Von Mensch zu Mensch
06.01.2006
Pro:
Man bekommt nette Post aus der ganzen Welt
Kontra:
Man bekommt eventuell Ärger mit dem überlasteten Briefträger
Empfehlenswert:
Ja
 schneeweisschen
Über sich:
Ich schreibe hier nur noch, wenn mir etwas wirklich sehr am Herzen liegt - sei es positiver oder neg...
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Als wäre mein fast täglich dank Firmenpost und Rechnungen prall gefüllter Briefkasten nicht ausgelastet genug, habe ich dank einer lieben Ciao-Autorin (Hoernchen123) ein neues Hobby entdeckt: noch mehr Post bekommen. Das Schöne daran: seit Wochen landen immer mal wieder Postkarten aus der ganzen Welt in meinem Briefkasten, die ausschließlich mit netten Grüßen und Nachrichten versehen sind- von mir bis dahin wildfremden Menschen.
Schuld daran ist www.postcrossing.com, oder besser gesagt der "Erfinder" des Postkartentausches. Ein junger Mann aus Portugal hatte letzten Sommer die glorreiche Idee, in der Welt der elektronischen Post doch auch wieder den klassischen Postweg zu stärken. Er selbst freute sich immer über Post von Freunden und Verwandten aus dem Ausland. Logischerweise kennt kaum ein Mensch so viele Leute auf der Welt, dass er ständig aus den unterschiedlichsten Ländern nette Post erhält. Also erfand er das Postcrossing-System, bei dem sich Menschen aus der ganzen Welt anmelden und ECHTE Postkarten versenden und empfangen können. Das System ist faszinierend simpel: Man schreibt eine Postkarte und bekommt kurze Zeit später ebenfalls eine Karte, allerdings von einer ganz anderen Person und aus einem ganz anderen Land.
Voraussetzung ist die Anmeldung auf postcrossing.com an. Zur Anmeldung muss man sich lediglich einen Nicknamen sowie ein Passwort ausdenken sowie seinen kompletten Namen und die Adresse angeben. Logisch, sonst kann man ja selbst keine Post bekommen. Die Seite ist nur in englischer Sprache verfügbar, was auf den ersten Blick schade, auf den zweiten Blick aber logisch und sinnvoll ist. Wer kein Englisch kann, wird auch wenig Freude daran haben, Post aus dem Ausland zu erhalten, die er nicht lesen kann. Umgekehrt verstehen auch die wenigsten Empfänger die deutsche Sprache. Die Teilnahme bei Postcrossing.com ist kostenlos. Der Betreiber der Homepage freut sich allerdings über eine kleine Spende, da der unerwartete Ansturm seine Kosten für den Server und die Betreuung der Website doch ganz schön in die Höhe getrieben hat. Derzeit sind über 9000 Menschen aus 146 Ländern angemeldet, und täglich kommen neue hinzu.
Die Seite selbst ist übersichtlich, da sie sich auf die notwendigsten Dinge beschränkt, um das System am Laufen zu halten. Statistiken und eine Weltkarte, die inzwischen nur noch aus roten Linien besteht (die Erkärung dazu folgt weiter unten) sind eine nette Zusatzeinrichtung. Wenn man sich angemeldet hat, sollte man möglichst sein Profil vervollständigen und ein wenig über sich schreiben (idealerweise auf Englisch). Wer bestimmte Arten von Karten (Landschaften, Comics usw.) besonders gerne mag, kann das hier zum Beispiel angeben.
Dann kommt der entscheidende Teil: Unter dem Menüpunkt "Send a postcard" kann man seine ersten Adressen anfordern. Aus Sicherheits- und Datenschutzgründen bekommt man maximal fünf Adressen auf einmal. Erst wenn eine der Karten beim Empfänger angekommen ist und derjenige die Karte im System registriert hat, erhält man eine Infomail und kann eine weitere Adresse anfordern. Die Begrenzung auf fünf Adressen sorgt auch dafür, dass sich niemand bei postcrossing.com anmelden wird, um Adressen für Werbesendungen zu sammeln. Denn das wäre äußerst mühsam und würde einen enormen Aufwand mit sich bringen, der in keinem Verhältnis zum gewünschten Ergebnis - dem Sammeln einer großen Anzahl von Adressen - steht. Idealerweise hat man, wenn man Adressen anfordert, bereits entsprechend viele Postkarten bereit liegen. Sobald die Adresse angefordert ist, zählt die Karte im System als versendet und jeder Tag, den man bis zum tatsächlichen Absenden der Karte verstreichen lässt, verfälscht natürlich die Statistik, in der man sehen kann, wie lange die Karte unterwegs war. Wenn eine Karte innerhalb von 60 Tagen nicht als erhalten im System registriert wurde, wird sie aus der Übersicht genommen, damit man wieder neue Karten verschicken kann.
