Dies scheint eine sehr lange Zeit, aber für mich ist es trotzdem ideal, weil ich so neben der Arbeit her studieren kann. Viele Studenten sind berufstätig oder auch Hausfrauen, die Kinder haben und nicht arbeiten gehen. Es gibt auch die Möglichkeit, sich als Vollzeitstudent einzuschreiben, da entspricht die Regelstudienzeit dann der an Präsenzunis, aber für mich kam das von Anfang an nicht in Frage.

Für das BWL-Studium existieren in den Informationsunterlagen zum Grundstudium genaue Zeitpläne für Teil- und Vollzeitstudenten, die sehr empfehlenswert sind. Dort sind die einzelnen Kurse auf die Semester aufgeteilt und man kann anhand dieses Planes sein Studium organisieren. Solche Kurse sind beispielsweise Mathe, Buchhaltung, Recht usw. Die Kurse sind mit Semesterwochenstunden (SWS) angegeben. Wenn ein Kurs 4 SWS hat, dann bedeutet das, dass in einer Woche vier Stunden an diesen Kursmaterialien gearbeitet werden sollte. Diese Zeit trifft natürlich nicht auf jede Person zu, es ist eben eine Angabe, die auch das Bearbeiten von Hintergrundliteratur beinhaltet, mit der der Aufwand der Kursbearbeitung eingeschätzt werden kann, aber nicht jede Person versteht die Dinge gleich schnell. Ich sehe das als Richtwert, mit dem ich planen kann, ob ich bestimmte Kurse zusammen belege oder ob ich die Zeit nicht aufwenden kann.

Außerdem existieren zu jedem Kurs Selbstkontroll- und Einsendeaufgaben, die innerhalb des Kurses bearbeitet werden sollten/müssen. Dies sind Aufgaben zum Thema, das man gerade durchgeht, wobei die Selbstkontrollaufgaben (gelbe Blätter) wie der Name schon sagt, dazu dienen, den eigenen Lernfortschritt und Wissensstand zu kontrollieren. Diese werden ebenso wie die Einsendeaufgaben (grüne Blätter) nach der Bearbeitung an die Fernuni gesendet und dort nach erfolgter Korrektur einem wieder zurückgesendet. Wenn man die Hälfte der Aufgaben einer Einsendearbeit korrekt gelöst hat, hat man diese bestanden. Der Unterschied zwischen den Aufgaben ist nicht nur die Farbe. Um an der Klausur des jeweiligen Kurses teilnehmen zu dürfen, muss die Hälfte aller Einsendeaufgaben bestanden worden sein. Wenn zu einem Kurs also 6 Einsendeaufgaben zu lösen sind, muss man bei mindestens 3 Einsendeaufgaben mindestens 50 Punkte (von 100) erzielt haben, sonst muss man den Kurs erneut belegen.

Manch einen schreckt es ab, dass man sich alles anhand der Unterlagen selber beibringen muss. Das ist nicht so. Zum einen gibt es zu jedem Kurs Newsgroups, in denen offene Fragen gegenseitig beantwortet werden. Die Möglichkeit eines Internetzugangs ist für ein Studium an der Fernuni zwar nicht zwingend erforderlich, aber ich nutze sie sehr häufig. Manche Einsendeaufgaben können auch über das Internet übermittelt werden. Das geht schneller und ist auch kostengünstiger als das Porto für einen großen Umschlag. Neben den Newsgroups existieren noch auf ganz Deutschland verteilt so genannte Studienzentren. Dort gibt es mit Vorlesungen vergleichbare mentorielle Veranstaltungen. Dort kann man in der Gruppe offene Fragen ausdiskutieren oder weitere Aufgaben bearbeiten. Ich war bisher für Mathe im Studienzentrum in Castrop-Rauxel. Die Veranstaltung fand ca. alle zwei Wochen dreistündig statt und hat mir sehr geholfen. Wir haben zu jedem Thema Übungsaufgaben bekommen, die wir dann gemeinsam durchgerechnet haben. Dadurch, dass andere Fernstudenten auch dort sind, fühlt man sich auch nicht ganz einsam vor einem Haufen neuer und anspruchsvoller Themen. Außerdem wird man auch wieder motiviert, wenn man zuhause nicht so viel Lust zum Lernen hat, wenn man diese Veranstaltungen als Pflichtveranstaltungen ansieht. Sie finden meist in den frühen Abendstunden statt (ab 17:30 Uhr), so dass gerade berufstätige Studenten von den sehr hilfreichen Veranstaltungen Gebrauch machen können.

Wer glaubt, dass man also studieren kann, wie und wann man möchte, der liegt trotzdem falsch, das musste auch ich mittlerweile einsehen, ich gehöre nämlich nicht zu den Diszipliniertesten unter uns. Für die Einsendeaufgaben gibt es feste Termine, die bereits zu Semesteranfang bekannt gegeben werden. Wer es nicht schafft, die Aufgaben bis zu dem Termin zu bearbeiten und einzusenden, der hat sie auch nicht bestanden. Daran ist bei mir schon oft eine Klausurteilnahme gescheitert, eben weil ich teilweise nicht ganz konsequent dahinter sitze. Dadurch, dass man nicht den direkten Zwang zum Lernen hat, wie es in der Schule war, kommt man leicht in Rückstand und es wird immer schwieriger, den Stoff in der gegebenen Zeit zu bearbeiten. Es gehört also sehr viel Selbstdisziplin zum Fernstudium, wie ich es noch zu wenig habe. Deshalb habe ich auch schon einige Kurse zweimal belegt.

