Erfahrungsbericht über "Yamaha CPX 15 Süd"

veröffentlicht 21.07.2005 | Almstedt
Mitglied seit : 12.07.2004
Erfahrungsberichte : 81
Vertrauende : 1
Über sich :
Ausgezeichnet
Pro Sound, Verarbeitung, Spielbarkeit, Elektronik, Look and feel
Kontra Kein "Kult"-Image
sehr hilfreich
Klangqualität:
Verarbeitung
Design
Bedienkomfort:
Zuverlässigkeit

"Meine Traumgitarre (nicht nur für die Karibik...)"

CPX-15 South

CPX-15 South

Okay, ich geb's zu... - was Gitarren angeht, bin ich schlimmer als die meisten Frauen mit ihren Schuhen! Ich kann einfach nicht genug davon kriegen...
Da ich inzwischen ein Dutzend davon habe, ist der "Kaufrausch" inzwischen der gezielten - oft jahrelangen - Jagd nach speziellen Modellen gewichen (siehe mein Testbericht über meine Epiphone Sheraton II = "The King is back.."), manchmal treffen mich aber auch noch Amor's Pfeile unvermittelt mitten in Herz, Bauch und Verstand - so auch bei dieser Traumgitarre, die ich wahrlich nicht auf meiner Wunschliste stehen hatte (kein Wunder bei dem Preis), die aber mein Leben trotzdem gehörig umgekrempelt hat.

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Vorgeschichte:
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Es war einmal.... - so fängt es ja meistens an, oder? Also, ich war mal wieder an einem freien Tag die 140km zu einem großen Musikladen in Burgebrach (Treppendorf) gefahren und dort am herumlungern, als mich eine Horde schwarz gekleideter Jünglinge durch immensen Lärm in der Verstärker-"Testhalle" in die Ruhe der Akustikgitarrenabteilung trieb...
Gut, dort konnte ich mal wieder schauen, ob ich endlich eine schöne Ovation CC-247 Elite finden würde (war wieder nix) und schaute mir dann mal die Töcher der anderen "Mütter" an. Takamine (nicht so dolle), eine Martin (gerade noch erschwinglich), zwei gnadenlos teure und sehr gute Taylors, viel Mainstream von Ovation und Ibanez sowie eine Reihe von Yamahas... Mir fiel ein Testbericht über eine neuere Yamaha CPX-8 ein, den ich kürzlich gelesen hatte und die laut Testbericht erstmals ab Werk über ein klanglich und aufnahmetechnisch sehr überzeugendes duales Pickup-System verfügte: einen konventionellen Piezo-Pickup im Steg und ein beweglich montiertes Kondensator-Mikrofon im Korpus.

Kurzerhand habe ich dann die dort anspielbare CPX-8 (in einem sehr aparten transparenten Mint-Grün lackiert) an einen Acoustic-Verstärker angeschlossen und angetestet. Nach wenigen Minuten war auch ich sehr angetan - die Möglichkeiten des PreAmps waren genauso berauschend wie der Sound. Der Preis war mit knapp 700€ für so viel Leistung wirklich sehr preiswert. Trotzdem sprang der magische Funken irgendwie nicht richtig über. Also stellte ich die Gitarre wieder weg und schaute weiter... - ich hatte ja schon eine Yamaha APX-4A zu Hause und sooo groß schienen mir die Unterschiede nicht.

Eine Ecke weiter sah ich dann diese wunderbare Schönheit von einer Gitarre: eine in transparentem Blau lackierte Yamaha CPX-15 South mit grandiosen Perlmutt-Einlagen im schwarzen Ebenholz-Griffbrett und rundum traumhafter Verarbeitung. So ungefähr müssen Elfen frühmorgens aussehen, wenn sie in den letzten Nebelschwaden auf einer sonnigen Waldlichtung tanzen... *Seufz*

Ein Blick auf das Preisschild brachte mich umgehend zurück in die Realität: 1199€... - die hatte ich leider gerade nicht in der Portokasse und an mein Erspartes; nun ja...
Nach ein paar weiteren angetesteten Gitarren trieb es mich dann aber doch wieder magisch zu dieser CPX-15 zurück. Wenn ich sie mir schon nicht kaufen konnte, dann wollte ich wenigstens einmal darauf spielen...

