Wüstenrennmaus

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Wüstenrennmaus

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Krieger mit Krallen?

5  13.06.2004

Pro:
pflegeleicht, amüsant, kostengünstig, riechen kaum

Kontra:
nix für Kinder, knabbern ALLES an, kurze Lebensdauer

Empfehlenswert: Ja 

MissMolko

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:44

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 132 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Da mir Ciao damals sehr bei meiner Haustierwahl geholfen hat, will ich heute auch meine Erfahrungen mit meinen Mäuschen veröffentlichen. Wieder mal ein Bericht, auf den ich mich sehr freue. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


>>Systematik und Verbreitung<<

Wüstenrennmäuse gehören zur Familie der Wühler, die Unterfamilie sind die Rennmäuse. Von denen gibt es etwa 1000 Arten, die weltweit verbreitet sind.
Mein Bericht dreht sich aber um die Mongolische Wüstenrennmaus, auf schlau Meriones unguiculatus Milne/ Edwards, 1867 (Milne und Edwards waren 1867 die Erstbeschreiber der Art). Ein Bild von damals seht ihr unten. "Meriones unguiculatus" heißt auf deutsch übrigens "Krieger mit Krallen", aber das entspricht überhaupt nicht ihrem Charakter!
Die Mongolischen Wüstenrennmäuse, auch Gerbile genannt, kommen in der Natur hauptsächlich in der Monglolei und im Norden Chinas vor, genauer in den Halbwüsten und Sandsteppen. Sie sind aber auch in Sibieren anzutreffen. Mit extremen Temperaturschwankungen können sie leben, ihnen ist wenig Niederschlag wichtiger. In Asien haben die Mäuschen als Schädlinge, Krankheitsüberträger, etc. einen sehr schlechten Ruf.


>>Aussehen<<

Durchschnittlich werden Gerbile mit Schwanz zwischen 18 und 27 cm lang (mit Schwanz ), wobei der Schwanz oft die Hälfte der Länge ausmacht. Die Weibchen sind meist kleiner als die Männchen.
Das Gewicht der Mäuse schwankt stark; es kann zwischen 60 und 140 g betragen.
Wie sie nun genau aussehen, sehr ihr ja auf den Bildern, daber spare ich mir die genaue Beschreibung. Es sei aber erwähnt, dass ihr Schwanz im Gegensatz zu Farbmäusen oder Ratten sehr dich behaart ist und der Kopf weniger langgestreckt ist. Die Hinterfüße sind im Gegensatz zu den Vorderfüßen sehr groß, weil sie einige Ansätze zur Bipedie zeigen, das heißt, sehr oft auf zwei Beinen stehen.
Es gibt außer wilfarben (sandfarben bis mittelbraun) und schwarz noch viele weitere Farbvarianten, zum Beispiel silberfarben, goldbraun, grau, weiß, beige
oder gescheckte Varianten. Manche Zuchtformen haben statt der schwarzen Knopfaugen rote Augen (Albinos und Halbalbinos; Zuchtformen und nur in Gefangenschaft vorkommend).


>>Lebenserwartung<<

Das durchschnittliche Alter ist drei Jahre, in seltenen Fällen und bisher auch meist nur in Gefangenschaft beobachtet, können sie bis zu 5 Jahre alt werden, es ist auch ein Fall einer achtjährigen Maus bekannt.
Das ist für mich ein entscheidender Nachteil der Gerbile. Sie werden wirklich nicht sehr alt.


>>Verhalten und Charakter<<

Die Tiere zeigen ein ausgeprägtes SOZIALVERHALTEN. Daher ist es oberstes Gebot, mindestens zwei Mäuse zusammen zu halten. Sie brauchen einander zum Beispiel bei der Körperpflege, bei der sie sich gegenseitig mit den Zähnen das Fell säubern (die unteren Schneidezähne bei Nagern sind meist "Putzzähne"). Auch beim Schlafen liegen sie immer zusammengekuschelt in einem Nest. Ein Alleinehalten würde schwere psychische Schäden verursachen, es kann auch vorkommen, dass sie daran zugrunde gehen. Jungtiere werden nicht nur von der Mutter, sondern von allen Mitgliedern der Gruppe geputzt und gewärmt.
Selten geben sie auch Laute von sich, ein typisches "Mäuse-Fiepen", das aber meist nur, wenn sie um Futter drängeln oder ihnen sonst etwas nicht passt. Öfter zu beobachten ist das Stehen auf den Hinterbeinen und das Trommeln mit diesen; dies ist ein Warnsignal und zeigt den anderen Mäusen des Clans, dass sich Gefahr nähert. Die Gerbile tun dies zum Beispiel wenn sie erschrocken sind.