Wenn man eine Adresse angefordert hat, öffnet sich - was ich immer ziemlich spannend finde - ein Fenster mit einer Weltkarte, auf der mit einer roten Linie der Weg angezeigt wird, den die Postkarte vor sich hat. Je länger die Linie, desto exotischer ist in der Regel das Ziel. Für mich ist es auch immer ein gutes Geographie-Training zu erraten, welches Land nun genau das Ziel meiner nächsten Postkarte sein wird. Parallel landet eine Email in meinem virtuellen Briefkasten mit den Daten des Empfängers, den Informationen aus dessen Profil und einer Postcrossing-ID. Diese ID ist wichtig, um die Karte später im System identifizieren zu können. Die ID muss immer auf die Postkarte geschrieben werden. Der Empfänger loggt sich dann in seinen Postcrossing-Account ein, sobald er die Karte erhalten hat, und registriert sie anhand der ID unter "Receive a card". Und schwupps, hat wieder eine Postcrossing-Karte glücklich ihr Ziel gefunden. Sobald die erste Karte versendet ist, wird die eigene Adresse in den Datenpool aufgenommen und per Zufallsprinzip (oder nach welchem Prinzip auch immer) an einen anderen Postcrosser übermittelt, der nun wiederum eine Karte auf die Reise schickt. Das Spannende an der Sache ist, dass man nie weiß, wann die nächste Postkarte im Briefkasten landet, und woher sie stammt. Gerade am Anfang muss man sich natürlich sehr in Geduld üben, denn es dauert mitunter Wochen, ehe man selbst die erste Karte in Empfang nehmen darf. Ich hatte das Glück, bereits fünf Tage nach meiner ersten versendeten Karte selbst Post zu bekommen. Seitdem trudeln immer wieder Karten bei mir ein, manche sehr kitschig, manche sehr schön, einige sehr persönlich, eine kurz und knapp beschrieben. Ich durfte bisher Karten nach Finnland (in überraschender Häufigkeit), Polen, Norwegen, Großbritannien, Taiwan, Norwegen, Hongkong, Portugal, Griechenland, Israel, Brasilien, Irland, in die Ukraine, die USA (Hawaii) und die Niederlande schicken. Im Gegenzug kamen Karten aus den Niederlanden, Portugal, Finnland (auch hier in überraschender Häufung), Großbritannien, Italien und den USA. Über jede einzelne Karte freue ich mich. Manche Postcrosser verschicken auch Antwortkarten, wenn man seine Adresse auf der Karte angegeben hat. Eine nette Geste, aus der sich Brieffreundschaften entwickeln können - zur Not halt doch wieder per Email, damit es schneller geht.
Wie bereits erwähnt, kostet die Mitgliedschaft bei postcrossing.com selbst nichts. Dennoch hat man logischerweise Kosten, denn man muss regelmäßig Postkarten kaufen (was für mich als Berlinerin natürlich recht einfach ist, denn es gibt genügend Motive) und natürlich das Porto bezahlen. Leider ist seit Anfang des Jahres das Porto für Postkarten innerhalb der EU gleich um 20 Cent gestiegen, aber das tut meinem Spaß am Postcrossing keinen Abbruch. Auf der deutschsprachigen Seite www.postcrossing.de findet man unter anderem eine Portoübersicht für die einzelnen Zielländer.
Wer also Lust auf Kontakte zu netten Leuten auf der ganzen Welt hat und für den der tägliche Gang zum eigenen Briefkasten keine Last, sondern eine Lust ist, wird jetzt hoffentlich ein Kribbeln in den Fingerspitzen fühlen und sich sofort bei postcrossing. com anmelden.
Viel Spaß!
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30.08.2008 18:05
Schöner Bericht. Ich habe mich erst heute bei der Seite angemeldet. Bei meinen ersten fünf Adressen war auch schon eine finnische dabei :-)
19.06.2007 23:11
Habe mich auch vor ein paar Tagen angemeldet und gestern meine erste Karte verschickt. Ich bin ja soooo gespannt wann meine erste ankommt! Aus Deinem Bericht konnte ich mir noch ein paar wertvolle Tipps rausziehen. LG Tanja
13.05.2007 18:11
Tolle Idee - nach solchen Seiten stöber ich ja ständig im Netz, dafür ein Bh! :-) Hast du auch schon mal eine Karte innerhalb von Deutschland schreiben sollen oder fällt das weg? Lg, Lira