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Digitaldruck schafft eine neue Autorengeneration

3  13.10.2006

Pro:
Veröffentlichungen für jeden, relativ günstig von der Basis, großer Auftritt

Kontra:
wer wenig kann, bezahlt viel

Empfehlenswert: Ja 

Labertasche13

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:2

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 23 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

BoD- Books on Demand - ist ein Verlag, ansässig in Hamburg Norderstedt, und gleichzeitig ein Verfahren, um Bücher kostengünstig im Digtialdruckverfahren "auf Abruf" herzustellen.
Das Geheimnis liegt in der Technik verborgen, die es möglich macht, kleine und kleinste Buchauflagen zu produzieren - im Gegensatz zum Offset-Druck.
BoD fällt in die Gruppe der so genannte Dienstleistungs-Verlage, die Auftragspublikationen verwirklichen. Das heißt, hier fehlt völlig die Willkür großer und etablierter Verlage, die Manuskripte nach Programm oder Qualtiät beurteilen und meist ablehnen. Begründet ist es darin, dass jeder veröffentlicht werden kann, der bereit ist zu zahlen.


Der Internetauftritt:

www.bod.de - übersichtlich, aber vollgepackt mit allen möglichen und unmöglichen Infos.
Die Startseite profiliert den "moderen Autorenverlag" mit einem Schreier "Sie schreiben - wir veröffentlichen".
Okay, das ist die Essenz, die einen Namen braucht. Es geht also um einen Verlag (oder eine Art von Verlag, denn Verlag kommt eigentlich von "vorlegen"), der Bücher publiziert - im Auftrag von Autoren und auch von Verlagen und im Digitaldruckverfahren, einer technischen Neuerung gegenüber dem Offsetdruck, der nur Sinn macht, wenn hohe Auflagenzahlen hergestellt werden.
Im Grunde sind die meisten Infos zum Veröffentlichen auch auf den Seiten zu finden, es gibt Vorlagen und Anleitungen für die "Basis-Paket-Autoren" und ab-Preise für diejenigen, die Seriviceleistungen in Anspruch nehmen wollen oder müssen.
Ein Preiskalkulator gibt erste Anhaltspunkte über die Kosten, die entstehen, und auch über die Verdienstmöglichkeiten.
Neben vielen Serviceseiten für potenzielle Autoren gibt es natürlich auch Programmseiten mit publizierten Büchern, über publizierte Autoren und einen Mitgliederbereich a la "my Bod".
Hier finden Autoren von BoD alles rund um ihre Aufträge, Buchkäufe und -projekte, eine Communtiy u.a.
Anmelden kann sich jeder kostenlos, auch noch-nicht-Autoren, und über diesen Zugang sein Projekt ins Rollen bringen.
Aber auch News werden nicht ausgespart. Z. B. Autorenerfolge, geglückte Bestseller, Prominenz usw. werden als Zugpferde benutzt, um den Verlag weiter nach vorn zu befördern.
Die Seite gibt viel her, profiliert sich mit großen Namen und vielen Leistungen und es bedarf einer gewissen Zeit, ehe ein Neuling, der sich erstmalig mit dem Gedanken an eine Veröffentlichung beschäftigt, dort einigermaßen durchsteigt.


Für wen ist es interessant?

Das Internet und damit der Zugriff auf unzählige Communitys, Foren, Informationsseiten uvm. hat in den vergangenen Jahren mit dafür gesorgt, dass sich immer mehr Menschen dem Bücher schreiben widmen. Nicht, dass diese Autoren nicht auch schon früher geschrieben hätten oder es ohne dieses Medium nicht auch tun würden, aber durch die weltweite Vernetzung hat es offensichtlich einen Boom gegeben, die eigenen Werke auch ans Licht der Öffentlichkeit befördern zu wollen. Verlage gibt es ja genug, wie man schnell feststellt, und auch reichlich Infos, wie man diese Sache überhaupt angehen muss.

Es war schon immer schwer für einen "neuen" Autor, sein Debütstück an einen Verlag zu bringen. Den Wunsch, sein Buch im Programm eines etablierten Verlags zu finden, teilen sich wohl die meisten Schreibbegeisterten. Doch nicht einmal 1% aller Autoren bekommen diese Chance - die Chance, dass ein Verlag ihr Manuskript kauft, promotet und in die Welt wirft.

