Kein laues Studieren!!
01.07.2000
Pro:
Alternative für Berufstätige, kein Bla - Bla von Professoren, sondern nur relevante Infos
Kontra:
hoher Zeitaufwand, dicht gestaffelter Zeitplan
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Gesamteindruck der Schule:
Lehrniveau:
Qualität der Lehrkräfte:
Betreuung durch Lehrstühle:
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 Cossmo
Über sich:
Mitglied seit:29.05.2000
Erfahrungsberichte:50
Vertrauende:25
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 24 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die FernUniversität Hagen ist wohl die Institution schlechthin, wenn es um allgemein anerkannte Studiengänge wie BWL, Informatik, Mathematik, o.ä. abseits der Präsenz im Hörsaal geht. 1974 vom Land Nordrhein-Westfalen mit dem Ziel gegründet, breiten Schichten der Bevölkerung Hochschulaus- und weiterbildung zu ermöglichen, sind derzeit weit über 50.000 Studenten in Hagen eingeschrieben. Das Fernstudium ist vielseitig. Man kann seine Aktivitäten auf ein reines Gasthörer-Studium beschränken. Hierbei studiert man nicht mit dem Ziel eines Abschlusses, sondern um sich in seinem Beruf (oder auch für seine Interessen) Wissenskapital zu beschaffen. Häufiger dürfte allerdings ein Diplom-Studiengang anzutreffen sein. Bei dieser Form des Studiums steht am Ende der Studienzeit ein Examen, um z.B. den Titel eines Diplom-Kaufmanns zu erwerben.
Seit dem Sommersemester 2000 bin ich an der FernUni Hagen im Bereich Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben. Ich bin gelernter Industriekaufmann. Für mich gab es zwei Motivationen für das Studium: zum einen habe ich gemerkt, dass es 3 Jahre nach Abschluss meiner Ausbildung wieder Zeit wurde, meinen Intellekt und die kleinen grauen Zellen zu fordern. Zum anderen war in meinem damaligen Ausbildungsbetrieb (und die 3 Jahre danach) ganz deutlich der Trend zu erkennen, dass für ein berufliches Fortkommen der einmal erlernte Beruf des Industriekaufmanns bei weitem nicht mehr ausreicht. Jeder Arbeitsbereich mit eigenverantwortlichem Arbeiten setzt mittlerweile ein abgeschlossenes Hochschulstudium voraus. Einige Informationen zum Ablauf des Studiums: In einer Informationsbroschüre ist für jeden angebotenen Studiengang eine Ablaufstruktur abgedruckt. Im Bereich Wirtschaftswissenschaften (WiWi) ist glücklicherweise die Struktur streng vorgegeben, d.h. man muss sich neben seiner täglichen Arbeit nicht noch Gedanken darüber machen, welche Kurse für sein Studium relevant sind. In den Erziehungs- und Geisteswissenschaften ist diese Struktur wesentlich lockerer. Bei WiWi weiß ich also: im 1.Semester stehen die beiden Kurse Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler und Grundzüge der BWL auf dem Lehrplan. Ich muss mich also in diesem Semester nur mit diesen Themenbereichen befassen. Anhand des Terminplans weiß ich am Anfang auch bereits, wann ich welche Klausur zu schreiben habe. Da für meinen Mathe-Kurs erst im 2.Semester eine Klausur ansteht, bereite ich mich auf meine BWL-Klausur vor, die am 20.September von 15.30 bis 17.30 Uhr stattfinden wird.
Den Lehrstoff versendet die FernUni in Form von Studienbriefen. Das sind Hefte, in denen alle prüfungsrelevanten Informationen enthalten sind. Zu den einzelnen Kurseinheiten muss man Einsendearbeiten abgeben. Diese Hausarbeiten sind wichtig für die Klausurzulassung, da man einen bestimmten Prozentsatz der Einsendearbeiten bestehen muss, um zugelassen zu werden. Als bestanden gelten Einsendearbeiten, bei denen mindestens 50% der zu erreichenden Punkte erzielt wurden. Regelmäßig erhält der Studierende Informationspost aus Hagen. Diese ersetzt die Schwarzen Bretter an den Präsenzunis. Man wird über Termine, Veranstaltungen, Neuerungen, etc. auf dem Laufenden gehalten. Hieraus ergibt sich eine wahnsinnige Papierflut, bei der es auch schon mal vorkommt, dass man die Musterlösung zu einer Einsendearbeit, die erst noch abzugeben ist, schon vorher zugesandt bekommt.
Aus den ersten Monaten konnte ich schon einige Erkenntnisse gewinnen: Das Fernstudium erfordert hohe Selbstdisziplin, da man sich selbst zum Lernen motivieren muss. Denn es gibt ja keinen Stundenplan. Man muss sehr viel Zeit investieren, da die Termine für die Einsendearbeiten dicht gestaffelt sind. Daher bleibt leider auch wenig Zeit zum Verschnaufen. Neben der Disziplin benötigt man Ausdauer, da so ein WiWi-Studium nebenbei seine 7-9 Jahre dauern kann. Deswegen brechen auch relativ viele ihr Studium nach einigen Semestern ab. Diese Dinge hören sich jetzt alle ziemlich furchterregend an. Allerdings muss ich das Vorurteil, dass man als Fernstudent völlig auf sich allein gestellt ist, ausräumen. Es gibt über 60 Studienzentren in Deutschland, in denen man sich mit anderen Studenten treffen und austauschen kann. Es werden Lernabende angeboten, wo wie in einem Unterricht ein Mentor gemeinsam mit den Studenten den Lernstoff durcharbeitet. Und sollten Fragen oder Probleme auftauchen, kann man sich in der Regel vertrauensvoll an die Studienzentren wenden. Für Internet-Gänger bietet die Homepage www.fernuni-hagen.de auch ein reichhaltiges Informationspotenzial.
Neben den Fernaktivitäten werden auch sehr viele Präsenzveranstaltungen angeboten wie Kolloquien, Seminare oder auch Vorlesungen. In einigen Studiengängen sind sogar (zu einem geringen Teil) Präsenzveranstaltungen Pflicht. Für die reinen Fernstudenten sind aber lediglich die Klausuren Präsenzveranstaltungen, da diese in den Universitäten wie z.B. Münster, Köln, Hamburg, Berlin oder München stattfinden. Abschließend noch ein paar Worte zu den Gebühren: Für ein Semester muss man etwa 250 bis 350 DM aufwenden. Darin sind sowohl die Gebühren als auch die Kosten für die Studienmaterialien enthalten. Diese Kosten kann man von der Steuer absetzen. Problematisch wird es allerdings, wenn z.B. ein Kaufmann Theaterwissenschaften studiert. Hier könnte das Finanzamt den (berechtigten) Verdacht hegen, dass das Studium keine Weiterbildung der bisherigen Qualifikation darstellt, sondern eine Neuausrichtung.
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