Dieses Buch wurde nicht vergessen... (Update Juli '11)
13.01.2009 (21.07.2011)
Pro:
unzählige gratis Bücher, Internationalität, Grundgedanke
Kontra:
kann ich nicht finden
Empfehlenswert:
Ja
 Jouleska
Über sich:
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 67 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe Leser, dass ihr hier gelandet seid, habt ihr wohl hauptsächlich zwei Punkten zu verdanken: Ihr seid neugierig und scheut euch offensichtlich nicht vor Buchstaben, die in Rudeln auftreten. Ja vielleicht ist sogar der ein oder andere Bücherfreund unter euch. Einer von denen, die sich hinter dicken Wälzern verschanzen, abtauchen und die Welt um sich herum vergessen. Egal was und wo ihr gerne lest, ob Romane in der Wanne, Biographien im Bett oder packende Thriller im Garten, ihr seid Teil einer Gemeinschaft.
Und diese Bücherwurm-Gemeinschaft findet im bookcrossing nun neues (Lese-)Futter. Denn das Erlebnis des Lesens mag geteilt werden. Was macht man also? Man registriert ein Buch, verpasst ihm eine Nummer und setzt es einfach aus, verschwindet und hofft, dass es gefunden und weitergegeben wird…
Der erste KontaktSo ein Finder war ich auch mal. 2007, Karlsruher Schlossgarten. Am Sockel einer Steinskulptur liegt ein Buch. Einsam und offenbar vergessen. Ich ging also hin, nahm es an mich und hielt Ausschau, ob nicht doch jemand zurück kommt um es zu holen. Aber da kam niemand. So landete es in meiner Tasche und wurde erstmal lange Zeit ins Regal gestellt, ohne, dass ich es mal genauer angeschaut hätte.
Hätte ich es mal getan! Denn dann hätte ich schon früher gesehen, welch langen Reiseweg mein Buch bereits hinter sind hatte. Gestartet in Birmingham (England), reiste es nach Leeds (England), dann nach Helsinki (Finnland), schließlich nach Ohio (USA) und von dort nach Karlsruhe, wo ich es fand. Woher ich das wusste? Nun, jeder vorige Leser hatte sich mit einer kurzen Notiz im Buch verewigt und seinen Wohn- bzw. Leseort eingetragen. Darüber hinaus, fand ich im Buch eine Codenummer mit einem Hinweis auf eine mysteriöse Seite: www.bookcrossing.com
Buch auf Reisen! Oder: Das Konzept
Es kostete mich nur wenig Einsatz und Zeit herauszufinden, was diese ominöse Seite eigentlich von mir wollte: Einen Eintrag, wohin es das Buch verschlagen hatte. Mit Hilfe der Codenummer konnte ich also direkt zum Buch einen kurzen Hinweis schreiben, dass es ihm gut geht. Und hier fand ich auch Einträge der vorigen Leser wieder, die etwas ausführlicher zur Reiseroute „meines“ Buches berichteten. Sofort war es um mich geschehen: Bücher auf Reisen, die in den Händen von Fremden landen. Eine Art „offene Bücherei“, weltweit und mit dem Gedanken, Geschichten zu teilen! Ich meldete mich noch am selben Tag als neuer „Bookcrosser“ an und bekam mein eigenes virtuelles Bücherregal. Ich wurde Teil der Bewegung! Auch ich wollte meine Bücher frei lassen und ihnen die Welt öffnen, in der Hoffnung vielleicht irgendwann mal wieder von ihnen zu hören.
Mein Bücherregal war recht schnell durchstöbert und ein passender Kandidat für die „Auswilderung“ gefunden. Ich registrierte das Buch, es bekam daraufhin seine eigene BCID (Bookcrossing-Identifikationsnummer) und wurde, mit einer kleinen Notiz zum Konzept und der URL zur Seite, von mir in der Stadt liegen gelassen. Ich wartete auf eine E-Mail, generiert von der Webseite, dass es Neues von ihm gab. Aber es meldete sich nie wieder. Also versuchte ich es mit einem anderen Buch. Und noch einem. Ich hörte nie wieder von ihnen. Den Anfänger mag das enttäuschen und auch ich war schon ein wenig traurig, dass kein Finder ein Lebenszeichen (genannt Journal-Eintrag) meines Buches verfassen wollte. Glücklicherweise ist bookcrossing weit mehr als eine Tour im Alleingang! Denn mit aktuell über 51.000 Mitgliedern (Stand Juli 2011) ist die deutsche bookcrossing-Szene im weltweiten Vergleich ziemlich gut besetzt. Man tritt in Kontakt miteinander, tauscht Bücher untereinander, verschickt sie an weitere Mitglieder, tut sich zu Lesenringen zusammen, setzt Bücher der anderen User auch mal aus – es ist ein ständiges Interagieren zwischen den Bücherfreunden.