Gut! Also die Gitarre in den Verstärker eingestöpselt, Lautstärke justiert und einen Akkord angeschlagen... - dabei blieb es erstmal...
Der Verstärker (ein AER AcousticCube) schien genauso hingerissen wie ich und jubelte auf einmal los, dass mir die Spucke weg blieb. Im Gegensatz zur vorher über den gleichen Amp gespielten CPX-8, die eigentlich eine ähnliche Technik verwendet (Mikrofon & Piezo) war die CPX-15 um so viele Lichtjahre transparenter, druckvoller, obertonreicher, dynamisch akzentuierter und ausgewogener im Sustain, dass ich es nicht glauben wollte. Wohlgemerkt, ich hatte beide Gitarren zum antesten mit linearen Equalizer-Einstellungen angespielt!

Die des weiteren zum Vergleich herangezogene Martin wurde glatt an die Wand gespielt (zu zahm und trocken) und auch die Taylor-Gitarren wußten trotz des fast dreifachen Preises nicht, wie sie gegen diese Traumgitarre anstinken sollten - glattes Unentschieden! Die Taylor's hatten beim Fickerpicking leicht die Nase vorn, beim Plektrumspiel (Strumming) wiederum war die Yamaha noch einen Tick durchhörbarer...

Tja, was tun? Blöde Frage... - diese Elfe von einer Gitarre mußte ich aus dem Verkaufsraum retten und habe dem Händler deshalb meine goldene Plastikkarte gezeigt, woraufhin ich mit der Gitarre von dannen ziehen durfte und wir beide zusammen ins finanzielle Elend stürzten... ;o)

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Technische Daten:
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Decke: Massive Fichte
Boden & Zargen: White Sycamore (Bergahorn)
Hals: Mahagoni
Griffbrett: Ebenholz
Brücke: Ebenholz
Korpus-Tiefe: 95-115mm
Mensur: 650mm
Mechaniken: Diecast, vergoldet
Pick-Up System:
2-Wege: L R Baggs Ribbon Transducer Pickups plus im Korpus montiertes Kondensator Mic.. Preamp mit Volume, Piezo/Mic Blend, 4-Band EQ, Möglichkeit der separaten Anpassung eines Frequenzbands von 300Hz-2KHz
Finish: Miami Ocean Blue
Standard Zubehör: Schallloch Abdeckung,

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Wer ist Yamaha:
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Na gut, brauche ich wohl wirklich niemandem zu erklären.... Flugzeuge, Motorräder, Konzertflügel, Atomkraftwerke, Synthesizer, HiFi-Geräte, Fernseher, Medizinische Geräte, Blockflöten und und und und eben auch Gitarren...

Yamaha ist eine Firma, die (negativ gesehen) dafür bekannt ist, dass sie andere Produkte kopiert. Allerdings ist sie auch bekannt dafür, dass ihre Kopien keine sind, weil sie alle - auch die kleinsten - Fehler der Originale ausmerzt, bevor sie die Kopien als eigene Produkte in extrem hoher Qualität wieder auf den Markt bringt.
Ein Yamaha Gerät im Preis-Leistungs-Verhältnis schlagen zu wollen, ist deshalb auch eine der undankbarsten Aufgaben der Welt.
Yamaha produziert weltweit, überwiegend heutzutage in Billiglohn-Ländern überall auf dem Globus (so wie alle international erfolgreichen Firmen!). Die wirklich "wichtigen" Produkte werden aber weiterhin in Japan gebaut - wie zum Beispiel die Top-Konzertflügel oder eben auch meine Gitarre...

Meine Gitarre wurde in Handarbeit aus ausgesuchten Klang-Hölzern in Japan gebaut und von zwei Gitarrenbaumeistern vor Auslieferung eingestellt, feinjustiert und geprüft und beide haben für die Qualität dieser Gitarre unterschrieben, die ich letztlich gekauft habe....

Eine ähnliche Perfektion legt im industriellen Bereich noch PRS an den Tag, aber das war's dann...


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15 Monate später:
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Die Yamaha CPX South hat es sich in meiner Wohnung bequem gemacht und dankt mir ihr neues Zuhause mit unglaublichem Klang und einer immer wieder motivierenden Ausdrucksfähigkeit...
Es klingt vielleicht blöd, aber selbst wenn ich nur einen einzigen Ton anschlage und dem Ausklingen lausche, läuft mir eine Gänsehaut den Rücken runter.
Der Effekt ist fast wie bei einem guten Konzertflügel... - Töne gleiten sanft und leicht bis zum Horizont, modulieren leicht die Obertonspektren und entwickeln eine Befindlichkeit, die ich im visuellen Bereich als Pastellton bezeichnen würde. Irgendwie, als ob die Sichtweite unendlich wäre und jedweder Dunst auf der Erde verbannt worden wäre.

