Der Faktor X
01.05.2003
Pro:
Furios, bunt, schnell, spannend und mit Hugh Jackman; - )
Kontra:
Die Storyline um Jean Grey hinterlässt beim Zuschauer Unverständnis .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Action:
Romantik:
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 Michi78
Über sich:
Kulturwissenschaftler, Bücherwurm, Vampirbesessen, Tätowiert, Kurzsichtig und leicht verrückt.
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Der Faktor X Marvel Comics, Mutanten, abstruse Spitznamen und Männer in lächerlich hautengen Latextoutfits sind nicht mein Fall. Trotzdem hat mich schon im Jahre 2000 (ja, so lange ist das schon wieder her), der erste Teil der „X-Men“ begeistert, denn gute Stories, atemberaubende Action, überzeugende Special Effects und sympathische Charaktere mag ich dagegen sehr. So war es für mich klar, dass ich auch für den zweiten „X-Men“ Film eine Kinokarte lösen würde – ein großes Plus war dabei die Double Feature, die beide Teile hintereinander zeigte.
Doch worum geht es? War im ersten Teil noch Wolverine (Hugh Jackman) alias Logan als Protagonist auszumachen, durch dessen Augen man der Handlung folgte, bedient sich der zweite Teil eines größtenteils gleichberechtigten Ensembles um die beiden konträren Figuren Charles X. Xavier (Patrick Stewart) und Erik „Magneto“ Lehnsherr (Ian McKellen). Beide sind Mutanten, also gegenüber den normalen Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten behaftet. Doch während Magneto der Ansicht ist, Mutanten seien eine natürliche Weiterentwicklung des Menschen und dadurch berechtigt, über sie zu herrschen, strebt Xavier eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Mutanten an. Um sich hat er andere Mutanten geschart, die unter dem Deckmantel einer Schule für Hochbegabte für Recht und Ordnung in Gotham City kämpfen. Obwohl, das war ein anderes Comic... „X-Men II“ startet mit einer furiosen Eröffnungssequenz, in der ein neu eingeführter Mutant – der Teleporter Nighcrawler (Alan Cumming) – ein Attentat auf den Präsidenten der USA ausführt. Untermalt von Mozarts „Requiem“ erscheint und verschwindet er im Weißen Haus, bringt eine ganze Schar beanzugter Security zum Wirbeln, ersticht fast den Präsidenten und hinterläßt mit einem „Puff“ nur ein blaues Wölkchen. Die X-Men um Xavier sind beunruhigt, schüren doch gerade solche Ereignisse die Angst und Ablehnung gegenüber den Mutanten bei der normalen Bevölkerung. Sie wollen herausfinden, wer das Attentat geplant hatte. Ihr alter Erzfeind Magneto scheidet bald aus dem Kreis der Verdächtigen aus, befindet er sich doch in einem Hochsicherheitsplexiglasgefängis. Magneto kann Xavier dennoch weiterhelfen: Der Vater eines ehemaligen Schülers von Xavier, der hohe Militär William Stryker (Bryan Cox), hat es nie verwunden, dass sein Sohn ein Mutant war und damit die ganze Familie zerstörte. Nun plant er, alle Mutanten zu vernichten und braucht dazu Xaviers eigene Erfindung „Cerebro“, mit der er Verbindung zu allen Mutanten aufnehmen kann.
Dieser Haupthandlungsstrang wird begleitet von Logans Suche nach seiner Vergangenheit. Vor 15 Jahren hatte man ihm ein Adamantium-Skelett implantiert, seitdem fehlt ihm jede Erinnerung an sein Leben vor dem Eingriff. Am Ende des ersten „X-Men“ Films hatte er sich auf den Weg zu einer alten Basis im Norden Canadas gemacht, stellt aber nun fest, dass anscheinden General Stryker den Schlüssel zu seinem Gedächtnis in den Händen hält. Auch zwischen der verschiedenen Mutanten scheinen sich Frühlingsgefühle einzuschleichen. Zwischen Logan und der Telepatin Jean Grey (Famke Janssen) funkt es wie schon im ersten Teil, doch sie ist immer noch mit Scott Summers (James Marsden) alias Cyclops zusammen. Die kleine Marie (Anna Paquin) ist mittlerweile mit Bobby (Shawn Ashmore) befreundet, doch ihre Beziehung wird dadurch erschwert, dass es Maries Mutation ihr verbietet, andere zu berühren. Der neu zur Gruppe gestoßene Nightcrawler scheint einen Narren an der sinnlichen Mystique (Rebecca Romijn-Stamos) gefressen zu haben, die wiederum Logan in den Schoss springt. Man sieht: Seifenoperzustände bei den X-Men. Dennoch werden all diese kleinen Romanzen nur in kurzen Szenen angedeutet, um dem Zuschauer Raum für Phantasien zu geben und natürlich um die Action nicht zu unterbrechen.
