Multifunktionsecken sollten selten matschig sein!
28.12.2006 (08.02.2007)
Pro:
Kinderland, Restaurant
Kontra:
Der Rest
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Größe des Sortiments:
Verfügbarkeit des Sortiments:
Preisniveau:
Fachliche Beratung:
Wartezeit an der Kasse zu Stoßzeiten:
Parkmöglichkeiten zu Stoßzeiten:
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 Andi2409
Über sich:
Bis vor kurzem nervte Blackberry, jetzt nervt HP. Ein Grund, auf beides zu verzichten!
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Tag, als ich vor einigen Jahren in München ankam, lernte ich schnell, dass man, soweit man seinen studentischen IKEA-Ramsch nicht weiterer Verwendung zuführen wollte, eigentlich nur zwei Läden brauchte, um sich neu einzurichten. KARE und das Karstadt Möbelhaus an der Theresienwiese. KARE stand für Spaß, Karstadt für Vernunft.
Zwar handelte es sich bei letzterem um ein wirklich typisches Möbelhaus, in denen die Verkäufer Krawatten zum Jeanshemd trugen und lustige Begriffe wie "Multifunktionsecke" benutzten, aber die Möbel, die hier erstanden werden konnten, waren schon ok! Abgesehen davon bekommen ich bei dem Gedanken an andere Häuser dieser Zunft (Möbelgiganten im "Weltformat" und dergleichen unerfreuliches) rote Flecken am Hals. Das Karstadt Möbelhaus wurde ja nun im Rahmen einer Umstrukturierung geschlossen. Sein Nachfolger tobte herbei. Sein Name steht eigentlich für eher fett (XXXL) und darüber hinaus kommt er auch noch aus Österreich. Ich erspare mir jetzt lästerliche Reden über unsere südlichen Nachbarn, weil ich dann immer an matschiges Gemüse und Straßenräuber (in anderen Ländern auch Polizisten genannt) denken muß und da habe ich keine Lust zu.
Lust habe ich auf einen Bericht über Lutz, XXXLutz. Diese Kette mit mittlerweile über 50 Häusern weitet sich bedrohlich aus, so dass man meinen könnte, ein österreichisch-schwedischer Krieg stehe bevor. Ein blinder Wahn, mein ältester Sohn brauche nun unbedingt JETZT ein Hochbett, trieb mich an die Theresienwiese. Noch gab ich mich der naiven Denke hin, vielleicht hätte man nur den Namen geändert und alles beim alten belassen, aber dem war dann doch nicht wirklich so! Abgesehen davon, ging mir die Öffentlichkeitsarbeit des Laden sehr auf die Nerven, aber wenn man schon mal in der Nähe ist………! (Mehr dazu, siehe unten).
Durch den Nebeneingang gelangt der Möbelierungswütige auf eine Art Plattform, von der er einen interessanten Blick auf das Untergeschoß hat. Dort befindet sich zunächst eine Stoffabteilung (Mit Stoff meine ich jetzt das Zeug, woraus man Kleidung und weiteres nähen kann) und das Gewusel macht schon jetzt nicht unbedingt Lust auf mehr. Unten angekommen wird der Eindruck nicht erfreulicher. Alles scheint hier nach einer chaotischen Formel angeordnet zu sein und auch ist kein Personal zu entdecken, welches sich bemüßigt fühlt, die wild herumfliegenden Stoffballen ordentlich und übersichtlich zu präsentieren. Aber es ist mein Stockwerk, denn hier gibt es im Bereich "Mitnahmemöbel" das von mir anvisierte Hochbett. Diese Abteilung befindet sich in einer düsteren Ecke am anderen Ende des Stockwerkes. Der Weg dorthin führt durch eine Ansammlung von windschiefen Gestellen, die nicht einmal Einzug in IKEAs Fundgrube halten könnten, weil ihr Anblick einfach nur Trauer hervorruft. Der innere Zwang, sofort umzukehren, wird größer, ist aber noch nicht groß genug. Immerhin, wenn ich schon einmal hier bin, kann ich mir auch einen Spaß draus machen. Es gibt Hochbetten, sogar nicht wenige.
Das ist gut. Man sollte sie nicht erklimmen, um sie einer Qualitätsprüfung zu unterziehen, denn sie sind nur rudimentär zusammengebaut.
Das ist schlecht. Hüpfproben und ungestüme Hopserei haben also zu unterbleiben.
Ein Verkäufer wäre nicht schlecht. Der Oberverkäufer verhandelt an anderer Stelle mit Kunden über Gardinenstangen. Das dauert. Die Bitte, doch mal einen Kollegen auflaufen zu lassen, lehnt er ab. Also muß ich mir selbst einen einfangen, was nach längerer Zeit auch gelingt. Dummerweise hat meine Beute von Hochbetten wenig bis keine Ahnung, erklärt sich aber bereit, im Computer nachzuschauen, ob ein solches Bett überhaupt verfügbar ist.