Dieser Zustand hat dazu beigetragen, dass in der Vergangenheit eine Art Marktlücke entstand. Was vor Jahren noch überwiegend für wissenschaftliche Arbeiten und spezielle Inhalte per Druckauftrag vergeben wurde, weitet sich zunehmend aus und bietet heute mittlerweile jedem die Möglichkeit, sich selbst als Buchautor zu profilieren.
Die Digitaltechnik hat ihren Teil dazu beigetragen. Es geht schnell, es geht einfach, es geht für jedermann. Nur schreiben muss man noch selbst.

BoD ist der wohl größte Anbieter seiner Zunft mit über 13.000 Titeln im Programm und der größten Medienpräsenz.

Wirklich interessant ist BoD tatsächlich für Autoren, die einerseits den Wunsch hegen, sich endlich "gedruckt" zu sehen, andererseits auch in Kauf nehmen, dass Ruhm und Reichtum auf diesem Weg nicht gerade wahrscheinlich sind. Und die weiter bereit sind, dafür zu bezahlen, dass Ihr Buch überhaupt entsteht.

Interessant ist es sicher auch für viele Autoren mit eingegrenzter Zielgruppe. So nutzen z. B. viele Naturwissenschaftler diese Art der Publikation, um die Bücher im eigenen Kunden- oder Patientenkreis zu verkaufen. Insiderwissen, alternative Heilmethoden, Ratgeber uvm., was beruflich eruiert wurde und dementsprechend auch verkauft werden kann, findet hier gute Möglichkeiten.
Für Romanautoren oder diejenigen, die sich große schriftstellerische Erfolge und damit ein gewaltiges Einkommen erhoffen, ist es wohl weniger geeignet.


Wie BoD funktioniert:

Die Webseite "www.bod.de" hält eigentlich alles an Informationen bereit, die man kennen muss, bevor man sich entscheidet, sein Buch dort zu drucken.
BoD bietet neben der reinen Produktion noch weitere Service-Leistungen an, beginnend mit Lektorat und Korrektur bis hin zur Verkaufs-PR. Man entscheidet sich entweder für eine Art von "Self-made" oder für verschiedene Komplettpakete, die Serviceleistungen unterschielichen Ausmaßes schon enthalten.
Was hier für den Einzelnen in Frage kommt, hängt vom eigenen Können und vom Budget ab.

Eingereicht werden können Manuskripte jeder Art, sofern Sie einen Umfang von 52 Seiten nicht unterschreiten. Jedenfalls gibt das der Buchpreiskalkulator vor. Das Programm ist umfangreich, von Belletristik/Lyrik/Biografien bis hin zum Sach- und Fachbuch gibt es hier wohl nichts, was es nicht gibt.
BoD druckt so ziemlich alles, was den Köpfen der Menschen entspringt und nicht in irgendeiner Art für öffentliches Ärgernis sorgen kann.

Die Einreichung kann entweder per Post (Papierausdruck oder Datenträger) oder per Mail-Anhang erfolgen. Die Antworten kommen schnell samt Vertrag, den man gewissenhaft ausfüllen muss.
Hier fängt es an und wird ein wenig kompliziert, denn um überhaupt das erste Buch vertraglich zu fixieren, muss vorab ein Rahmenvertrag abgeschlossen werden. Erst dann kommt es zum Buchvertrag. Man hat also in jedem Fall 2 Verträge, mit denen es sich auseinanderzusetzen gilt. Hat mein einen Rahmenvertrag, kann man beliebig viele Bücher schreiben oder herausgeben und wird dabei als Rechteinhaber geführt. Es ist also intersessant für Autoren und deren eigene Bücher oder für Verlage und Herausgeber, die andere Autoren veröffentlichen und sich deren Einverständnis zum Rechteübertrag sichern.

Es dauert zwischen 4 und 6 Wochen, bis der Autor die beiden ersten Referenzexemplare zur Hand nehmen kann, nachdem der Produktionsprozess in Gang gesetzt wurde. Sind die in Ordnung, was er schriftlich bestätigen muss, dauert es nur noch wenige Tage, bis das Buch der Welt vorgestellt wird. Das bedeutet, es bekommt eine ISBN, der Bibliothekenservice wird ab Verlag übernommen und das Buch gelistet - es ist nun z. B. bei Amazon und Libri sowieso wie auch im Buchhandel um die Ecke beziehbar (in letzterem steht es allerdings nicht im Regal, sondern muss meist bestellt werden). Entdeckt man Fehler in der Referenz - was z. B. beim Self-Made-Verfahren nicht ausgeschlossen ist (z. B. Fehler im Text, verrutschte Grafiken auf dem Cover etc.pp.), geht es in die Korrektur. Das kostet nicht nur ungefähr nochmal so viel Zeit, sondern auch Geld, wenn der Fehler beim Autor liegt.
Und damit kommen wir zu den Kosten.


