"Das Zirkuskind" ist einer der neuesten Romane von John Irving und stammt aus dem Jahr 1994. Die Geschichte ist so komplex, daß es beinahe unmöglich ist, einen irgendwie gearteten Abriß davon zu schreiben. Ich möchte fast behaupten, daß sie zu komplex ist und Irving es damit "ein bißchen übertrieben" ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von andy__ über Zirkuskind / Irving, John 20. Dezember 2000
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
sehr anspruchsvoll
Unterhaltungswert:
hoch
Spannung:
ziemlich spannend
Pro:
der Autor !
Kontra:
die Geschichte wirkt etwas konstruiert
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
"Das Zirkuskind" ist einer der neuesten Romane von John Irving und stammt aus dem Jahr 1994. Die Geschichte ist so komplex, daß es beinahe unmöglich ist, einen irgendwie gearteten Abriß davon zu schreiben. Ich möchte fast behaupten, daß sie zu komplex ist und Irving es damit "ein bißchen übertrieben" hat, da vieles ein bißchen an den Haaren herbei gezogen erscheint.
Aber erst mal zum Inhalt: Dr. Daruwalla ist gebürtiger Inder und lebt als Arzt in Toronto/Kanada. Nicht nur eine tiefe Leidenschaft sondern auch einige berufliche Ambitionen lassen den Hobby-Drehbuchautoren regelmäßig nach Indien zurückkehren, wo er in immer demselbem Club in Bombay seine Zelte aufschlägt. Doch dieses Jahr gerät der Aufenthalt zu einem Spiel um Leben und Tod.
Rahul, ein indischer Hjira, eine Transsexuelle, will an Dr. Daruwallas Adoptivsohn John Dhar, der sich ebenfalls in Bombay aufhält, Rache nehmen und droht mit der Ermordung des bekannten Schauspielers. Es entwickelt sich eine vertrackte Geschichte, in die eine Menge Personen verwickelt werden, die für sich allein genommen schon Stoff genug für eine eigene Geschichte abgeben würden.
Da ist ein Zwergwüchsiger, der mit abgesägten Squashschlägern wie mit tödlichen Waffen umgehen kann, eine sinnsuchende Amerikanerin, die mithilfe eines Dildos ohne ihr Wissen Drogen schmuggelt und in Indien die Hölle auf Erden erlebt, und eben Rahul, der als Vertreter der Gesellschaftsgruppe der Hjiras die gesamte Fremdartigkeit dieses Kulturkreises in sich zu vereinigen scheint.
Diese Fremdartigkeit der Kultur wird im Buch immer wieder sehr detailgenau zu beschreiben versucht, wobei sich Irving häufig auch komischer Elemente bedient. Nach John Dhars letztem Film, der irgendwie einen Nerv der Gesellschaft verletzt haben muß, ist der Schauspieler in Indien beinahe so verhaßt wie der Leibhaftige selbst. Als sein bis dato noch unbekannter Zwillingsbruder Martin Mills, ein Jesuitenmönch, zufällig nach Indien kommt und vom Flughafen aus den Weg zu seinem neuen klösterlichen Wohnort einschlägt, beginnt sich die Aufmerksamkeit der bombayanischen Bevölkerung langsam aber stetig auf ihn zu konzentrieren. Er selbst kann sich dieses Interesse an seiner Person natürlich nicht erklären und sieht sich angesichts einer Hundertschaft fremder und höchstinteressiert bis lüstern dreinblickender Inder in die Rolle eines westlichen Messias gedrängt. Die Gegenseite hat natürlich andere Absichten, aber die Geschichte läuft glücklicherweise glimpflich mit einigen blauen Flecken ab.
Die Schauplätze des Subkontinents werden von Irving dabei immer mit einer Mischung aus Nähe und Distanz beschrieben, so daß trotz aller Detailgenauigkeit immer ein Rest Fremdheit in den Sätzen mitschwingt, was wohl auch irgendwie paßt und ein treffliches Abbild der Wirklichkeit darstellt. Die Handlung selbst erscheint mir dabei im Vergleich zu seinen anderen Büchern aber etwas konstruiert und hat nicht den leichten Fluß wie einige seiner früheren Romane. Das macht das Buch phasenweise ein bißchen anstrengend zu lesen, doch besonders aufgrund der Vielfalt und Buntheit ist es insgesamt gesehen dennoch absolut lesenswert.