Und es macht mir solchen Spaß, dass mein ursprünglicher Plan (nämlich mein Regal ein wenig zu entrümpeln) komplett gescheitert ist. Erstmals habe ich Bücher in der „Warteschlange“, horte kartonweise Bücher zum Freilassen und ich lese, lese, lese. Ich lese, bis mir die Augen bluten. Die anderen bookcrosser versorgen mich gut und gerne mit neuem Lesestoff und der Pool an Büchern, die ich gerne noch „fressen“ möchte, wächst jeden Tag an. Die Gemeinschaft stakst mit großen Schritten auf satte 10 Mio. registrierte Bücher zu – in allen erdenklichen Sprachen, jeden Genres, in vielen Ländern der Erde. Bald werden 1 Mio. Mitglieder weltweit die Idee der „freien Bücher“ teilen und weiter tragen.
Die Vorteile (hat das überhaupt Nachteile?)Jetzt muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, ob er bereit ist, sich von Büchern zu trennen. Sie in die Hände von Fremden zu geben, oder irgendwo auszusetzen, unwissend, was mit ihnen passieren wird und wo sie landen werden.
Auch ich habe genügend Bücher, die ich niemals hergeben würde. Dennoch haben schon viele Bücher, die seit langer Zeit einfach nur noch im Regal standen, ihre Reise angetreten. So schaffe ich Platz für neues Material – und ich bin mir sicher, Bücherwürmer haben sehr häufig ein Platzproblem! Außerdem hat bookcrossing den netten Nebeneffekt, dass man praktisch keine Bücher mehr kaufen muss, wenn man nicht unbedingt will. In den letzten 6 Monaten hab ich vielleicht 20€ für Bücher ausgegeben, der Rest stieß als reisendes Buch zu mir. Das kostet mich meist nichts, denn der bookcrosser ist ein gemeinschaftsorientierter Mensch und verschickt Bücher oft ohne Portoerstattung. Bedingung: Das Buch muss weiterreisen. Klar! Ich kann also so ziemlich alles lesen, was mich interessiert (sofern es registriert ist) und bezahle dafür nix, nada, niente. Für jemanden, der nicht so gut bei Kasse ist, ist das ein riesen Vorteil und eine großartige Möglichkeit seinen Lesetrieb zu befriedigen. Das muss man einfach so sagen.
Dass kein Buch lange bei einem bleibt, ermöglicht es dem Leser schließlich auch, sich auf die Art Bücher einzulassen, die man eigentlich nie kaufen würde. Sie stehen ja immerhin nicht im Regal und nehmen Platz weg. Man mutiert früher oder später also zu einem recht offenen Leser, der sich auch mal an Geschichten wagt, von denen er gar nicht geahnt hat, das sie gefallen werden. Und letztlich, und vielleicht der schönste Vorteil, ist das Teilen von Geschichten. Zu sehen, wo ein Buch bereits war, wem es gefallen hat, welche Gedanken die Leute damit verbinden, ist ein unheimlich schönes Gefühl. Und spannend obendrein. Weil man nie weiß, welches Buch sich von wo aus meldet. Ob es jahrelang verschollen war und plötzlich am anderen Ende der Welt wieder auftaucht – die Ungewissheit und der Traum einer großen Reise bilden nicht zuletzt den größten Ansporn das bookcrossing zu betreiben.
Zum Schluss
Die moderne Art der Flaschenpost begeistert mit dem schönen Gedanken, dass Bücher frei sind und viele Leser glücklich machen möchten. Mit Tausenden von registrierten Büchern, die sich in Deutschlands befinden, ist die Chance solch ein reisendes Buch zu finden, gar nicht mal so klein. Haltet Ausschau nach dem kleinen, rennenden gelben Büchlein. Wer weiß wo es auf euch wartet? Ob es auf der Parkbank liegt, im Café geduldig ausharrt, in der Bahn mitfährt oder im Baum hängt: Es wurde nicht vergessen, es wurde mit Absicht dort gelassen um gefunden zu werden. Also nimm es mit und werde Teil der Geschichte.
Vielen Dank fürs Lesen, Kommentieren und Bewerten. Macht die Welt zur Bücherei! Jou
Bilder von bookcrossing.com
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28.09.2011 19:00
also ich bring mein bookcrossing nicht ans laufen-prima bericht
04.09.2011 12:52
Tolle Sache. Da werde ich mich auch anmelden. Liebe Grüße, Aletheia
05.11.2010 22:25
Ich habe heute BC-ID: 100-8406555 in einer Telefonzelle gefunden, ... hab jetzt dort nachgeschaut und finde diese Seite echt klasse! Hab mich auch gleich angemeldet, ... also wenn du mal wieder ein Buch freigeben kannst, ... meine Adresse in deinem PGB