Was BoD kostet (bei BoD):

Am günstigsten kommt man weg, wenn man sich für das Basispaket entscheidet, das mit 369 Euro ins Geld schlägt und je nach Buchausstattung 29 Euro (Paperback) oder 39 Euro (Hardcover) für den Bibliothekenservice fordert, womit man schon bei knapp unter oder über 400 Euro liegt.
Das Datenmanagement schlägt zusätzlich mit monatlich 1,77 Euro ins Geld für den Zeitraum der Verfügbarkeit des Buchs zum Druck. Korrekturen, wie oben beschrieben, schlagen ebenfalls ins Geld, denn was hier beim selbstständigen kreieren der Vorlagen vergeigt wurde, muss daheim gerichtet und vom Verlag neu gedruckt werden. Dafür wird Geld verlangt, ca. 100 Euro.
Voraussetzung hierfür ist tatsächlich, dass der Autor druckfertige Dateien einreicht.
Druckfertig bedeutet, dass das Manuskript einen Lektorat/Korrekturlauf unterzogen wurde, ins richtige Format gesetzt ist (Anleitungen dazu finden sich auf der Homepage), Schluss- und Umbruckkorrektur erfolgt sind, Impressum eingefügt wurde, das Buchcover millimetergenau (ebenfalls nach Anleitung) grafisch kreiert wurde und dann das Projekt mit insgesamt 2 Dateien (Cover und Buchinhalt) ins PDF-Format konvertiert und eingereicht wird. Dazu reicht man einen kleinen Klappentext ein, der später zu Vorstellungzwecken verwendet wird.

Kann der Autor diese Arbeiten nicht selbst erledigen und steht relativ hilflos mit dem Manuskript vor der Tür, wird im natürlich geholfen. Spezialisten wie Lektoren und Grafiker kümmern sich darum, dass aus dem Stapel Papier trotzdem ein Buch wird, aber nun wird es spannend.
Die Basiskosten fallen grundsätzlich an, aber schon das Lektorat, das ja im Grunde für jedes Buch eine Notwendigkeit darstellt, geht wieder ins Geld.
BoD bietet ein Probelektorat für 99 Euro an (20 Seiten), was bedeutet, dass eine Seite schon während der Probe mit 5 Euro zu zahlen ist (wobei man hier, sofern noch nicht in Anspruch genommen, spekulieren darf, wie hoch der Seiten-Preis für ein tatsächlich beauftrages Lektorat sein könnte). Schon das ist ein Wucher, denn jeder freie Lektor bietet ebenfalls "Proben" an, vielleicht keine 20 Seiten, die dafür meist kostenlos. Man muss also die Katze im Sack kaufen ohne zu wissen, ob es wirklich was bringt.
Weiter geht's mit dem Buchlayout. Mindespreis für diesen Service ab Verlag für Standardumschlag, Standard-Textblock, bis zu 30 RS-Korrekturen ... für 399 Euro. Die 31ste Korrektur soll schon wieder Geld kosten …
Das Ganze gibt es natürlich auch in professionelleren Formen, die dann professionellere Preise verlangen.
Hier beginnen dann die "ab"-Preise mit 1399 bzw. 1999 Euro - abhängig von diversen Dingen wie Seitenumfang, Buchausstattung usw. Ein Luxuspaket verspricht zusätzlich 10 Leinenbände …
Ist das Buch endlich fertig, hat man die Möglichkeit, kleine Auflagen für den Eigenbedarf und mit Autorenrabatt beim Verlag anzufordern. Hier setzt BoD eine Mindeststückzahl von 25 Büchern zum Autorenrabatt an. Wie hoch dieser ist, errechnet sich im Buchpreiskalkulator, der Seitenzahl, Buchausstattung und Ladenpreis berücksichtigt. Dieser wird von BoD allerdings einigermaßen vorgegeben - gerechtfertigt mit den späteren Tantiemen, die bei zu niedrig angesetztem Preis schnell auf Null schrumpfen können. So habe ich errechnet, dass ein Taschenbuch mit einem Seitenumfang von 352 Seiten mindestens 17,90 Euro kosten muss, damit man als Autor von jedem verkauften Buch ca. 5 Cent bekommt. Um 5,8 % zu erhalten (sprich 1,16 Euro/Buch) muss das Buch für 19,90 Euro über den Tisch gehen - ein Wucher für ein Taschenbuch mit diesem Umfang. Hier fragt man sich tatsächlich, wer dieses Buch kaufen wird - zu dem Preis.