Pro: Die Handlung lässt einen nicht mehr los Kontra: Das dauert ein paar Stunden
Irving selbst sagt über seinen Roman: "Dies ist kein Buch über Indien." Aber die Story spielt sich grösstenteils in Bombay ab, und viele handelnden Personen, etwa der Eunuchen-Transvestit Rahul, sind ausserhalb des Subkontinents nicht vorstellbar. Was Irving wohl meinte, ist der Gemütszustand seiner Hauptfigur, Dr. Farrokh Daruwalla. Geboren und aufgewachsen in Indien, als Erwachsener nach Kanada emigriert, fühlt er sich eigentlich überall fremd. ... ...1948 verpasst, da er zu dieser Zeit in Wien studiert hat, als auch Österreichs Unabhängigkeit sieben Jahre später. Kein Wunder, dass er sich nirgends zugehörig fühlt. Nur zwei Orte auf der Welt gibt es, die ihm ein Gefühl der Heimat geben: sein Club in Bombay und der (indische) Zirkus. Deshalb kehrt Daruwalla immer wieder nach Indien zurück, um dieses Gefühl des Dazugehörens erleben zu können. Was jetzt eher melancholisch klingt, ist aber nur ein ...
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Pro: Skurril, bunt, witzig, ein turbulentes Buch Kontra: keine
"Zirkuskind" ist für jeden, der die Bücher von Irving mag ein absolutes Muß. Es ist ein typisches John Irving-Buch, das die Fabulierkunst des Autors erneut bestätigt. Hauptfigur ist Dr. Daruwalla, der zwischen Bombay und Toronto hin- und herpendelt, nirgendwo so richtig zuhause ist und nach dem "Zwergen-Gen" und einem Golfplatzmörder sucht. Na? Reicht das nicht schon, um Interesse zu wecken. Wer sich jetzt noch nicht auf den zugegebenermaßen dicken ... ...sei gesagt, daß "Zirkuskind" eine Vielzahl weiterer skurriler Figuren zu bieten hat: es gibt kleinwüchsige Zirkusartisten, einen indischen Schauspieler (der Inspectoren spielt), echte indische Inspectoren, Transsexuelle und einen drogenfressenden Hund. Schon dieser kurze Überblick zeigt, daß das Buch von den absonderlichsten, skuriilsten und schrillsten Typen bevölkert ist, die man sich nur denken kann. Ganz nebenbei lernt man auch einiges über Indien, ...
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Zirkuskind war der erste Roman von John Irving, an den ich mich herangewagt habe und ich gestehe: ich bin ab sofort zur begeisterten Irving-Leserin geworden! Die Geschichte handelt vom Leben des Arztes Daruwalla, der hin- und hergerissen ist zwischen seiner indischen Abstammung und dem Leben in Kanada.
Irving erzählt dies in dem ihm eigenen Stil und seiner teilweise recht deutlichen und deftigen Ausdrucksweise. Die Handlung verzweigt immer wieder ... ...und seine kleinwüchsigen Artisten
Zirkuskind ist kein Buch, das man schnell ´mal herunterlesen kann – und entweder liebt man Irvings Stil oder verzweifelt gleich nach dem ersten Seiten! Ich habe viel Zeit mit diesem Buch verbracht und manche Passagen mehrmals gelesen. Es ist ein witziges, skurilles Buch, das aber auch viel zum Nachdenken anregt, mich zum Lachen gebracht hat und manchmal hat es mir auch die Tränen in die Augen getrieben... ...
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Pro: Unterhaltung auf sehr hohem Niveau Kontra: wie jeder Irving - trotz vieler Seiten zu kurz
Mit dem ersten Kapitel 'Die Krähe auf dem Deckenventilator' wird man in diesen Irving hineingesogen und nach neunhundertneunundsechzig Seiten total verquirlt und nach einem Lesemarathon wieder ausgespuckt.
Ein Buch über Indien, von einem Autor, der im Vorwort schon zugibt, keine Ahnung über Indien zu haben. Ein Buch über einen Zirkus-Zwerg und dessen Zirkus-Familie, ein Buch über indische Krimis auf unterstem Niveau, ein Buch über halbe und ganze ... ...einen falschen Kommissar und und und.
Es ist müßig, zu versuchen den Inhalt eines Irvings in ein paar Sätzen widerzugeben, daher will ich es auch gar nicht versuchen. Allein schon die Kapitelüberschriften wären eine Huldigung an den Autor wert. Vielleicht nur so viel:
Da gibt es den Duckworth-Club - mit einem Portrait der ehemaligen Lady Duckworth im Foyer und der Geschichte, dass diese Lady gern ihre Brüste entblößt hat.
