Zwei an einem Tag (2011)

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Always there

4  12.11.2011

Pro:
Herzige, gelungene Buchverfilmung

Kontra:
Teilweise etwas oberflächlich abgehandelt

MissVega

Über sich: Endlich wieder Hamburg-Stammi! Am 20. Juli 2013! ;-) Im Juli London, im August Las Vegas - Hawaii - ...

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis der international erfolgreiche Roman von David Nicholls verfilmt werden würde. Und tatsächlich, nun ist es soweit. Die britisch-amerikanische Co-Produktion, zu der David Nicholls glücklicherweise auch das Drehbuch geschrieben hat, wurde von der Dänin Lone Scherfig ("Italienisch für Anfänger", "An Education") in 107 Minuten stimmungsvoll in Szene gesetzt. Millionen von vorrangig weiblichen Lesern der Buchvorlage dürften gespannt auf die Verfilmung gewartet haben, und es lässt sich sagen, dass sie, bis auf ein paar Kleinigkeiten, nicht enttäuscht werden dürften. Der Film wird dem Buch in den meisten Belangen absolut gerecht, lediglich die emotionale Verbindung zu den beiden Protagonisten lässt etwas zu lange auf sich warten, was dem manchmal zu hastigen Verlauf durch die gut 20 Jahre andauernde Chronik von Emma und Dexter geschuldet ist. Aber egal, ob man das Buch nun kennt oder nicht, "Zwei an einem Tag" ist ein gut erzählter, abwechslungsreicher und herziger Film, der fast alles richtig gemacht hat.

Emma (Anne Hathaway, "Der Teufel trägt Prada", "Alice im Wunderland") und Dexter (Jim Sturgess, "Across the Universe", "Heartless") lernen sich am Tag ihres Uniabschlusses in Edinburgh kennen. Der geplante One-Night-Stand scheitert zwar, dennoch ist diese Nacht der Beginn einer lebenslangen Freundschaft, die viele Höhen und Tiefen erlebt. Emma und Dex müssen erst noch herausfinden, was das Leben für sie bereit hält und tun dies auf ganz unterschiedliche Weise. Während die schüchterne Emma nach London zieht, eigentlich Schriftstellerin werden will, aber erstmal als Kellnerin in einem miesen mexikanischen Restaurant anfängt, reist Dex durch die Welt und lernt fremde Länder und viele fremde Frauen kennen. Dennoch, der Kontakt zwischen den Beiden reißt nie ab, selbst, als Dex sich zu einem arroganten, alkoholabhängigen Arschloch entwickelt. Zumindest vorerst, denn eines Tages reicht es Em, die schon lange weiß, dass sie mehr als nur Freundschaft für Dex empfindet, und sie kündigt Dex die Freundschaft. Doch so wirklich voneinander los kommen die Zwei nicht voneinander, auch, wenn vorerst Funkstille herrscht oder sie mit anderen Partnern zusammen sind und versuchen, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen. Ob sie noch begreifen werden, wie besonders das ist, was sie haben? Und wie viel mehr noch möglich ist? Werden Dex und Em wieder zueinander finden, und wenn ja, dann als Freunde oder als Partner?

Ich vermute mal, wir haben es sowohl der dänischen Regisseurin als auch dem britischen Autor zu verdanken, dass aus "Zwei an einem Tag" keine zuckersüße, oberflächliche und stereotype amerikanische RomCom geworden ist, sondern ein einfühlsamer, witziger und erfrischend realistischer Film. Lone Scherfig gelingt das Kunststück, nie in schmalzige Romantik abzudriften, gängige Klischees gekonnt zu umschiffen und somit Nicholls Vorlage bestmöglich umzusetzen. Scherfig führt ihren Cast sicher und zielstrebig durch eine mehr als 20 Jahre umfassende Geschichte und holt das Beste aus den Darstellern heraus. Umrahmt wird das Ganze von einem wunderbaren 80er und 90er Jahre-Soundtrack und passenden, abwechslungsreichen Settings in Edinburgh, London und Paris.

Anna Hathaway und Jim Sturgess sind als Emma und Dex hervorragend besetzt. Die blasse, rehäugige Hathaway verunstaltet sich in den in den 80er Jahren angesiedelten Parts des Films gekonnt mit komischen Frisuren und hässlichen Brillen, so dass sie als unsichere, verklemmte Emma auch optisch authentisch wirkt. Sturgess besticht durch sein lockeres, unaufgeregtes Spiel, welches ihn sicher durch die Höhen und Tiefen seines Charakters führt. Der Alterungsprozess wirkt bei ihm allerdings realistischer, da dieser durch Falten und erste graue Haare deutlicher sichtbar ist als bei Hathaway, die sich innerhalb der 20 Jahre praktisch gar nicht verändert. Leider werden großartige Darstellerinnen wie Patricia Clarkson ("Cairo Time", "Lars und die Frauen") als Dexters Mutter von der Geschichte kaum beachtet, da diese fast ausschließlich auf die beiden Protagonisten fixiert ist.