Wenn man diese Kostenstaffelung betrachtet, ist es eine Milchmädchenrechnung für den Einzelnen zu entscheiden, ob er entweder günstig veröffentlichen will, weil er alles selbst machen kann, oder genug Geld hat, um "machen zu lassen" - womit wir uns in diesem Fall vom "Billigdruck" wieder verabschieden können.


Erfolgreicher Autor?

Nun, definieren wir Erfolg an verkauften Büchern und entsprechenden Tantiemenzahlungen an den Autor, dann werden viele hierbei erste Bauchschmerzen bekommen.
Zwar ist BoD mutmaßlich der größte Anbieter dieser Art Veröffentlichung und hat auch einige nicht gerade unbekannte Autoren im Programm, doch der einzelne, private und "neue" Autor wird nicht berühmt dadurch, dass er sein Buch dort veröffentlichen lässt. Jetzt beginnen die Lauferei und das Klinkenputzen, was jeder selbst in die Hand nehmen muss.
Zwar bietet BoD Messepakete, Werbebriefe, Anzeigen, Werbeartikel und einiges mehr an, um das Buch "nach vorne" zu bringen, doch mehr als eine Unterstütung ist es nicht - und die gibt es auch nicht kostenlos, sondern hat wieder ihren Preis.

Das bedeutet im Klartext, der Autor ist hier gefordert, jede Menge Eigenwerbung zu machen, damit überhaupt jemand von dem Buch erfährt und es auch kauft. Beginnend damit, sich selbst samt Buch bei der regionalen Tageszeitung vorzustellen, Lesungen zu organisieren, Referenzexemplare zu kaufen und nachfolgend zu verschicken usw. usf.

Bis man seine Investitionen für das Buch wieder reingeholt hat, müssen schon verdammt viele Bücher verkauft werden. Und hofft man darauf, dass dies über Buchhandlungen passiert, könnte es sein, dass man eine herbe Enttäuschung erlebt. Einerseits, weil bei vielen der größte Leserkreis sicher im eigenen Umfeld zu finden ist, andererseits weil die Tantiemen zu mager sind. Und vielleicht lohnt sich vorher der Weg in die heimische Buchhandlung. Dort kann man anfragen, ob im Fall der Fälle selbige bereit ist, das Buch des Regio-Autors auch zu verkaufen bzw. in einer gewissen Anzahl auf "Lager" zu halten. Der kleine Buchhändler an der Ecke wird es vielleicht tun, Thalia und die Meyersche wohl eher nicht so gerne.
Bessere Chancen hat man, wenn man selbst immer wieder Kleinauflagen beim Verlag anfordert (und dafür ca. die Hälfte des LVP bezahlt) und diese dann selbst verkauft - bei Lesungen und Co. z.B.

Resümeeeee:

Warum nicht? Es ist sicher eine Erfahrung wert, kann Spaß machen und die Motivation fördern, weiter zu schreiben, setzt allerdings voraus, dass man die rosarote Brille abnimmt und den Tatsachen und Wahrscheinlichkeiten von Beginn an ins Gesicht schaut.

Doch vielleicht sollte man tatsächlich das eigene Können hinterfragen, wenn die bezahlte Veröffentlichung die einzige Möglichkeit ist, um Buchautor zu werden. Gute, spannende Geschichten und interessante Themen werden eigentlich von allen Verlagen gesucht, immerzu, doch was ist mit der Qualität?

Darüber kann sich jeder gerne ein eigenes Bild machen, indem er sich das eine oder andere selbstfinanzierte Buch kauft und einen Blick reinwirft.
Man wird erstaunt sein, manchmal positiv überrascht, dass es ein solches Buch überhaupt "nötig" hatte, aber man wird auch oft erkennen, warum dieser oder jener Autor nur diesen einen Weg einschlagen konnte.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
dagmar2

dagmar2

22.11.2010 01:41

Soweit ich weiß, gibt eine Billigversion (39 EUR) und eine mit Betreuung 399 EUR oder so, diese hast Du wohl beschrieben, da kommt in der Tat einiges. Ich kenne jedoch einige, die inwzsichen fasziniert für 39 EUR Ihr Buch glücklich rausbrachten, das wäre für mich nicht klar geworden, wenn ich es nicht wüßte.... trotzdem viele Infos, vg, dagmar2

nadine1978

nadine1978

26.08.2010 19:30

Sehr ausgewogen!

Chris0079

Chris0079

26.10.2007 11:49

Toller Bericht!

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