Yamaha YZF-R125

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Yamaha YZF-R125

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Erfahrungsbericht über "Yamaha YZF-R125"

veröffentlicht 02.10.2010 | Ciaobock
Mitglied seit : 12.11.2008
Erfahrungsberichte : 28
Vertrauende : 17
Über sich :
Bin ein manchmal netter aber immer ehrlicher Zeitgenosse... - ich bitte auf JEGLICHE Bewertung meiner Berichte ohne sinnvollen Kommentar zu verzichten und es gibt KEINE Gegenlesungen! "Beam me up Scotty... - there is no intelligent life down here..."
Sehr gut
Pro Wertige Verarbeitung, hohe Praxistauglichkeit, minimale Betriebskosten, Spaß ohne Ende
Kontra 3.000km Ölwechselintervalle, geringe Soziustauglichkeit, schlechte Reifen ab Werk
besonders hilfreich
Fahreigenschaften:
Gewicht
Motor:
Bremsleistung bei Trockenheit:
Getriebe:

"Nicht wirklich klein - aber viel mehr als nur fein..."

Yamaha YZF-R125

Yamaha YZF-R125

Hallo liebe Kaufinteressenten an der Yamaha YZF-R125,

In diesem Bericht werde ich versuchen, euch so viel Informationen wie nötig für eine Kaufentscheidung mitzugeben und dazu noch ein paar Hintergrundinfos, wie meine Bewertungen für euch einzustufen sind.
Falls noch etwas fehlen sollte oder ihr einzelne Punkte klargestellt haben möchtet, bitte meldet euch. Dieser Bericht ist keineswegs in Stein gemeißelt und auch ich bin nicht allwissend…

Ein paar Sätze zu meinereiner und was ich gesucht habe…
Infiziert vom Zweiradfieber war ich schon immer, allerdings auch vernünftig genug zu warten bis ich „erwachsen genug“ war um mein geschätztes Leben nicht übermäßig in Gefahr zu bringen. So richtig zum Ausbruch kommen lassen habe ich diese Krankheit deshalb erst 2004 in Form eines kleinen 50ccm Rollers, der mir so viel Spaß bereitete, dass ich 2007 meinen Motorradführerschein machte und anschließend erst mit dem Großroller Burgman 400 und seit 2009 mit einem BMW R1200RT Reisedampfer die Welt erkundete.

Allerdings kann und will man ja nicht immer nur auf großer Tour durch ferne Länder sein, auch der kurze Ausflug in die schöne bayerische Landschaft hat absolut seine Reize und da kam dann bald der Wunsch nach einem kleineren, agileren und sparsameren Zweit-Motorrad auf.

Irgendwie schien es aber keine Lösung für meine Vorstellungen zu geben... - die 1000er Supersportler waren viel zu stark und damit für mich zu langweilig (so was hatte ich ja schon in Form meiner R1200RT). Die 600er Supersportler waren lustig, weil sie erst bei hohen Drehzahlen Leistung produzierten und deshalb aktiver gefahren werden wollten, aber dafür soffen die alle Sprit als ob er nichts kosten würde (meist locker 6 bis 7 Liter (!) auf 100km/h) und waren letztlich immer noch viiiieeel zu stark und schnell um sie auf der Landstraße auch nur ansatzweise im Rahmen von Vernunft und Gesetzen ausfahren zu können.

Die Kawasaki Ninja 250 war für mich eigentlich ein interessantes neues Motorrad und ich hätte fast zugeschlagen aber die schludrige Verarbeitung und erkennbar billige Qualität der Teile (vor allem der Bordinstrumente) haben mich dann doch zu sehr abgeschreckt. Die kleine Ninja sah wirklich abschreckend aus – da fahre ich dann lieber Fahrrad!
Außerdem war selbst dieser kleine Motor mit seinen 250ccm kaum sparsamer (ca. 4,3L/100km laut www.spritmonitor.de) als meine große BMW (4,9L/100km Verbrauch über 36.000km) – da hat Kawasaki zwar eine tolle Idee gehabt, diese aber katastrophal mies umgesetzt… Sehr schade!

Als einzige Alternative grübelte ich noch eine zeitlang über die BMW F800S nach, aber letztlich war auch die „zu viel von allem“… - zu teuer (deutlich über 10.000€ Kaufpreis), zu teuer im Unterhalt (KFZ-Steuer, TÜV, hohe Inspektionskosten) aber auch der Benzinverbrauch lag halt noch zu hoch… - keine Chance an die 3 Liter auf 100km heranzukommen.

Anscheinend passten das nicht gerade kleine Angebot der Motorradhersteller und meine Idee einer lustgetriebenen Fortbewegung irgendwie nicht zusammen...

Ein Telefonat mit einem befreundeten BMW Fahrer (R1200GS) elektrisierte mich dann allerdings unverhofft. Ohne ihn auf meine Suche nach einem geeigneten Zweituntersatz angesprochen zu haben, erzählte er mir völlig begeistert von einem Moped, dass er seinem Sohn gekauft hatte und mit dem sein Sohn inzwischen 2000km gefahren sei, er selber aber schon fast 5000km! Das Motorrad war ein Kleinkraftrad von Yamaha, eine YZF-R125 mit gerade mal 15PS aus einem kleinen 125ccm Einzylinder-4Takt-Motor.

Hmmm… - das klang allerdings erstmal nach Magersucht… - ein paar PS mehr und ein wenig mehr Hubraum so um die 250ccm könnten es schon sein, mir schwebte ein virtueller 250er Reihenzweizylinder von Rotax im Kopf herum, aber was mir mein Kumpel erzählte – oder besser vorschwärmte - klang in der Tat aufregend und ein Schmalhans war der auch nicht gerade. Also, die Yamaha musste ich mir definitiv mal anschauen.

Beim Yamaha-Händler suchte ich erst einmal vergeblich nach der "kleinen" YZF, bis mir auf einmal klar wurde, das die "Kleine" in Wirklichkeit quasi genauso groß wie die "richtigen" Yamaha Supersportler ist und frech daneben stand. Mit großen Augen und pochendem Herzen war es um mich geschehen - Liebe auf den ersten Blick!