Im Homestudio ist die Gitarre ein absolutes Multitalent, durch das eingebaute und stufenlos zumischbare Kondensatormikrofon mit eigener Klangregelung (!) gelingt es auch ohne den eingebauten Equalizer, einen ehrlich nicht an eine Elektroakustik-Gitarre erinnernden Ton zu erzielen. Bei geschickter Mischung beider Pickups braucht man keinen Extra-Hall mehr, die Räumlichkeit des Klangbildes ist frappierend - so etwas kann kein noch so teures Hallmodul simulieren! Bei Bedarf kann man trotzdem nur mit dem Piezo-Pickup eine herzlich erdige und perkussive Rock-Acoustic loslassen, die sich überall durchsetzt.
Das bewegliche Kondensator-Mikrofon hat dabei einen nicht unerheblichen Anteil an der famosen Flexibilität bei: dreht man es Richtung Korpusinnerem, bekommt der Sound Körper und Wärme und Sustain, auch ohne irgendwelche Effekte zu bemühen. Dreht man das Mikrofon in Richtung der Saiten, gewinnt der Sound an Brillianz, Definition und "Nähe"... - alle Variationen dazwischen lassen sich durch leichtes Bewegen des Mikrofons erzeugen - ein Chamäleon ist dagegen fast ein schwarz-weiß Bild...

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Fazit:
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""""Ich werde na nun wirklich nicht gerne ausfallend, aber was bist du denn für ein Arschloch??? ;-) Eine CPX-15 South, von soetwas träume ich zeitgleich mit nem Lottogewinn.... """", das schrieb mir das CIAO-Mitgleid mdthemaster, nachdem er auf meiner Homepage meine CPX-15South gesehen hatte und ich kann dem nicht viel hinzufügen...

Die Gitarre ist selbst nach japanischen Maßstäben perfekt und makellos verarbeitet und funktioniert so erbarmungslos fehlerfrei wie ein Samurai-Schwert. Man kann diese Perfektion nicht in Worten beschreiben, unserer westlichen Sprache fehlen dazu die Vokabeln, aber alleine der Anblick der Gitarre versetzt einen in eine andere Welt. Das Ebenholz-Griffbrett ist makellos, die Abalone-Inlays sind wie mit einem chirurgischen Laser eingesetzt und die Bundstäbe so sauber eingesetzt, hochglanzpoliert und abgerundet, dass selbst manche Nobel-Gitarren dagegen wie ein Jeep wirken... Natürlich sind die Oktavreinheit perfekt justiert und die Saitenlage (Abstand der Saiten zum Griffbrett) auch bei Anwendung wissenschaftlicher Maßstäbe nicht mehr diskutabel gewesen.

Wenn ich überhaupt etwas (winziges) zu kritisieren finde (und auch das nur um meinem Ruf als alter Kritikaster gerecht zu werden), so ist es das etwas "dünnere", "fleischlosere" akustische Klangbild beim Fingerpicking im Vergleich zu einer guten Taylor... Hauptgrund dafür mag die Verwendung des sehr harten und perkussiv klingen Bergahorn als Korpusholz sein, dessen Vorzüge bezüglich Sustain und Transparenz hier dann doch gegen den warmen Klang eines Mahagoni-Korpus ganz leicht den kürzeren zieht.

Okay, wahrscheinlich würden andere Gitarrenbauer immer noch ihre Familien verkaufen, um so einen Sound hinzubekommen, aber ehrlich, es geht noch einen Hauch besser. Natürlich ist davon elektrifiziert nichts mehr zu bemerken aber dennoch...
Ratet mal, welche Akustik-Gitarre als nächstes auf meinem Speiseplan steht??? ;o)

Wieder mal ein herzliches Dankeschön an alle, die bis hierher duchgehalten haben und anbei noch ein paar Fotos von (m)einer CPX15 South...

Ciao, Bernd


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • adiszulc veröffentlicht 07.06.2006
    wooaawww!!!! Die Gitarre .... ich bin so neidisch!!! Na, ja viele Bericht bei Ciao und kann ich sie mir auch leisten:)) Toller Bericht! Hat man gleich Lust die zu kaufen und testen... Viele Grüße! Adrian
  • Dr_Labude veröffentlicht 26.05.2006
    Das nennt man dann wohl "begeistert" ;.)
  • der-kaos veröffentlicht 22.08.2005
    Einfach ein genialer Bericht...du hast mir was akustik-gitarren angeht, neue maßstäbe gesetzt^^...ok, bin erst seit 1 1/4 jahren bei den 6-saitern, aber trotzdem...ein geiles teil hast du da...hm...hm...jo...so nebenbei, was den MS-2 angeht, ich glaub, für dich reicht das kleine teil lautstärkemäßig grade noch so, aber klanglich bist du auf höherem niveau, gell? gruß nick
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