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1 - 20 von 22 Ergebnissen für "Mutter Vater Kind DDR"
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Kind Nr. 95, Lucia Engombe
2004, 381 Seiten, 2 Schwarz-Weiß-Abbildungen, Maße: 11,5 x 18 cm, Taschenbuch, DeutschAufgezeichn. v. Peter HilligesDezember 1979: Die 7-järige Lucia Engombe...... mehr
2004, 381 Seiten, 2 Schwarz-Weiß-Abbildungen, Maße: 11,5 x 18 cm, Taschenbuch, DeutschAufgezeichn. v. Peter HilligesDezember 1979: Die 7-järige Lucia Engombe findet sich plötzlich in einem Kinderheim in Mecklenburg-Vorpommern wieder. Von einem Tag auf den anderen wurde sie aus ihrer Heimat Namibia gerissen und mit 79 anderen Kindern in die DDR geflogen. Denn Lucias Vater gehört der namibischen Unabhängigskeitsbewegung an, gegen die die südafrikanische Protektoratsmacht einen erbitterten Kampf führt. Völlig isoliert und einsam wachsen die Kinder im sozialistischen Deutschland auf. 11 Jahre später, August 1990: Ueber Nacht werden die so genannten \" DDR-Kinder\"" in eine ihnen fremde Heimat zurückgebracht. Die 18-jährige Lucia muss als \"" Kind Nr. 95\"" fortan das Armenviertel der Hauptstadt Namibias ihr Zuhause nennen. Plötzlich steht Lucia einer unbekannten Frau gegenüber: ihre Mutter. Doch verständigen kann sie sich nicht mit ihr, denn Lucia spricht nur Deutsch ..." ... weniger
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Kind Nr. 95 - Lucia Engombe
Dezember 1979: Die 7-järige Lucia Engombe findet sich plötzlich in einem Kinderheim in Mecklenburg-Vorpommern wieder. Von einem Tag auf den anderen wurde sie...... mehr
Dezember 1979: Die 7-järige Lucia Engombe findet sich plötzlich in einem Kinderheim in Mecklenburg-Vorpommern wieder. Von einem Tag auf den anderen wurde sie aus ihrer Heimat Namibia gerissen und mit 79 anderen Kindern in die DDR geflogen. Denn Lucias Vater gehört der namibischen Unabhängigskeitsbewegung an, gegen die die südafrikanische Protektoratsmacht einen erbitterten Kampf führt. Völlig isoliert und einsam wachsen die Kinder im sozialistischen Deutschland auf. 11 Jahre später, August 1990: Ueber Nacht werden die so genannten " DDR-Kinder" in eine ihnen fremde Heimat zurückgebracht. Die 18-jährige Lucia muss als " Kind Nr. 95" fortan das Armenviertel der Hauptstadt Namibias ihr Zuhause nennen. Plötzlich steht Lucia einer unbekannten Frau gegenüber: ihre Mutter. Doch verständigen kann sie sich nicht mit ihr, denn Lucia spricht nur Deutsch ... ... weniger
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Kind Nr. 95 - Lucia Engombe
Dezember 1979: Die 7-järige Lucia Engombe findet sich plötzlich in einem Kinderheim in Mecklenburg-Vorpommern wieder. Von einem Tag auf den anderen wurde sie...... mehr
Dezember 1979: Die 7-järige Lucia Engombe findet sich plötzlich in einem Kinderheim in Mecklenburg-Vorpommern wieder. Von einem Tag auf den anderen wurde sie aus ihrer Heimat Namibia gerissen und mit 79 anderen Kindern in die DDR geflogen. Denn Lucias Vater gehört der namibischen Unabhängigskeitsbewegung an, gegen die die südafrikanische Protektoratsmacht einen erbitterten Kampf führt. Völlig isoliert und einsam wachsen die Kinder im sozialistischen Deutschland auf. 11 Jahre später, August 1990: Ueber Nacht werden die so genannten " DDR-Kinder" in eine ihnen fremde Heimat zurückgebracht. Die 18-jährige Lucia muss als " Kind Nr. 95" fortan das Armenviertel der Hauptstadt Namibias ihr Zuhause nennen. Plötzlich steht Lucia einer unbekannten Frau gegenüber: ihre Mutter. Doch verständigen kann sie sich nicht mit ihr, denn Lucia spricht nur Deutsch ... ... weniger
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Neulich, als ich noch Kind war - Hörbuch zum Download / Hilmar Thate
Hörbuch zum Download - Aufgewachsen in den Dreißigerjahren in einem Dorf an der Eisenbahnlinie Halle-Hettstedt, der Vater Lokschlosser, frühe Prägungen...... mehr
Hörbuch zum Download - Aufgewachsen in den Dreißigerjahren in einem Dorf an der Eisenbahnlinie Halle-Hettstedt, der Vater Lokschlosser, frühe Prägungen durch die Lektüre der Klassiker, ein Dorfromantiker, der von einer Welt hinter Halle träumt. Seine Geschichten beschreiben Geschichte. Den frühen Lebenshintergrund bilden Nazizeit, Krieg, Nachkriegszeit, das Gesellschaftsexperiment DDR, auch die Humanisierung des Theaters.Am Berliner Ensemble entwickelt er eine gestische Spielweise, die zur Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit herausfordert. Er begreift sich als politischer Schauspieler, der seinen Figuren Leidenschaft und Energie verleiht. Wünsche, Träume, Sehnsüchte und Visionen bestimmen sein Leben.Wenn Hilmar Thate zurückblickt, dann mit den neugierigen Kinderaugen von einst, die die Welt hinter Halle suchten und später beim ersten Besuch der " Mutter Courage" - mit einer Freikarte von Brecht - großes Theater entdeckten. ... weniger
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Brigitte und Marcel - Golzower Lebenswege, Junge Barbara (DVD)
