Yamaha Pacifica 112

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Yamaha Pacifica 112

E-Gitarren von Yamaha gibt es schon sehr lange. Am prominentesten war mit Sicherheit die SG, die Altmeister Santana fast ausschließlich spielte, bevor...

89% positiv

21 Erfahrungsberichte der Community

Erfahrungsbericht über "Yamaha Pacifica 112"

veröffentlicht 04.05.2005 | Almstedt
Mitglied seit : 12.07.2004
Erfahrungsberichte : 81
Vertrauende : 1
Über sich :
Sehr gut
Pro Preis, Ergonomie, potentiell guter Klang
Kontra sehr stark schwankende Qualität
sehr hilfreich
Klangqualität:
Verarbeitung
Design
Bedienkomfort:
Zuverlässigkeit

"Budget-Gitarre für Einsteiger und Profis..."

Meine Pacifica und ich...

Meine Pacifica und ich...

Hallo liebe Gitarrenfreunde....

Lange Zeit habe ich mich nicht getraut, eines meiner vielen Instrumente hier auf Ciao zu "bewerten"... Zu unterschiedlich sind die individuellen Instrumente, die subjektive Wahrnehmung dieser Unterschiede, die eigenen Vorlieben und die unvermeidliche Werbewirkung, als das wirklich eine vernünftige Bewertung möglich wäre. Trotzdem drängt es mich danach, meine in den letzten 25 Jahren gemachten Erfahrungen an andere Gitarrenfreunde weiterzugeben, sowohl an Einsteiger als vielleicht auch an Fortgeschrittene...

Als erstes Objekt aus meiner Gitarrensammlung beschreibe ich heute meine Erfahrungen mit meiner schwarzen Yamaha Pacifia 112, mit der ich mich seit 1999 sehr ausführlich beschäftigt habe. Die Gitarre gilt als gute Einsteigergitarre, kann aber auch dem Fortgeschrittenen durchaus manches wohlige Sounderlebnis bescheren, wenn man sich bei der Auswahl seines eigenen Instruments ein wenig Mühe gegeben hat. Rein optisch ist diese Gitarre eher der Aschenputtel-Kategorie zuzuordnen und wirklich kein Hingucker auf einer Bühne, selbst im Proberaum wird man damit manchmal schräg angeschaut - keine Verzierungen, kein Goldauflagen, nicht einmal Perlmutt-Imitat... ;o)
Als Trost sei angemerkt, dass auch im Musik-Biz Marken meistens nur Schall und Rauch sind und ich auch trotz Nike-Turnschuhen die 100m nicht unter 10 Sekunden laufe... ;o))

Zu meiner Person:
Ich spiele (mit Unterbrechungen) seit nahezu 30 Jahren Gitarre, seit einigen Jahren versuche ich mich auch an Keyboards und seit 2003 habe ich auch einen E-Bass zum üben...
Ich mache meine eigene Musik zur Entspannung und nehme diese Musik auch in meinem Homestudio auf.
(Die Ergebnisse sind anzuhören auf meiner Homepage => siehe meine Visitenkarte).

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Der Kauf:
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Ich habe 1999 dringend eine Gitarre mit SingleCoil-Tonabnehmern (spezielle Tonabnehmer, die für besonders klare und offen Sounds bekannt sind, aber auch für ihre Empfindlichkeit für Störeinstrahlungen) für meine Homerecordings gesucht, allerdings war mein Budget damals recht beschränkt, mehr als 700DM wollte ich nicht ausgeben.

Zur Unterstützung habe ich damals unseren "firmeneigenen Profimusiker und Toningenieur" (einen lieben Dank an Dag Winderlich nochmal dafür) ins Auto geladen und bin zu MusikProduktiv nach Ibbenbüren (NRW) gefahren, die eigentlich über eine extrem umfangreiche Auswahl passender Gitarren verfügen...
Stunden später sah man dann zwei ratlose Gesichter. Natürlich hatten wir einige tolle Gitarren (Framus, Fender Custom Shop)anspielen können, leider weit außerhalb meines Budgets...

Alle angetesteten Gitarren (Fender Squier, Ibanez Kopien, etc...) waren entweder sehr schlecht verarbeitet und/oder klangen einfach grottig! Ich habe sogar vor lauter Kaufwut und Verzweifelung sogar schon mit einer Danelectro-Gitarre geliebäugelt, die meinen damaligen Soundvorstellungen wenigstens einigermaßen nahe kam....