Durch die enge Verbindung innerhalb einer Familie werden fremde Tiere in der Regel nicht geduldet und meist angegriffen. Eine AUFNAHME EINER FREMDEN MAUS IN DEN CLAN ist nur schwierig zu erreichen.
Man sollte die Mäuse zunächst getrennt halten und sich auf neutralen Boden (z.B. Teppich) begegnen lassen, später die Käfige tauschen, damit sich die Tiere an den Geruch des anderen gewöhnen. So ist es nach einiger Zeit gut möglich, dass sich zwei fremde Mäuschen vertragen, die Aufnahme einer fremden Maus in einen Clan ist aber nur selten zu erreichen.
Bei Wüstenrennmäusen unterschiedlichen Geschlechts findet die Annäherung meist sehr schnell statt, ohne dass man dabei etwas beachten muss.

Der CHARAKTER der Tiere ist äußerst liebenswürdig, auffällig individuell verschieden, sie sind sehr neugierig und intelligent. Sie suchen beispielsweise immer wieder neue Fluchtwege. Wenn man sie gut behandelt, werden sie schnell HANDZAHM. Das erreicht man am besten durch eine schrittweise Näherung: Viel mit den kleinen Mäuschen reden, damit sie sich an die Stimme gewöhnen, dann die Hand mit etwas Futter in den Käfig legen. Durch die Neugier der Tiere wird es nicht lange dauern, bis sie sich der Hand nähern. Man sollte unbedingt ruckartige Bewegungen vermeiden! Haben sie sich an den Geruch gewöhnt, kann man sie auch aus dem Käfig nehmen. Wenn sie ersteinmal zahm sind, warten sie oft schon ganz ungeduldig und springen von ganz allein auf die Hand. Hier gilt natürlich auch, wie bei fast jedem Tier, je jünger die Tiere sind,

Bilder von Wüstenrennmaus
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Bild der Erstbeschreiber
desto anpassungsfähiger sind sie.
Allgemein kann man noch sagen, dass Männchen in der Regel zutraulicher werden als Weibchen. Diese Erfahrung habe ich auch mit meinen Mäusen machen können.

STUBENREIN werden sie nicht vollständig. Da sie aber wenig trinken und kaum urinieren, spielt das keine Rolle. Der Kot ist beim gesunden Tier fest und geruchslos (typischer Mäusekot), man kann ihnen also ruhig Auslauf im Zimmer gewähren. Meine Mäuse sind fast stubenrein, zumindest in ihrer Stube: Sie haben in ihrem Käfig einen Bereich, dessen Untergrund nur aus Sand besteht, in dem sie sich erleichtern. Die restliche Streu ist fast frei von Kot und Urin.

Wüstenrennmäuse sind WECHSELAKTIV, das heißt, die schlafen ein paar Stunden und sind dann wieder ein paar Stunden wach. Man sollte danach auch den Standpunkt des Käfigs auswählen, denn sie sind auch nachts wach und das könnte eine Störung des eigenen Schlafs bedeuten.
Die Mäuse graben sich fast täglich neue Gangsysteme und räumen ihren Käfig um. Auch intensives "In-den-Ecken-scharren" ist ganz normal. Sie kennen sich in ihrem Bereich so gut aus, dass sie sich auch im Dunkeln sicher bewegen können.


>>Haltung<<

Allgemein kann man sagen, dass Wüstenrennmäuse äußerst pfegeleichte und günstige Haustiere sind. Man kann sie auch mal zwei oder drei Tage alleine lassen, wenn sie genügend Futter haben. Einige Regeln sollte man dennoch beachten.

