Der Schüler Gerber von Friedrich Torberg
15.08.2001
Pro:
Anschaulich erzählt, nicht so lang
Kontra:
- - -
Empfehlenswert:
Ja
 Schokokruemel
Über sich:
So, kaum zu glauben, aber nach nem knappen Jahr Ciao-Abstinenz bin ich wieder zurück. Wers genauer w...
Mitglied seit:03.08.2001
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 29 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Erstmal sorry, dass ich meinen Bericht in diese Kategorie setze, aber ich hab sonst bei CIAO weder über den Autor noch über das Buch etwas gefunden.Da ich euch meine Meinung zu diesem Roman jedoch nicht vorenthalten möchte, setze ich ihn unter dtv, da das Buch bei diesem Verlag erschienen ist. So, und jetzt werdet Ihr Zeuge einer Premiere! Ich wage mich an meine erste Buchbesprechung. Und es handelt sich keineswegs um eine aktuelle Neuerscheinung, nein es ist sogar schon relativ alt. Genauer gesagt 28 Jahre alt! Ich muß zu meiner Schande auch eingestehen, dass dieses Buch, seit ich es in der elften Klasse als Lektüre in deutsch lesen musste, jahrelang von mir verschmäht, in meinem Bücherregal vor sich hinstaubte. Ja, bis gestern. Mehr aus Verlegenheit, in Ermangelung einer aktuellen Lektüre, wanderte das kleine Büchlein in meine Badetasche, damit ich am See nicht nur meinen Körper bräune, sondern auch a bisserl was für meinen Geist tu.Ich konnte mich kaum noch an die Handlung erinnern, doch nach den ersten Seiten war ich so von der Erzählung gefesselt, dass ich doch glatt alles um mich herum vergaß und das ganze Buch durchgelesen hab. Leider war ein dicker Sonnenbrand die Quittung dafür! *Autsch* So, aber jetzt möchte ich euch mal die Handlung näher bringen:Die Geschichte spielt Ende der zwanziger Jahre und handelt, wie der Titel schon sagt, von einem Schüler, der Kurt Gerber heißt. Dieser steht in seinem letzte Schuljahr am Gymnasium kurz vor dem Abitur und hat leider das Pech, einen Klassenlehrer, namens Artur Kupfer zu bekommen, der weder ihm noch den meisten anderen Schülern wohlgesonnen ist. Vielmehr ist dieser Lehrer ein totaler Egoist, der eigentlich nur sich selbst liebt und der besondere Freude daran hat, die schlechten Schüler in seinem Hauptfach Mathematik zu quälen. Wie könnte es anders sein, natürlich zählt auch Kurt Gerber zu seinen bevorzugten Opfern. Doch damit noch nicht genug: Zu seinen immer größer werdenden schulischen Problemen belasten Kurt Gerber eine erste enttäuschte Liebe zu seiner ehemaligen Mitschülerin Lisa, sowie sein todkranker Vater, dem er auf keinen Fall die Schande des Scheiterns antun möchte. Mit viel Mühe schafft der Schüler es trotzdem die schriftlichen Abiturprüfungen zu überstehen und zum mündlichen Examen zugelassen zu werden. Hier kommt es dann zum eigentlichen Showdown: Er wird wieder einmal zur Zielscheibe des verhassten Lehrers, der ihn in Mathematik prüfen soll und ihn eiskalt in eine Falle laufen lässt. So kann er sich kaum auf die nachfolgenden Prüfungen in Deutsch, Latein und Naturkunde konzentrieren. Am Ende der mündlichen Prüfung, während er auf die Bekanntgabe der Ergebnisse wartet, ist Gerber nervlich so fertig, dass er nicht mehr klar denken kann und nur noch wirres Zeug schwafelt. Er hat sich so in seine Phantasiewelt zurückgezogen und in der Überzeugung, die Prüfung sowieso nicht bestanden zu haben, stürtzt er sich aus dem Fenster des dritten Stockwerks der Schule und ist sofort tot.Diese Geschichte hat mich vor allem deshalb so in den Bann gezogen, da es der Autor Friedrich Torberg versteht, sehr anschaulich und lebhaft zu schreiben. Damit ihr euch mal ein Bild davon machen könnt, hab ich hier mal den Anfang des Romans als kleine Leseprobe für euch: Der Spätsommer war lau, und die Türe zum Klassenzimmer stand offen. In dem lärmenden Durcheinander wurde der Eintritt des Schülers Gerber nicht bemerkt. Er ging zu seinem Platz in der letzten Bank, setzte sich hin und betrachtete ungestört das Bild. Es unterschied sich durch nichts von dem eines jeden Schultags. Und Kurt Gerber, folgend einer aus vielem Lesen entstandenen Gewohnheit, alles Geschehen rings um ihn gleichsam im Rückerinnern, als Schilderung eines schon Vergangenen zu erleben, stellte derart fast rekapitulierend das Folgende fest:Friedrich Torberg schafft es wunderbar seine Charaktere so detailliert zu skizzieren, dass man sich als Leser die einzelnen Figuren sehr gut vorstellen kann und mit den Personen mitfühlt. Mit jeder weiteren gelesenen Seite wuchs mein Mitleid und meine Sympathie für den Schüler Kurt Gerber, während sich mein Hass auf den unsympathischen, ja fast schon geistig kranken Lehrer Artur Kupfer verstärkte.Der Autor wurde am 16. September 1908 in Wien geboren und starb am 10. November 1979. Weitere Werke von ihm sind u.a. „Die Mannschaft“, „Mein ist die Rache“ „Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten“ und „Die Erben der Tante Jolesch“. Der Roman „Der Schüler Gerber“ erschien erstmals im März 1973, und kostet als dtv Taschenbuchausgabe DM 11,90.
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16.08.2001 14:50
Hallo Beate! Ich hab Dir nur ein hilfreich gegeben, weil Dein Bericht und das beschriebene Buch superinteressant klangen, Du aber das Ende leider schon verraten hast! :-( lg Anja
15.08.2001 23:10
Hört sich ja sehr spannend an, aber da ich auch in nicht mehr allzu langer Zeit (1 1/2 Jahre) Abiprüfungen haben werde, nehme ich mit lieber ein anderes Buch als Lektüre vor!*g* Liebe Grüße Addi