Zulassungszahlen:

Hatte vor 2008 die Honda CBR125R in Deutschland eine klar marktbeherrschende Stellung unter den Kleinkrafträdern, wurde sie seit dem Erscheinen der Yamaha YZF-R125 in der Zulassungsstatistik nach hinten durchgereicht – trotz des um einige hundert Euro höheren Einstandspreises der Yamaha.
Trotzdem, mit der erwachsen und wertig daherkommenden YZF-R125 konnte die eher magersüchtig aussehende Honda CBR125R in keiner Hinsicht mithalten. Selbst der Benzinverbrauch der etwas stärkeren Yamaha ist nicht höher als bei der sowieso schon sehr sparsamen Honda.

2007:
1) Honda CBR125R - 2874
2) Yamaha YBR125 - 1298
3) Honda XR125L - 1226

2008:
1) Yamaha YZF-R125 - 2723
2) Honda CBR125 - 2299
3) Kreidler 125DD - 1419

2009:
1) Yamaha YZF-R125 - 2335
2) Honda CBF125M - 1520
3) Yamaha WR125 – 1036

(Quelle: Industrieverband Motorrad Deutschland, IVM, Jahresberichte)

Keinen echten Erfolg mehr haben die teuren italienischen 2-Takt-Supersportler wie die Aprilia RS 125 (768, 442, -) oder die Derbi erreicht. Kein Wunder bei Preisen weit jenseits der 5.000€, der lauten und stinkenden 2-Takt-Motoren und der immensen Unterhaltskosten auf Grund des hohen Benzinverbrauchs und der anfälligen Motortechnik...


Technische Daten:

MOTOR
  • Bauart: Flüssigkeitsgekühlter 1-Zylinder-4-Takt-OHC-Motor, Einspritzanlage, Katalysator, 4 Ventile
  • Hubraum: 124,7 ccm
  • Bohrung x Hub: 52,0 x 58,6 mm
  • Verdichtung: 11,2 : 1
  • Leistung: 11 kW (15 PS) bei 9.000/min
  • Max. Drehmoment: 12,2 Nm bei 8.000/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h (ungedrosselt)
  • Schmierung: Nasssumpf
  • Gemischaufbereitung: elektronische Benzineinspritzung
  • Kupplung: Mehrscheiben-Ölbadkupplung
  • Zündung: Transistor
  • Starter: Elektro
  • Getriebe: 6-Gang
  • Sekundärantrieb: Kette
  • Tankinhalt: 13,8 Liter
  • Ölinhalt: 1,15 Liter
  • Ölwechselintervalle: 3.000km
  • Serviceintervalle: 6.000km


FAHRWERK
  • Rahmenbauart: Stahl-Deltabox-Rahmen
  • Hinterrad-Schwinge: Alu-Druckguss
  • Federung vorn: Telegabel 33 mm Ø
  • Federweg vorn: 130 mm
  • Federung hinten: Monocross
  • Federweg hinten: 125 mm
  • Lenkkopfwinkel: 24,2°
  • Nachlauf: 86 mm
  • Bremse vorn: 1 Scheibe 292 mm Ø
  • Bremse hinten: 1 Scheibe 230 mm Ø
  • Reifen vorn: 100/80-17 M/C
  • Reifen hinten: 130/70-17 M/C


    ABMESSUNGEN UND GEWICHTE
  • Länge: 2.015 mm
  • Breite: 660 mm
  • Höhe: 970 mm
  • Sitzhöhe: 818 mm
  • Radstand: 1.355 mm
  • Bodenfreiheit: 155 mm
  • Gewicht - vollgetankt: 138 kg
  • Max. Zuladung: 185 kg
  • Max. Gesamtgewicht: 323 kg

(Quelle: Yamaha Deutschland)


SONSTIGES
  • Vmax bergab: 134 km/h (nach Tacho, bei 10.500U/min)
  • Drehzahlbegrenzer: ca. 10.500 U/min

Erfahrungen:

Inzwischen habe ich seit dem 07.07.2010 deutlich mehr als 6.000km auf dem kleinen Spaßwunder abgespult, Tagestouren von bis zu 700km gut überstanden, Tschechien und Frankreich sowie die Alpen in Deutschland und Österreich bereist und die ersten Inspektionen hinter mir.
Statistisch gesehen fährt ein Bundesdeutscher Kleinkraftfahrer im Jahr zwischen 3.000 und 5.000km, meine bisher zurückgelegte Distanz mit der YZF-R125 entspricht also einer ein- bis zweijährigen "normalen" Beanspruchung.
Ausreichend Erfahrungen wie ich hoffe, um mit meinem Erfahrungsbericht über die Yamaha YZF-R125 zu beginnen, den ich im Laufe der nächsten Zeit wie bei mir üblich noch weiterführen, verbessern und ergänzen werde.

Meine bisherigen Erfahrungen werde ich in die Kapitel Fahrwerk, Bremsen, Motor, Komfort, Kosten und Alltagstauglichkeit/Sonstiges aufteilen und den Bericht mit einem Fazit beschließen. In Zukunft werden dann sicher noch Updates dazukommen, für heute aber werde ich es damit belassen.

Fahrwerk/Karosserie:

Die „kleine“ YZF-R125 sieht nicht nur auf den ersten Blick so aus wie ihre großen Schwestern, auch der zweite Blick offenbart die Unterschiede eher dem Motorradkenner als dem Normalbürger… - lediglich die etwas schmaleren Reifen, die einsame Bremsscheibe vorne links und die Beschriftung unterscheiden die kleine YZF von den größeren Geschwistern.
Auf den dritten Blick fallen dann die dünneren 33mm Gabelrohre, die zwei einfachen Bremskolben vorne und andere Kleinigkeiten auf… - aber trotzdem. SO genau hat man noch nie hinschauen müssen um ein Kleinkraftrad von einem echten Motorrad zu unterscheiden. Die goldfarben lackierten Bremssättel mit Brembo Schriftzug und die superleichten 10-Speichen Leichtmetallräder die bei der 2009er Version auch noch goldfarben lackiert sind machen die Unterscheidung auch nicht einfacher...