1. Wüstenrennmäuse niemals alleine halten!
Das habe ich ja oben schon erwähnt.

2. Ausreichend Platz und geeignete Gefäße
Es eignen sich natürlich Gitterkäfige, wobei man darauf achten sollte, dass die Stäbe sehr eng stehen, denn Wüstenrennmäuse können sich sehr schmal machen und so leicht ausbrechen. Besser eignen sich jedoch Terrarien, somit wird ein "Gitterknabbern" vermieden und die Streu bleibt dort, wo sie hingehört.
Die Anschafftung eines geeigneten Gefäßes stellt das größte Problem in der Anschaffung dar, weil diese sehr teuer sind. Man kann in verschiedenen Zoohandlungen nach undichten Aquarien fragen, die kein Wasser mehr halten. Gitterkäfige in einer geeigneten Größe findet man selten, meist sind bei den großen Käfigen die Stababstände zu groß.
Für zwei Mäuse sollte man mindestens die Käfigmaße 80 x 40 x 40 cm wählen, je mehr Mäuse, desto größer.
Mein Terrarium besteht aus leichtem Plexiglas und hat die Maße 100 x 50 x 50/ 100 cm (für drei Mäuse). Mein Vater hat es selbst gebaut mir zu Weihnachten geschenkt, ein Glück, wenn man einen handwerklich begabten Vater hat, aber dennoch hat allein das benötigte Plexiglas über 80 € gekostet. Wenn ich bei meinem Eltern bin, benutze ich dort einen großen Hamsterkäfig, aber wie gesagt, Gitterkäfige sind weniger geeignet.

3. Freilauf mögen sie sehr!
Ideal sind zwei Stunden Auslauf am Tag, in einem ausreichend großem Behältnis brauchen sie aber nicht soo viel zum Glücklich-Sein.
Die Mäuse sollten auf alle Fälle handzahm sein, sonst verkriechen sie sich irgendwo und kommen nicht wieder hervor. Wenn sie handzahm sind, kann man wirklich viel Spaß mit den Kleinen haben, denn sie klettern dann auch liebend gern auf ihren Menschen rum.
Ganz wichtig ist es allerdings, darauf zu achten, dass die Gerbile keine Elektrokabel, giftige Pflanzen und sonstige gefährliche Dinge anknabbern. Man sollte sie möglichst in einem Raum laufen lassen, wo solche Dinge nicht vorkommen. Doch auch in gefahrlosen Zimmern sollte man sie nicht ganz allein lassen, denn manchmal schmeckt ihnen auch der Türrahmen, das Bett oder die Tapete... sie knabbern wirklich gern!
Auf dem Balkon kann man sie nur im Sommer freilaufen lassen, mehr zu Temperatur etc. im nächsten Abschnitt. Dabei sollte man natürlich darauf achten, dass sie nicht runterfallen können, denn es fällt ihnen vor allem am Anfang sehr schwer, Höhen richtig abzuschätzen. So springen sie, wenn sie noch nicht zahm sind, auch schnell mal aus der Hand und können sich dabei verletzen.

4. Am besten warm und trocken
Wüstenrennmäuse sind trockenes Klima gewohnt. Wichtigstes Gebot ist also, sie in keinster Weise Nässe auszusetzen! Ihr Käfig darf auch nie im Zug stehen, da sie sich so leicht erkälten und daran auch sterben können. Von der Temperatur her sind 22 - 25°C ideal. Wenn es nachts, zum Beispiel durch ein geöffnetes Fenster etwas kühler wird, macht ihnen das auch nichts aus, da sie sich dann in ihr warmes Nest kuscheln können. Kälter als 15°C ist aber nicht zu empfehlen!

