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Mövenpick Weinland, www.moevenpick.de
Seit längerem bekomme ich per Post Werbung von Mövenpick Weinland, einem Unternehmen der Schweizer Mövenpick Gruppe, zu der auch die gleichnamigen Restaurants gehören. Bis vor wenigen Jahren gehörten die heutigen "Mövenpick Wine-Shops", wie M. sie selbst nennt, zur Gruppe "Weinland Keiler", die dann geschluckt wurde. Mein persönliches Käufer-Verhältnis zu M. war in dem Moment beendet, in dem mir der Verkaufsleiter einer Filiale auf meine entsprechende Frage antwortete: "...in Portugal werde überhaupt kein Sekt hergestellt." Das ist - schlicht und ergreifend - Quatsch! Auch wenn Portugal nicht gerade für seine Schaumweine bekannt ist, produziert es doch natürlich - wie im Übrigen alle größeren weinproduzierenden Länder - Schaumweine. Aber dies nur als Arabeske am Rande.
Seit der Übernahme hat sich die Produktpolitik in wesentlichen Teilen geändert und dem amerikanisierten Leitbild des M.-Mutterhauses angepasst. Im Detail bedeutet dies, daß Übersee-Weine, insbesondere US-amerikanische und Südamerikanische, bereits einen Großteil des Verkaufsspektrums abdecken. Grundsätzlich steht es jedem ordentlichen Kaufmann natürlich völlig frei, welche Produkte er zum Kauf anbietet. Insofern verbietet es sich auch, an der Verkaufspolitik Kritik zu äußern. Ich möchte mit meiner Meinung nur zum Nachdenken anregen.
Nach eigenem Bekunden ist M. dabei, in Deutschland "...eine führende Position auf dem Weinmarkt zu erlangen. Die Weichen sind gestellt: Zu den bereits fünf gut etablierten Mövenpick Wine-Shops [...] wurden jüngst drei weitere Standorte in wichtigen Metropolen besetzt." (zit. nach einer Pressemitteilung) Bereits an der Benutzerführung des M.-Online-Shops läßt sich die Zielrichtung ablesen. Unter dem Stichwort "Weinproduzenten" kann man unter vier Rubriken auswählen: "USA, Südamerika, Bordeaux, Andere." Das ist nun nicht gerade die Unterteilung, die mir als Weintrinker als erstes in den Sinn kommt!
Noch einmal: Jeder soll verkaufen, was er mag! Aber müssen wir das dann auch kaufen? Sollte man insbesondere bei einem klassischen "Slow-Food"-Produkt, wie Wein nicht langfristiger denken?
Welches Bild bietet sich denn zur Zeit in Europa? Nach langen Jahren, über die wir besser den brüderlichen Mantel des Vergessens breiten wollen, haben sich eine beeindruckende Anzahl von europäischen Winzern auf Qualitätsproduktion besonnen. Insbesondere in den südlichen Ländern der Europäischen Union, in Italien, Spanien und Portugal, hat man konsequent auf Qualität umgestellt. Es ist eine wahre Freude, bei den jährlichen Wettbewerben in Bordeaux beispielsweise Weine aus Spanien und Portugal als Medaillengewinner zu sehen und auch die Renaissance der italienischen und österreichischen Weißweine erfreut das Herz jedes Weintrinkers. Zusätzlich erheben sich in den ehemaligen Ostblockländern neue Stimmen. Auch in Ungarn und Bulgarien beispielsweise, versuchen junge engagierte Winzer, Qualität nach europäischen Maßstäben zu produzieren. Der Vollständigkeit halber möchte ich noch hinzufügen, daß auch aus Griechenland, Schweiz und sogar aus England respektable Weine beigesteuert werden.
Ist es vielleicht die Vielfalt, die uns in Europa fehlt? Eine fast groteske Frage, wie mir scheint und die ich auch deshalb gar nicht beantworten möchte. Aber wozu bitte, soll ich dann Chardonnay aus Kalifornien trinken? ...oder einen "Champagner" aus New Mexico? ...oder einen "Portwein" aus Südafrika? Allein die völlig unbeschwerte Benutzung geschützter Herkunftsbezeichnungen treibt mir schon die Galle hoch! Was kommt da als nächstes auf uns zu? - "echter Retsina" aus Milwaukee? - oder vielleicht der "ganz echte Beaujolais Primeur", frisch von den geklonten Massenweinfeldern von General Foods? Na dann, wohl bekomm's! Wir alle tragen mit unserem Kaufverhalten dazu bei, die Richtung zu bestimmen!
Einen weiteren Gedanken möchte ich auch noch anfügen: Jede Flasche US-Wein, die in Europa verkauft wird, vergrößert das Handelsbilanzdefizit Europas und stärkt den Dollar. Wer bei dem Gedanken an Protektionismus jetzt Magenschmerzen bekommt, dem sei ein Blick in amerikanische Supermärkte empfohlen. Dort hängen regelmäßig Plakate, die den Konsumenten empfehlen, "national" zu kaufen.
16.11.2000 22:24
Ich tendiere sogar dazu nicht nur national, sondern auch regional zu kaufen...bei Weinen ist das allerdings nicht so einfach. Grüße, Katz