Wolf (1994)

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Wolf (1994)

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Der Gute, der Böse und die Schöne

4  12.10.2002 (20.10.2002)

Pro:
Die Darsteller

Kontra:
"Werwolf" - Film ohne echten Horror

Empfehlenswert: Ja 

LRSB

Über sich: Bilder kommen, Antworten auch!

Mitglied seit:08.07.2001

Erfahrungsberichte:130

Vertrauende:39

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 113 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Kennen Sie noch "American Werewolf"? Ein harmloser Urlauber lernte vor vielen Jahren, was die lauen Vollmondnächte in England verstecken können. Der "Blues Brothers" Regisseur John Landis hat 1981 die wunderbare Horrorkömodie namens "An American Werewolf in London" gedreht, und gleichzeitig Geschichte geschrieben. Der Film repräsentierte innovatives, freches und zugleich brillantes Kino, mit reibungslosen Übergängen von Schockmomenten zu urkomischen Scherzen und wieder zurück.

Im Jahre 1994 kam der Kollege Mike Nichols, der Regisseur der "Reifeprüfung", um sich ebenfalls mit dem Thema "Werwolf" zu beschäftigen. Der Hauptdarsteller war Jack Nicholson, dessen Name schon im voraus eine gewisse Erfolgsgarantie geliefert hatte. Der Film sollte was neues zu der lykanthropischen Filmographie beitragen. Entstanden ist eine schöne, romantische Liebesgeschichte und ein halbherziger Horrorfilm, der seinen Weg irgendwie nicht entschlossen nehmen kann.

Die Story

Der Film wartet nicht lange, um uns mit seinem Thema zu konfrontieren. Kaum hat der Film begonnen, wird Will Randal (Jack Nicholson), ein ausgelaugter Lektor in den mittleren Jahren, von einem Wolf gebissen. Die Nacht ist dunkel, die Gegend in Vermont verschneit, dem Wolf war es wahrscheinlich stocklangweilig. Will nimmt es gar nicht so richtig ernst, und der Arzt bemerkt vorerst auch nichts außergewöhnliches. Der Lektor hat sowieso noch viel wichtigere Probleme vor sich. Seinen Job ist es bald los, und die Beziehung mit seiner Frau ist seit langem problematisch. Doch auf einmal ändert sich vieles.

Kurzer Zeit nach dem Biß, zeigt sich eine ungewöhnlich dichte Behaarung an den Rändern der Bißwunde. Bis auf diese störende Nebensächlichkeit geht es dem Lektor dagegen prächtig. Seine Sinne werden auf mysteriöse Weise sensibilisiert, und die Ergebnisse sind verblüffend. Will kann den Alkoholkonsum seines Arbeitskollegen von einem zu sicherem Abstand wahrnehmen, und neuerdings braucht er weder Brille, noch Kontaktlinsen, um seine Umgebung nebelfrei zu betrachten. Wären nur nicht die lästigen Haaren da...

Im Gegensatz zu dem meisten Lykanthropen der Kinogeschichte wird Will nicht zu einer Ungeheuer der mordgierig und wahllos seine Umgebung ausrottet, sondern er strotzt nur so von Energie. Bald lernt er die schöne, spröde, deprimierte Laura Alden (Michelle Pfeiffer). Sie ist die Tochter seines Chefs Raymond Adlen (Christopher Plummer). Die Liebesgeschichte der beiden Außenseitern nimmt unweigerlich ihrem Lauf. Der gute Lektor wird zunehmend energischer; sogar seiner verlorengegangene Sexualtrieb taucht wieder auf. Dank seiner "Zusatzfähigkeiten" entdeckt er bald, wer für seinen Rausschmiß aus dem Verlag verantwortlich ist: Sein ehemaliger Schützling Stewart Swinton (James Spader), ein intriganter hinterhältiger Parasit, der nachdem sein Doppelspiel auffliegt, zu einem lebensbedrohlicher Gegner wird. Will muss um seine Position und um sein Leben kämpfen.


