Die singenden Kult-Schuhe
22.09.2004
Pro:
Individuell auszuformende, super bequeme Passform
Kontra:
Einlaufen erforderlich; Schnürsenkel öffnet sich von selbst
Empfehlenswert:
Ja
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 269 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Im Zeitalter des Retro-Fiebers kommt man an einem Produkt kaum vorbei. Die Achtziger-Jahre-Turnschuhe SAMBA von adidas sind wieder voll im Trend. Fast jeder kennt diese schwarzen Ledertreter mit der flachen Laufsohle. Die berühmten drei weißen Streifen zieren unverkennbar die glatten Außenseiten und signalisieren der Umwelt: "Halt! Hier drin steckt ein modebewusster Verbraucher!" Immer häufiger bekomme ich SAMBAs zu sehen: Ob junge Skater auf der Straße, die Sandmann-Moderatorin im Kinderkanal oder schlicht in der Halle kickende Fußballer - adidas setzt (wieder) Akzente.
Man muss kein absoluter Vintage-Freak sein, um die SAMBAs zu lieben. Nein, ich kenne sie bereits als Bub seit ihrer Markteinführung in den frühen Achtzigern des vorigen Jahrtausends. Damals waren sie für meine Eltern leider unerschwinglich. So musste ich weiterhin meinen besten Freund beim Tragen beneiden oder ihn ab und zu bitten die Treter mal anziehen zu dürfen. Erst in diesem Jahr wurde ich durch den sie umgebenden Hype wieder auf SAMBA aufmerksam und konnte sie mir endlich leisten, kosten sie doch - je nach Laden oder WWW-Shop - lediglich zwischen 30 und 50 Euro. Natürlich durfte es kein Modell aus der beispielsweise verändert aufgelegten "Millenium-Edition" oder ein anders gefärbtes als das original schwarze sein - die Urform sollte meine Füße zieren.
~~~ Ein Original mit passgenauem Tragegefühl
Endlich durfte ich sie in den Händen halten: Die Originale nach dem alten "Schnittmuster". Der goldene SAMBA-Aufdruck bei den drei Seitenstreifen schimmerte mir funkelnd entgegen. Ich wählte für mich ein Paar in 42 2/3 (US 9), um eine bequeme und nicht zu kleine Anpassung an meine Fußgröße zu gewährleisten. Diese Angaben finden sich praktischer Weise neben dem Herstellungsland und -datum in mehreren internationalen Maß-Standards auf der oberen Innenseite der Zunge. Außen zeichnen die typischen Logosymbole auf weißem Grund die echte Marke aus. Kaum schlüpfte ich zur Anprobe hinein, kamen all die Erinnerungen an meine Jugendzeit wieder hoch, in denen ich nur mal zeitweise diese Sportschuhe anziehen durfte. Das Tragegefühl war mir tatsächlich über zwei Jahrzehnte in Erinnerung geblieben. Und es ist unverändert genial!
Das weiche Wildleder des Deckmaterials schmiegt sich eng an meinen Fuß an. Im Innenschuh sorgt ein textiler Besatz auf dem Leder für die Aufnahme von Feuchtigkeit. Ein soft gefütterter Lederschaft umschließt die Fesseln behutsam, aber sicher. Im Fersenbereich, der auch im Innenschuh aus Leder besteht, setzt sich außen oben am Schaft ein weißes, gefüttertes Ende mit vier wellenartigen 'Griffmulden' ein Stück weit über die Achillessehne fort und bildet einen hoch gezogenen, fühlbaren Abschluss. Diese Ausformung dient als Anziehhilfe und sorgt mit ihrem unverkennbaren, weichen Design gleichzeitig für einen optischen Leckerbissen an den SAMBAs.Für den wunderbaren Tragekomfort ist unter der textilartigen Innensohle eine Wölbung nach oben eingearbeitet, die die Fußsohlenergonomie von unten her spürbar abstützt. Kampf dem Plattfuß! Man fühlt sich daher trotz der flachen, beige-braunen Gummisohle sehr gut aufgehoben. Das lange, flache Synthetik-Schuhband lässt bis kurz vor die raulederne Spitze eine Weitenanpassung zu, die sowohl für den schmalen als auch den etwas breiteren Fuß individuelle Einstellungen erlaubt.
Ich wollte die Schuhe nach dem ersten Probetragen gar nicht mehr ausziehen, so begeistert war ich. Selten bieten Sneaker einen solch guten Halt und vermitteln dem Träger eine so einzigartige Geborgenheit am Fuß.
