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In Osters Roman »Wollust« geht es um den Tycoon eines High-Tech-Imperiums, der seine Mitarbeiter nicht nur nach ihren Fähigkeiten auswählt, sondern auch nach der Attraktivität ihrer Ehefrauen. Macht macht geil, vor allem wenn sie auf Widerstand stößt, wie bei Faith, der Gattin des neuen Finanzdirektors. ... Bericht lesen
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Erfahrungsbericht von anne18 über Wollust / Oster, Jerry 15. Dezember 1999
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Daß Leidenschaft Leiden schafft, ist mehr als nur ein Wortspiel. Wer sich aus der berechenbaren Sphäre wohltemperierter Gefühle entfernt, funktioniert nicht mehr wie gewohnt und riskiert mehr als ein Kopfschütteln seiner Mitmenschen. Denn die Gesellschaft basiert nun mal auf einem moralischen Prinzip der Beherrschung der Gefühle. So ist es nicht weiter verwunderlich, daß Besessenheit in allen Variationen ein unentbehrliches Motiv in der Kriminalliteratur ist. Wenigstens in der Fiktion möchte man den gewissen Kitzel erleben, den die alltägliche Übung im protestantischen Maßhalten vermissen läßt. In einer auf sechs Romane konzipierten Thriller-Reihe, der »Bibliothek der Leidenschaften«, will der Rowohlt Verlag nun die Lust am Laster schüren. Immerhin konnten Autoren wie Janwillem van de Wetering oder Maj Sjöwall gewonnen werden, einen Beitrag zum Thema zu liefern. Jerry Oster, der schon in seinen Romanen »New York Babylon« und »Dschungelkampf« bewiesen hat, daß Obsessionen sein Spezialgebiet sind, ist ebenfalls mit von der Partie. In Osters Roman »Wollust« geht es um den Tycoon eines High-Tech-Imperiums, der seine Mitarbeiter nicht nur nach ihren Fähigkeiten auswählt, sondern auch nach der Attraktivität ihrer Ehefrauen. Macht macht geil, vor allem wenn sie auf Widerstand stößt, wie bei Faith, der Gattin des neuen Finanzdirektors. Oster entwirft mit gewohnter Souveränität einen spannungsvollen Reigen aus Begierden und Abhängigkeiten. Er erinnert an den Fall O.J.Simpson sowie an Clintons Affäre mit Monica Lewinsky und kommt zu dem Fazit: »Sie sind ungeschoren davongekommen, weil wir in einer Ära massiver Gegenreaktionen leben, Gegenreaktionen gegen den Feminismus, gegen Chancengleichheit, gegen eine Form des Anstands und der Logik und der Ethik, die eine Weile gesellschaftlich vorherrschend war und nun wieder verschwunden zu sein scheint.« Allerdings verzichtet er fast völlig darauf, Charaktere zu entwickeln. Dahinter steckt wohl die Idee, die Protagonisten nur über ihre Obsessionen zu charakterisieren, wodurch sie jedoch schablonenhaft und blutleer erscheinen. So wirkt das Buch trotz seiner Qualitäten wie die routinierte Fingerübung eines Autors, der sein Handwerk beherrscht. Esoterisch wird es in Janwillem van de Weterings Beitrag »Habgier«. Der siebzigjährige Henk van Franken, »Selfmademillionär, Sammler von Jazzplatten«, liegt im Sterben. Obwohl er an nichts als den Zufall glaubt, dem irgendwann die Leere folgt, erscheinen plötzlich Geister aus der Zwischenwelt, um seine Seele zu retten. Erbarmungslos konfrontieren sie ihn mit der Wahrheit über sich selbst. Eine Art Bewußtseinskino wird in Gang gesetzt. Van Franken sieht sich als »Mr. Mehr«, der nichts als Geldverdienen im Sinn hat, und erhält Einblick in frühere Leben, die Aufschluß darüber geben, »warum er so wurde«, wie er ist. Die Läuterung ist vorhersehbar, denn leider meint es van de Wetering ernst. Es ist das erste Buch dieses sonst so geschätzten Autors, durch das ich mich quälen mußte.
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