Woman Transcending - Annie Haslam

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Woman Transcending - Annie Haslam

Rock - 1 - CD - Label: Floatingw - Vertrieb: H'ART Musik - Veröffentlicht am: 22. Oktober 2010 - EAN: 805772607125

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Erfahrungsbericht über "Woman Transcending - Annie Haslam"

veröffentlicht 10.01.2012 | Pengoblin
Mitglied seit : 05.09.2005
Erfahrungsberichte : 126
Vertrauende : 9
Über sich :
"Dies sind meine Überzeugungen und Grundsätze. Wenn Sie Ihnen nicht gefallen - ich hab' auch noch andere." (Groucho Marx)
Gut
Pro Durchdachte Zusammenstellung anderweitig kaum erhältlichen Materials
Kontra Es ist nicht alles Gold, was da haslamt
sehr hilfreich
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:

"Querschnitt aus unaufgeregter Solokarriere einer tollen Sängerin"

INTRO
Kurztelegramm – wer bitte ist Annie Haslam? Die britischstämmige, mittlerweile in den U.S.A. beheimatete Dame Jahrgang 1947 war in den 1970ern das vokale Glanzlicht der Symphonic Rock-Formation Renaissance und beeindruckte durch eine kraftvolle 5-Oktaven-Stimme, die in ihren besten Zeiten lässig und souverän neben Rockband und Orchester als drittes tragendes Element bestehen konnte. Nebenher entstanden einige sehr heterogene Soloalben, auf denen Haslam sich gesanglich brilliant, aber oft nicht sehr stilsicher als Pop-, Klassik- und Rockinterpretin versuchte. Nach der Auflösung von Renaissance wurde es krankheitsbedingt zeitweise still um Haslam, bis sie dann Mitte der 90er mit dem Folkrockalbum "Blessing in Disguise" eine gereifte und etwas beruhigte musikalische Wiedergeburt erlebte. Anfang des neuen Jahrtausends fand mit bescheidenem, aber kontinuierlichem Erfolg eine Wiederbelebung von Renaissance statt, parallel dazu nahm Haslam weitere Solostücke auf, wobei sie sich mittlerweile stilistisch in einem braven, nicht immer kitschimmunen Dreieck irgendwo zwischen Folk, Pop und Rock eingependelt hat. Insbesondere ihre Texte neigen sehr zum Blümchen- und Engelhaften und sind spürbar in dem verwurzelt, was dereinst unter New Age bekannt war.
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Nebenher vermarktet sich Haslam seit Jahren auch als Malerin und hat u.a. auch das Cover dieses Albums selbst mitgestaltet. Das Booklet enthält detaillierte Angaben über die Mittäter der jeweiligen Aufnahmen und ein paar Randnotizen.
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WOMAN TRANSCENDING
Bei diesem Album handelt es sich nicht um ein reguläres Studioalbum, sondern um eine Zusammenstellung von Aufnahmen aus rd. 30 Jahren, die teilweise zuvor unveröffentlicht waren, teilweise gesangliche Gastbeiträge Haslams zu Produktionen anderer Musiker darstellten. Eine vollständige Archivaufarbeitung ist das allerdings trotzdem nicht, denn mir sind noch einige andere Gastbeiträge Haslams bekannt (z.B. zu Akio Dobashis "Fox", Steve Howes "Portraits of Bob Dylan" oder zum Genesis-Tribute-Sampler "Supper's Ready"), die hier nicht enthalten sind.
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CIRCULAR MOTION (1992)
Mit sehr eingängigem Midtempopop setzt das Album ein. Das Stück gerät nicht besonders gehaltvoll und lässt mit seinem eingängigen Refrain Assoziationen zu einer U.S.-Familienserie aufkommen, zu so etwas könnte es die Titelmelodie sein, ohne groß aufzufallen. Erinnert sich noch jemand an 'Back Home Once Again' vom Renaissance-Album 'A Song for All Seasons'? So ähnlich. 2,5/5.
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PARACHUTE TO YOU (1992)
Zeitgleich entstand auch das zweite Stück, das dem ersten in punkto hochpoliertem Studiosynthetiksound stark ähnelt. Das Ganze ist etwas spannungsvoller aufgebaut, hat ein marginales E-Gitarrensolo, und Haslams Stimme bewältigt das etwas penetrant wiederholte Refrainwortspiel - „I'll parachute[shoot?] you“ - mit spielerischer Leichtigkeit. 3/5.
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ECHO (1992)