~~~ Perfekte Passform - die muss man sich erarbeiten Mit der Anprobe ist es bei SAMBA jedoch nicht getan. Das Naturprodukt Leder, aus dem sie im Fußbereich ja überwiegend bestehen, will erst mal eingetragen sein. An diesem Punkt rächt sich jede zu klein gewählte Größe unerbittlich. Deshalb sollte man diese Turnschuhe unbedingt passend oder im Zweifelsfall sogar ein wenig größer kaufen.
Hier liegt einer der wenigen Kritikpunkte von mir an den SAMBAs begraben: Das glatte Leder bildet im Innenschuh an der Grenze Schaft/untere Ferse einen winzigen nach außen ausgebuchteten Übergang. Dessen Wölbung ist beim Gehen leider zu spüren. Reibt hier beim ersten Einlaufen das superweiche Leder immer wieder an der Ferse auf und ab, kann ganz schnell eine Blase entstehen. Um dem vorzubeugen, habe ich mir in der ersten Zeit Pflaster auf die Fersen geklebt. So blieben mir derartige Folgen erspart. Auch im vorderen Innenschuhbereich, der textil eingefasst ist, kann es an den Außenseiten der Zehen zu Reibungspunkten kommen, wenn die SAMBAs nicht optimal passen sollten. In meinem Fall waren die Kulttreter allerdings nach drei Tagen eingelaufen und ich konnte auf Fersenschutz und Co. verzichten. Erst jetzt sollte sich zeigen, dass sich das weiche Leder individuell an die Fußform anzupassen vermochte. Es umgibt heute meinen Fuß wie angegossen. So erhält jeder Träger dieses adidas-Produkts sein ganz eigenes "Lieblingspaar", das mit ihm quasi zu einer Einheit verschmelzen kann - was will man mehr?
~~~ Anschleichen zwecklos - da ist Musik drin!
Geheime Wege leise zu gehen kann man mit den SAMBAs in den ersten Wochen getrost vergessen. Dafür sorgt die nahezu "sprechende", kunstlederne Zunge. Sie liegt mit ihrem stoffartigen Unterbelag zwar wunderbar weich und bequem auf dem Fußspann, kommuniziert aber oben durch Reibung sehr gern mit dem Leder des Schnürschafts. Auf diese Weise quietscht und quatscht sie vergnüglich vor sich hin und posaunt einem jeden Mitarbeiter im Großraumbüro schon von weitem heraus, dass gleich wieder der SAMBA-Träger vorbeiläuft. Bei ausgedehnten Spaziergängen entwickelt sich für den phantasievollen Zuhörer schon mal ein ganz eigener Gesang oder Rhythmus, bei dem man mit muss.
Erst mit der Zeit verstummt der fröhliche Singsang und man kann wieder unauffälliger seiner Wege gehen. Als ich das Eintragen überstanden hatte, konnte ich mich gänzlich an der guten Qualität der Schuhe erfreuen. Und die hat es in sich.
~~~ Wunderwerk Verarbeitung - das große Plus von SAMBA Die echten Nähte zeichnen den SAMBA gegenüber vielen Konkurrenzprodukten aus. Zum einen wird bei diesem adidas-Produkt ja mehr Leder als Synthetik verwendet. Zum anderen ist dieses so gut vernäht (sogar die drei Zierstreifen), dass das Material über Jahre hinweg unverändert stabil zusammen hält.
Natürlich kommt es hier auf den Benutzer an. Wer sehr viel Fußball mit diesem Schuhwerk spielt oder es zu schwerer Arbeit anzieht, bei dem können schon mal nach einiger Zeit Verschleißerscheinungen auftreten. Bei meinem jüngeren Bruder sind nach einem Jahr wirklich starker Beanspruchung im Job und beim Sport schon mal Nähte aufgegangen. Er schwört trotzdem auf diese Schuhe, unter anderem wegen des durch das enge Anliegen sehr guten Ballgefühls beim Kicken, und kauft sie seit vielen Jahren immer wieder. Im Normalgebrauch als Freizeitsneaker oder Straßenschuh sind schlimme Abnutzungen allerdings nicht zu befürchten. Eine Gummisohle wie die der SAMBAs sucht ihresgleichen. Das typisch geformte, leicht geriffelte "Dreiecks"-Profil mit den berühmten Halbkugel-Löchern für den guten Hallenboden-Grip sorgt für besten Halt in der Turnhalle oder am Fußball. Indoor zeigt die Sohle durch diesen Luftpolstereffekt ihre volle Stärke, auf feuchtem Rasen rutscht man dagegen schon mal aus. Bei dieser Benutzungsart verhält man sich jedoch auch gegen das zugedachte Konzept. Dennoch verschaffte mir die Sohle kürzlich auch auf einer schräg liegenden Wiese bei einer Wanderung ein sicheres Stand- und Laufgefühl. Ein wahres Wunder ist die Gummisohle für mich erst recht in punkto Abriebfestigkeit: Egal ob Halle oder Straße, sie ist einfach nicht kaputt zu kriegen und läuft sich selbst nach langer Tragezeit kaum ab - das nenne ich Qualität.
