Zähme mich! / Emily Maguire

Zähme mich! / Emily Maguire

ISBN: 9783453675179 - Verlag: Heyne Verlag mehr

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... 50) ~ Was hier wie der Auszug eines Psychothrillers Marke durchgeknallter Serienkiller klingt, verfasste Emily Maguire in ihrem 374 umfassenden Werk Zähme mich welches zu Recht innerhalb der „Heyne Hardcore Reihe“ erschienen ist. Die story befasst sich mit einer ganz anderen Brutalität, ... Bericht lesen





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Die totale Freiheit spüren, einem anderen zu gehören.
Erfahrungsbericht von Cosmay über Zähme mich! / Emily Maguire
27.04.2010


Produktbewertung des Autors:   

Niveau anspruchsvoll 
Unterhaltungswert durchschnittlich 
Spannung sehr spannend 
Wie ergreifend ist die Story? sehr ergreifend 

Pro: Tiefgang, Feingefühl, Spannung, Gedankenanstöße
Kontra: drückt Männer wie Frauen ansatzweise ( !  !  ! ) in gewisse Schubladen

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

„In der ersten Stunde tat er nichts anderes, als ihr in die Beine zu beißen. Er begann beim linken Knöchel, arbeitete sich hoch zum Schienbein, zur Wade, zum Knie, zum Schenkel und dann hinüber zum rechten Schenkel und wieder hinunter bis zum Knöchel. Sie schrie und trat ihm ins Gesicht, bis nicht mehr zu erkennen war, welches Blut von ihren Beinen und welches von seiner Nase und seinem Mund stammte. „Ich hasse dich“, sagte sie, als er in ihr war und seine Beine über die tausend Bisswunden scheuerten. „Nein, du hasst mich nicht“.“
(Zitat; S. 50)

~ Was hier wie der Auszug eines Psychothrillers Marke durchgeknallter Serienkiller klingt, verfasste Emily Maguire in ihrem 374 umfassenden Werk

Zähme mich



welches zu Recht innerhalb der „Heyne Hardcore Reihe“ erschienen ist.
Die story befasst sich mit einer ganz anderen Brutalität, als jener Textauszug evtl. den Anschein machen könnte ~ es geht um die körperliche Selbstaufgabe innerhalb einer Liebesbeziehung. So schräg es auch klingen mag, ja.
Was als verbotene Affäre zwischen 14jähriger Schülerin und ihrem Lehrer beginnt, wird zur Besessenheit: Sarah schafft es über Jahre hinweg nicht, ihren Mr. Carr zu vergessen, so schäbig er sie auch abserviert hatte. Als die beiden tatsächlich wieder aufeinandertreffen, gipfeln die freiwilligen Demütigungen, denen sie sich von Anfang an mit großer Leidenschaft – im doppelten Wortlaut – unterzog; ins absolut zerstörerische.....

Die Umsetzung


gestaltet sich nicht so „absolut Porno“, wie es nun klingen mag. Vielmehr ist es der Autorin gelungen, ein tiefgründiges und kluges Buch zu der Thematik der absoluten Unterwerfung (oder gar Auslieferung) einer jungen Frau zu schreiben, welche von Anfang an zerbrechlicher war, als es äußerlich den Anschein machte.

„Zähme mich“ beinhaltet diverse Textstellen, bei denen mir persönlich nichts mehr einfiel ~ ohne an dieser Stelle auf meine persönlichen sexuellen Vorlieben eingehen zu wollen, konnte ich mich ansatzweise zwar in die „Rolle“ hineinversetzen, die Sarah sich auferlegte; doch vieles würde mir dann doch zu weit gehen. Drüber lesen: ja. Nachmachen: nein. Wer „Zähme mich“ liest, der muss auf bildhafte, unverblümte Beschreibungen gefasst sein; an Aussagen wie „Ich hab dich mit Scotch und Beruhigungspillen gefügig gemacht und dich zwei Tage lange vergewaltigt“ (Zitat, S. 298) mag der Großteil der Leser nichts romantisches oder gar nachahmenswertes mehr finden können.

