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Zum Fressen Gern / Bob de Groot, Turk

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Ich tue das hier nur für meine Königin

5  03.06.2006

Pro:
Sehr unterhaltsam, witzige Klischees und Situationen, hervorragend gezeichnet .

Kontra:
- nichts -

Empfehlenswert: Ja 

KaiRabe

Über sich:

Mitglied seit:04.05.2005

Erfahrungsberichte:131

Vertrauende:23

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 95 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

In Kürze:
In der Comicserie "Percy Pickwick" werden die abenteuerlichen Erlebnisse des britischen Agenten und Detektivs gleichen Namens dem Leser in sehr amüsanter Form nahegebracht. Die Serie stammt von dem belgischen Duo Turk und de Groot, wird heute allerdings von Autor Bob de Groot mit dem Zeichner Rodrigue weitergeführt. In dieser Episode aus den frühen achtziger Jahren erhält Pickwick den Auftrag, einen Scheich zu beschützen, da ein Anschlag auf den Herrn und damit diplomatische Verwicklungen zu befürchten sind.

Die Macher:
Die Serie "Clifton", die in der deutschen Fassung "Percy Pickwick" heißt, wurde bereits 1959 vom Zeichner Raymond Macherot für die frankobelgische Zeitschrift "Tintin" erfunden und wird seit den siebziger Jahren vom Duo Turk und Bob de Groot gestaltet.
Turk heißt eigentlich Philippe Liégois und wurde 1947 geboren. Schon in jungen Jahren konnte er sich etablieren, wurde aber erst durch seine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit Bob de Groot bekannt. Bob de Groot ist Jahrgang 1941 und begann auch als Zeichner, bevor er mehr und mehr zum erfolgreichen Autor wurde. Er arbeitete außer mit Turk auch mit anderen Künstlern zusammen, so mit Morris bei mehreren "Lucky Luke"-Episoden. Äußerst fruchtbar und bis heute andauernd ist das Zusammenwirken der Künstler bei den ab den siebziger Jahren entstandenen Serien "Léonard" / "Leonardo" und "Robin Dubois" / "Robin Ausdemwald". Während erstgenannte Serie die Erlebnisse eines Erfinders im Klischee-Renaissance-Italien der Zeit Leonardo da Vincis wiedergibt, handelt zweitgenannte Reihe von den Taten des Robin-Hood-Verschnitts Robin Ausdemwald, der ständig im amüsanten Clinch mit dem Sheriff von Nottingham steht. "Leonardo" ist bis heute die erfolgreichste Serie des Duos und erschien in Deutschland in einigen leider längst vergriffenen Alben; "Robin" dürfte vor allem durch seine langjährige Präsenz in "Yps" im Gedächtnis geblieben sein. Während die Autoren in ihren selbst konzipierten Reihen ihrer Leidenschaft für Anachronismen und teilweise sehr skurrile Gags fröhnen konnten, wirkt der von ihnen aus anderer Hand übernommene "Pickwick" geradezu realistisch, ist aber natürlich auch eine karikierte Figur, deren Abenteuer großen Unterhaltungswert haben.
Turks Zeichnungen strahlen für mich eine
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Titelbild
gewisse Ruhe aus und ergänzen somit perfekt de Groots witzige Szenarien, deren Held oft genug die Ruhe bewahren muss...und dies dank seiner britischen Art auch schafft. Grandios erzeugt die Serie nämlich einen echt britischen Kosmos, der so wohl nur von Außenstehenden wie den zwei belgischen Künstlern geschaffen werden konnte.

Die Hauptfigur:
Percy Pickwick ist ein erfahrener britischer Agent und Gelegenheitsdetektiv, dessen Lebensumstände wie eine Versammlung von Klischee über England wirken. Er ist sehr tierfreundlich und gibt auch viel Geld für seine Katzen aus, fährt einen alten MG, dient als Anführer einer Gruppe Pfadfinder, bleibt fast immer ruhig und gelassen und ist ein unglaublich treuer Diener seiner hochverehrten Königin. Er sammelt außerdem Zigarrenbauchbinden (!) und ist überzeugter Junggeselle. Kein Wunder allerdings bei den Frauen, die er so kennenlernt, ich denke da nur an die stressige Miss-Marple-Parodie Agatha Spinsterhood (Band 4), die allerdings in ihrem Namen auch den Hinweis enthält, dass sie ohne Mann glücklich oder unglücklich werden kann.
So bleibt als menschliche Unterstützung Pickwicks nur seine Haushälterin Miss Partridge übrig - die Erkenntnis, dass auch sie eine berühmte Persönlichkeit ist, schockt allerdings den guten Percy (Band 12).

