Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Das Depot ist kostenfrei . |
| Kontra: |
Aber recht minimalistisch . |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Die deutsche Direktbank DIBA und die niederländische ING-Bank schlossen sich vor einigen Jahren zu einem Direktbank-Großanbieter zusammen, ein Vorgang, den die meisten Kunden nur als kleine Änderung auf Briefköpfen und in der Internet-Adresse wahrnahmen. Weniger offensichtlich ist, was dabei für ein Bankenriese entstanden ist.
Schon die "alte" DIBA fiel dadurch auf, daß sie bei Angeboten zum Thema "Tagesgeld" in der vordersten Reihe mitmischte, was "Habenzinsen" anging, sie bot zwar nicht die allerhöchsten Zinsen, aber sie waren dafür an keine Bedingungen gekoppelt, die man erst mühsam im Kleingedruckten nachlesen mußte. Neben der Tagesgeldanlage bot und bietet die DIBA - ich nehme mal weiterhin das vertraute Kürzel - auch Festgeldanlagen, das klassische Privatdarlehensgeschäft, einen Zugang zum Online-Brokerage und als Vertriebspartner der ASSTEL auch Versicherungen an.
Nun, ich will mich hier auf die Rolle der Bank beim Online-Banking beschränken, genauer, auf das Brokerage, das ich bevorzugt nutze, und das in Verbindung mit dem Tagesgeldkonto, auch "Extra-Konto" bezeichnet, angeboten wird. Das Eröffnen von Extra-Konto wie von Depot ist schriftlich wie online möglich, letzlich läuft es doch auf ersteres hinaus, da einem (nicht völlig schnell, nach ca. 1 ½ Wochen), der entsprechende Papierkram zugesandt wird, inklusive der nötigen Formulare für das sogenannte Post-Ident-Verfahren, das durch die zu leistende Unterschrift vor den Augen eines Postmitarbeiters Grundlage der Konteneröffnung ist. In diesem Punkt ist die DIBA nicht besser oder schlechter als andere Direktbanken auch, die Wartezeit liegt im üblichen Rahmen, wenn man es mit Credit-Europe (ex finansbank) oder der Bundeswertpapierverwaltung vergleiche. Im Anschluß an diese formelle Konteneröffnung erhält man separat PIN und Geheimzahl sowie TAN's (Transaktionsnummern) zugesandt, um sein Konto online führen zu können.
Das Tagesgeldkonto, das ich online führe, hebt sich mit Regelzinssätzen von bis zu 4 % p. a. positiv von vergleichbaren anderen Banken ab, wenn man dazu weiß, daß es auch Verrechnungskonto für das Wertpapierdepot ist. Bei der Postbank etwa oder der comdirect (commerzbank) wird das Verrechnugskonto nicht oder nur gering verzinst oder mit Depotführungsgebühren belastet. Hier ist man bei der DIBA klar im Vorteil, da auch für Geld, das zwischen zwei Börsentransaktionen mal kurz zwischengelagert wird, sofort die vollen Habenzinsen anfallen.
Die Konto- und Depotverwaltung beinhaltet auch die Online-Bearbeitung des Freistellungsauftrags und eine Postbox, in der Kontoauszüge kostenlos als .pdf eingestellt werden (der Postversand dagegen kostet das Porto), wenn auch nicht aktuell, sondern nur quartalsweise. Natürlich lassen sich Kontostand und durchführte Transaktionen trotzdem aktuell ablesen.
Beim Einloggen in den Benutzerzugang wird ein hoher Aufwand betrieben: neben der Kontonummer und einer PIN, die einem sozusagen Zutritt zum Vorraum gewährt, wird nach einer weiteren sechsstelligen Zahl gefragt - genauer, nur nach einzelnen Ziffern dieser Zahl, die man dann auch nicht über die Tastatur, sondern über eine Art virtuelle Tastatur eingibt - was wohl spezielle Spione überlisten soll, die in der Tastatur selbst "phishen". Das nur teilweise Abfragen dieses Codes dagegen soll dazu führen, daß jemand, der einem EINMAL unbemerkt über die Schulter späht, damit nicht so richtig viel anfangen kann, denn die GANZE Codezahl hat er ja nun auch nicht. Es ist zufallsabhängig, nach welchen Stellen dieses Codes gefragt wird, und jemand, der einem fünfmal beim Eintippen zusehen kann (eigentlich beim Einklicken, da man es mit der Maus und nicht mit der Tastatur tut), hat sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit immer noch nicht vollständig. Erst nach Eingabe dieses Codes ist man "drin".
Ein Unbefugter, der es trotzdem bis hierher geschafft hat, kann jetzt zwar herumspionieren, aber noch nicht viel tun, denn für jede Überweisung und jeden Aktienkauf benötigt man eine TAN, eine weitere 6-stellige Codenummer aus einer Liste mit 50 Stück davon, und da dies indizierte TAN's sind, d.h. es wird nach einer bestimmten gefragt und nicht nach irgendeiner - "Bitte geben Sie die TAN Nr. 32 ein" - kann ein Unbefugter ohne diese TAN-Liste ebenfalls nicht so viel tun.