FSK: ohne Altersbeschränkung, farbig, Spieldauer: 106 MinutenBild: VollbildDie Chronik der Kinder von Golzow berichtet von Menschen der Jahrgänge 1953 -1955,...... mehr
FSK: ohne Altersbeschränkung, farbig, Spieldauer: 106 MinutenBild: VollbildDie Chronik der Kinder von Golzow berichtet von Menschen der Jahrgänge 1953 -1955, die in der DDR geboren wurden, hier aufwuchsen und in der Mitte ihres Lebens Bürger der Bundesrepublik Deutschland wurden. Die tragische Geschichte einer lebenslustigen Schülerin, die mit siebzehn als erste aus der Klasse Mutter wurde, unverheiratet blieb, als Geflügelzüchterin arbeitete und mit 29 Jahren an Herzversagen starb. Es ist auch die Geschichte ihres Sohnes, der Betriebsschlosser wurde und inzwischen selbst Vater eines behinderten Kindes ist. ... weniger
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Helga Hahnemann - Die besten Sketche Folge 1
Helga Hahnemann - Die besten Sketche, Folge 1 ....Die erste Helga "Henne" Hahnemann DVD. Mit Gefühl, Herz und Schmackes hat sich die "Berliner Kodderschnauze"...... mehr
Helga Hahnemann - Die besten Sketche, Folge 1 ....Die erste Helga "Henne" Hahnemann DVD. Mit Gefühl, Herz und Schmackes hat sich die "Berliner Kodderschnauze" Helga Hahnemann in die Herzen der Menschen gespielt, getanzt und gesungen. Unumstritten gehörte sie zu den Publikumslieblingen der DDR-Unterhaltungsbranche. Erstmals gibt es jetzt auf DVD eine Sammlung der schönsten Sketche, Tanz- und Gesangsnummern von Helga Hahnemann. Die Aufnahmen stammen aus Sendungen wie "Ein Kessel Buntes" oder "Nacht der Prominenten". Als Zugabe enthält die DVD noch 8 Songs von Helga, jede Menge Fotos und ein Künstlerporträt. Tracks: 01 Begrüßung zum 100. Kessel Buntes 02 Traudls Talkshow 03 Das 13. Girl 04 Richter-Szene 05 Das Showkoladenmädchen 06 Jetzt kommt dein Süßer 07 Telefonitis 08 Punkerin 09 I wanna be loved by you 10 Die schwebende Jungfrau 11 Wer uns getraut 12 Ballerina 13 Cry to me 14 Vater, Mutter, Kind 15 Othello 16 Nacht der Prominenten 17 The Stripper 18 Kellner-Szene 19 Ich will raus ... weniger
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Die Kinder von Golzow (DVD)
Die tragische Geschichte einer lebenslustigen Schülerin, die mit siebzehn als erste aus der Klasse Mutter wurde, unverheiratet blieb, als...... mehr
Die tragische Geschichte einer lebenslustigen Schülerin, die mit siebzehn als erste aus der Klasse Mutter wurde, unverheiratet blieb, als Geflügelzüchterin arbeitete und mit 29 Jahren an Herzversagen starb. Es ist auch die Geschichte ihres Sohnes, der Betriebsschlosser wurde und inzwischen selbst Vater eines behinderten Kindes ist. Die Chronik der Kinder von Golzow berichtet von Menschen der Jahrgänge 1953 -1955, die in der DDR geboren wurden, hier aufwuchsen und in der Mitte ihres Lebens Bürger der Bundesrepublik Deutschland wurden. ... weniger
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Der Letzte löscht das Licht
Hans-Georg Müller erlebt in der thüringischen Stadt Suhl als Siebenjähriger das Ende des zweiten Weltkrieges. Er erinnert sich an die amerikanische Besatzung in...... mehr
Hans-Georg Müller erlebt in der thüringischen Stadt Suhl als Siebenjähriger das Ende des zweiten Weltkrieges. Er erinnert sich an die amerikanische Besatzung in den ersten Nachkriegsmonaten. Auf einmal sind "die Amis" weg, und "die Russen" kommen. Als der Vater wegen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit verhaftet und vom Sowjetischen Militärtribunal zu zwanzig Jahren Arbeitslager verurteilt wird, steht die Mutter mit ihren vier Kindern vor schier unlösbaren Problemen. Hunger, Kälte und die Sorge um den Vater beherrschen die Folgezeit. Hans-Georg muss auf unterschiedlichste Weise für den Unterhalt der Familie sorgen helfen. Als Grenzgänger durchlebt er viele kritische Situationen. Der Heranwachsende empfindet die Unfreiheit in der SBZ und späteren DDR mehr und mehr als drückende Last. Sippenhaftung läßt ihm keine andere Wahl, als die Flucht nach West-Berlin anzutreten. Nach fast neun Jahren wird sein Vater aus der Haft als gebrochener Mensch entlassen. Die Familie - bis auf den großen Bruder - flieht in den Westen und faßt hier nach Jahren der Entbehrung allmählich Fuß. Der Vater stirbt an den Folgen seiner Haft früh, die Mutter folgt ihm 23 Jahre später. Der in der DDR verbliebene Bruder erlebt ein schlimmes Schicksal... ... weniger
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Schlafen im Kartoffelsack, Gabriele Bönisch
2010, 77 Seiten, Maße: 13,4 x 21 cm, Kartoniert (TB), DeutschSechs unterschiedliche Frauen auf der Suche nach dem Sinn in ihrem Leben. Doch eins haben sie...... mehr