Inhalt:
Wie der Ciao-Zufall es so will, war die Kategorie für diesen Band, Band 3 der Serie schon vorhanden. Ich denke, ich werde die anderen beantragen.
Colonel Pickwick, Agent des MI 5, des Geheimdienstes seiner Königin, hat eines dieser Probleme, die dem Klischee-Briten das Leben schwer machen: er hat gerade seinen wunderbaren roten MG reparieren lassen und muss sich in der Werkstatt mit einer exorbitanten Rechnung auseinandersetzen. Dazu wird er vom KFZ-Machaniker noch veralbert, da dieser aufgrund Percys aufregendem Leben noch viele weitere Aufträge erwartet. Auf dem Weg nach Hause bewundert Percy zwar sein perfekt repariertes Vehikel, muss aber auch bei einem kurzen Besuch einer Zoohandlung noch einiges über sich ergehen lassen: der Inhaber teilt ihm stolz mit, dass er 40 Prozent (!) seines Umsatzes mit dem Futter für Pickwicks Katzen bestreitet - Percy fühlt sich verhöhnt. Auf der Straße gibt es dann noch einen fast-Unfall mit dem Mini einer jungen Dame -als Percy den winzigen Schaden in seinem Lack beklagt, klebt die Frau kurzerhand ein Pflaster darauf und verschwindet.

Endlich zu Hause ist Percy sicher nicht überrascht, von der Meute seiner Katzen überrannt zu werden -dafür aber umso mehr, als er in seiner Diele einem Jaguar gegenübersteht. Auch das Titelbild des Bandes zeigt übrigens diese Szene, lässt den Jaguar aber noch gefährlicher wirken. Der Jaguar entpuppt sich denn auch als zahm und gehört einem orientalisch aussehenden Herrn, der Pickwick einen wichtigen Anruf ankündigt. Tatsächlich klingelt bald das Telefon, und der inzwischen erzürnte Pickwick hebt wütend ab und schreit nur so ins Telefon. Es ist Percys Vorgesetzter Mr Twincam, der einen Auftrag für ihn hat: er soll Scheich Bahrey bei einer Reise in die Schweiz begleiten, da ein Anschlag auf den Herrscher befürchtet wird. Pickwick ist aber so verärgert, dass er zunächst ablehnt. Er ändert seine Meinung aber schlagartig, als er mit der Königin verbunden wird und diese den wichtigen Auftrag bestätigt -eine köstliche Szene.

So wird Pickwick zu einem edlen Landsitz kutschiert und lernt den Scheich kennen. Dieser gibt dem verdutzten Pickwick einen Goldbarren als "Begrüßungsgeschenk", was dieser aber ablehnt, und zwar mit den Worten: "Ich tue das hier nur für meine Königin !"(S.17) Bald erscheint auch - wie könnte es anders sein - die junge Dame aus dem Mini, mit der Percy gleich einen heftigen Wortwechsel hat, der sich allerdings humorvoll beenden lässt. Die Dame heißt Leila und arbeitet als Sekretärin für Scheich Bahrey. Als der Scheich dann in sein Büro will, wird er vom Jaguar zurückgehalten; Pickwick erkennt die vom Tier gewitterte Gefahr und tatsächlich gibt es bald im Büro eine Explosion; außerdem fallen Schüsse und eine Handgranate wird geworfen. Pickwick, der Scheich und die anderen verlassen fluchartig den Landsitz und müssen untertauchen. Denn Pickwick erfährt Folgendes: der Scheich wurde von Revoluzzern abgesetzt, die ihm jetzt nach dem Leben trachten. Da die britische Regierung nun nichts mehr mit ihm zu tun haben will, soll Percy den Scheich außer Landes schafffen. Ein sehr gefährlicher Auftrag...