Besonders positiv möchte ich erwähnen, dass diese 125er vor allem in Bezug auf Verarbeitung, der optischen und haptischen Qualität der verwendeten Teile und auch der Gesamtanmutung absolut wertig erscheint und anscheinend dem alten teutonischen Motto „lieber zu viel als zu wenig“ verpflichtet scheint.
Erstaunlich ist dies umso mehr, als das die YZF-R125 nicht in Japan, sondern in Europa bei MBK in Frankreich zusammengebaut wird – diese Yamaha räumt tüchtig auf mit vielen Vorurteilen!

Insgesamt sind alle Verkleidungsteile passgenau verarbeitet, stabil und solide mit dem Chassis verbunden. Der schlichte aber doch sehr sauber verarbeitete Stahlrohrrahmen ist gut von der ansehnlichen Verkleidung verdeckt und die Hinterrad-Schwinge aus ALU-Druckguss könnte auch von der großen YZF-R6 stammen.

Auch das Cockpit ist übersichtlich gestaltet, bei jeder Lichtsituation gut ablesbar und auch die Bedienung ist akzeptabel gelöst, auch wenn einige Taster etwas winzig erscheinen, vor allem wenn man mit dicken Handschuhen unterwegs ist. Trotzdem funktioniert alles.
Das Cockpit beinhaltet einen großen, klar ablesbaren analogen Drehzahlmesser und ein digitales, ebenfalls jederzeit gut ablesbares Multifunktions-Display mit Informationen zur aktuellen Geschwindigkeit, einer sehr zuverlässigen und gut skalierten Tankanzeige mit 6 Anzeigeelementen, einem Gesamtkilometerzähler, zwei individuelle Trip-Kilometerzähler sowie einem Reserve-Kilometerzähler. Dazu Kontrollleuchten für Motorelektronik, Kühlflüssigkeitstemperatur, Fernlicht, Blinker und Leerlauf.

Der Handbrems- und Kupplungshebel sind natürlich nicht einstellbar, was in dieser Preisklasse auch nicht wirklich verwundert, allerdings sind beide Hebel so gut designed, dass sich auch teurere Motorräder was davon abschneiden könnten. Die verstellbaren (!) Hebel der sauteuren Yamaha FJR1300 lagen trotz Verstellbarkeit nicht halb so gut in der Hand, abgesehen davon, dass sich dieses Motorrad bei 15.000€ Kaufpreis im Gegensatz zur YZF-R125 noch mit einem 5-Gang-Getriebe zufrieden geben muss.

Der Wind- und Wetterschutz der YZF-R125 ist befriedigend, eigentlich sogar besser als ich erwartet hätte. Natürlich ist dies aber eine sehr subjektive Einschätzung und stark abhängig von Größe und Statur des Fahrers. Für mich mit gut 90kg Lebendgewicht bei 178cm Körpergröße passt die YZF-R125 jedenfalls ohne zu kneifen. Wer größer ist als 190cm oder kleiner als 160cm sollte definitiv eine Probefahrt unternehmen oder zumindest einmal ausgiebig probesitzen.
Ich habe mir für meine YZF-R125 noch eine etwas höhere PUIG-Racing Scheibe gekauft, die zwar nett ausschaut aber leider weder besonders passgenau sitzt (immerhin ohne Nachbearbeitung zu montieren) noch den erwarteten Extra-Windschutz bietet. Auch die Höchstgeschwindigkeit ist bestenfalls gleich geblieben, meistens habe ich eher das Gefühl, das ein bis zwei Km/h auf der Strecke geblieben sind…

Das Fahrwerk selbst ist überaus stabil und in Bewegung sehr handlich, das Rangieren wird aber auf Grund des knappen Lenkereinschlags etwas erschwert – da braucht sogar meine fette R1200RT weniger Platz zum wenden. Gottlob wiegt die Yamaha fast nichts, was das Rangieren dann doch wieder erleichtert.
Die relativ schmalen Reifen ermöglichen hohe Kurvengeschwindigkeiten OHNE große Schräglagen. Auf einer nett kurvigen Abfahrt von Bischofshofen nach Saalfelden hatte ich keine Probleme, einem knieschleifenden Supersportler mit 190er Hinterreifen quasi aufrecht fahrend zu folgen… - das sieht zwar nicht so verwegen aus aber wenn der 1000er Pilot nicht im Wege gestanden hätte, wäre er wohl in Tränen ausgebrochen wenn ich ihm bergab weggefahren wäre…

Die Federwege wären mit 130mm vorne und 125mm hinten ausreichend lang um auch miese Strecken zu überstehen, allerdings ist der Komfort auf Grund der überharten Abstimmung eher marginal.
Anscheinend gingen die Yamaha-Ingenieure bei der Abstimmung des Fahrwerks davon aus, dass die YZF-R125 überwiegend mit voller Beladung gefahren würde, anders kann ich mir die überharte Abstimmung des hinteren Federbeins nicht erklären.
Die Federung und Dämpfung der Gabel ist besser gelungen und beeindruckt trotz des relativ geringen Aufwands mit einwandfreier Stabilität und Rückmeldung – selbst scharf bergab gefahren gibt sich die YZF-R125 niemals eine Blöße und bleibt gut beherrschbar und mit transparenter Rückmeldung vom Vorderreifen, selbst wenn der so mies ist wie der ab Werk montierte Michelin Pilot Sporty, der die harte Fahrwerksabstimmung durch sein schlechtes Abrollverhalten und die mickrige Eigendämpfung noch negativ unterstreicht.

Ich hatte die Gelegenheit eine Vergleichsmaschine mit dem ebenfalls empfohlenen Pirelli Sport Demon zu fahren und dabei noch einmal einen überdeutlich besseren Eindruck von der kleinen Yamaha. Da wo die Michelin Reifen eher hölzern, unkomfortabel, unhandlich und ein wenig eigensinnig im Grenzbereich agieren, auf Spur- und Längsrillen unwirsch reagieren und bei Nässe und Kälte sogar rutschig werden, bleiben die Pirelli Reifen konzentriert und stabil und führen erheblich weniger Eigenleben – und haben nicht nur einen deutlich breiteren und höher liegenden Grenzbereich sondern lassen die Yamaha auch deutlich sanfter und sahniger auf der Straße liegen.
Ich frage mich wirklich, welcher Teufel Yamaha da geritten hat, solch unpassende und nahezu gefährliche Reifen als Werksausstattung auf die YZF-R125 zu ziehen - insbesondere angesichts der Tatsache, das die Maschine wohl in der Mehrzahl von oder für eher unerfahrene Jugendliche gekauft werden wird und dann kann diese Reifenwahl schnell gefährlich werden.
Da muss ich als Hersteller schon sehr viel Geld an den Reifen sparen, wenn ich mir mein Motorrad dadurch so abqualifizieren lasse.