Und es gibt die Zwerge, ...
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Wie ein exotischer, mächtiger Strudel, fremdartig und doch verführerisch, maßlos und doch kleinteilig - so tut sich Irvings zweitjüngstes und gleichzeitig größtes Erzählwerk auf. Es zieht einen in den "Bann", ist die Inkarnation dessen, was im englischen mit "Reader" gemeint ist...
(Verglichen mit dem "Zirkuskind" scheint es, als sei"Garp" dazu nur eine ausgedehnte Fingerübung gewesen - und nicht ein reifes Vollwerk, wie wir wissen).
Diese Fantasie, ... ...vielfältig und ineinander verwoben, voranpreschend und verweilend und vor allem, vor allem! - nie langweilig!
Selbst wer in seinem Leben bisher nicht wissen wollte, was es mit der Filmstadt und dem Hurennest Bombay auf sich hat, was Zwerge in indischen Zirkussen und Schweinefleischesser in Goa tun, wozu Riesen-Dildos und kanadisch-indische Orthopäden dienen können - selbst wer das allen nicht wissen will, wird das "Zirkuskind" verschlingen... ...
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...legalisieren, und den Frauen, die eine Abtreibung wünschen, diese zu ermöglichen, da eine Frau, die wirklich zur Abtreibung entschlossen ist, diese zur Not auch auf illegalem Wege erhält, was aber Gesundheitsrisiken mit sich bringt. Diesen ernsten Hintergrund präsentiert JohnIrving dem Leser in seiner typischen Manier: eine spannende und immer interessante Geschichte, bizarre Charaktere, komische Situationen, der gewisse Schuß Tragik (allerdings nicht so sehr wie zum Beispiel in "Garp") und ein guter Schuß Humor, sowohl von der Handlung her, als auch von der Sprache. "Gottes Werk und Teufels Beitrag" gehört, kurz nach "Garp", "Hotel New Hampshire" und "Zirkuskind", zu den besten Büchern JohnIrvings; das allein ist eigentlich Empfehlung genug. Lediglich radikale Abtreibungsgegner sollten wohl ihre Finger von diesem Buch lassen da sie wohl ihre...
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...Wenn es auf dieser Welt einen Menschen gibt, der Irvings's Romane liebt, dann bin ich das - aber die "Witwe" hat mich leider enttäuscht...
Es ist nicht so, daß der Roman nicht die für Irving so typische erzählerische Dichte vorwiese; auch nicht, daß seine Sprache nicht die übliche exquisite Klarheit hätte.
Was mich enttäuscht ist - die Geschichte. Verglichen mit "Gottes Werk" und "Zirkuskind" mit ihren wuchtigen und mitreißenden Handlungssträngen wirkt die "Witwe"-Geschichte schwächlich und konstruiert, seltsam unsinnlich, obwohl doch Sexualität in dem Roman eine wichtige Rolle spielt.
Überhaupt JohnIrving und seine - wie ich finde - geradezu meisterhaft unsinnlichen erotischen Passagen! Ein wunderbares Thema für das literarische Quartett, in der Originalbesetzung, versteht sich.
Jedes Jahr fiebere ich einem neuen Irving...
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...Dieses Buch war das zweite Buch von JohnIrving, das ich nach Zirkuskind gelesen habe. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen (siehe meine Meinung dort). Um es vorweg zu nehmen: Sie wurden erfüllt. Man hat es mal wieder mit einem ziemlichen Wälzer zu tun. Diesen zu lesen ist allerdings keine Mühe, sondern ein großes Vergnügen. Ist man am Ende angelangt, fragt man sich wie bei JohnIrving immer, ob es das jetzt schon war, warum ist das Buch nicht doppelt so dick, es machte doch gerade so viel Spaß!
Die Hauptfigur dieses Werkes ist T.S. Garp, ein sehr ungewöhnlicher Schriftsteller, der die Welt aufgrund seiner Lebensverhältnisse und seines sogar schon mehr als ungewöhnlichen Ursprungs anders sieht als es seine Mitmenschen tun.
Gezeugt wurde Garp von einem schwer verwundeten, sterbenden Soldaten, der - so muß man es in diesem...
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hilfreich 17.12.2000
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