„Zähme mich“ könnte nun eine absolute Offenlegung eines Herren-Sklavin-Verhältnis sein, ähnlicher Natur, wie es uns die gute Constanze O. Wild des öfteren weiszumachen versuchte. Doch Emily Maguire wollte mehr ~ und erschuf mehr.

Unabstreitbar ist zwar, dass die körperlichen Aktivitäten und vor allem das böse F-Wort einen nicht unbedeutenden Platz inmitten der Handlung einnehmen; darüber hinaus konzentrierte sich die Autorin jedoch auf das „drumherum“, die Vorgeschichte, die Beweggründe und auch Hoffnungen.

'''Vordergründig ebenso der Umstand, dass Daniel immer weiter geht, Sarah sich mehr und mehr in ein psychisch wie auch physisches Wrack verwandelt; sie weder noch auf die Straße geht, ihre Freunde treffen darf oder lediglich regelmäßig Nahrung zu sich nimmt. „Zähme mich“ behandelt nicht nur die übertriebene Abhängigkeit, sondern konzentriert sich darüber hinaus auf die völlige Selbstzerstörung, die durch Sarahs Verhalten, sich körperlich beinahe alles gefallen zu lassen, noch intensiviert wird.'''

Oberflächlich betrachtet mag der ein oder andere ~ gleichso wie Sarahs bester Freund Jamie ~ mutmaßen, jene sei einfach sexsüchtig. Dass sie stattdessen eigentlich „nur“ deswegen herumhurt, um das wiederzufinden, was sie mit „ihrem Mr. Carr“ verloren hatte, offenbart sich erstmalig in den nachfolgenden Zeilen:

„Sarah wusste, dass sie hübsch war und dass sie ihre Hübschheit nicht mehr verdient hatte als der Mann seine Hässlichkeit. Es war nicht gerecht (…) drum nennt man ja den Gott der Liebe blind. Dieser Mann konnte genauso gut wie jeder andere derjenige sein, dem es gelang, den Kerker ihrer Seele zu sprengen.“
(Zitat, S. 77)

sowie in

„Das war es, was Jamie nicht verstand: Es war nie nur Sex. (…) Es ging um Verbindung. Es ging darum, einen anderen Menschen anzusehen und in ihm das Spiegelbild der eigenen Einsamkeit und Not zu erblicken. Es ging um die Erkenntnis, dass man zusammen die Macht besaß, das Gefühl des Alleinseins zu verscheuchen.“
(Zitat, S. 84)


Der Schreibstil, dem sich die Autorin bedient, dient absolut dazu, sich die gesamten Geschehnisse regelrecht vor Augen zu führen ~ was für den zartbesaiteten Leser sicherlich „zu viel des Guten“ sein wird. Neben den sexuellen Ausschweifungen involviert „Zähme mich“ gleichso Passagen, die von einer ungewollten Vergewaltigung sprechen. „Ungewollt“ in dem Zusammenhang, dass es sich hierbei nicht um Daniel (Carr) als Täter handelt ~ und im weiteren Kontext völlig anderes unter die Haut gehen als die Folterungen, denen Sarah sich vollkommen freiwillig ausliefert.

Fassungslosigkeit wird eine der Haupt-Stimmungen sein, denen sich der potentielle Leser ausgeliefert fühlt; vereinzelt mag er im Anschluss über die sog. „Faszination Ekel“ referieren können. Psychologisch betrachtet bietet „Zähme mich“ genug Stoff, um tagelang über das Gelesene zu sinnieren; doch selbst jene, die auf der Suche nach erotischer Lektüre im herkömmlichen Sinne waren, könnten sich hier befriedigt fühlen. Nicht umsonst ist der Mensch in der Lage, gewisse Details im Leben auszublenden ~ was sich ebenfalls in „Zähme mich“ wiederfindet.