Da freue ich mich doch schon auf den ersten Reifenwechsel, der aber wohl erst nach der 12.000km Inspektion fällig werden wird – die Abriebfestigkeit und Haltbarkeit ist anscheinend ein Vorteil dieser Michelin Reifen.
Ein weiterer anscheinend sehr guter Reifen, der immer wieder in den einschlägigen Foren und bei Diskussionen sehr gut bewertet wird ist der Bridgestone BT-45, der allerdings auch etwas teurer ist als die preiswerteren Michelin und Pirelli Reifen. Leider habe ich diesen Reifen noch nicht fahren können, so das ich auch nicht näher darauf eingehen möchte.

Bremsen:

Wie schon oben erwähnt, machen die Bremsen auf den ersten Blick erstmal einen mageren Eindruck… - als Motorradgourmet und BMW Fahrer ist man doppelte Scheibenbremsen vorne mit je vielen Bremskolben und Stahlflexleitungen gewöhnt, genauso wie ABS und teilintegrale Bremssysteme…. – und jetzt soll so was auch mit einer einzelnen Bremsscheibe vorne, simplen Zwei-Kolben-Bremszangen und ordinären Gummileitungen ohne elektronische Helferlein funktionieren???

Um die Sache kurz zu machen… - es geht! Und wie!
Für die vollgetankt knapp 140kg Lebendgewicht der YZF-R125 plus 100kg Fahrer in voller Montur ist die Bremsleistung der YZF-R125 sogar bergab beachtlich und – erstaunlicherweise – für den betriebenen Aufwand sogar sehr gut kontrollier- und dosierbar. Die von Brembo gelieferte goldfarbene Bremsanlage verzögert astrein, sogar bei mehrfachem harten Einsatz bergab. Fading ist komplett Fehlanzeige.
Da gaben mir sogar schon einige ABS-Motorräder wie die Kawasaki ER-6F oder die Yamaha Fazer 6 größere Rätsel auf.

Nur bei Nässe wünscht man sich dann doch manchmal ein ABS, vor allem auf der Hinterhand, die doch schneller zum überbremsen neigt als die vordere Scheibe.
Erschwert wird das Ganze durch die ab Werk aufgezogenen Michelin Sporty Reifen, die bei Nässe auch für erfahrene Fahrer nicht unbedingt gut einschätzbar sind; zu abrupt ist der Übergang von voller Haftung zu keiner Haftung… - deshalb sollte man bei feuchtem Untergrund die Pferde sicherheitshalber etwas zügeln…

Motor:

… was eine gute Überleitung zum Motor ergibt; dessen 15 Pferde gehören definitiv zur temperamentvollen Gattung. Hier ist der italienischen Yamaha Tochterfirma Minarelli, die diesen Motor zur YZF-R125 beisteuern, ein echtes Prachtstück gelungen.
Vollgestopft mit moderner Einspritz- und Regeltechnik begeistert der kleine 4-Takt-Einzylinder mit je zwei Ein- und Auslassventilen, die über eine obenliegende Nockenwelle angesteuert werden, nicht nur mit überraschend kultiviertem Lauf- und Ansprechverhalten, sondern ab 7.000 U/min auch mit überraschend viel Temperament für so wenig Hubraum.

Egal ob das Wetter warm oder kalt war, feucht oder trocken – der Motor sprang stets sofort an, läuft ein paar Sekunden mit leicht erhöhter Drehzahl bei etwas über 2.000 U/min um dann stabil auf die Leerlaufdrehzahl von 1.500 U/min zurückzufallen. Das Anfahrdrehmoment ist mehr als ausreichend, so dass man auch als Anfänger kaum befürchten muss den Motor unvermittelt abzuwürgen. Auch das „Bummeln“ im dichten Stadtverkehr ist ab ca. 3.000 U/min ohne irgendwelche Ruckelei oder Aussetzer möglich, zwischen 4.000 und 6.000 U/min ist ein unauffälliges, spritsparendes Mitschwimmen im Großstadtverkehr problemlos möglich.

Auf der Landstraße will der Motor dann ausgedreht werden wenn es flott vorangehen soll und alleine dieses hemmungslose Ausdrehen macht schon einen bärenmäßigen Spaß, wenn man von einem dicken Motorrad kommt, bei dem schon das Ausdrehen des zweiten Ganges mit Punkten in Flensburg bestraft wird…

Abhängig vom Gewicht des Fahrers ist die Beschleunigung dann zwischen brauchbar und überraschend angesiedelt. Ein 60 kg Jungspund wird sicher seine helle Freude daran haben aber selbst mit meinen 100 kg Kampfgewicht in voller Montur kommt nicht das Gefühl auf, schieben zu müssen.
Nach passieren des Ortsschildes braucht man den Gashahn selten voll aufzureißen, um einem vorausfahrenden Auto folgen zu können. Fährt man ohne Dosenbremse voraus wird der nachfolgende Verkehr meist schnell kleiner im Rückspiegel. Da die Topspeed der YZF-R125 in der ungedrosselten Variante bei 120 km/h liegt, braucht man auch keine Angst zu haben auf der Bundesstraße zum Bremsklotz zu werden.

Zum Überholen von Tagträumern und LKWs auf Bundes- und Landstraßen gehört allerdings ein wenig Konzentration und Voraussicht. Wer einfach nur im 6. Gang bei 80 km/h den Gashahn spannt und erwartet sich einfach wie auf einem großen Motorrad am Vordermann vorbei zu ‚beamen’ wird schlagartig wach werden… - so geht’s nicht.
Wer aber das Zusammenspiel von Voraussicht, Timing und Abstand halten zum Beschleunigen, herunterschalten, ausdrehen erstmal wieder drauf hat, dem gelingen beachtliche Überholmanöver in null komma nix! Die Yamaha will halt – genauso wie alle anderen kleinmotorigen Motorräder - einen konzentrierten und engagierten Piloten, keinen gelangweilten Schlaffi…
Selbst auf der Autobahn reicht die gebotene Leistung, um LKWs zügig überholen zu können und im Windschatten eines SUV oder Transporters mit gut 120 bis 130 km/h Dauertempo auf dem Tacho mitzuschwimmen.