„X-Men II“ ist in allem eine Nummer größer als der erste Teil. Es gibt neue Charaktere, wie Nightcrawler oder die Asiatin Yuriko (Kelly Hu), eine Art weitererentwickelter Wolverine, die trotz der Größe des Ensembles durch kleine Szenen sehr treffend und auf den Punkt charakterisiert werden. So schafft es der Film, trotz seiner Comic-Figuren keineswegs platt oder vereinfachend zu wirken. Die Special Effects sind im Vergleich zu Teil 1 eindrucksvoller geworden – schon die Anfangssequenz, in der Nightcrawler sekündlich erscheint und verschwindet und jedesmal nur ein Wölkchen blauen Dunsts hinterlässt, ist ein Ereignis. Kampfszenen sind so rasant inszeniert, dass man einzelne Bewegungen unter Umständen gar nicht mehr mit bloßem Auge wahrnehmen kann. Besonders sehenswert ist dabei der Kampf zwischen Wolverine und Yuriko – zwei gleichstarken Mutanten mit denselben Voraussetzungen (beide haben eine schnelle Regeneration und ein unzerstörbares Adamantiumskelett), der fast schon zu schnell vorbei ist. Einzige Kritikpunkte, sind der Soundtrack und die seltsame Storyline um Jean Grey. Zum Soundtrack: Man möge mich nicht falsch verstehen, als der Film mit Mozarts „Requiem“ einstieg, bin ich fast vor Freude vom Kinosessel aufgesprungen um in den dunklen Saal zu rufen: „Jaaaa, auch in Actionfilme passt Mozart prima rein!“. Der Score von John Ottman dagegen bleibt den gesamten Film über einfach zu blass, als dass man die Musik gelungen nennen könnten. Seine Musik kann sich gegenüber dem Film nicht behaupten, nichts von seinem Score bleibt im Gedächtnis und vom Kauf des Soundtracks braucht man sich daher nichts zu erwarten. Zu Jean Grey bleibt nur kurz zu sagen (wir wollen hier ja nicht spoilern), dass ihre Motivationen einfach nicht nachvollziehbar waren und dadurch die sonst so gut charakterisierten X-Men ein wenig zum Wanken brachte.
Was „X-Men“ so sehenswert macht, ist die Tatsache, dass es sich nicht nur um einen Film handelt, in dem sich Actionszene an Actionsszene knüpft, ohne dass sich ein größerer Kontext feststellen ließe, in dem sich der Film abspielt. Selbst „seriöse“ Filmkritiker auf „seriösen“ Sendern bescheinigen dem Film Tiefgang, wenn sie es mit den philosophischen Betrachtungen teilweise auch etwas weit treiben. Dennoch, die Welt der „X-Men“ ist trotz der Mutanten eine, die der unseren nicht fremd ist. Auch wir fürchten das Andere und Fremde, versuchen es auszumerzen und unsere eigene Vormachtstellung als Krönung der Schöpfung zu behaupten. Dass der Versuch, die Mutanten im öffentlichen Leben zu diskriminieren oder gar ganz zu vernichten, sich immer ganz nah am Genozid befindet, wird schon im ersten Teil des Films klar, der nicht zufällig in einem deutschen KZ beginnt, wo sich Magnetos Kräfte manifestieren, als man ihn von seiner Mutter trennt, die kurz darauf vergast wird. Das Problem, mit der eigenen Andersartigkeit umzugehen und von der Umwelt mit allen Eigenheiten akzeptiert zu werden, wird an zentraler Stelle immer wieder im Film aufgegriffen. Als Bobby seinen Eltern seine Mutantenkräfte beichtet, sind diese offensichtlich geschockt. Sein eigener Bruder denunziert ihn bei der Polizei – wieder eine geschickte Anspielung auf die NS Zeit oder die Zeiten der Kommunistenverfolgung in den USA – und die Szene endet damit, dass Bobby mit den X-Men das Haus verlässt, in dem aus dem oberen Fenster seine Eltern schauen – den anderen Sohn liebend umarmend. Solche kleinen Gesten machen klar, dass die Kluft zwischen Menschen und Mutanten in der Welt der X-Men immer noch unüberwindlich ist und es wird noch einige Fortsetzungen brauchen, sie zu beseitigen. Doch Tiefgang hin oder her. Auf den ersten Blick ist „X-Men II“ ein hervorragender Actionfilm, der alle Ansprüche erfüllt, die man bei diesem Label erwarten würde: Fights, Locations, stramme Muskeln bei den männlichen Protagonisten und scharfe Kurven bei den weiblichen, atemberaubenden Sepcial Effects und schnelle Schnitte. Das alles hat der Film, das Plus des interessanten Kontexts macht ihn darüberhinaus auch für Zuschauer interessant, die sich sonst im Popcorn Kino nicht zu Hause fühlen. -----------------------------------------------------
Allgemeine Infos: „X-Men II“ USA, 2003 Regie: Bryan Singer Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Ian McKellen, Anna Paquin, Famke Janssen, Halle Berry, Brian Cox, Kelly Hu, Shawn Ashmore, Rebeccy Romijn-Stamos FSK 12 Website: x2-movie.com (zu viel Flash, zu wenig Inhalt), foxfilm.de/x2 (übersichtlicher, mehr Material, liefert auch eine Suche nach Kinos, die Double Features mit beiden Filmen bieten) Carpe Noctem! © Michi, Mai 2003
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20.05.2003 15:48
den Film hab ich zwar nocht nicht gesehn aber auch die Comics zu den beiden XMen-Filmen sind echt genial ;o)
18.05.2003 14:01
wow muss ja ne gelungene Fortsezung sein hast mich echt neugierig gemacht. Gruß Sky-walker
13.05.2003 20:04
Hoi! Ich fand ihn überraschend gut, auch wenn nicht jedem besucher meine "Energie!"-Zwischenrufe gefallen haben mögen... übrigens ist auch X-Men III angedacht, MIT Jean Grey!