Kurz bevor ich endgültig die Flinte ins Korn warf, nahm ich dann, weil ich ja schon mal da war, die im nachfolgenden beschriebene Gitarre von ihrem Platz hoch oben auf der Präsentationswand und stöpselte sie in den bisher als "temperamentlos, muffig und dröge" erlebten Verstärker ein und - BOOOAAAAHHH! Auf einmal waren der Verstärker und auch ich wieder wach! Die Gitarre "lebte" in meinen Armen, der Ton kam akzentuiert und variabel und ließ sich prima kontrollieren....
Auch mein "Profi-Kollege" hatte keine objektiven Einwände - Preis, schlichte Optik, etc. ließ ich nicht gelten - und so schleppte ich mein Objekt der Begierde zur Kasse. Nein, ich möchte keine "neue" Gitarre aus dem Lager, sondern genau diese da, bitte mit einer roten Schleife drum und neuen Saiten, danke!
Der Spaß hat mich damals sparsame 379,00 DM gekostet, heute liegt die Pacifica bei ca. 200€ im Verkaufspreis. Wenn's deutlich biliger ist, würde ich dreimal genau hinschauen, weil es bei akustischen Instrumenten (auch E-Gitarren sind letztlich akustisch Instrumente!) leider doch massive Qualitätsunterschiede gibt....

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Bauweise:
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Die Pacifica Serie ist in ihrer Bauweise recht stark an die Fender Strocaster angelehnt, der Korpus ist sehr ähnlich geformt und dadurch ähnlich komfortabel. Bei meiner Gitarre besteht der Korpus aus Mahagoni und Erle, der Hals ist aus matt lackierten Ahorn mit einer Griffbrettauflage aus ca. 6mm starkem Mahagoni. Der Body ist (sehr sorgfältig) schwarz lackiert und mit einem weißen Pickguard geschützt, auf dem auch die Pickups und Regler montiert sind.

Ähnlich wie bei der "Fat Strat" hat die Pacifica 112 einen Humbucker (doppelspuliger Tonabnehmer, der Fremdgeräusche wirkungsvoll unterdrückt, einen (relativ) hohen
Ausgangspegel liefert und einen etwas mittigeren und rauheren Klang bietet) in der Stegposition, der ideal für Power-Sounds geeignet ist. Alle Regler und auch der 5-Wege Schalter arbeiten auch jetzt nach 6 Jahren Dauergebrauch immer noch zuverlässig und ohne größere Nebengeräusche - vor allem aber gut dosierbar über den ganzen Regelweg, und das ist auch heutzutage leider immer noch nicht selbstverständlich!

Das einfach gebaute Vintage-Vibrato der Pacifica 112 arbeitet erstaunlich stimmstabil und klangdienlich! Nachdem ich ein paar Jahre mit aufliegendem Vibrato gespielt habe, bin ich seit einem guten Jahr wieder zur frei-schwebenden Einstellung zurückgekehrt. Auch in dieser Einstellung ist die Gitarre stimmstabil und verfügt über ein gesundes Sustain.
Das Yamaha Hals-Profil ist ja bereits Legende, meiner Meinung nach zurecht! Die lange Mensur von 648mm ist Fender-typisch...
Ich liebe das Halsprofil, weil es perfekt spielbar ist und trotzdem ausreichend "Masse" für einen überzeugenden Klang bietet!

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Verarbeitung:
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Meine Pacifica 112 ist zwar sehr schlicht gebaut, aber die Verarbeitung ist auf sehr hohem Niveau! Sowohl die Passform der Einzelteile (Hals-Korpus-Verbindung) als auch die Lackierung oder die Bauteile sind für den Preis erstaunlich gut ausgefallen. Vor allem die perfekt eingepassten und sogar polierten Bünde sind ein Highlight und erleichtern präzise Bendings und weite Griffe enorm.

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Klang:
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Die Pickups meiner Pacifica 112 klingen erstaunlich erwachsen, der Hals-Pickup klingt zwar weniger offen und brilliant als der einer USA Strat, aber dafür runder, pfundiger und mit ebenso schönem Sustain (erinnert teilweise sogar an eine gute alte Gretsch!!!!). Auch der Mittel-Pickup ist solo brauchbar für schöne Riffs! Der Steg-Humbucker hingegen ist ein echt offensives Kerlchen, kein echter "Jeff Beck", aber sehr in die Richtung! Läßt sich mit entsprechendem Equipment in alle Richtungen brauchbar einsetzen, wenn es nur rockt! Den Clean-Betrieb hingegen mag er weniger - da fällt dann doch auf, dass für dieses Geld keine Wunder zu erwarten sind! Irgendwie klingt der Steg Humbucker dann etwas "lustlos", nicht muffig aber dynamisch leicht eingeschränkt...
In den Zwischstellungen lassen sich der Pacifica typisch twängige Dire Straits Sounds entlocken, auch wieder nicht ganz so "schneidend" wie auf einer alten Strat mit voll aufgerissenem Klangrelger, aber trotzdem sehr durchsetzungsfähig, leicht perkussiv und mit einem guten Mitten-Pfund.
Trotz einiger Kommentare werde ich die Pickups nicht wechseln, gerade in ihrer (leistungsfähigen) "Andersartigkeit" liegt ihr Reiz!
Stattdessen habe ich mir für "richtige" Strat-Sounds inzwischen nach langer Suche doch eine Fender Strat zugelegt....

