XETRA, als Lach- und Sachgeschichte
24.11.2000
Pro:
volatil, schnell, zuverlässig
Kontra:
der Tot der Präsenzbörsen
Empfehlenswert:
Ja
 KapitaenSchnuff
Über sich:
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Es war einmal ein unglaublich großer Riese, der schnurstracks in das Land des Zauberers Xetra marschierte. „Komm da raus!“, brüllte er dem Haus des Magiers entgegen „...oder ich trample deine Blumenkohlfelder kaputt!“. Der Zauberer Xetra war nun natürlich sehr besorgt - wegen seiner Blumenkohlplantage. Er fuchtelte mit dem Zauberstab herum und „Ploff!“ und „Peng!“, da verwandelte er sich in das elektronische Wertpapier-Handelssystem der deutschen Börse. Der Riese kaufte sogleich 10 Aktien der Blumenkohlplantage und alle waren glücklich bis zum nächsten Börsenchrash... Spaß beiseite, denn die Börse ist ein toternstes Thema, zumal den meisten Anlegern häufig die Tränen in den Augen stehen, wenn sie ihr Kapital mehr oder weniger verloren haben. Bei vielen Transaktionen spielt Xetra eine wichtige Rolle, doch halt - was ist Xetra denn nun wirklich?
Zunächst muß man wissen, wie die Börse, also der Aktienhandel, primär funktioniert: Vielleicht sollte man sich am besten einen großen Gemüse-Marktplatz vorstellen. Auf der einen Seite stehen die Leute, die bereits Gemüse haben und dieses möglichst teuer verkaufen wollen - auf der anderen Seite haben wir die Menschen, die gern Gemüse erwerben möchten, möglichst billig natürlich. Jetzt beginnt das große „Rufen“! Ein Gemüsebesitzer brüllt: „Ich verkaufe 10 Möhren zu je 1.- DM!“. Ein Interessent ruft: „Ich will die 10 Möhren, aber zu 50 Pfennigen!“. Schon kreischt der Nächste: „Ich nehme alle 10 zu 80 Pfennigen!“ Da erst mal keine weiteren Gebote kommen, wird das Geschäft ausgeführt und der 80-Pfennige-Bieter bekommt den Zuschlag.
Wie hätte das nun an einer (alten) Präsenzbörse, also z.B. in Frankfurt oder Stuttgart ausgesehen? Nun, die Bieter oder Anbieter hätten ihr Anliegen (die Order), ihrer Bank bzw. ihrem Broker mitgeteilt. Der wiederum hätte die Gesuche zum Börsenplatz weitergeleitet. Dort wäre ein „nervöser“ Mensch (der Makler) hektisch herumgerannt und hätte versucht die Aufträge als Stellvertreter auszuführen.
Und was ist nun Xetra? Xetra ist quasi ein moderner Börsenplatz - ein Computersystem. Die Orders werden über die Bank bzw. den Broker direkt in das elektronische Handelssystem eingestellt. Hier werden nun die Orders abgewickelt - das Ganze läuft aber nach wie vor nach den Prinzipien eines Marktes, also nach Angebot und Nachfrage. Es gibt ein paar Unterschiede zum (alten) Präsenzbörsenhandel:
Zunächst fällt natürlich ins Auge, dass kein Makler mehr „rennen“ muß, wenn die Orders abgewickelt werden sollen. Es wird schnell klar, dass quasi Arbeitskräfte gespart werden und die Prozedur somit für den Endkunden (den Aktionär) billiger ist (mehr oder weniger). Xetra ist von 9.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Im Gegensatz zur Präsenzbörse können aber aufgrund der elektronischen Verarbeitung bis Ende der Börsensitzung Aufträge ins System gestellt und ausgeführt werden. Ein paar Minuten mehr Handelszeit können an der Börse Millionen bedeuten. Das System öffnet das zentrale Orderbuch für alle Marktteilnehmer. Man sieht also stets, welche Orders, also Gebote bzw. Gesuche vorliegen. Der Markt wird relativ transparent, denn die Endkunden haben diese Informationen an den Präsenzbörsen ab und an nicht. Es gibt Schutzmechanismen, die zu Volatilitätsunterbrechungen führen. Man kann also nicht einfach mal nen Groschen für eine 100 Euro-Aktie bieten, in der Hoffnung, dass ein „Dussel“ darauf eingeht, weil er kein Limit gesetzt hat... ;o) Prinzipiell sind auf Xetra alle ca. 5.500 an der FWB Frankfurter Wertpapierbörse notierten Aktien handelbar. Die Produktpalette umfaßt zudem ca. 10.700 Optionsscheine.
Für Einsteiger empfehle ich generell (wegen der hohen Umsätze und Volatilität) nur die Börsenplätze Frankfurt und Xetra zu nutzen. Man sollte sich über die Mindestordergrößen der einzelnen Aktientypen (Dax, neuer Markt usw.) genau informieren, denn allein diese Informationen würden hier zu einem halben Roman führen. Noch ein patriotischer Gedanke. Wer auf Xetra handelt, muß wissen, dass er ein Grab für die klassischen Parkettbörsen schaufelt. Ich werde die berühmte Glocke an der Wallstreet vermissen...
© KapitaenSchnuff 24.11.2000 (Rettet die Börsenmakler! ;o)
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20.12.2000 20:28
Moment - wenn jemand 1 DM will und jemand 80 Pfennige biete, kommt erst mal gar nix zustande. Und das mit den Mindestordergrößen ist eigentlich auch nicht so kompliziert, falls ich nichts übersehen habe 100 Stück bei DAX-100-Werten. Nicht? Lord_Henchen [J/HH]
24.11.2000 22:02
Hm... Was ist eigentlich mit der Homepage, die in einer Woche online sein soll ? ;))
24.11.2000 19:26
Deine Börsenmeinungen zu lesen, ist für mich immer wieder eine Offenbahrung. Und immer wieder sehr gut und übersichtlicht dagestellt. Gruß Heiwing