Lungenembolie - ich hab den Kampf gewonnen!
04.02.2004
Pro:
ich hab' sie überlebt
Kontra:
Schmerzen, Angst, Folgen
Empfehlenswert:
Nein
 SeptemberSun
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
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Ich kann es kaum glauben, aber fast fünf Jahre ist das schon her... °*°Vorgeschichte°*°Es war im Februar 1999, ich war zarte 24 Jahre alt und wurde mit einer tiefen Beinvenenthrombose stationär ins Krankenhaus eingewiesen. Mehrere Risikofaktoren hatten mich erwischt: Ich litt unter einer APC-Resistenz, die bis dato unentdeckt war. (Das ist eine Blutgerinnungsstörung, die die Gerinnbarkeit des Blutes krankhaft steigert und damit letztendlich Thrombosen hervorruft, die überall im Körper auftreten können.) Ich nahm die Pille (nie hatte mich ein Arzt auf den Gendefekt APC-Resistenz untersucht oder mich auch nur diesbezüglich befragt) und zuletzt machte mich eine Lebensmittelvergiftung bettlägerig. Das gab mir den Rest. Mein damaliger Freund lieferte mich ins Krankenhaus ein, nachdem mein Hausarzt nicht weiter wußte. Er tippte auf "Rheuma" und gab mir Schmerzmittel... °*°Was hat die Embolie ausgelöst?°*°Ich wurde also mit einer tiefen Beinvenenthrombose ins Krankenhaus eingeliefert. Natürlich war sofort strikte Bettruhe angesagt. Als endlich die Diagnose stand, wurde ich über die Möglichkeit einer "Lysetherapie" aufgeklärt. Das ist eine Infusionsbehandlung, die mittels eines bestimmten Medikaments intravenös den Blutpfropfen auflösen soll, der die Vene verschließt. Ich hatte bis dahin starke Schmerzen, mein Bein war sehr geschwollen, rot, fleckig und heiß. Die Risiken einer solchen Lysetherapie seien minimal, sagte man mir, gerade im bezug auf eine Lungenembolie. Also ließ ich mich darauf ein, wurde zur Sicherheit aber dennoch auf die Wachstation verlegt. Drei Tage Lyse bekam ich, die aber keinerlei Verbesserung brachte. Nach wie vor war die Stammvene in meinem Bein völlig verstopft, der Blutpropfen über 50 cm (!!!) ließ sich nicht mehr auflösen, noch nicht einmal ansatzweise. Also verlegte man mich wieder auf die normale Station. °*°Es passiert - die Embolie°*°Was letztendlich die Embolie verursacht hat, die Lysetherapie oder die Thrombose an sich, fand man nie heraus, Tatsache war aber, daß ich einige Zeit später anfing, zu husten und extrem kurzatmig zu werden. Das Reden machte mir Schwierigkeiten, ich konnte nicht mehr liegen, letztendlich spuckte ich Blut. Das teilte ich einer Krankenschwester mit, die daraufhin einen Arzt schickte. Der horchte mich ab und meinte, es "gäbe keine Anzeichen für eine Embolie". Damit war die Sache erledigt. Lediglich zur Sicherheit sollte abends die Lunge mit Kontrastmittel geröngt werden. Ich bekam hohes Fieber und konnte kaum mehr atmen, trotzdem ließ man mich bis zum nächsten Tag ohne weitere Untersuchung liegen. Meine Mutter drehte fast durch, aber die Herren erbarmten sich nicht. Den nächsten Tag, ich hatte kaum und im Sitzen geschlafen, und konnte nur mehr einzelne Worte hervorpressen, kam ich zum Glück an einen Röntgenarzt, der den Ernst der Lage erfasste. Er verpaßte mir erst einmal Sauerstoff, röntgte mich dann und diagnostizierte die Embolie. °*°Wie wurde ich behandelt?