Ich spiele zur Zeit nach diversen Experimenten Fender Bullet Strings in der Stärke 0.10 bis 0.46 - damit klingt die Pacifica sehr offen und flexibel, auch die Stimmstabilität ist damit sehr gut. Mit anderen Saiten hatte ich teilweise unausgewogene Sounds (insbesondere auf der G-Saite) und vor allem durfte ich bei manchen Saiten alle Nase lang nachstimmen.... Einzige Alternativempfehlung sind D'Addario XL Nickel Round Saiten in den Stärken 009 bis 046 oder 010 bis 052, wobei vor allem mit letzteren Saiten der Humbucker gewaltig schiebt und der Halspickup in Richtung warmem Jazz-Sound tendiert, dafür klingen leider die Zwischenstellungen etwas zurückhaltender und "verschnupfter".

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Wie habe ich getestet:
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Nun, über die Jahre habe ich die Pacifica 112 getestet mit verschiedenen Verstärkern, im Homestudio, mit unterschiedlichen Saiten (Gibson, D'Addario, Fender, etc.), diversen Multieffekten (Vox ToneLab SE, Line6 POD xt, Boss GT-6, etc.) u.s.w.
Letztlich hat sich meine Pacifica 112 in jedem (!) Setting durchgesetzt, charakterstark, klangstark, super bespielbar...

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Gegenanzeige:
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Trotz gegenteiliger eigener Meinung musste ich mittlerweile die Erfahrung sammeln, dass bei den Einsteiger-Modellen bei Yamaha massive Qualitätsunterschiede zu verzeichnen sind! Sowohl bei den verwendeten Hölzern als auch bei den Pickups und auch bei der Verarbeitung (Bundierung) habe ich leider inzwischen massivste Qualitätsunterschiede erleben müssen.
In der Verarbeitung sind allerdings die allermeisten Pacificas die ich spielen konnte sehr gut gewesen, Lackierung, Halsausrichtung und Bundierung waren selten ein Kritikpunkt. Leider scheint die Serienstreuung bei den Pickups aber sehr groß zu sein, ich habe einige Gitarren gespielt, die klanglich nicht die geringste Ähnlichkeit zu meiner Pacifica hatten, wenig Sustain, kaum Obertöne, eher matschig, eine sogar richtig dumpf! Mag teilweise an alten Saiten gelegen haben, trotzdem rate ich hier zur Vorsicht!

Mein Tip deshalb: nehmt euren Gitarrenlehrer oder einen erfahrenen Gitarristen mit, bevor ihr euch eine Gitarre kauft und spielt sie über verschiedene gute (!) Verstärker zur Probe an! Sogar bei Yamaha ist für einen Preis alles erhältlich, von Schrott bis zum Top-Instrument!

Die Bewertung gilt deshalb auch nur für die Gitarre, die ich im Einsatz habe... Eine bessere 112er habe ich (leider) bisher noch nicht gespielt, dafür aber auch leider schon deutlich schlechtere Exemplare in der Hand gehat, die von mir bestenfalls 2 Sterne erhalten hätten.

Ich hoffe, dass dieser Beitrag euch ein wenig helfen konnte! Musik ist (nicht nur für mich) essentiell für jedes Leben, lasst es in euch herein.... Ciao, Bernd


Community Bewertungen

Dieser Erfahrungsbericht wurde 9584 mal gelesen und wie folgt bewertet:
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • GIGA veröffentlicht 13.07.2006
    Ich spiel selbst E-Gitarre und m uss sagen das Dein Bericht auch für mich alles enthällt was ich brauche um mir über diese Gitarre ein gutes Bild machen zu können.Einfach nur Klasse :-) GIGA
  • KawaKasper veröffentlicht 14.09.2005
    Super Bericht über die Gitarre, hätt ich mal früher entdecken müssen...
  • TFaust99 veröffentlicht 31.07.2005
    Da möchte ich doch voll und ganz zustimmen. Meine Pacifica hat vor acht oder neun Jahren etwas mehr als 700,- DM gekostet - das war dann aber auch ein ohnehin teureres Modell - und ich bin nach wie vor mit dem guten Stück zufrieden, wenngleich es momentan in der Heimat auf dem Dachboden steht und Staub ansetzt... >_<
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