Das Tagesgeldkonto dient also als Vorzimmer für Festgeldanlagen, Depot u. a., und das eigene Girokonto ist damit sozusagen durch einen Geldtunnel verbunden, ohne jeden Seiteneingang oder Ausfahrt.
Das Online-Depot ist unter dem gleichen Benutzereingang zugänglich. Um es vorweg zu nehmen, es war lange zeit etwas spartanisch eingerichtet, denn es bot gerade mal, neben einer Kauf- und Verkauf-Maske, eine Suchfunktion, um das vorgesehene Wertpapier Aktie, Fonds oder Zertifikat überhaupt erst zu finden. Zwar gibt es daran nicht viel auszusetzen, der Funktionsumfang ist nichtbesser oder schlechter als bei anderen Anbietern. Aber eine Depotübersicht, wie die DIBA sich bot, war doch recht minimalistisch, denn es gab gerade mal eine Aufzählung der einzelnen Papiere, ihre Anzahl, und ihren augenblicklichen Kurs. Und den Gesamtwert der einzelnen Position. Mehr nicht. Wer wissen wollte, ob er mit einem einzelnen Wertpapier bisher Gewinn oder Verlust machte, mußte es selbst, "zu Fuß" nachrechnen. Inzwischen hat sich dies ein bißchen verbessert, es wird tatsächlich die absolute und prozentuale Differenz zum Kaufpreis einer Position angezeigt, also der nicht realisierte Verlust oder Gewinn.
Allerdings, auch einen graphischen Kursverlauf, einen Chart, oder andere Informationen, nur durch bloßes Anklicken des Namens der Aktie abzufragen - in einem html-Fenster eigentlich kein Problem - wie das z. B. beim easytrade-Depot der Postbank möglich ist, ist beim DIBA-Depot nicht mit drin. Von einer Auswertung und Aufbereitung der Depot-Daten wie bei der Postbank (deren Algorithmus allerdings recht undurchschaubar erscheint) hat DIBA nichts zu bieten.
Wie andere auch, versucht auch die ING-DIBA hauseigene Geldanlageprodukte an den Mann zu bringen. Im Gegensatz zur Postbank, die überwiegend die eigenen Fonds (in Performance und Rating eher bescheiden) anbietet, neben Produkten von BHW und DWS, sind es hier vor allem Zertifikate der ING-Bank, dagegen werden "Spitzenfonds" mit reduziertem oder gar keinem Ausgabeaufschlag angeboten, die die Stadardfelder "Aktien global, Europa und Deutschland, Renten Europa und Schwellenländer" und andere abdecken. Diese Produkte sind bisher tatsächlich sehr gut gelaufen, es sind v. a. sehr gut benotete Fonds von Robeco, M&G, Threadneedle u. a. dabei, alle mit 4 oder 5 Sternen im Poor's Ranking. Dem eigentlich guten Fondsangebot steht also eine eher sparsam aufgemachte Bedienungskonsole gegenüber.
Während der Tagesgeldkontoauszug quartalsweise ins Postfach eingestellt wird, werden die das Depot betreffenden Abrechnungen zeitnah erstellt und im elektronischen Briefkasten abgelegt.
Ärgerlich ist die Jahresbescheinigung, zumindest ihr Versandtermin. Man braucht sie nun mal, vor allem wenn man mit den Zinsertärgen über dem Freibetrag gelegen hat, aber auch sonst ganz generell für die Steuer. Und da hapert es, denn man wollte einmal Klassenbester sein, hat Anfang März schon die Steuererklärung fertig, und - wartet bis Anfang Mai, wenn alle anderen auch ihre Steuersache beim Finanzbeamten abgeben. Hier hat die DIBA noch Verbesserungsbedarf, denn andere Banken sind mit dem Versand dieses Dokuments doch schneller.
Einen fast vergessenen Pluspunkt zum Schluß: das DIBA-Depot ist gebührenfrei. Natürlich gibt es eine Liste von Dingen, die extra kosten, wie schriftliche Auszüge etc. Aber wer mit der Postbank im Jahr fast 24 € los ist, kriegt es hier bei der DIBA gratis. Das soll nicht heißen, daß die Kosten nicht vielleicht anderswo versteckt sein könnten.
Von den mir näher bekannten Anbietern Postbank easytrade, comdirect und ING-DIBA ist die letztere der, den ich für ein Online-Depot empfehlen würde. Die Vorteile, die kostenlose Depotführung, das gut verzinste Verrechnungskonto und das hochwertige Fondsangebot können die beiden Konkurrenten nicht in dieser Form bieten.
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29.04.2002
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