Die eierlegende Wollmilchsau
05.05.2012
Pro:
Kann (fast) alles, robust und zuverlässig ohne Ende, übersichtlich, kein Schnickschnack
Kontra:
Nix für Kleine, Vibrationen, kein ABS
Empfehlenswert:
Ja
 ljb86
Über sich:
Mitglied seit:14.07.2011
Erfahrungsberichte:2
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Nachdem ich die Fahrerlaubnis Klasse A erworben habe, musste natürlich sofort ein Motorrad her. Da ich damals noch keine 25 Jahre alt war, brauchte ich eines, das maximal 34 PS hat. Durch Zufall hab ich bei einem Händler um die Ecke die "neue" XT gefunden, blau, zwei Jahre alt und mit unter 5tkm, 48 PS, jedoch leicht zu drosseln. Also stellte sich die Frage: entweder ein alter Bock für zwei Jahre und danach was "großes" oder DIE, erstmal gedrosselt, später offen... DIE!!! Also kaufte ich mir die XT660 R, mit 34 PS-Drossel. Im ersten Jahr bin ich über 10000 km gefahren, die XT lief immer einwandfrei, sprang ausnahmslos top an und machte nie Zicken. Super. Konzeptbedingt eher auf Drehmoment als auf Leistung ausgelegt, war der Unterschied zwischen Serien- und beschnittener Leistung minimal. Bei Ausfahrten konnte ich immer problemlos mit den offenen mithalten. Seit ich die XT mit der Serienleistung von 48 PS fahre, geht sie obenraus ein wenig besser, aber vom Antritt her hat sich nicht viel getan. Die XT 660 R ist kein Motorrad für die Autobahn, die Höchstgeschwindigkeit von etwa 170 km/h meistert sie bis auf gelegentliches Pendeln problemlos, aber mangels Windschutz und dank nur einem Zylinder schüttelt es den Fahrer so durch, dass man gerne wieder langsamer fährt. Kurven jedweder Art sind schon eher ihr Metier. Egal, ob Spitzkehre am Stilfserjoch oder lange, schnelle Kurven, das Fahrverhalten ist immer beherrschbar und gutmütig. Spurrillen? Kennt sie nicht. Kippeln beim Einlenken bei langsamer Fahrt? Fremdwörter. Einfach und berechenbar. Leichtes Gelände und Feldwege sind gern gesehen, durch das für eine Enduro aber recht hohe Gewicht von ca. 180 kg sollte man sich und ihr nicht mehr zumuten. Zumal dafür auch die Serienbereifung schlichtweg ungeeignet ist. Insgesamt war Yamaha beim Bau der XT 660 R sehr konsequent, und zwar im Weglassen. Drehzahlmesser? Braucht niemand. Tankanzeige? Völlig überbewertet. Schlichtheit ist hier das Gebot. Leider gibt es auch kein ABS, aber durch die gute Dosierbarkeit der Bremsen habe ich es bisher nicht vermisst. Die Bremsleistung der Einzelscheibe vorne ist absolut ausreichend, man bringt das Hinterrad zum Steigen, ohne den Hebel abzureißen. Insgesamt ist die Maschine sowieso eher auf gemütliche Fahrweise ausgelegt, gelegentliches Heizen macht aber dennoch Laune mit ihr. Wer die Vibrationen, die der riesige "Eintopf" von sich gibt, aushält und ein günstiges, puristisches, einfach zu fahrendes und äußerst zuverlässiges Motorrad sucht, ist mit der XT sehr gut beraten. Allerdings sollte man schon 180 cm Körpergröße, lieber etwas mehr, mitbringen, sonst sind Umfaller an der Ampel vorprogrammiert. Vorteil der Sitzhöhe und -position: gigantische Übersicht! Von der Verarbeitung her kann man nicht meckern, wenngleich sie eher rustikal anmutet. Das soll aber auch so sein, robust und einfach. Wenig, was kaputt gehen kann. Und ein perfekter Ausgleich zum Bürosessel.
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