Bergab oder bei Rückenwind ist bei 134 km/h auf dem Tacho Schluss mit der Drehorgie, dann regelt der Drehzahlbegrenzer bei ca. 10.500 U/min recht unwirsch ab und das dann einsetzende Ruckeln der Yamaha macht nicht wirklich Laune, auch wenn es unkritisch ist und das Motorrad nicht instabil werden lässt.

Die Grenzen des Motors werden eigentlich nur bergauf oder bei starkem Gegenwind deutlich. Dann wird das Überschreiten der 100km/h Marke zur Geduldsprobe und der 5. Gang des sehr gut schaltbaren Getriebes wird zum Fahrgang – der 6. ist dann schon zu lang übersetzt.

Dazu kommt, dass der Motor – nicht nur im Vergleich zu zweitaktenden Dinosauriern – sehr umweltfreundlich ist. Nicht nur werden die Abgase durch den geregelten Katalysator auf unter Euro3 Norm reduziert, durch den sehr sparsamen Spritverbrauch stellt der Motor auch sicher, dass erst gar nicht viele Abgase entstehen. So toll kann moderne Technik sein!

Apropos moderne Technik:
Auch die Drosselung auf 80 km/h Höchstgeschwindigkeit für jugendliche Fahranfänger gestaltet Yamaha so positiv wie möglich. Anders als bei vielen anderen Kleinkrafträdern wird hier die Leistung nicht durch Drosselklappen-Anschläge, Gaszug-Anschläge oder sonstige mechanische Limitierungen beschränkt, sondern elektronisch bei 80 km/h abgeregelt, egal in welchem Gang man sich befindet. Dadurch steht beim Beschleunigen oder Bergauffahren jederzeit die VOLLE Leistung des Motors zur Verfügung, wodurch die Gefahren, die der Gesetzgeber unserem Nachwuchs aussetzt, wenigstens in diesem Punkt deutlich entschärft werden.
Die Gefahr, die den Jugendlichen auf der Landstraße durch die eingeschränkte Höchstgeschwindigkeit der Kleinkrafträder droht, kann sich der Gesetzgeber offensichtlich nicht vorstellen. Ich habe schon so viele Fälle gesehen, wo jugendliche Fahrer durch überholende LKW oder PKW-Gespanne oder auch normale PKW in Gefahr gebracht wurden oder die sich aber beim überholen eines mit 60 km/h fahrenden Gefahrguttransports durch die eingeschränkte Höchstgeschwindigkeit selbst in Gefahr gebracht haben, dass ich dieser unsinnigen Regelung absolut nichts mehr abgewinnen kann!

Zurück zu den erfreulichen Dingen des Lebens... Auch die, auf Grund des geringen Verbrauchs und dem dafür großzügig bemessenen Tankvolumens von 13,8 Litern (inkl. 1,6 Liter Reserve) große Reichweite von rechnerisch mehr als 520 km erfreut das Herz.
Auf großer Tour bedeutet das Tankintervalle von bis zu sieben Stunden Fahrvergnügen (bei den üblichen Landstraßendurchschnitten von 65 bis 75 km/h). Ich bin schon Touren mit Freunden gefahren, die zweimal tanken mussten bevor wir wieder zu Hause waren – nur ich musste nicht einmal tanken!
Das ist jedes Mal wieder ein Grinser, wenn mich ein Hayabusa oder K1300S oder Fireblade Pilot bittet, doch bitteschön auf ihn zu warten…

Für ewig klamme Schüler bedeutet das aber auch, dass man ohne jeden Druck dann tanken kann, wenn der Sprit gerade mal wieder günstig ist! Danke, Yamaha!

Soundtechnisch klingt der 125er Motor logischerweise nicht ansatzweise so brachial wie ein großer Tourensportler und wenn man drauf sitzt, klingt er sogar erschreckend nach 125er Roller… - macht aber nix. Wenn ich drauf sitze, dann habe ich sowieso Stöpsel in den Ohren und wenn ich vor dem Motorrad stehe und den Mechanikern bei der Abfahrt zur Probefahrt lausche, dann klingt die kleine Ypse mit dem Standardauspuff sogar überraschend groß, da würde ich fast auf 250 bis 400ccm tippen wenn ich es nicht besser wüsste.
Mechanische Laufgeräusche sind zwar immer wahrnehmbar, werden aber nicht penetrant oder gar störend.

Komfort / Ergonomie / Licht:

Wie bereits im Kapitel Fahrwerk angedeutet, ist dieses Kapitel eher eine der wenigen Schwachstellen der YZF-R125.
Auch wenn die Ergonomie ausgezeichnet gelungen ist, alle Schalter und Hebel gut erreich- und mit geringem Kraftaufwand dosierbar und auch die Fahrer-Fußrasten genau dort angebracht sind, wo ich sie auch angebracht hätte ist die Hinterradfederung einfach zu straff und auch zu hart gedämpft um das Fahren auf zerfurchtem Asphalt zu einer auf Dauer erträglichen Angelegenheit zu machen. Das Fahrwerk teilt dann nahezu ungefiltert auch heftige Schläge auf den Allerwertesten des Fahrers aus, da hilft auch das breite, eher dünne und harte aber dennoch recht kommode Sitzkissen nichts.

Auf guten Straßen hingegen kann man der YZF-R125 bei entsprechender sportlicher Fitness des Fahrers sogar Langstreckentauglichkeit bescheinigen. Ich habe mit der kleinen Yamaha schon Landstraßenetappen von 10 Stunden mit nur je einer Tank- und einer Toilettenpause abgeritten, ohne dass es zu Beinkrämpfen oder Rückenschmerzen gekommen wäre. Lediglich die Belastung der Unterarme und des Nackens haben tags darauf zu einem kleinen Muskelkater geführt…
Das habe ich auf einer Kawasaki ER-6f schon schlimmer erlebt, da fielen mir nach drei Stunden fast schon die Beine ab auf Grund des ungünstigen Kniewinkels – von einer 2006er GSX600 ganz zu schweigen.