Meinung:
Der Band zählt zu den gelungensten der Serie und zeigt Percy Pickwick in einer amüsanten Reihe von Stresssituationen, die er teilweise brillant meistert. Sein Wesen ist ja auch dazu bestimmt, bei vielen Leuten anzuecken: schon die Gespräche mit dem Mechaniker und dem Verkäufer in der Tierhandlung drohen Percy aus dem Häuschen zu bringen, ganz zu schweigen von den folgenden gefährlichen Erlebnissen. Trotz allem findet er aber auch zu seiner Fassung zurück und steht innerlich und äußerlich stramm, als seine Königin am Telefon mit ihm spricht. Er ist halt von eisernem Pflichtbewußtsein durchdrungen, ob ihm die Sache nun gefällt oder nicht. Passend zu Pickwicks britischen Tugenden sind auch die Zeichnungen gehalten, die eine perfekte Welt aus England-Klischees vor unsere Augen zaubern, wo jede Einzelheit - bei den Gebäuden oder Menschen - sehr liebevoll gestaltet ist.

Und der eigentliche Auftrag ? Er beweist uns nachdrücklich, dass der britische Geheimdienst sehr einflussreich ist und gute Beziehungen zu Herrschern wie Ex-Scheich Bahrey unterhält, dessen Herrschaft gerade zu Ende gegangen ist. Aus welchem Land der Fürst stammt, bleibt übrigens das Geheimnis der Autoren; es muss sich aber im Nahen Osten befinden. In einer globalisierten Welt muss sicher insbesondere Großbritannien mit allerlei importierten Konflikten leben, die denn auch mit Waffengewalt ausgetragen werden. Insofern wirkt dieses Anfang der achtziger Jahre entstandene Abenteuer wie eine böse Vorahnung auf die heutige Lage. Und letzllch ist der Scheich ja nur noch ein Ärgernis, dass entsorgt werden muss.

Es ist also keinesfalls eine einfache Problemlage, die uns hier vorgeführt wird. Der Humor kommt aber auch nicht zu kurz, so der humorvolle Konflikt des ewigen Junggesellen Pickwick mit der selbstbewußten Leila. In den letzten beiden Bänden der Serie - gezeichnet von Rodrigue -soll übrigens anscheinend die Agentin Jade als dauernde weibliche Unterstützung Pickwicks etabliert werden (Band 19 und 20). Auch auf Seiten der "bösen" Revoluzzer, die dem Scheich nach dem Leben trachten, gibt es einiges zu lachen. Der Befehl des Anführers, auf die Reifen des gepanzerten Wagens zu schießen, stößt bei einem besonders dämlichen Terroristen auf folgende Reaktion: "Darf man das ?" (S.23). Ein Glück, dass nicht jeder zum Terror geboren ist...

Daten:
"Percy Pickwick" Band 3
"Zum Fressen gern"
48 Seiten in Farbe
Text und Zeichnungen: Turk und de Groot
Carlsen-Verlag 1984 - etliche Neuausgaben
Softcover (eine Alternative in Hardcover wäre nicht schlecht)
Preis: 8 Euro

Fazit:
Ich bin seit langem von den Comics des Duos Turk-de Groot begeistert und dieser Band ist ihnen wirklich hervorragend gelungen. Wer den Vorzeige-Briten Percy Pickwick in seinem Element erleben will, kommt um einen Band dieser Qualität nicht herum. Gerade bei dieser Reihe finde ich die Titelbilder sehr gelungen; diese versprechen sicher nicht zu viel.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
IQIQIQ

IQIQIQ

26.06.2006 20:54

wieder mal ein wirklich feiner Bericht von dir!

mami-online

mami-online

07.06.2006 01:11

Kenne ich nicht, hört sich aber gut an... LG, Nicole

mxyz1

mxyz1

05.06.2006 12:49

Wieder ein sehr informativer und interessanter Comic Bericht,klasse.shGruß Marko.

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