2010, 77 Seiten, Maße: 13,4 x 21 cm, Kartoniert (TB), DeutschSechs unterschiedliche Frauen auf der Suche nach dem Sinn in ihrem Leben. Doch eins haben sie gemeinsam:Sie lassen sich nicht entmutigen und nehmen ihr Schicksal in die Hand.Eine Mutter, die mit ihrer 5-jährigen Tochter die Flucht aus der DDR nach West-Berlin wagt, ohne zu wissen, was sie dort erwartet.Eine Frau, die unter der Strenge des kaukasischen Vaters litt und per Zufall ihren Stiefbruder kennenlernt,mit dem sie das gleiche Schicksal teilt.Eine Frau, die, um der Arbeitslosigkeit zu entkommeneine Stelle annimmt, obwohl sie ihr nicht zusagt, und die eines Tages unerwartet die ursprünglich erstrebtePosition angeboten bekommt.Eine schlecht bezahlte Freiberuflerin, die durch den sozialen Abstieg Demut lernt.Eine Single-Frau, die einem kleinen kranken Jungen ihren Schal schenkt und dadurch lernt, was Nächstenliebeheißt.Und eine Frau, die ihre Tür und ihr Herz einem Mann und seinen zwei Kindern öffnet, obwohl sie sich kaum kennen. ... weniger
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Allein die Welt dazwischen - Peter Hofmann
Peter Hofmanns zweiter Roman kommt etwas schleppend daher. Leser, die sein erstes Werk Berlinsolo schätzen, werden an seiner neuen Erzählung die Leichtigkeit,...... mehr
Peter Hofmanns zweiter Roman kommt etwas schleppend daher. Leser, die sein erstes Werk Berlinsolo schätzen, werden an seiner neuen Erzählung die Leichtigkeit, das urbane Lebensgefühl und die Heiterkeit vermissen. Henry und Klaus sind seit zwei Jahren zusammen. Sie leben in Berlin. Klaus stammt aus Oberbirk, einem kleinbürgerlichen und öden Nest irgendwo in Thüringen. Der Kontakt von Klaus zu seinen Eltern ist schlecht. Treffen gibt es höchstens alle drei Jahre. Die Stimmung in der Familie ist angespannt. Nur Mutter Ursula steht verständnisvoll hinter ihrem Sohn. Vater Leo ist ruhig, hat sich mit seinem Leben abgefunden, agiert als stiller Beobachter. Die Antihelden, die Ebenbilder trister, dummer Kleinbürgerlichkeit, sind Bruder Frank und dessen Frau Yvonne mit ihrem fetten, verzogenen Kind Karsten. Peter Hofmanns Text entwickelt sich langsam. Die einzelnen Kapitel beschreiben ruhig und bildhaft Einzelszenen. Die Dialoge fließen oft nichtssagend hin und her, doch diese Leere gewinnt nach den ersten vier Kapiteln immer mehr an Bedeutung. Das schwule Leben von Klaus in Berlin ist fremd für die Familie, passt nicht ins Bild des Dorfes in Thüringen und wird daher verschwiegen. Doch es gibt ein Geheimnis: Georg, der jüngere Bruder von Klaus, nahm sich noch zu DDR-Zeiten als Rekrut in der damaligen Armee aus bislang ungeklärten Gründen das Leben. Über 200 Seiten hinweg schafft es Peter Hofmann, seine Leser bei der Stange zu halten. Der Text wird schneller. Die Spannungen in der Familie, die unausgesprochenen Vorurteile, die Lügen und die Fluchtwelten der Kleinbürger brechen bei einem Familienessen zusammen. Es kommt zum großen Knall. Die Figuren in Peter Hofmanns Text leben in ihrer kleinen Welt weiter. Das klärende Gewitter hat die Familie enger zueinandergebracht. Für den Leser erschließt sich jedoch die wirkliche Tragik der Geschichte: Engstirnigkeit, falsch gelebte Mutterliebe mit erdrückender Nestwärme und die Heuchelei unserer Gesellschaft schaffen es bis heute, Menschen zu zerstören. --Martin Kilgus ... weniger
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Lenin kam nur bis Lüdenscheid (DVD)
"Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Bis Solingen ist er nicht gekommen. Aber fünfundzwanzig Kilometer weiter östlich, im Zeltlager in Lüdenscheid, schien die...... mehr
"Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Bis Solingen ist er nicht gekommen. Aber fünfundzwanzig Kilometer weiter östlich, im Zeltlager in Lüdenscheid, schien die Weltrevolution bereits geglückt." Richard David Precht, Autor von Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?, erinnert sich an den linken Kosmos seiner Kindheit.Geboren in einer Zeit, die von politischen Umwälzungen in Deutschland und der ganzen Welt geprägt ist: 1964 ist das Jahr, in dem die letzte gesamtdeutsche Olympiamannschaft bei Olympischen Spielen antritt, Bundeskanzler Ludwig Erhard die Ablehnung der Oder-Neisse-Grenze zwischen Deutschland und Polen bekräftigt, der oberste Sowjet Nikita Chruschtschow in Russland sämtliche Ämter verliert und die ersten Menschen in Solingen und anderswo gegen die Gefahr eines Atomkrieges demonstrieren.Während sich das Gesicht der Welt auf dem globalen politischen Parkett tief greifend verändert, versucht Prechts Solinger Familie, sich und ihren Kindern ein kleines linkes Universum inmitten kapitalistischen Feindeslandes zu konstruieren. Vater Precht liest Marx und Engels, während Sohn Richard die Rauschebärte der Avantgarde mit dem des Tiervaters Brehm verwechselt. Überhaupt entwirft der Junge in seinem Solinger Kinderzimmer seine ganz eigene Welt - einen Mikrokosmos, der vieles durcheinander wirft: Die DDR stellt er sich als riesigen, durch eine hohe Mauer geschützten Zoo vor - er hatte gelesen, dass der Tierpark Berlin-Ost tatsächlich der grösste der Welt sei. Mutter Precht trennt scharf zwischen Gut und Böse, sozialistischen Werten und kapitalistischer Verdummung.Coca-Cola ist zu Hause ebenso verpönt wie "Raumschiff Enterprise". Richard und seine Geschwister dürfen Asterix lesen, weil das französisch, also irgendwie subversiv ist und die Römer die Besatzer sind - so ähnlich wie die Amerikaner.Die virtuose Mischung von privaten Super 8 Filmen, Archivaufnahmen und neu Aufgenommenen bringt die grossen Ereignisse jener Jahre in ganz andere, kleinere und sehr private Zusammenhänge. ... weniger