Etwas kritikwürdig ist auch die teils arg zierliche Ausführung einiger Schalter (Trip-Reichweiten Umschaltung), Blinkerschalter, etc., die sich mit dicken Handschuhen nicht immer im ersten Versuch bedienen lassen.

Was gar nicht geht ist aber der Soziusplatz! Das Sitzkissen taugt (wenn überhaupt) nur für magersüchtige Zwerge und auch die Fußrasten sind zu hoch platziert, um einen Mitfahrer auch nur halbwegs akzeptabel unterzubringen.
Meine Freundin hatte jedenfalls schon nach 10 Minuten jegliche Lust auf einen zweiten Versuch verloren und ist dankend mit einer Freundin im Auto zurück nach Hause gefahren, auf meine YZF-R125 wollte sie nicht mehr… - und das liegt nicht nur daran, dass sie von meiner BMW R1200RT so verwöhnt ist…

Beleuchtung:
Das Abblendlicht der YZF-R125 leuchtet die Straße gut aus und ist nicht nur gut einstellbar, auch die Birnen sind einigermaßen anwenderfreundlich zu wechseln. Das Fernlicht hingegen ist etwas schwach auf der Brust – kein Vergleich zum Flutlicht meiner R1200RT.
Kritisch anzumerken ist allerdings, dass bei der YZF-R125 nur je ein Fahr- und Fernlichtscheinwerfer verwendet werden. Wenn hier eine Birne durchbrennt, ist wohl Schluß mit lustig. Platz für eine Reservebirne ist nicht und warum man auch hier die paar Cent gespart hat um - wie bei den größeren Schwestern - gleich beide Scheinwerfer mit Abblendlicht auszustatten ist für mich ein nicht auszumerzendes Rätsel - für solchen Blödsinn braucht man halt hochbezahlte Manager!

Das Rück- und Bremslicht ist hingegen in moderner LED-Technik ausgeführt. Hier vereinen sich hohe Ausfallsicherheit und sehr schnelles Ansprechen bei Bremsen auf der Habenseite und etwas unbefriedigende Sichtbarkeit des Rücklichts, wenn starkes Sonnenlicht darauf fällt. Aber das ist nicht so kritisch, dann sind das Motorrad und ich sowieso gut sichtbar und das Rücklicht ist eher Dekoration als notwendig.
Glücklicherweise sind die Blinker als normale und helle Glühbirnen und nicht als nahezu unsichtbare modische LED-Blinker ausgeführt. Dies erhöht die Sichtbarkeit bei hellem Licht drastisch und reduziert dadurch die Gefahr, dass ein Abbiegesignal übersehen wird, dramatisch.
Ich habe dieses Jahr schon dreimal um Haaresbreite Motorradfahrer plattgefahren weil deren LED-Blinker bei direktem Licht von hinten absolut unsichtbar waren. Wer das als Fahrer solch einen Gefährts nicht weiß und auch sonst ein unklares Fahrverhalten an den Tag legt, braucht sich wirklich nicht zu wundern, wenn er plötzlich im Krankenhaus aufwacht – oder auf Wolke 9… Keine Ahnung, wie solche Blinker eine ABE-Freigabe erhalten können!

Kosten:

Die Kosten sind (neben dem Fahrspaß!) eines der Hauptargumente pro Yamaha YZF-R125.
Zwar sind die Anschaffungskosten von ca. 4.000€ neu (ich habe mit etwas Handeln im Sommer 2010 einen Barpreis von 3.900€ incl. der Kosten für die erste Inspektion erzielt) etwas höher als bei der Honda CBR125, allerdings immer noch niedriger als bei den italienischen Zweitaktern von Aprilia oder Derbi.
Alle weiteren Kosten sind allerdings nahezu als magersüchtig einzustufen.
So habe ich bis jetzt auf mehr als 6.000km im Schnitt Betriebskosten ohne Wertverlust von gerade einmal 6,80€ pro 100km gehabt!

Diese setzen sich wie folgt zusammen:

KFZ-Steuer: entfällt komplett bei einem Kleinkraftrad mit 125ccm
TÜV: entfällt komplett bei einem Kleinkraftrad mit 125ccm
Haftpflicht: 67,61€ (ERGO Versicherung bei 100% und Saisonkennzeichen 04-10)
Teilkasko mit 150€ Selbstbehalt: 21,11€ (ERGO Versicherung bei 100%)
Inspektionskosten:
- 1.000km Inspektion: 49,85€ (0,5h = 5 Arbeitswerte plus Ölfilter, Öl und Material)
- 3.000km Ölwechsel: 27,95€ (0,3h = 3 Arbeitswerte plus Öl)
- 6.000km Inspektion: 104,85€ (1,6h = 16 Arbeitswerte plus Ölfilter, Öl und Material)
Benzinkosten: 2,61 L/100km bei Durchschnittskosten von 1,332€ pro Liter Super-Benzin

Wichtige Information für altgediente Motorradfahrer:
Die meisten Versicherungen (ERGO, Allianz, DEVK, etc.) übernehmen NICHT die Prozente der regulären Motorradversicherung! Auch wenn ich meine Fireblade mit 40% Beitragssatz fahre, bestrafen mich die Versicherungen mit 100% Beitragssatz für dieses Kleinkraftrad. Nun ja, es war ja noch nie logisch und selten vernünftig, was Versicherungen und Gesetzgeber für Entscheidungen treffen…

Der Verbrauch meiner YZF-R125 bringt mich bei jedem Tankvorgang zum Lachen, hier wird mir für mein Geld noch richtig was geboten!
Der Minimalverbrauch bisher betrug gerade einmal 2,34 L/100km bei einer entspannten Tour durch die Tschechei, maximal flossen bisher bei Dauervollgas 2,92 L/100km durch die Einspritzdüsen der kleinen Yamaha. Im Durchschnitt über bisher gut 6.000km verbrauchte meine Yamaha lediglich 2,61 L/100km, errechnet aus den Tankquittungen und abgeglichen mit dem Gesamtkilometerzähler.

