Glanzvoller Abschluß der Trilogie
07.05.2000
Pro:
Einfühlsamer und einzigartige kulturelle und religiöse Elemente in diesem Science Fiction Roman
Kontra:
etwas abgehobener Schluß
Empfehlenswert:
Ja
 nachtwächter
Über sich:
Ich bin der nachtwächter und hoffe, mit meinem Meinungen ein wenig Licht in den oft undurchsichtigen...
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Vor jahren führte Ender Wiggum, der „Sprecher für die Toten“, die Verständigung zwischen Menschen und den außerirdischen „Piggies“ herbei. Jahrelang hatten die Menschen Lusitania, den Planeten der Piggies, unter Quarantäne gestellt, um einen Kulturschock bei den technisch weniger fortgeschrittenen Piggies zu vermeiden. Doch Ender schaffte es durch sein einzigartiges Einfühlungsvermögen, die völlig verschiedenen Kulturen der Menschen und Piggies in einem friedlichen Miteinander zu vereinen. Sogar die noch fremdartigeren Krabbler, mit denen die Menschen vor Jahrhunderten einen mörderischen Krieg ausfochten, leben nun durch Enders Vermittlung unbehelligt auf Lusitania. Doch nun ist diese Einheit bedroht. Denn die Piggies tragen einen lebenswichtigen Mikroorganismus in sich, der jedoch für Menschen und alle irdischen Organismen absolut tödlich ist. Nun gibt es einen Impfstoff, der die Menschen vor dem Tode bewahrt. Sollte aber dieser „Descolada“ genannte Organismus jemals auf einen von Menschen besiedelten Planeten gelangen, würde er dort alles Leben auslöschen. Als nun die Piggies mithilfe der Krabbler die Entwicklung der Raumfahrt beginnen, fühlt sich die Menschheit in ihrer Existenz bedroht. Der Sternenwege Kongreß sendet eine mächtige Flotte aus, die imstande wäre, den gesamten Planeten zu zerstören. Die Piggies beschleunigen ihr Raumfahrtprogramm, und die Situation spitzt sich mehr und mehr zu. Es scheint darauf hinauszulaufen, daß eine Rasse die andere auslöscht, um zu überleben. Entweder die Menschen zerstören Lusitania, oder die Piggies tragen die Descolda zur Menschheit. Kann Ender den Xenozid, den Mord an einer ganzen Rasse, verhindern? Der Roman ist wirklich eine würdige Fortsetzung der überaus erfolgreichen beiden ersten Bände. Orson Scott Card bereichert hier wieder einmal gekonnt die klassische Science-Fiction um kulturelle und religiöse Elemente, so daß seine Schilderungen eine einzigartige menschliche Atmosphäre besitzen und dazu noch überaus glaubwürdig wirken. Wie bereits im Vorgängerband „Sprecher für die Toten“ zeichnet er hier sein wundervoll einfühlsames Bild der portugiesischen Kolonisten auf Lusitania weiter, inklusive ihres manchmal unbeholfenen, doch nie feindseligen Katholizismus. Es ist ein einzigartig interessantes Bild, wenn die Menschen versuchen, die fremdartigen Piggies zum Christentum zu bekehren, und dabei auch einige Erfolge verzeichnen. Genauso sensibel zeichnet er die Denkweise und Kultur von Qing-jao, die von einer Chinesisch-Taoistisch geprägten Welt stammt und versucht, Enders Pläne zu durchkreuzen. Der Autor hat sich wirklich intensiv mit diesen Kulturen auseinandergesetzt, und liefert so Einblicke, die man in der doch sehr von amerikanischen und englischen Autoren dominierten SF sonst nirgendwo findet. In seinem Buch vernachlässigt er jedoch auch nicht die klassischen Hard-SF Elemente. Alle auftauchenden Erfindungen und technischen Gegebenheiten sind solide und glaubwürdig beschrieben, und am Ende des Romans entwickelt er sogar eine eigene Abwandlung der Quantenphysikalischen String-Theorie, um die Suche nach einem Überlicht-Antrieb zu erläutern. Diese „Abschweifung“ ist keinesfalls zu technisch oder zu trocken für den interessierten Leser, aber sie wirkt im Gegensatz zum Rest des Romans doch sehr abgehoben. Besonders, da sie als finale Lösung des Plots dient. Dieser Umstand ist eine leichte Schwäche des Romans, man hat den Eindruck, daß sich die Handlung dadurch sehr von ihrer eigentlichen Basis entfernt. Trotzdem ist auch dieser Teil des Romans spannend beschrieben, der Schluß wirkt zwar abgehoben, aber nicht unbefriedigend. Insgesamt ist der Roman also sehr lesenswert, ganz in der Tradition und Qualität der Vorgänger. Nun stellt sich die Frage, ob man das Buch auch lesen kann, ohne diese Vorgänger zu kennen. Sicher, man kann, und es wird auch sehr unterhaltsam sein. Da auf die ersten beiden Romane erklärend Bezug genommen wird, fehlen einem auch keine Kenntnisse zum Verständnis des Buches. Allerdings kennt dadurch man nach der Lektüre von „Xenozid“ die genaue Handlung der ersten zwei Bände, und wird diese daher kaum noch mit Spannung lesen können. Jedem, der Interesse an dieser Trilogie hat, empfehle ich daher, sie unbedingt in der vorgesehenen Reihenfolge zu lesen. Da die beiden ersten Teile zudem in einem Sammelband namens „Ender“ gemeinsam nachgedruckt wurden, dürfte dies von der Beschaffung her und auch finanziell keine Schwierigkeiten bereiten. Orson Scott Card „Xenozid“ dritter Teil der „Ender-Trilogie“; dritte Auflage 1995; 622 Seiten; Preis 12,90 DM 1. Teil: „Das große Spiel“ 2. Teil: „Sprecher für die Toten“ 3. Teil: „Xenozid“
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