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Lenin kam nur bis Lüdenscheid (DVD)
"""Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Bis Solingen ist er nicht gekommen. Aber fünfundzwanzig Kilometer weiter östlich, im Zeltlager in Lüdenscheid, schien die...... mehr
"""Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Bis Solingen ist er nicht gekommen. Aber fünfundzwanzig Kilometer weiter östlich, im Zeltlager in Lüdenscheid, schien die Weltrevolution bereits geglückt."" Richard David Precht, Autor von Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?, erinnert sich an den linken Kosmos seiner Kindheit.Geboren in einer Zeit, die von politischen Umwälzungen in Deutschland und der ganzen Welt geprägt ist: 1964 ist das Jahr, in dem die letzte gesamtdeutsche Olympiamannschaft bei Olympischen Spielen antritt, Bundeskanzler Ludwig Erhard die Ablehnung der Oder-Neisse-Grenze zwischen Deutschland und Polen bekräftigt, der oberste Sowjet Nikita Chruschtschow in Russland sämtliche Ämter verliert und die ersten Menschen in Solingen und anderswo gegen die Gefahr eines Atomkrieges demonstrieren.Während sich das Gesicht der Welt auf dem globalen politischen Parkett tief greifend verändert, versucht Prechts Solinger Familie, sich und ihren Kindern ein kleines linkes Universum inmitten kapitalistischen Feindeslandes zu konstruieren. Vater Precht liest Marx und Engels, während Sohn Richard die Rauschebärte der Avantgarde mit dem des Tiervaters Brehm verwechselt. Überhaupt entwirft der Junge in seinem Solinger Kinderzimmer seine ganz eigene Welt - einen Mikrokosmos, der vieles durcheinander wirft: Die DDR stellt er sich als riesigen, durch eine hohe Mauer geschützten Zoo vor - er hatte gelesen, dass der Tierpark Berlin-Ost tatsächlich der grösste der Welt sei. Mutter Precht trennt scharf zwischen Gut und Böse, sozialistischen Werten und kapitalistischer Verdummung.Coca-Cola ist zu Hause ebenso verpönt wie ""Raumschiff Enterprise"". Richard und seine Geschwister dürfen Asterix lesen, weil das französisch, also irgendwie subversiv ist und die Römer die Besatzer sind - so ähnlich wie die Amerikaner.Die virtuose Mischung von privaten Super 8 Filmen, Archivaufnahmen und neu Aufgenommenen bringt die grossen Ereignisse jener Jahre in ganz andere, kleinere und sehr private Zusammenhänge." ... weniger
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Lenin kam nur bis Lüdenscheid
"Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Bis Solingen ist er nicht gekommen. Aber fünfundzwanzig Kilometer weiter östlich, im Zeltlager in Lüdenscheid, schien die...... mehr
"Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Bis Solingen ist er nicht gekommen. Aber fünfundzwanzig Kilometer weiter östlich, im Zeltlager in Lüdenscheid, schien die Weltrevolution bereits geglückt." Richard David Precht, Autor von Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?, erinnert sich an den linken Kosmos seiner Kindheit.Geboren in einer Zeit, die von politischen Umwälzungen in Deutschland und der ganzen Welt geprägt ist: 1964 ist das Jahr, in dem die letzte gesamtdeutsche Olympiamannschaft bei Olympischen Spielen antritt, Bundeskanzler Ludwig Erhard die Ablehnung der Oder-Neiße-Grenze zwischen Deutschland und Polen bekräftigt, der oberste Sowjet Nikita Chruschtschow in Russland sämtliche Ämter verliert und die ersten Menschen in Solingen und anderswo gegen die Gefahr eines Atomkrieges demonstrieren.Während sich das Gesicht der Welt auf dem globalen politischen Parkett tief greifend verändert, versucht Prechts Solinger Familie, sich und ihren Kindern ein kleines linkes Universum inmitten kapitalistischen Feindeslandes zu konstruieren. Vater Precht liest Marx und Engels, während Sohn Richard die Rauschebärte der Avantgarde mit dem des Tiervaters Brehm verwechselt. Überhaupt entwirft der Junge in seinem Solinger Kinderzimmer seine ganz eigene Welt - einen Mikrokosmos, der vieles durcheinander wirft: Die DDR stellt er sich als riesigen, durch eine hohe Mauer geschützten Zoo vor - er hatte gelesen, dass der Tierpark Berlin-Ost tatsächlich der größte der Welt sei. Mutter Precht trennt scharf zwischen Gut und Böse, sozialistischen Werten und kapitalistischer Verdummung.Coca-Cola ist zu Hause ebenso verpönt wie "Raumschiff Enterprise". Richard und seine Geschwister dürfen Asterix lesen, weil das französisch, also irgendwie subversiv ist und die Römer die Besatzer sind - so ähnlich wie die Amerikaner.Die virtuose Mischung von privaten Super 8 Filmen, Archivaufnahmen und neu Aufgenommenen bringt die großen Ereignisse jener Jahre in ganz andere, kleinere und sehr private Zusammenhänge. ... weniger
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Allein die Welt dazwischen - Peter Hofmann