Wer jetzt meint, ich wäre ein besonders sparsamer Fahrer der hat zwar auch recht, allerdings beweist auch der Durchschnittsverbrauch von mehr als 40 gemeldeten Fahrzeugen auf www.spritmonitor.de mit ca. 2,8 L/100km, dass dieses Motorrad überaus sparsam mit dem teuren Nass umgeht.
Stellt euch mal vor, wie ihr schauen würdet wenn ihr nach einer 350km Tour nach Österreich in die Alpen auf der Rückfahrt kurz vor der Grenze für 10€ volltanken (!!!) könnt! Ich habe mich jedenfalls erstmal hingesetzt und herzhaft gelacht bis mir die Tränen kamen!!!

Alltagstauglichkeit/Sonstiges:

Abgesehen von der guten Ergonomie, der Zuverlässigkeit, dem Spaß und den niedrigen Betriebskosten ist die Alltagstauglichkeit der Yamaha eher bescheiden… - was für mich allerdings trotz aller Meckerei nur zu einer marginalen Abwertung führt.

Was mich im Alltag mit der Yamaha YZF-R125 stört in Reihenfolge der Wichtigkeit für mich:
  • Gepäckunterbringung:
    Keinerlei Befestigungshaken, kein brauchbarer Tankrucksack, keine Sicherungsöse für den Helm. Die YZF-R125 ist hier Supersportler durch und durch und auf der Rennstrecke oder der kurzen Kurvenhatz ums Dorf braucht man das auch nicht. Basta.
    Wer mit der YZF-R125 auf Tour gehen möchte, kann sich durch einen brauchbaren Rucksack oder eine Packtasche für den Soziussitz behelfen und wenn die Maschine zwecks Stadtbesichtigung abgestellt wird, dann muss man wohl oder übel die komplette Ausrüstung mitschleppen. Eine YZF ist halt keine BMW RT.
    Da man sich aber eh aufs nötigste reduzieren wird, ist das Herumgeschleppe aber auch weniger schmerzhaft als auf der RT…
  • Rückspiegel:
    Im T-Shirt ist ja noch alles in Ordnung, mit Motorradjacke bekleidet kann man allerdings besser die Jackenärmel im Spiegel bewundern als den rückwärtigen Verkehr beobachten. Ein oft zu beobachtender aber immer noch beliebter Ausstattungsmangel vieler Hersteller. Ich pflege nicht zu rasen und immer schneller sein zu wollen als alle anderen und insofern interessiert es mich alleine schon aus Sicherheitsgründen, was hinter mir los ist. Leider ist das bei den allermeisten Motorrädern von den Herstellern wie Zulassungsbehörden ignorierter Sicherheitsaspekt. Schade darum!
  • Ölwechselintervalle:
    Klar, die YZF-R125 ist eigentlich kein Reisemotorrad und wird wohl auch nur selten als solches verwendet, trotzdem sind 3.000km Ölwechselintervalle bei so einem Motorrad ärgerlich kurz.
    Klar, der Motor fasst nur maximal 1,15L Öl und selbst mit Ölfilterwechsel wird nur 1 Liter Öl zum Nachfüllen benötigt, aber hätte man da mit etwas mehr Volumen nicht für angemessenere Intervalle sorgen können? Für mich eine überflüssige, zeitraubende und ärgerliche Nachlässigkeit – zumindest während der Garantiezeit. Danach werde ich mich sicher NICHT mehr mit 10 Tage Wartezeit in der Werkstatt abfinden und selber das Öl wechseln. Basta!
  • Ölkontrolle und Nachfüllen:
    Gott sei Dank ist beides nur selten nötig wegen der sehr kurzen Ölwechselintervalle, aber wenn man selber Öl nachfüllen will, ist das nur mit Fummelei und selbst mit einem Trichter kaum ohne Sauerei möglich.
  • Cockpit:
    Ja, das Cockpit ist hervorragend übersichtlich gestaltet und bei jeder Beleuchtung top ablesbar (anders als bei meiner teuren BMW!), aber warum spart man sich dabei Cent-Beträge für eine Uhr oder eine Wassertemperaturanzeige??? Beides eigentlich permanent benötigte Informationen für den bewussten Biker!


Nützliches und weniger nützliches für die YZF-R125:

Zusätzlich zum Motorrad habe ich mir inzwischen einen Motorrad-Heber für das Hinterrad zugelegt, der die Kettenpflege und Reinigung des Motorrades doch um einiges erleichtert. Natürlich hat die YZF-R125 wie jedes Sport-Motorrad KEINEN Hauptständer und ohne diesen - oder ersatzweise halt einen Hinterrad-Heber - ist die Wartung und Pflege von Kette und Hinterrad doch sehr mühselig.

Die Original Windschutzscheibe habe ich durch eine „Racing-Scheibe“ von PUIG ersetzt, die etwas besseren Windschutz bieten sollte. Davon habe ich ehrlicherweise nichts bemerkt und auch die Höchstgeschwindigkeit ist bestenfalls gleich geblieben. Diese Scheibe hat wohl, zumindest bei der Topspeed der YZF-R125, eher dekorativen Charakter als wirklichen Nutzen. Kein Empfehlung von mir!

Allerdings habe ich inzwischen gute Erfahrungen mit dem „Weißen Kettenspray“ von S100 gemacht. Hier sieht man sehr gut, was man schon geölt hat und was nicht und auch die Haftfähigkeit des Öls ist in der Tat deutlich besser als bei einem NoName-Kettenöl, das ich zuerst benutzt habe. Erstens wird das Hinterrad nicht so durch abfliegendes Kettenöl eingesaut und zweitens kann man bei gutem Wetter wirklich fast 2.000km fahren, bevor nachgeölt werden muss.

Fazit:

Nein, meine BMW R1200RT werde ich wegen dieser Ypse "Rennsemmel" sicher nicht verkaufen, aber auch auf die YZF-R125 möchte ich erstmal nicht wieder verzichten. Immerhin ist die Yamaha YZF-R125, solange ich mich auf zwei motorisierten Rädern bewege, das mit Abstand spaßigste Motorrad, das ich bisher gefahren habe – und ich bin inzwischen vom 50er Roller bis zur Suzuki Hayabusa schon mehr als 30 Motorräder zumindest zur Probe gefahren!