Mittlerweile hat sich eine ganze Gruppe von mißmutigen Kunden gebildet. Wir rotten uns zusammen und halten auf einem Doppelbett ein Sit-In zum Thema Strategieberatung ab. Der Vorschlag, als Jagdgesellschaft die Verkäufer durch den Laden zu hetzen wird leider abgelehnt. Dafür wir jeder auftauchende Mitarbeiter mit lautem Beifall und Jubelrufen willkommen geheißen. Schließlich kommt "mein" Verkäufer angelatscht und verkündet mit hochrotem Kopf, dass es tatsächlich noch drei Betten meiner schlaflosen Nächte gibt. Die Bettpfosten befänden sich aber leider in Lager A,, das restliche Bett in Lager B (welches rund 20 Kilometer von Lager A entfernt ist). Die Auflage könne ich aber sofort mitnehmen.
Habe ich Lust, den restlichen Nachmittag durch München zu gurken und die Einzelteile eines Hochbettes zusammenzusuchen? Nö!
Ein paar weitere Details. 1.) Dreck
Der Laden macht einen unglaublich schmutzigen und schmuddeligen Eindruck. Dagegen sind Möbelgeschäfte wie "Domäne" und Shops wie "Kaufhalle" noch Stätten pingelichster Sauberkeit. Wenn man in anderen Häusern Schubladen aus Möbeln zieht, so liegen meist Prospekte oder ähnliches darin. Hier wirbeln Staubwolken auf. Hin und wieder findet sich auch ein wenig Müll oder eine ausgelaufene Limoflasche. 2.) Die Verkäufer (im Untergeschoß)
Das Verkaufspersonal von Lutz muß in einer besonderen Kluft herumlaufen. Sie besteht aus einem orangen Hemd, welches nicht gebügelt werden darf. Flecken und Löcher sind aber erlaubt Dazu trägt der Lutzianer grundsätzlich dreckige Jeans. Rasieren darf er sich auch nicht und die Nutzung von Clearasil ist strikt untersagt. Haarschnitt? Was ist denn das für ein spießiger Kram? Alles in allem machen die Verkäufer, mit denen ich es zu tun hatte einen ungepflegten und lustlosen Eindruck!
3.) Der Marktauftritt Bereits vor seiner Eröffnung schoß Lutz gegen die bereits angesiedelten Möbelhäuser. Man warb ausschließlich mit niedrigen Preisen. Vom Sortiment her, hat Lutz auch nichts anderes zu bieten als seine Wettbewerber. Allerdings achten diese ein wenig mehr darauf, dass keine an Sperrmüll erinnernden Apfelsinenkisten herumstehen. Da man sich wohl bewusst war, dass man mit Ausstellungs- und Beratungsqualität nicht punkten konnte, zog man sich auf den Preis zurück. Die "anderen" schliefen natürlich nicht und es entbrannte ein wilder Preiskrieg, der so unwürdig ausgetragen wurde, dass es einfach nur peinlich war.
4.) Die anderen Etagen ……..unterscheiden sich nicht wesentlich von den Ausstellungen anderer Häuser, nur dass die Ware alles andere als kreativ präsentiert wird. Alles wirkt irgendwie planlos abgestellt. Auch hier könnte der Kunde den Eindruck gewinnen, dass die Mitarbeiter kein großes Interesse am Verkauf ihrer Waren haben. Es gibt eine weitere Abteilung mit Hochbetten, aber die gelangweilte Verkäuferin scheint sehr in die Teile vernarrt zu sein, so dass sie sie nicht herausrücken möchte.
5.) Das Restaurant ……..macht wenigstens optisch einen guten Eindruck. Das Angebot erscheint reichhaltig und auch ist es hier ein weniger sauberer. Die lustige Begebenheit, dass die offiziele Beschilderung, die den Weg zur Toilette weist, genau durch das Restaurant geht, legt den Eindruck nahe, dass das gastronomische Marketingkonzept auf den Satz "Wer pinkeln muß, will danach essen" reduziert werden kann.
6) Das Kinderland Diese Einrichtung ist der einzige Lichtblick bei Lutz. Die beiden jungen Damen dort spielen mit den Kindern, das Spielequipment ist ok.
Fazit: Natürlich kann es sein, dass Verkäufer muffig sind, weil es ihre Kunden eben auch sind. Dummerweise bin ich fast nie muffig und wenn ja, dann eigentlich nie in der Öffentlichkeit. Ich habe Leute befragt, die ebenfalls Erfahrungen mit der Möbelhalle haben und die berichteten ähnliches wie ich hier.
Das Thema Wohnkultur hat in der Vergangenheit wesentliche Änderungen erfahren. Ich denke mal, dass die meisten Menschen ihre Möbel in Hinblick auf langfristig ausgelegten Besitz kaufen und da ist beim Kauf eine angenehme Atmosphäre und eine gute Beratung nicht schlecht, wenn nicht auch Voraussetzung. Abgesehen davon sollte doch die Logistik ein wenig durchdachter sein, denn welcher Kunde fährt denn mehrere Lager für ein Bett an? Insgesamt richter sich XXXLutz am untersten Niveau aus.
Und das ist schade! Gruß
Andi
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13.01.2010 17:30
Soviel zum Thema Service in Deutschland. Da mache ich besser einen Bogen rum! Gruß Sowan
28.01.2009 00:36
Sehr gut berichtet, lg chris
20.10.2007 14:21
Interessanter Bericht. Ich hab mal bei einem Lieferanten von Lutz gearbeitet und find es daher umso interessanter mal zu hören wie es da so läuft. LG Sabine