Leider ist der platte Kunststoff-Schnürsenkel ein wenig rutschig. Das hat zur Folge, dass sich nach einer Weile des Tragens die Bändel schon mal von selbst öffnen. Hier muss ich doch ab und zu mal nachhelfen und einen Knoten in die Schleife machen - kein Beinbruch. Einige Extremsportler mögen vielleicht die kaum ausgeprägte Dämpfung des Schuhs bemängeln. Doch für spezielle Sportarten gibt es auch spezielle Schuhe. Man muss dem adidas-Sneaker zugute halten, dass er vor weit über 20 Jahren konzipiert wurde. Da verzeihe ich ihm, dass er ergonomisch eventuell etwas überholt sein mag. Der SAMBA macht jedoch im normalen "casual wear-Betrieb", sprich Alltagsgebrauch, eine tolle Figur und meine Füße fühlen sich sogar nach einem langen Arbeitstag noch ausgeruht an.
Sicher mit ein Verdienst des Leders, denn das ist als natürliches Produkt in der Lage, Feuchtigkeit des Fußes atmungsaktiv aufzunehmen. Natürlich ist dem Abtransport von Schweiß bei Dauerbelastung schnell eine Grenze gesetzt, denn der SAMBA bietet neben dem inneren vorderen Stoffbesatz keinerlei Lüftungslöcher durchs Leder nach außen hin und ist eben gut geschlossen. Daher ist dieses Schuhwerk für meinen Geschmack nicht unbedingt für heiße Hundstage geeignet. Doch selbst nach intensiver Wärmeeinwirkung und langer Feuchtigkeitsbelastung entsteige ich meinen SAMBAs ohne irgendwelchen Fußgeruch. Den einzigen schwachen Duft, den man sogar noch als angenehm empfinden kann, ist solcher nach Leder. Das lässt sich übrigens am besten mit farbloser Schuhcreme leicht pflegen. Über Monate hinweg entstandene Fältchen im Obermaterial bekommt man dann wieder schön glatt und erhält sich den anfangs vorhandenen leichten Glanz mühelos über viele Jahre.
~~~ Retro-Fieber mit Geschmacksverirrung?
Sicherlich mag das äußere Erscheinungsbild der SAMBA-Sportschuhe dem einen oder anderen alt oder gar veraltet vorkommen. Die Retro-Welle hat ja im Modebereich schon so manche Blüten getrieben. Doch die SAMBAs sind eben ein Original und nicht irgendwie "auf Retro" nachgebastelt oder getrimmt, besorgt man sich das Ur-Modell. Für mich als Designer beinhalten sie auf jeden Fall einige unverwechselbare, einprägsame Bestandteile - die Gestaltungsaufgabe wurde seinerzeit wirklich bravourös durchgeführt. Dadurch weisen sie eine gewisse Zeitlosigkeit auf, die vielen Sportschuhmodellen von heute abgeht. Nicht umsonst haben sich diese adidas-Treter mittlerweile über Jahrzehnte am Markt gehalten und können in unserer verwöhnten westlichen Konsumwelt getrost als Kultobjekt bezeichnet werden. Das waren sie für mich aber bereits als Junge kurz nach ihrer Markteinführung.
Obendrein lassen sich die klassische Form und das neutrale Schwarzweiß optisch reizvoll mit modischen Cargo- oder Hüfthosen in allen Farben, aber auch genial mit Baggy-Pants kombinieren. Ich gehe zumindest gern so auf die Straße und möchte sowohl die Optik als auch das bequeme Tragegefühl nicht mehr missen.
~~~ Das Ende eines SAMBA-Tages Da das glatte Leder im inneren Schaft den gesamten Fersenbereich ausfüllt, haftet es natürlich sehr gut am Knöchel. So kann es am Ende eines warmen Tages bei leicht feuchten Füßen doch bisweilen vorkommen, dass sich die SAMBAs beim Ausziehen mit einem hörbaren Schmatzer von mir verabschieden.
Den sollen sie gern von mir zurück bekommen, haben sie mich doch bestens durch einen ganzen Tag getragen. SCHMATZ!
Preisvergleich
sortiert nach Preis
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
Verwandte Tags für Adidas Samba
|
|
17.10.2005 19:02
- Das einzige fehlt ist die Audio-File mit der Samba-Musik :D GROßARTIG!
02.10.2005 01:58
Erstaunlich - ich ziehe Schuhe meist nur an, aber soo gut darüber zu parlieren... dafür gern mein bh. LG
03.09.2005 00:39
Ein Kult-Schuh. Ein Hauch von Retro aber doch immer noch modern