5. Käfigeinrichtung
Mein Terrarium ist in zwei Bereiche aufgeteilt: Einen großen, unteren, der mit einer dicken Schicht feiner Hobelspäne ausgestreut ist. Die gibt es für ein paar Cent in Zoohandlungen zu kaufen. Die Schicht sollte mindestens 5cm dick sein, damit die Wüstis ihrem Buddeltrieb nachgehen können. Der kleinere, obere Bereich ist mit Sand ausgestreut, zusätzlich steht dort noch ein großer Tonnapf, der mit Sand gefüllt ist. Den Sand brauchen die Mäuse, um sich zu säubern, sie suhlen sich regelrecht in dem Tonnapf. Meine Gerbile benutzen den Sand außerhalb des Napfes als Toilette, deshalb sollte man den öfters wechseln, ich mach das jede Woche. Die Streu kann ruhig einen Monat oder länger im Käfig bleiben, da Wüstenrennmäuse kaum riechen und es als störend empfinden, wenn man ihre persönliche Einrichtung zerstört.
Ich benutze übrigens Vogelsand oder Chinchillasand, den es in jeder Zoohandlung für wenig Geld zu kaufen gibt. Der ist ganz fein, hat abgerundete Körner und ist keimfrei.
Die beiden Bereiche in meinem Terrarium sind durch einen Ast verbunden, auf dem sie hochklettern und knabbern können. Bewegung ist sehr wichtig, sonst werden sie dick und langweilen sich. Auch das Knabbern auf harten Sachen brauchen sie, damit sich die ständig nachwachsenden Zähne abnützen. Dazu eignet sich - wie bei mir - Holz, am besten von Obstbäumen, natürlich ungespritzt und nicht an der Straße stehend, oder auch getrocknetes Brot.
Zum Verstecken haben meine Mäuschen ein kleines Holzhaus, dass sie erstaunlicherweise noch nicht aufgefressen haben. Ihr Nest haben sie aber außerhalb davon, sie bauen es mit Heu und Zellstofftaschentüchern, von denen sie mehrmals die Woche eins bekommen.
Für ausreichende Bewegung dient ein Laufrad. Das sollte unbedingt aus Metall bestehen, da es sonst sofort angeknabbert wird, bis nichts mehr übrig bleibt.
Um sie zu beschäftigen, legen wir oft die Papprollen vom Toilettenpapier etc. in das Terrarium, das mögen sie auch sehr.
Steine, alte Tongefäße und ähnliche Sachen eignen sich hervorragend zum klettern und sorgen noch dafür, dass sich die Krallen immer abwetzen. Ohne dies würden die Krallen zu lang werden, sie können daran hängenbleiben oder sich gegenseitig damit verletzten.
Insgesamt sind der Käfigeinrichtung keine Grenzen gesetzt. Nur immer darauf achten, dass keine giftigen Stoffe enthalten sind (z.B. Farben und Lacke) und die Dinge nicht angeknabbert werden, die nicht angeknabbert werden sollen. Von daher immer Dinge verwenden, die aus Metall gefertigt sind.

6. Sie können auch krank werden
Man sollte davon ausgehen, dass auch ungeplante Tierarztkosten auf einen zukommen können.

7. Sie sind kein Spielzeug!
Man sollte sehr vorsichtig mit ihnen umgehen und sie vor unbeholfenen Kinderhänden fern halten. Denn fühlen sie sich bedroht, können sie auch ordentlich zubeißen.

>>Ernährung<<

Eine einfache und gesunde Variante ist das Fertigfutter aus der Zoohandlung. Es gibt zum Beispiel von Vitakraft ein spezielles Gerbilfutter, in dem alles enthalten ist, was eine Wüstenrennmaus so braucht. Das Futter kostet je nach Zoohandlung um die 1,50€, enthalten sind 175g. Ein erwachsener Gerbil frisst täglich 7-10g.
Man kann sich das Futter natürlich auch selbst zusammenstellen, doch die ideale Mischung ist wirklich das Fertigfutter. Zusätzlich kann man Haferflocken, Nüsse oder Müsli füttern, getrocknete Früchte wie Rosinen mögen sie auch sehr. Sonnenblumenkerne und andere fetthaltige Samen fressen sie zwar sehr gern, aber die sollte es nicht jeden Tag geben, sonst werden sie dick!
Auch ab und zu frisches Grünfutter und Obst (z.B. Mais, Gurke, Möhren, Apfel, Birne, Löwenzahn, Petersilie, Basilikum) ist empfehlenswert, natürlich unbehandelt und gewaschen. Man sollte auf Kohlarten und (ungetrocknetes) Brot verzichten, weil dies stark blähend wirkt, und Petersilie während der Schwangerschaft kann eine Frühgeburt auslösen. Saftfutterreste müssen jeden Tag entfernt werden, da diese sonst faulen und schädlich für die Tiere sind!
Viele Mäuse mögen ohne Salz gekochte Nudeln oder Reis oder etwas hartgekochtes Ei. Lebendfutter wie Mehlwürmer ist auch möglich, vorallem kurz nach der Schwangerschaft brauchen die Mütter das als Eiweißlieferant. Ansonsten kann es dazu kommen, dass sie ihre eigenen Jungen fressen.
In Zoohandlungen gibt es noch allerlei andere Leckereien für die kleinen Nager, Joghurtdrops, Graspellets oder Knabberstangen, ob die Mäuse das mögen oder nicht ist wie bei Menschen reine Geschmackssache.
Ein Grundnahrungmittel ist Heu, davon sollten sie täglich eine Hand voll gekommen. Sie fressen es nicht nur, sondern verwenden es auch zum Nestbau oder einfach zum Knabbern. Heu bekommt man ebenfalls in jeder Zoohandlung, ich nehme mir von zuhause immer selbstgemachtes Heu mit, das fressen sie am liebsten.
Ein Futternapf ist übrigens nicht notwendig.
Die Mäuse trinken zwar sehr wenig, es sollte ihnen aber trotzdem immer Wasser zur Verfügung stehen. Am besten eignet sich dafür eine Kleintiertränke. In einer Schale wird das Wasser zu schnell verunreinigst oder zugewühlt. Ich beobachte meine Mäuse mehrmals am Tag, wie sie trinken.