Das ist dann auch einer der kleinen Minuspunkte des Films: der Film konzentriert sich nur auf Emma und Dexter und lässt den anderen Charakteren so kaum eine Chance, sich in "Zwei an einem Tag" zu etablieren. Darüber hinaus ist es manchmal schwierig, die nötige emotionale Nähe zu den beiden Protagonisten zu finden, da der lange Zeitraum, über den die Geschichte erzählt wird, zuviel Raum für Oberflächlichkeiten bietet. Viele, teilweise zentrale Ereignisse, werden entweder gar nicht erwähnt oder so kurz abgehandelt, dass man etwas ratlos zurückbleibt, da sich gewisse Verhaltensweisen oder Veränderungen nicht immer gleich schlüssig erklären lassen. Die Handlung rast an manchen Stellen so sehr durch die 20 Jahre, die sie beinhaltet, dass man etwas atemlos zurückbleibt und sich gewünscht hätte, dass Lone Scherfig sich doch etwas mehr Zeit genommen hätte, um Figuren und Handlung schlüssig zu vertiefen. Natürlich kann die Dichte des Buches nicht erreicht werden, dennoch ziehen einige wichtige Jahre und Ereignisse am Zuschauer vorüber, ohne dass er Gelegenheit hat zu verarbeiten, was in Dexters und Emmas Leben passiert ist oder sich verändert hat. Erst ganz am Ende findet man den emotionalen Weg zu diesen beiden Königskindern, doch dann ist der Film auch schon vorbei.

Dafür wird uns hier glücklicherweise kein tränenreiches Melodram vorgesetzt, sondern ein herziger und kurzweiliger Film, der so nah an der Vorlage bleibt wie es bei Buchverfilmungen nur äußerst selten der Fall ist. Gut ausgewählte Darsteller, die facettenreich und überzeugend spielen, wunderschöne Settings und Locations, ein warmherziger, witziger Grundton und eine Geschichte, die zwar nicht unbedingt hätte erzählt werden müssen, weil sie so außergewöhnlich nun auch nicht ist, die aber zu keinem Zeitpunkt langweilt und darüber hinaus authentisch ist. Etwas mehr Tiefgang und ein weniger hektisch wirkender Run durch 20 Jahre einer besonderen Freundschaft hätten "Zwei an einem Tag" perfekt gemacht. Aber wer es perfekt will, kann ja das Buch lesen, das wirklich großartig ist. Somit gerne vier von fünf verpassten Gelegenheiten, die das Schicksal dennoch nicht aufhalten können.
Bilder von Zwei an einem Tag (2011)
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Emma und Dex 2003
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
JimPanse1986

JimPanse1986

13.12.2011 19:50

ich mag Anne Hathaway ja seit Plötzlich Prinzessin, eine einfach liebenswerte Schauspielerin ^^ aber oft kann sie auch nicht viel falsch machen... sie ist für solche Rollen einfach perfekt geeignet. Süüüüß :-D Sturgess seh ich aber lieber in Across the Universe, pff

Carmelita2905

Carmelita2905

19.11.2011 18:38

Bin hin und her gerissen, ob ich den Film schaue,... Einerseits hab ich sowas auch... am 11.11.11 waren es 11 Jahre. Das Datum war mir aber nie bewußt, es kam erst eben, als ich darüber nachdachte. Inzwischen weiß ich aber, dass wir nicht die 20 Jahre schaffen. Der Glanz unserer Geschichte ist ein wenig verblasst, seitdem er Vater ist. Daher überlege ich, ob der Film mich nicht zu sehr berührt... Und heulen in der S-Bahn beim lesen wäre noch schlimmer. Also Heulen beim DVD-Schauen! ;-)

atrachte

atrachte

19.11.2011 10:28

Anne finde ich ja extrem knuffig, weshalb ich mir ihre Filme allgemein ganz gerne mal ansehe. Aber ich denke das "Zwei an einem Tag" mir vollkommen für einen schönen, verregneten Sonntagnachmittag auf DVD ausreicht, und ich nicht unbedingt ins Kino rennen muss. Lg

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