Peter Hofmanns zweiter Roman kommt etwas schleppend daher. Leser, die sein erstes Werk Berlinsolo schätzen, werden an seiner neuen Erzählung die Leichtigkeit,...... mehr
Peter Hofmanns zweiter Roman kommt etwas schleppend daher. Leser, die sein erstes Werk Berlinsolo schätzen, werden an seiner neuen Erzählung die Leichtigkeit, das urbane Lebensgefühl und die Heiterkeit vermissen. Henry und Klaus sind seit zwei Jahren zusammen. Sie leben in Berlin. Klaus stammt aus Oberbirk, einem kleinbürgerlichen und öden Nest irgendwo in Thüringen. Der Kontakt von Klaus zu seinen Eltern ist schlecht. Treffen gibt es höchstens alle drei Jahre. Die Stimmung in der Familie ist angespannt. Nur Mutter Ursula steht verständnisvoll hinter ihrem Sohn. Vater Leo ist ruhig, hat sich mit seinem Leben abgefunden, agiert als stiller Beobachter. Die Antihelden, die Ebenbilder trister, dummer Kleinbürgerlichkeit, sind Bruder Frank und dessen Frau Yvonne mit ihrem fetten, verzogenen Kind Karsten. Peter Hofmanns Text entwickelt sich langsam. Die einzelnen Kapitel beschreiben ruhig und bildhaft Einzelszenen. Die Dialoge fließen oft nichtssagend hin und her, doch diese Leere gewinnt nach den ersten vier Kapiteln immer mehr an Bedeutung. Das schwule Leben von Klaus in Berlin ist fremd für die Familie, passt nicht ins Bild des Dorfes in Thüringen und wird daher verschwiegen. Doch es gibt ein Geheimnis: Georg, der jüngere Bruder von Klaus, nahm sich noch zu DDR-Zeiten als Rekrut in der damaligen Armee aus bislang ungeklärten Gründen das Leben. Über 200 Seiten hinweg schafft es Peter Hofmann, seine Leser bei der Stange zu halten. Der Text wird schneller. Die Spannungen in der Familie, die unausgesprochenen Vorurteile, die Lügen und die Fluchtwelten der Kleinbürger brechen bei einem Familienessen zusammen. Es kommt zum großen Knall. Die Figuren in Peter Hofmanns Text leben in ihrer kleinen Welt weiter. Das klärende Gewitter hat die Familie enger zueinandergebracht. Für den Leser erschließt sich jedoch die wirkliche Tragik der Geschichte: Engstirnigkeit, falsch gelebte Mutterliebe mit erdrückender Nestwärme und die Heuchelei unserer Gesellschaft schaffen es bis heute, Menschen zu zerstören. --Martin Kilgus ... weniger
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Marionetten - John le Carré
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen...... mehr
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die""""se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le""ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko"nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her"ausziehen lassen, die ich brauch""te.Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan"ge vorher in meinem Schriftstellergedächt"nis eingenistet hat"ten und auf ihren Auftritt warteten. Man"che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei"ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf"bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran"kenhaus in Palästina, dem eine Streu"bombe beide Beine wegge"rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge"recktem Daumen begrüßte. Diese bei"den habe ich bisher noch nir"gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei"me Me"lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein"lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen"gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet"sche"ne, halb Russe, und wohnte in einem musli"mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des"halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei"tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde"voll, trotz oder gerade wegen der Tat"sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet"schenen machte.Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op"position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi"schen Besat"zungs"armee. Seine Mutter war ein Mäd"chen aus den tsche"tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver"ge"waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder"herstellung der Familienehre ihre männ"lichen Angehöri"gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat"te. Als der Vater nach Moskau zu"rück""beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus""sen""jungen zu machen. Die besten Schu"len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so"bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa"tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon"ver"tierte - aus Liebe zu einer Mut"ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor"namen bei das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan"deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge"warte"t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten"füh"rer, hab ich recht? Herr Bachmann?Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea"mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach"mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un"versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va"ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei"tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens"umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr"schein"lich meine Art, meine eige"ne schwie"rige Vaterbe"ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie"ben habe. Ich habe selber eine Zeit"lang in Wien ge"lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb"haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge"dächt"nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num"mern"konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei"ne For"malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka"me"rad"schaft. Er war ein einsamer Exil"engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an"zu"nähern, die er mochte. Ich hat"te allen Ern"stes ein schlech"tes Gewissen, daß ich kein Num"mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei"nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im"mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin"sicht stellt es die exotischste Figur im gan"zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst"bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen"te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau"send Juden in Ham"burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz"krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig"tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera"lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa"der-Meinhoff-Bande abgab und Jahre später für Mo"hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug"entführer vom 11. September und ihrer Mit"verschwörer.Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt"ler"weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri"tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver"frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim"dienstkarriere weiterver"folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel"lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab"schie"de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes"affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder"aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro"chen hatte.Frage: Nach vierzig Jahren?Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch"land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern"seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese"hen, in denen [[der anarchistische Studenten"führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame"ri"ka auf"peitschte. Als ich danach ins Hotel zu"rück"kam, erwartete mich eine Nachricht mei"ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so"fort zum nächsten Fern"seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings"türme kra"chen zu se"hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver"bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo"balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit"gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame"r"ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun"dung auf einem Transparent am Brandenbur"ger Tor, und und und. In"""offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei"ne Generation zumindest war Rudi Dutsch"kes Botschaft noch nicht gänz"lich verhallt.Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham"burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali"stin aus einer wohlhabenden Aka"de"mi"kerfamilie ent"schie"den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke"risch, ge"gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak"tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se""xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei"nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen"lernt, war im Ge"fäng"nis und ist gefoltert wor"den. Die Folter ist ei"ne ent"setz"liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol"terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge"wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi"schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent"täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che"""mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei"nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än"dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter"schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf"ge"nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel"ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser"schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin"sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die""ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür"de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei"nung wären.Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei"heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau"ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei"ten. Unser Außen"minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter"roris"mu"sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf"zure"gen. Wir haben unsere Souveränität unserer be"sonderen Beziehung zu Amerika ge"opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in"wie"weit Deutsch""land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so. ... weniger