>>Männchen + Weibchen = ???<<

Weibliche Wüstenrennmäuse werden nach ca. 9 Wochen, Männchen nach 12 Wochen geschlechtsreif. Richtig ausgewachsen sind sie dann aber noch nicht, davon kann man ganz sicher erst im Alter von einem Jahr sprechen.
Die Tragdauer beträgt 21 - 25 Tage, dann kommen 1 - 12 blinde, nackte Würmchen zur Welt. Sie ernähren sich ausschließlich von Muttermilch, und das drei bis vier Wochen lang. Nach etwa fünf Wochen kann man die Kleinen von der Mutter trennen.
Schon wenige Stunden nach der Geburt ist die Mutter wieder empfängnisbereit.
Es ist möglich, Wüstenrennmäuse kastrieren zu lassen. Das führt allerdings nicht jeder Tierarzt durch und ist auch mit einigen Risiken verbunden (wie jede Operation). Ich habe mein Wüstenrennmaus-Männchen kastrieren lassen, nachdem er siebenfacher Vater wurde, es verlief alles gut und hat mich 26€ gekostet.
Meine Mäuse sind, wie bereits erwähnt, siebenfache Eltern, aber nur noch ein Mausekind lebt bei uns. Vier der Kleinen habe ich in ein Zoocenter gegeben, zwei zu einer Freundin.


>>Meine Wüstenrennmäuse und wie ich zu ihnen kam<<

Seit frühester Kindheit war ich immer mit jeder Menge Haustiere umgeben, da ich mit meiner Familie auf einem großen Bauernhof lebte. Als ich dann zum Studium in eine Neubauwohnung ziehen musste, vermisste ich vorallem eins: die Tiere. Schon nach kurzer Zeit stand fest, dass ich mir ein paar kleine Haustiere zulegen muss. Und weil sich meine Eltern immer gegen Mäuse, Ratten, etc. gesträubt hatten und mir die Erfahrung mit diesen Tieren noch fehlte, entschied ich mich für ein Tierchen dieser Kategorie. Wochenlang stand ich ewig in der Zoohandlung vor den Käfigen und habe sie beobachtet, verbrachte Stunden im Netz um mich über sie zu informieren und letztendlich auch, um mich für eine Art zu entscheiden. Das tat ich dann auch und meine Wahl fiel auf zwei kleine Wüstenrennmaus-Brüder. (Der Preis bei der Anschaffung liegt übrigens zwischen 5 und 10 Euro, man findet sie in fast jeder Zoohandlung)
Worin ich die Vorteile bei diesen Nagern sah, habt ihr ja oben lesen können.
Vorher hatte ich mir schon ewig Gedanken über den Namen gemacht, und so stand fest, dass die beiden "Kallisto" und "Kalypso" heißen sollten.

Kallisto und Kalypso

Die Namen sind angelehnt an die römischen Sagengestalten Kallisto und Kalypso. Beides waren Nymphen, also sind es eigentlich Mädchennamen, aber mir gefielen sie und ich wollte unbedingt Namen, die, wie meiner auch, mit K beginnen. Außerdem fand ich die Geschichten hinter den Namen so schön, aber die noch aufzuschreiben, würde wohl hier den Rahmen sprengen.
Am Anfang war es fast unmöglich, die beiden kleinen Mäuse auseinander zu halten. Sie waren beide grau-braun, mit einem helleren, sandfarbenen Bauch. Beide hatten sie diese niedlichen kleinen schwarzen Knopfaugen, mit denen sie so unschuldig aussahen (heute hab ich sie aber durchschaut!). Doch schon nach einigen Tagen ließen sie sich ganz eindeutig an ihrer Art auseinander halten: Kallisto war ein schnelles, unbefangenes Mäuschen, was ständig in Bewegung war. Kalypso wiederum saß lieber in einer Ecke, hat gefressen und sich Möglichkeiten gesucht, wie er ausbrechen kann. Folglich konnte man die kleinen später auch an ihren Körpermaßen auseinander halten.
Von Anfang an hat keine der beiden jemals gebissen oder gezwackt. Zwei absolut wohl erzogene Mäuse eben.