Man mag durchaus sagen, dass die Männerfront insgesamt in Maguire's Werk nicht grade gut davonkommt ~ was darüber hinaus meiner Ansicht nach als erstes Manko zu nennen wäre. Vorrangig Jamie ist es, der lange Zeit die Augen vor Sarahs selbstzerstörerisches Tun schließt und nicht einmal zu bemerken scheint, wie sehr er selbst an diesem Kontakt zerbricht.

Ein wenig Unzufriedenheit machte sich bei mir persönlich dahingehend breit, dass Jamie absolut weinerlich rüberkommt und damit dem Leser regelrecht auf die Nerven geht. Darüber hinaus scheint es in dem Gesamtwerk keinen einzigen Mann zu geben, dem nicht daran gelegen ist „egal mit wem egal wo“ Sex zu haben; völlig unabhängig, ob jener selbst in einer Beziehung oder gar Ehe steckt. Nicht, dass ich in dem Buch auf eine Art „erlösenden Ritter hoch zu Ross“ gewartet hätte; doch ein wenig überzogen fand ich die Rollenverteilung durchaus, zumal die Frauenfront, etwas überspitzt ausgedrückt, generell als dummes Naivchen dargestellt wird.

Ein weiteres „Problem“ hatte ich bezüglich der die etwas denkwürdige Formulierung „ging sie in eine Schwulenbar im Norden Sydneys, um die Grenzen von zwanghaften, widerlichen Sex noch weiter hinauszuschieben“ (vgl. S. 252) beinhaltet.

~ Diesen Kritikpunkten entgegen ist besonders löblich der Umstand hervorzuheben, dass ich von Anfang an gewisse Ahnungen hatte, wie das Buch enden würde ~ und mit jeder dieser Halbtheorien absolut falsch lag. „Zähme mich“ ist nicht nur durchgehend spannend, sondern darüber hinaus ebenso überraschend, selbst wenn sich das (sehr) grobe Entwicklungsmuster durchaus erahnen lässt.

Statt auf einfache, oberflächliche Charakterbeschreibungen zurückzugreifen, lässt die Autorin ihre Protagonisten allesamt eine Art Entwicklungsprozess durchleben; den Leser am Innenleben wie deren einzelne Beweggründe teilhaben. Zwischen den Zeilen oft; und genau das ist es, was mich an „Zähme mich“ so begeistert hat. Emily Maguire schreib nicht nur einfach eine Geschichte runter, sondern fordert den Leser regelrecht heraus, sich seine eigenen Gedanken zu machen; sich völlig unverhofft auf das ein oder andere einzulassen... provozieren bedeutet, die Menschen denken zu lassen ~ und genau das ist es, was die Autorin hier dargeboten hat.

Quasi gratis obendrein erhält der Leser ein paar gruselige Infos rund um die Meeresbewohner, welche sich nicht weniger interessant lesen lassen und wie nebenbei gewisse, entromantisierende Denkanstöße liefern.

Generell herrscht in den Buch eine bedrückende, fast schon zerdrückende Atmosphäre vor, die von gewissen Exzessen regelrecht untermauert und intensiviert wird.

Den Ausgang des Romans habe ich wie gesagt so nicht kommen sehen; wobei ich an dieser Stelle im gleichen Zusammenhang offenbaren kann, dass „Zähme mich“ ein absolut offenes Ende involviert ~ was ich der Verfasserin sehr hoch anrechne. Alles andere hätte kaum überzeugen, kaum unkonstruiert wirken, kaum derartige Empfindungen zurücklassen können.