Das dritte Stück von 1992, wiederum von Larry Fast produziert, ein wenig flotter und leichter als die beiden anderen. Auch dieser Song wäre auf dem 'Annie Haslam'-Album von 1989 nicht weiter aufgefallen. Man kann dazu hervorragend Blumen in der Vase arrangieren, die Sockenschublade aufräumen oder seine alten Enya-CDs suchen gehen. 2,5/5.
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YOU DON'T KNOW A GOOD THING (1985)
Eigentlich mag ich – hatte ich's erwähnt? - diese Art überladen produzierten Pop nicht, wo Keyboardschicht auf Keyboardschicht getürmt wird, um Songs mehr Substanz zu verleihen, die sie meistens gar nicht haben. Allerdings muss ich zugestehen, dass die Refrainpassage tatsächlich ganz schön ins Ohr geht und nachwirkt – weswegen sie auch eine Spur zu penetrant wiederholt wird, denn der Rest des Songs ist dagegen vernachlässigbar. Hat die zeitlose Güte eines älteren Bee Gees-Hits und kriegt damit aufgeräumte 3/5.
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COMMUNICATION (1985)
Das Stück stammt größtenteils aus der Feder von Genesisveteran Mike Rutherford, und es erinnert mich nicht wenig an seinen damaligen Beitrag zum Against All Odds-Soundtrack. Poppigsteriler Sound, souveräner, aber nicht besonders warmer Gesang, perfekt arrangierte Substanzarmut mit sehr kurzer Halbwertzeit. Hätte auch als 'Mike & the Mechanics'-B-Seite enden können. 2/5.
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BEYOND THE BLUE (1998)
ONE LAST TIME (1998)
Zwei Zusammenarbeiten mit der in U.S.-Countrykreisen offenbar bekannten Perkins-Family. Man muss schon sehr kitschresistent sein, um diese völlig überzuckerten Werke mit Streichern und Slidegitarre zu ertragen. Ich stelle mir die beiden als Soundtrack zu einer Werbediashow über Altenwohnheime in Tennessee vor. 1/5.
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08. SOMEWHERE OUT THERE (1994)
Hier handelt es sich um eine private Studioaufnahme (Haslam entschuldigt sich für die begrenzte Qualität); ein Duett Haslams mit ihrem zwischenzeitlich verstorbenen Bruder Michael, der einen vollen, gekonnten, wenngleich für meine Ohren etwas schmalzigen Bariton (Richtung Frankie Laine) beisteuert. Das Lied selbst ist melodiös, schlagerhaft, getragen und recht cholesterinhaltig – aus irgendeinem Grund muss ich dabei an 80er-Jahre-Serien wie die Golden Girls denken. Qualitativ o.k., aber fernab all meiner Hörvorlieben. 1/5
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SO SAD (1974)
Als reiner Spaßtrack einst am Rande der Arbeit an einem der großen Renaissance-Alben (müsste 'Turn of the Cards' gewesen sein) im Studio aufgenommen – Produzent Dick Plant an der Rhythmusgitarre und sonst nix als Haslams Gesang -, ist dieses halbimprovisierte Cover eines Songs von Don Everly zwar kein großer Wurf, aber ein wunderschönes Collector's Item, das belegt, welch unglaublich charismatische Stimme Haslam in ihren jüngeren Jahren hatte. 3,5/5.
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10. HUNTER TRIALS (1990)
Dieser humoristische Walzer entstammt einem Sampler mit Liedvertonungen von Texten des populären britischen Dichters Sir John Betjeman (1906-1984), den man in Deutschland kaum kennt, weil fast nichts von ihm je übersetzt wurde. Hunter Trials ist ein harmlos spaßiges Kindergedicht um einen Reitwettbewerb mit Missgeschicken und in dieser Vertonung stilistisch am ehesten mit "Karussellpop" (inkl. der mitschunkelnden Tuba von Sky-Veteran Herbie Flowers) umschrieben. Nicht wirklich mein Fall. 1/5
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11. LILY'S IN THE FIELD (1995)
Hier hat Haslam zugunsten einer Benefiz-Single ein weiteres Mal mit Yes-Altmeister Steve Howe zusammengearbeitet und ein recht ordentliches, durch Howes atmosphärische Akustikgitarre dezent spannungsvolles Liedchen abgeliefert, das nicht gerade Originalitätsrekorde bricht, aber eine schöne Bühne für Haslams warmen Gesang abgibt und im Ohr durchaus angenehm noch ein wenig nachhallt. 3,5/5
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12. WILLOW SONG (1979)