Dann aber, kurz vor Weihnachten, starb Kallisto an einem Schlaganfall. Und weil ich meiner anderen Maus das Alleineleben nicht lange zumuten wollte, kaufte ich mir am nächsten Tag, trotz großer Trauer, ein neues, kleines Mäuschen: Kallirhoe, eine Wüstenrennmaus-Dame.

Kallirhoe

Wieder ein K-Name, und wieder ein Name mit einer Geschichte dahinter. Kallirhoe war wahnsinnig klein und zerbrechlich, als ich sie kaufte. Vorallem im Gegensatz zu meinem sehr wohl genährten Kalypso. Sie verstanden sich aber zum Glück auf Anhieb sehr gut. Kallirhoes Fell ist schwarz mit einem weißen Latz und weißen Pfötchen. Ebenfalls eine ganz entzückende Maus, aber eine kleine Zicke. Sie wahnsinnig aktiv, kann ewig lang im Rad laufen, schläft so gut wie nie und ist dazu noch sehr flink und dickköpfig. Wenn sie frei läuft und nicht in ihren Käfig zurück will, dann geht sie auch nicht zurück. Man ist dann absolut chancenlos, sie zu erwischen. Zum Glück ist da noch ihre Neugier: Wenn sie irgendetwas interessant findet (und sie findet ALLES interessant) kommt sie sofort gucken und schnuppern.
Sie mag übrigens keine fremden Leute, da fühlt sie sich merklich unwohl, ist sehr unruhig und zwackt auch mal ganz gern.

Mittlerweile kam noch eine dritte Maus dazu, die Tochter der beiden, Nugget. Hab jetzt also eine richtige Mäuse-Familie zusammen.

Nugget

Nuggets Name beginnt ausnahmsweise nicht mit K. Das liegt daran, dass sie noch sechs Geschwister hat, die aber nicht mehr bei uns wohnen. Sie war quasi mein kleines, auserwähltes Goldstück, ein kleines Nugget eben. Nugget ist am 29. Februar diesen Jahres geboren, also jetzt dreieinhalb Monate alt. Sie sieht fast genauso aus wie ihr Papa, nur vom Grundfarbton etwas dunkler. Sie ist, genau wie die Mama, sehr neugierig und schnell, aber auch wahnsinnig klug. Im Gegensatz zu Kallirhoe, kann ihre Neugier sie nicht dazu bringen, auf Einfang-Fallen reinzufallen. Nugget liebt es, sich unter meinen Klamotten zu verkrümeln.
Sie hat überdurchschnittlich große Augen und ist eine echte Mäuseschöneheit *stolzsei*


>>Fazit<<

Wer sich für ein kleines Haustier interessiert, dem kann ich Wüstenrennmäuse fast uneingeschränkt empfehlen.

Pro
- pflegeleicht
- interessant und amüsant
- können handzahm werden
- sehr kostengünstig
- riechen kaum
- kommen auch mal alleine klar (ideal für Studenten, die das Wochenende nachhause fahren)

Contra
- nicht für Kinder geeignet
- knabbern ALLES an
- können wie jedes Tier krank werden, d.h., Tierarztkosten
- leben nicht lange

Trotz den Contras kann ich die Mäuse hundertprozentig empfehlen. Sie machen einfach Spaß, ich freue mich immer wieder, wenn ich ins Zimmer komme und sie sehe. Ich hab sie wirklich in mein Herz geschlossen und hoffe, dass ich noch lange Freude mit ihnen hab.

Vielen Dank an alle, die bis hierher durchgehalten haben. Danke für eure Bewertungen und natürlich Kommentare!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
wengwarri

wengwarri

05.04.2007 12:29

Sehr ausführlich und gut erklärt. Mit viel Wissen und guten Tipps!

DarkShadowTB

DarkShadowTB

26.04.2006 18:34

Ein sehr ausführlicher Bericht, mir fällt gerade nichts ein, was man da noch ergänzen müsste und insgesamt auch sehr ansprechend geschrieben. Rennmäuse haben micha ls Haustiere nie so wirklich interessiert, ich habe allerdings zwei Ratten deren Verhalten zumindest in Bezug auf den Freilauf doch recht ähnlich ist.

GoParc

GoParc

04.03.2005 22:15

Süße Maus ... die Wüstenrennmäuse gefallen mir allerdings auch ... *ggg*

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