Die Klausuren kann man natürlich nicht von zuhause aus schreiben. Diese werden am gleichen Tag zur gleichen Uhrzeit in verschiedenen Deutschen großen Universitäten angeboten. Ich habe meine bisher erste und einzige Klausur in Bochum geschrieben (und bin leider durchgefallen). Auch im Ausland kann man in den Botschaften Klausuren schreiben und auch dort befinden sich Studienzentren, genau kenne ich mich aber auch da nicht aus, weil ich mich nicht dafür interessiert habe. Aber wie gesagt, genaue Informationen findet ihr im Internet.

Zum Schluss möchte ich Euch noch über die Kosten informieren, die bei einem Fernstudium an der Fernuni Hagen auf Euch zukommen. Da gibt es einmal die Asta-Gebühr von früher 22 DM. Das sind jetzt wahrscheinlich 11 Euro, die haben nämlich alle Preise einfach durch zwei geteilt. Außerdem muss man eine Studiengebühr von 90 Euro in jedem Semester bezahlen. Für diesen Betrag kann man Kurse belegen. Der Mathe-Kurs kostet beispielsweise genau 90 Euro. Alle belegten Kurse werde mit der Studiengebühr verrechnet. Wenn man insgesamt auf einen höheren Betrag kommt, zahlt man den und falls man unter den 90 Euro ist, muss man die eben trotzdem komplett bezahlen. Für Kurse, die wiederholt werden, wie es auch bei mir der Fall war, muss man dies bei der Kursbelegung, die man mit der Rückmeldung jedes Semester an die Fernuni sendet, vermerken und den Kurs nicht mehr bezahlen. Man bekommt für wiederholte Kurse auch nicht mehr das komplette Kursmaterial, sondern nur noch die Aufgaben. Grob geschätzt zahlt man also für jedes Semester im Teilzeitstudium ca. 150 Euro, wenn man sich an den Studienplan hält und immer zwei Kurse belegt.

Eine Strafe für die Überschreitung der Regelstudienzeit gibt es an der Fernuni Hagen bisher nicht, aber in den Newsgroups wurde dies schon häufig diskutiert, weil es an den „normalen“ Unis eingeführt werden sollte. Ich hoffe mal, dass dies nicht eingeführt wird, weil sich die meisten Studenten der Fernuni in einer anderen Situation befinden als die Studenten an Präsenzunis und ja im Berufsleben auch schon Steuern bezahlen, was die meisten „normalen“ Studenten nicht tun. Deshalb denke ich, dass dann eine längere Studienzeit nicht auch noch bestraft werden sollte. Man kann das Studium unter bestimmten Voraussetzungen auch von den Steuern absetzen (Portokosten, Fahrtkosten etc.), aber das jetzt auch noch aufzuschlüsseln, das würde diesen Bericht meiner Meinung nach sprengen.

Ich denke, dass ein Fernstudium viel wert ist, wenn man es geschafft hat, weil die Arbeitgeber sehen, dass man sich neben dem Berufsleben auf freiwilliger Basis weiter qualifiziert hat und ein solcher Abschluss deutet auf einen belastbaren und engagierten Mitarbeiter hin. Wer sich mit einem Abschluss eines Fernstudiums bewirbt, wird denke ich aufgrund seiner Berufserfahrung sehr wahrscheinlich einem anderen Bewerber, der zwar jünger ist, aber frisch von der Präsenzuni kommt, vorgezogen. Das kann man zwar nicht so grob pauschalisieren, aber ich denke doch, dass die Tendenz dort hin geht.

Ich hoffe, dass ich Euch mit diesem Bericht eine interessante Möglichkeit aufzeigen konnte, trotz Berufsleben oder Familie ein richtiges Studium zu absolvieren und wünsche allen, die sich für so was entscheiden oder schon entschieden haben viel Erfolg.

****UPDATE****

Ich habe mich nun entschieden, mein Studium aufzugeben. Ich bin einfach nicht konsequent genug und setze mich nicht regelmäßig zum Lernen hin. Ich habe lieber jetzt mehr Zeit, ich möchte auch irgendwann Kinder bekommen und wäre dann ungefähr fertig. Vielleicht starte ich irgendwann mal noch einen zweiten Versuch, aber nachdem ich durch 3 Klausuren gefallen bin, wurden mir die Augen geöffnet. Also, wenn Ihr nicht wirklich dahintersteht, dann wird es schwierig.

Empfehlenswert finde ich das Studium immer noch, denn die Gründe, die dazu geführt haben, dass ich es probiert habe, sind finde ich immer noch gut, aber mir fehlt eben die Motivation und deshalb lege ich es wieder nieder.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Moonlight85

Moonlight85

01.08.2009 21:50

Sehr guter Bericht... und wirklich ehrlich, ich denke du hast für dich bewstimmt die richtige Entscheidung getroffen... und ich weiß wie deprimierend es sein kann durch Klausuren zu fallen, da kann man manchmal noch soviel gelernt haben. Lg Melli

Folliot

Folliot

14.03.2005 22:02

Hi! Ein insgesamt sehr guter, informativer und hilfreicher Bericht! Schade, dass Du's aufgegeben hast... Übrigens bin habe ich ebenfalls eine IT-Ausbildung hinter mir.. Eigentlich solltest Du damit so oder so sehr gute Karrierechancen in Aussicht haben, also Frau sowieso...Du wirst aber wahrscheinlich ca. 1/5 Jahr nach Deinem Entbindungstermin feststellen, dass Du wieder aktiv werden möchtest, da hättest Du ideale Vorausetzungen für ein Fernstudium. Ein Studium erfordert IMMER sehr viel Diziplin und Fleiss, ohne den geht's aber nirgendwo... Schau mal wieder vorbei, Grüsse Folliot

YoungTester

YoungTester

14.06.2003 16:40

Sehr guter Bericht. Mich würde nur noch interessieren, wie schwer die Klausuren sind.

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