Der Film

Der Film hätte ein sehr guter Film werden können, es ist aber nur ein guter Film geworden. Das Problem ist sein Regisseur. Mike Nichols hat eine Macke. Er mag Beziehungsgeschichten, die zumindest nicht tragisch enden. Das wirkt einengend für den Film. Sein Ziel ist die Liebesgeschichte der Schönen und des Monsters darzustellen, und sein Aufhänger ist das filmisch klassische Motiv eines tragischen Halbwesen- Tier und Mensch. Natürlich mit einigen Gruseleffekten eingereicht, damit das Ganze ein Zusammenhang gibt. Etwas mehr Schauer hätte dem Film gut getan. Damit meine ich keine Spezialeffekte -deren Einsatz ist genau richtig und deren Qualität ebenfalls, sondern den Einsatz von Nicholson als blutgieriger Werwolf.

Die Trumpfkarte des Filmes ist das Darstellerensemble. James Spader gibt herrlich ätzend ein Musterexemplar des abtropfenden Schleimbeutels, der von niemandem und gar nichts zurückschreckt, um seine Karrieregeilheit zu befriedigen. Der will den Job seines Vorgesetzten, die Frau seines Vorgesetzten und schließlich auch die Freundin seines Vorgesetzten. Die Freundin, wunderschön wie immer, spielt Michelle Pfeiffer. Sie ist eigenwillig, gelangweilt von ihrem Leben, leidet offensichtlich an Depressionen, versucht ihre Individualität zu behalten und sie zögert keine Sekunde, die endlich gefundene bessere Hälfte zu verteidigen. Die bessere Hälfte, der Mann mit dem diabolischsten Grinsen der Kinogeschichte, ist natürlich für die Rolle des Werwolfs wie geschaffen. Für den Rest ist der Kult Spezial- Make-Up Artist Rick Baker zuständig, der bereits für "American Werewolf" mit dem Oscar prämiert worden ist. Für die musikalische Begleitung ist Altmeister Ennio Morricone am Werk, und der liefert gewöhnt solide Arbeit. Mehr allerdings auch nicht, und das wird langsam langweilig.

Alles in allem bittet der Film 125 Minuten gute Unterhaltung. Das Ende ist meiner Meinung nach etwas zu blutig geraten, und stellenweise wirkt der ganze Showdown zumindest komisch. Die Geschichte ist interessant erzählt, den Film kann man aber kaum in der Kategorie Horror einordnen. Höchstens als Thriller light geht er durch, und das mit Schwierigkeiten. Es wird allzu deutlich mit dem Fortschreiten des Films, daß der Regisseur einen "moderneren" Werwolf im Sinne hat. Man vermißt die gewöhnte Tragik. Das Halbwesen Lykanthrope (das Wort ist griechisch: Lykos bedeutet Wolf, Anthropos bedeutet Mensch) ist ein Wanderer zwischen zwei Welten, zwischen gut und bösem. Eine Entscheidung ist nicht möglich. Willi dagegen, trotz einigen Schwierigkeiten, die mit der Veräderung seines Körpers und seiner Persönlichkeit zu tun haben, genießt in vollen Zügen die neue gewonnene Energie; eine findet sogar eine gleichgesinnte Partnerin, um seine Zukunft zu teilen. Ein Werwolf findet Frieden und Harmonie; die Variante ist gar nicht so schlecht.

Und zum Schluß noch was. Der Wolf, der Nicholson in der Eröffnungssequenz des Filmes beißt, ist natürlich mechanisch konstruiert worden. Gerüchte zufolge, kein echter Wolf stand freiwillig zur Verfügung, um den alten, guten Jack zu beißen. Sie hatten alle Angst!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Kai9288

Kai9288

17.07.2004 18:59

Ich finde den Film echt spitze! LG kai

Schmetterling54

Schmetterling54

15.10.2002 09:34

Sehr guter Bericht. LG Karin

chris10

chris10

13.10.2002 22:46

Ich mag zwar Jack Nicolson, aber diesen Film kenne ich nicht. Lieber Gruß, Christa

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