"Big Brother"-Variante für Eierköpfe

5  26.04.2011

Pro:
Die Moderatoren .  Die Gäste .  Die orginellen Einfälle der Redaktion

Kontra:
der für meine Begriffe stiefmütterliche Ausstrahlungstermin sonntags nach 22 . 00 Uhr

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Kultstatus:

Unterhaltungswert

Moderation:

Durchhaltevermögen:


Spassprediger

Über sich: “We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...

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Mehr als zehn Jahre hat die von Christine Westermann und Götz Alsmann moderierte Unterhaltungssendung inzwischen auf dem Buckel. Mit anderen Worten: "Zimmer frei" ist schon jetzt ein TV-Klassiker.

Das Konzept der Sendung ist denkbar einfach: Man lade einen prominenten Gast zum Essen und zum Smalltalk vor laufender Kamera ein, und füge ein paar wechselnde, möglichst absurde Spielchen hinzu, in denen sich zum Gaudium des Studiopublikums Moderatorenteam und prominenter Gast messen. Zwischendurch sorge man dann durch Filmeinspieler und Wortbeiträge für zusätzliche Kurzweil – et voilà: fertig ist die Mischung.
Was? Das soll schon alles sein?

Das ist es, und es ist es wiederum doch nicht. Entscheidenden Anteil am Vergnügen, das die Sendung bereitet, haben die Moderatoren Christine Westermann und Götz Alsmann, deren gegenseitige Frotzeleien das Salz in der „Zimmer frei“-Suppe sind. Alsmann spielt dabei den welt- und wortgewandten Dandy, Westermann mimt die brave Stichwortgeberin. Aus dieser Rollenverteilung bezieht „Zimmer frei“ mindestens ebenso viel Unterhaltungswert wie aus den Beiträgen des jeweiligen Gastes der Sendung. Der wird, wie bereits angedeutet, auf seine WG-Tauglichkeit hin geprüft, denn der Name der Sendung ist Programm: Bei Christine und Götz ist stets ein Zimmer frei – ob der Gast Untermieterqualitäten hat, darf das Studiopublikum dann hinterher per Votum mit grüner bzw. roter Karte entscheiden.

In der Sendung vom 18. Juni 2006 war z. B. Simone Thomalla zu Gast. Wer die, wie ich, nicht in erster Linie als Schauspielerin kennt, dem ist sie vielleicht als (Ex-)Lebensgefährtin von (Ex-)Schalke-Trainer Rudi Assauer ein Begriff. Mit dem zusammen war sie damals in einer Reihe von TV-Spots zu sehen, die behaupteten, "irgendwann erfrischt es jeden" - gemeint war mit „es“ ein Pilsbier aus Sauerländer Brauerei.

Die gemeinsamen Auftritte als Bierwerber sind insofern von Bedeutung, als sich daraus auch eine der Geschicklichkeitsprüfungen ableitete, die Frau Thomalla zu meistern hatte: „Bier Curling“ hatten Wester- und Alsmann die (noch nicht olympische) Disziplin getauft, bei der es galt, Krüge mit hellem Bier einen Tresen entlang gleiten zu lassen – tunlichst so, dass dabei der eigene Krug vor dem Tresenende zum Stehen kommt, den Krug des Gegners aber anrempelt und zu Fall bringt. Das Ergebnis: eine Riesensauerei, die den Beteiligten offensichtlich so viel Spaß gemacht hat, dass ich spontan das Gelübde abgelegt habe, an einem bestimmten Abend meines Lebens ebenfalls ein „Bier Curling“ zu veranstalten.

Neben solchen Spielen, die mehr oder minder auf die Person des Gastes zugeschnitten sind (Simona Thomalla musste außerdem aus Alufolie eine Fußball-Meisterschale formen; unvergessen ist mir der Auftritt eines Guildo Horn, der “Smoke on the Water“ auf Kuhglocken spielt), gibt’s einige feste, stets wiederkehrende Elemente. Dazu gehört der Publikumsfavorit „Zimmer frei“-Bilderrätsel (am Abend mit Thomalle galt es den Begriff „Nacktszene“ zu erraten – dargestellt mit vollem Körpereinsatz eines Pärchens im Adams- bzw. Evakostüm, das splitterfasernackt keifte und giftete, bis der Begriff endlich erraten war) ebenso wie der Besuch der Kunstfigur Annemie Hülchrath (im Wechsel mit Hundehandpuppe „Vivaldi“), dargestellt von Cordula Stratmann, und Filmeinspielern mit Kabarettist Hermann „Manes“ Meckenstock, der die „ultimative Lobhudelei“ moderiert (eine Art Charakterzeugnis per Einspieler, für das Bekannte des Abendgastes befragt werden) und auch schon mal in Abwesenheit der jeweiligen Eingeladenen kleine, launig kommentierte Rundgänge durch deren eigene vier Wände veranstaltet.

Die Gastauftritte von Stratmann und Meckenstock stellen übrigens einen Brückenschlag der besonderen Art dar: schließlich sind die beiden Düsseldorfer, und wer die um oft reichlich bemüht wirkenden domstädtischen Anstrengungen weiß, mit denen man den ungeliebten Nachbarn Düsseldorf seit der Schlacht von Worringen im Jahr 1288 zu desavouieren versucht, dürfte ahnen, dass der Humor der „Zimmer frei“-Redaktion sich in Gefilden jenseits von Provinzpossenbühne und verbaler Fingerhakelei am TV-Stammtisch abspielt.

„Zimmer frei“ ist gewissermaßen „Big Brother“-TV für Intellektuelle, in dem das „Voting“ praktischerweise vom Studiopublikum vor Ort und am Ende jeder Sendung besorgt wird. Was zum einen den Vorteil hat, dass das TV-Publikum teure Telefongebühren spart und zum anderen gewährleistet, dass die Abstimmung ziemlich eindeutig ausfällt, da das höfliche und durch eine Stunde geistreicher Unterhaltung mild gestimmte Studiopublikum den Gast der Sendung meist quasi-unisono für WG-tauglich befindet (Ausnahmen gibt es, aber die fallen in der Regel nicht ins Gewicht).

R e s ü m e e

Eine wunderbare Unterhaltungssendung mit tollen Moderatoren, denen ich noch ganz viele Ausgaben von „Zimmer frei“ mit ganz vielen interessanten Gästen wünsche. Wer das TV-Programm des WDR empfängt, dem kann ich den Termin am späten Sonntagabend jedenfalls nur empfehlen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
CiaoFonzie

CiaoFonzie

30.04.2011 08:39

ich liebe die Sendung auch und fand Deine Beispielszenen super ausgewählt. LG Matthias

Jenni29Mai80

Jenni29Mai80

28.04.2011 16:22

Was bitte ist WDR - ist das so was wie ARD und ZDF ???? Kann man das essen ? :))))

schumu

schumu

28.04.2011 10:37

Ich mag die Sendung, auch wenn ich sie meist nur zufällig beim durchzappen finde und dann hängenbleibe. aber auch die, die kein WDR empfangen, können es sehen: ich meine, dass es auch im NDR gesendet wird regelmässig. :-) LG, Markus

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