Dies ist ein Beitrag Haslams zu einem Soloalbum ihres langjährigen musikalischen Wegbegleiters Raphael Rudd gewesen. Das poetische, leise, kraftvolle Stück für Harfe und Haslam ist ganz klar einer der kleinen Höhepunkte der Solokarriere der Sängerin, und absolut niemand könnte es schöner gesungen haben oder je singen. Klare 5/5
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MY ETERNAL LOVE (1994)
Ein Bee Gees-Cover, das es in dieser Form zum Glück nicht auf das 'Blessing in Disguise'-Album geschafft hat. Der ohrwurmige Refrain täuscht nicht über die Kalorienarmut des Werkes hinweg – es gibt einfach absolut nichts zu kauen hierbei. 1/5.
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DECISIONS (1986)
SHADOWS (1986)
Die programmierte Rhythmussektion lässt Discoambitionen befürchten, und das ist, wie wir spätestens seit dem Renaissance-Schwächstwerk 'Time-Line' wissen, einfach keine geeignete Baustelle für Haslams Stimme. Das ist auch hier nicht anders, der Gesang wirkt wie auf das sterile Drumrum aufgeklebt. Wer immer Warwick Embury ist/war – er hat nicht verstanden, was die Magie an Haslams Stimme ausmachte. Traurige 1/5. Man hätte das wohl eher Kim Wilde anbieten sollen.
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REACHING OUT (1976)
Dies war ein Gastbeitrag Haslams zu dem einzigen Album der Intergalactic Touring Band, bei der immerhin Anthony Philips als Gitarrist, das London Symphony Orchestra und Harry Rabinowitz als Dirigent mitwirkten. Das Ganze ist denn auch sehr üppig geraten, melodisch interessant und gekonnt arrangiert zwar, aber weit jenseits meiner persönlichen Kitschgrenze – könnte auch die Zentralballade eines Lloyd-Webber-Musicals sein. 2/5.
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FAZIT:
Man kann sich das Album als alter Haslam-Fan kaum entgehen lassen, und in gewisser Weise ist das Hören gerade wegen der Uneinheitlichkeit solcher Sammlungen u.U. reizvoller als das mancher regulären älteren Alben. Man sollte allerdings tatsächlich bereits Haslam-Fan sein, denn ein erstmalig begeisterter Anhänger dieser wundervollen Stimme kann man aus heutiger Perspektive wohl nur über die guten alten Renaissance-Alben der 1970er werden. Wer bereits andere Soloalben Haslams kennt, für den wird sich Woman Transcending insgesamt wohl im Mittelfeld ansiedeln – weit vor dem Classic Pop-Aussetzer „Still Life“, auch vor dem orientierungslosen Debut „Annie in Wonderland“, gleichauf mit den Synthie(folk)popalben „Annie Haslam“ und „Dawn of Ananda“, aber definitiv hinter „Blessing in Disguise“ und „Live under Brazilian Skies“. Es hat einige sehr hörenswerte und einige sehr weghörensempfohlene Momente, erschreckt auch die empfindlichere Oma nicht und fühlt sich auch in Gesellschaft von Alben z.B. von Alison Moyet wohl. Schade, dass sich für Haslams einst so magische Stimme wirklich kaum mehr magische Momente gefunden haben, als wir schon von den Renaissance-Bestzeiten kennen. Immerhin: die bleiben uns.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Anacrusis veröffentlicht 28.03.2012
    Wow! Rennaissance!
  • Das_Ky veröffentlicht 13.01.2012
    Nie gehört, weder von der Dame noch von Renaissance. klingt aber durchaus interessant. Viele Grüße, Ky
  • tomrot veröffentlicht 11.01.2012
    Da muss ich mal reinhören. BH lg tomrot
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Produktdaten : Woman Transcending - Annie Haslam

Produktbeschreibung des Herstellers

Rock - 1 - CD - Label: Floatingw - Vertrieb: H'ART Musik - Veröffentlicht am: 22. Oktober 2010 - EAN: 805772607125

Haupteigenschaften

Titel: Woman Transcending

Künstler: Annie Haslam

Komponist: .

Genre: Rock

Schlagworte: Classic Rock & Pop

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 22. Oktober 2010

Label: Floatingw

Vertrieb: H'ART Musik

EAN: 805772607125

Titel auf CD 1

1.: Cicular Motion

2.: Parachute to You

3.: Echo

4.: You Don't Know a Good Thing

5.: Communication

6.: Beyond the Blue

7.: One Last Time

8.: Somewhere out There

9.: So Sad

10.: Hunter Trials

11.: Lily's in the Field

12.: Willow Song

13.: My Eternal Love

14.: Decisions

15.: Shadows

16.: Reaching out

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 24/12/2010