Das insbesondere der letzte Absatz eine so gewaltige Wirkweise hat, dass man jenen wieder und wieder lesen möchte, um die darin enthaltene Aussage (be)greifen zu können, rundet die Lektüre aufs perfektiöste ab. Selten habe ich Bücher mit einem derartigen *pamm Empfinden aus der Hand gelegt ~ wem das nun nichts sagen wird, dem sei der Vergleich genannt, dass „Zähme mich“ einen ähnlichen Sog nebst vergleichbaren Empfinden wie bei Jack Ketchum's „Wahnsinn“ ausübt.

Summa summarum

Auch wenn „Zähme mich“ vorrangig unter die Lupe nimmt, was generell als (sexuelle) „Grenzen“ beschrieben wird, so bildet der Roman doch einen heftigen Unterschied zu den Werken, die sich sonst um solche Themen drehen und eher in die „reine“ Erotik-Ecke rutschen.

Zwar gestaltet sich „Zähme mich“ zweifelsohne ebenso „handlungsträchtig“ wie pure Animationsliteratur; wirkt gleichermaßen - bzw. vorrangig gar - jedoch verstörend, aufschreckend und ernüchternd.

Wer in Sätzen wie

„Wenn wir uns gegenseitig zum Weinen und zum Kotzen bringen können und uns trotzdem verzweifelt danach sehnen, zusammen zu sein....“ (Zitat, S. 247)

keinerlei Romantik vorfinden oder zumindest erahnen kann, der sollte vielleicht doch einen Bogen um diese Lektüre machen.

   

weitere Erfahrungsberichte
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Bewertung für Zähme mich! / Emily Maguire von mary-p

Pro: Fantastischer Schreibstil, interessante Charakterstudie
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11.09.2006
Zähme mich
Bewertung für Zähme mich! / Emily Maguire von line1505

Pro: Mitreisend und Spannend
Kontra: ???

----------------- Super spannendes Buch -------------------- -> Spannend mitreisend und doch erotisch. Das Buch hat mich eigentlich vom äußeren erst nicht so angesprochen. Doch dann wurde es mir geschenkt. Gut dachte ich mir dann lese ich es ei ... Bericht lesen

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04.11.2008

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Ein düsteres Kapitel im Pornoheft der Kunst.
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Pro: Sprachgebrauch (nüchtern & verblümt); Thematik an sich; Tiefgründigkeit, die sich nicht aufdrängt
Kontra: berührt nicht so, wie es könnte; hier und dort arg langatmig; abwechselnder Stil stört vereinzelt

...Nuance von) Dirk Bernemann erinnern dürfte: ?Das Zahlen lohnt sich gar nicht mehr. Die Fahrkarte ins Jenseits hat sie ja schon im Handtascherl. Die muss auch in der Straßenbahn Gültigkeit besitzen.? (Zitat, S. 26) oder gar ?Die Mutter klatscht saftige Dachteln gegen die gelöste Haartracht ihrer Leibesfrucht-Spätlese.? (Zitat, S. 158) involvieren eine Bildhaftigkeit, die durchaus einen gewissen Reiz auf die Lektüre legen und mancherlei Sätze durchaus zum wiederholten Betrachten prädestinieren. Darüber hinaus musste ich für meinen Teil insbesondere zum letzten Drittel hin oftmals an ?Zähme mich? von Emily Maguire denken; eben weil eigentliche Thematik auch hier die völlige Unterwerfung umkreist. Was die Mutter anfängt, veranlasst Erika dazu, sich auszumalen, wie sehr sie ebenfalls in der Sexualität Sklavin zu sein hat, um etwas wie... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich

sehr hilfreich
01.01.1970


Die Klavierspielerin - Rowohlts Rotations Romane / Elfriede Jelinek

Haupteigenschaften

EAN: 9783453675179

ISBN: 3453675177

Autor: Emily Maguire

Autor Nachname: Maguire

Autor Vorname: Emily

Autor Name invertiert: Maguire, Emily

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ähnlich nach Format
(Taschenbuch)
ähnlich nach Erscheinungsjahr
(2006)
(*) Meinungen von Ciao Mitgliedern


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