Klar, meine große BMW mit 20.000€ Listenpreis kann nahezu alles deutlich besser, nur den Spaß den ein Feierabend mit der Kleinen macht, den kann sie nicht – und natürlich auch nicht die Betriebskosten bieten wie die kleine Ypse.

Diese Yamaha YZF-R125 hat mich das Motorradfahren neu entdecken lassen und bereitet mir als Zweitmotorrad unendlich viel mehr Spaß, als das eine langweilige PS-starke Maschine machen könnte.

Klar, wenn ich jedes Wochenende auf die Rennstrecke ginge, sähe das anders aus. Für die Fahrt auf Landstraßen durch den Bayrischen Wald, das Altmühltal oder die Alpenpässe (ansatzweise im Rahmen der gesetzlichen Regelungen) gelten aber ganz andere Regeln! Hier gewinnt die YZF haushoch!
Auf Grund des für diese Fahrzeugkategorie doch recht hohen Kaufpreises von meistens deutlich über 4000€ inkl. Überführungskosten, der kleinen Mängel im Cockpitdisplay und bei den Rückspiegeln, der zu kurzen Ölwechselintervalle und der Untauglichkeit zur Soziusbeförderung vergebe ich dann doch nur 4 Sterne von 5, möchte aber noch hinzufügen dass man ein Motorrad sicher für diesen Preis noch besser abstimmen könnte, letztlich aber noch nie ein Motorradhersteller bisher ein im Preis-/Leistungsverhältnis auch nur annähernd vergleichbares Motorrad auf die Räder gestellt hat.

Für wen ist dieses Motorrad geeignet?

Dieses Motorrad ist fraglos für Jugendliche der hochwertigste Einstieg aller Zeiten in das Bikerleben und erstmals wird man auch als 16 Jähriger von 80% aller Biker durch das Heben der linken Hand gegrüßt, so zumindest habe ich das bisher erfahren.
Natürlich wird dieses Moped umso mehr Spaß bereiten, je leichter der Fahrer ist. Eine zierliche 50kg Dame wird sicher nochmals mehr aktiven Fahrspaß haben als ein gemütlicher älterer Herr mit etlichen Kilogramm Wohlstandsspeck (trotz viel Sport) auf den Rippen... Auch das Handling ist Dank des geringen Fahrzeuggewichts sicher eine Wohltat für schlankere Zeitgenossen.
Aber auch für vernünftige Sportfahrer ist das Motorrad trotzdem ein Spaß erster Güte, insbesondere wenn die Yamaha als Zweitmotorrad nur dafür eingesetzt wird, was sie am besten kann!
Endlich einmal kann man (und muss man geradezu) sein Motorrad wirklich ausquetschen! Wer das Schaltdiagramm nicht auswendig lernen mag oder kann wird nicht viel Spaß bekommen. Aber wie groß ist der Spaß, wenn man auf kurvigem Geläuf an der dicken 1000er dranbleiben kann und man dann unten an der Tanke von einem verschwitzten Big-Biker gefragt wird "die ist aber schon getuned, gell?"

Nur wenn man ein wenig klein geraten ist, wird die stattliche Erscheinung der Yamaha YZF-R125 zur Prüfung. 830mm Sitzhöhe werden wohl etliche kleinere Zeitgenossen als Herausforderung empfinden. Mit ein wenig Gewöhnung und auf Grund des geringen Gewichts sollte es mit der YZF-R125 aber auch ohne Fahrwerksumbauten gehen...

Also, fette Empfehlung an alle, die Spaß und Umweltfreundlichkeit unter einen Hut bringen wollen und deren Ego so einen kleinen Motor aushält.

Wer natürlich fett, faul und unsportlich ist und/oder einen Potenzersatzprügel braucht, für den ist dieses Motorrad definitiv nicht geeignet.
Natürlich ist die YZF-R125 auch nicht wirklich als Fernreise-Vehikel oder als Off-Roader tauglich, aber das ist wohl unnötig zu erwähnen...


Chapeau, Yamaha, und vielen herzlichen Dank für so ein liebenswertes und im wahrsten Sinne preiswertes Motorrad!

Ach ja, liebe Yamaha Leute, solltet ihr euch jemals entschließen, ein genauso gutes Motorrad mit einem ähnlich sparsamen 250er Motor und gut 30PS auf die Räder zu stellen, dann tragt mich bitte schon mal in die Kundenliste ein! Vielen Dank!

© 2010 Bernd Almstedt


Nachtrag - basierend auf CIAO-Usernachfrage:
Die Sitzhöhe von 830mm kann durch einen Nachrüstsatz um ca. 40mm reduziert werden, allerdings auf Kosten einer noch weiter eingeschränkten Federungsqualität der Hinterachse - es wird einfach nur der Federweg reduziert.

Schlusswort:
Im Mai 2011 habe ich meine geliebte YZF-R125 gegen eine nagelneue Honda CBR-250RA mit 26PS und ABS als Spaßmotorrad zu meiner Hauptmaschine BMW R1200RT eingetauscht weil mir 'nur' 15 PS dann letztendlich doch zu gefährlich waren.´
Seitdem weiß ich noch viel mehr, wie unglaublich gut die Yamaha YZF-R125 eigentlich ist!!!

Ich habe 2011 dann noch 7.200km mit meiner Honda CBR 250RA abgeritten und obwohl es eigentlich ein gutes, in seiner Klasse sicher zur Zeit das beste Motorrad ist, fehlt mir die kleine Yamaha sehr!

Ich verneige mich tief vor den Yamaha Ingenieuren, die diese geniale Maschine konstruiert haben und sage nur Domo Arrigato! Es war mir eine Ehre, euer Motorrad ein Jahr fahren zu dürfen!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Major_Mike veröffentlicht 31.10.2012
    Soziustauglichkeit ist mir noch ein wenig unklar, aber ansonsten top!
  • RIESENFUSS veröffentlicht 25.12.2011
    Wer nicht gegenlesen will, will ja sicher auch keine Bewertung! ;-) Ciao Thorsten
  • sowalis veröffentlicht 23.11.2011
    bh
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Produktdaten : Yamaha YZF-R125

Produktbeschreibung des Herstellers

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 26/03/2010