°*° Wer denkt, ich wäre dann anders behandelt worden, irrt. Ich kam weder wieder auf Wachstation (kein Platz frei) noch sonst irgendetwas, das mir das Atmen erleichterte (also auch keinen Sauerstoff mehr). Gelegentlich maß eine Krankenschwester den Sauerstoffgehalt des Blutes mittels eines am Ohrläppchen entnommenen Tropfen Blutes. Meist saß ich mehr in meinem Bett als ich lag. Ich hatte panische Angst zu ersticken, ich traute mich nicht, einzuschlafen, konnte kaum reden, geschweige denn essen und trinken... Ich hatte fürchterlichen Husten, der auch immer wieder Blut zutage förderte, und hohes Fieber. Schließlich stellte sich heraus, daß ich neben der Embolie auch Wasser in der Lunge und eine Lungenentzündung hatte. Auch von einem "Lungeninfarkt" war die Rede. Noch immer erhielt ich außer Antiobiotika etc. keinerlei Hilfe. Ganz zuletzt stellte man außerdem eine Rippenfellentzündung und einen "Zwerchfellhochstand" fest - was immer letzteres sein mag. °*°Das Verhalten der Ärzte°*° war bis auf wenige wohltuende Ausnahmen katastrophal: Antworten auf Fragen "Was passiert, wenn ich noch einmal eine Embolie habe?" "Dann können wir nichts machen. Dann sterben Sie." dürften nicht sein. Auch das man mich so lange hat liegenlassen, ohne mich aufzuklären, mit mir zu sprechen, mich zu untersuchen, kann mit Personalmangel nicht entschuldigt werden. °*°Gesundet°*° bin ich dann schon, sonst würde ich ja diesen Bericht nicht schreiben können. Aber ich frage mich schon manchmal, ob ich trotz oder dank der Ärzte überlebt habe *lach*. Aber natürlich haben sie es dann doch geschafft, mich einigermaßen genesen zu lassen. Auch die Reha-Maßnahme in einer Lungenklinik, die sich dem Krankenhausaufenthalt anschloß, hat mir sehr geholfen. Hier wurde ich dann auch endlich einmal umfassend informiert. °*°Folgen?°*° Nun ja, 1/3 meines Lungengewebes ist dauerhaft zerstört, d.h. ohne Funktion. Das merkt man schon manchmal an Kondition und Ausdauer. Auch das rauchen sollte man sich schleunigst abgewöhnen, zum Glück habe ich nie geraucht. Aber alles in Allem hatte ich viel, viel Glück gehabt - bedenkt man, wieviel Leute an einer Embolie sterben. Eigentlich sind die Folgen meiner anderen Erkrankungen schlimmer, nur eine gewisse Anfälligkeit für Lungen- und Bronchienerkrankungen ist geblieben. Außerdem reagiere ich schneller mit Atemnot/Atemproblemen auf akute Erkrankungen, bei meinen Allergien oder einfach nur schlechter Luft. °*°Ende gut, alles gut?°*° Empfehlenswert ist eine Embolie wohl nicht *lach*. Aber ich bin sehr glücklich, überlebt zu haben und sehe heute wirklich vieles anders, auch wenn das sehr klischeebeladen ist. Als ich in der Reha war, fragte mich ein junger Mitpatient ganz verwirrt, warum ich denn überlebt hätte, wo Embolien doch normalerweise tödlich seien. Meine Antwort: "Keine Ahnung. Aber entschuldige, daß ich nicht in Deine Statistik passe." Seitdem kann ich auch wieder lachen darüber. ~Für alle, die noch nicht wissen, was eine Lungenembolie ist (ich hoffe, ihr müßt euch auch nie näher damit befassen): Ein Blutpfropfen löst sich von einer Thrombose (wie hier in meinem Bein) ab, wandert über das Herz in die Lunge und verstopft dann dort eine Vene/Ader. Je größer das verstopfte Gefäß, umso weniger wird die Lunge von Blut versorgt - im schlimmsten Fall stirbt der Patient, weil soviel Lungengewebe untätig ist und abstirbt, daß eine Atmung nicht mehr gewährleistet ist.~
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14.02.2004 16:19
Blamabel, wie wenig manche Ärzte auf ihre Patienten, die ihnen auf Leben und Tod ausgeliefert sind, eingehen! LG, Beena
12.02.2004 15:21
Beängstigend, was einem alles widerfahren kann ... LG
10.02.2004 21:15
Au man, da bekommt man ja vom lesen schon Gänsehaut. Glückwunsch das dus überstanden hast!