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Marionetten - John Le Carré
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen...... mehr
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die""""se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le""ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko"nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her"ausziehen lassen, die ich brauch""te.Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan"ge vorher in meinem Schriftstellergedächt"nis eingenistet hat"ten und auf ihren Auftritt warteten. Man"che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei"ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf"bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran"kenhaus in Palästina, dem eine Streu"bombe beide Beine wegge"rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge"recktem Daumen begrüßte. Diese bei"den habe ich bisher noch nir"gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei"me Me"lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein"lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen"gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet"sche"ne, halb Russe, und wohnte in einem musli"mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des"halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei"tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde"voll, trotz oder gerade wegen der Tat"sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet"schenen machte.Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op"position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi"schen Besat"zungs"armee. Seine Mutter war ein Mäd"chen aus den tsche"tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver"ge"waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder"herstellung der Familienehre ihre männ"lichen Angehöri"gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat"te. Als der Vater nach Moskau zu"rück""beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus""sen""jungen zu machen. Die besten Schu"len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so"bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa"tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon"ver"tierte - aus Liebe zu einer Mut"ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor"namen bei das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan"deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge"warte"t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten"füh"rer, hab ich recht? Herr Bachmann?Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea"mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach"mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un"versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va"ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei"tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens"umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr"schein"lich meine Art, meine eige"ne schwie"rige Vaterbe"ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie"ben habe. Ich habe selber eine Zeit"lang in Wien ge"lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb"haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge"dächt"nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num"mern"konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei"ne For"malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka"me"rad"schaft. Er war ein einsamer Exil"engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an"zu"nähern, die er mochte. Ich hat"te allen Ern"stes ein schlech"tes Gewissen, daß ich kein Num"mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei"nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im"mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin"sicht stellt es die exotischste Figur im gan"zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst"bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen"te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau"send Juden in Ham"burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz"krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig"tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera"lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa"der-Meinhoff-Bande abgab und Jahre später für Mo"hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug"entführer vom 11. September und ihrer Mit"verschwörer.Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt"ler"weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri"tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver"frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim"dienstkarriere weiterver"folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel"lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab"schie"de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes"affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder"aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro"chen hatte.Frage: Nach vierzig Jahren?Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch"land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern"seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese"hen, in denen [[der anarchistische Studenten"führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame"ri"ka auf"peitschte. Als ich danach ins Hotel zu"rück"kam, erwartete mich eine Nachricht mei"ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so"fort zum nächsten Fern"seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings"türme kra"chen zu se"hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver"bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo"balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit"gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame"r"ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun"dung auf einem Transparent am Brandenbur"ger Tor, und und und. In"""offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei"ne Generation zumindest war Rudi Dutsch"kes Botschaft noch nicht gänz"lich verhallt.Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham"burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali"stin aus einer wohlhabenden Aka"de"mi"kerfamilie ent"schie"den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke"risch, ge"gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak"tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se""xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei"nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen"lernt, war im Ge"fäng"nis und ist gefoltert wor"den. Die Folter ist ei"ne ent"setz"liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol"terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge"wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi"schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent"täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che"""mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei"nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än"dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter"schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf"ge"nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel"ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser"schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin"sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die""ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür"de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei"nung wären.Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei"heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau"ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei"ten. Unser Außen"minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter"roris"mu"sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf"zure"gen. Wir haben unsere Souveränität unserer be"sonderen Beziehung zu Amerika ge"opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in"wie"weit Deutsch""land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so. ... weniger
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Marionetten - John le Carré
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen...... mehr
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die""""se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le""ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko"nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her"ausziehen lassen, die ich brauch""te.Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan"ge vorher in meinem Schriftstellergedächt"nis eingenistet hat"ten und auf ihren Auftritt warteten. Man"che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei"ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf"bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran"kenhaus in Palästina, dem eine Streu"bombe beide Beine wegge"rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge"recktem Daumen begrüßte. Diese bei"den habe ich bisher noch nir"gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei"me Me"lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein"lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen"gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet"sche"ne, halb Russe, und wohnte in einem musli"mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des"halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei"tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde"voll, trotz oder gerade wegen der Tat"sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet"schenen machte.Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op"position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi"schen Besat"zungs"armee. Seine Mutter war ein Mäd"chen aus den tsche"tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver"ge"waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder"herstellung der Familienehre ihre männ"lichen Angehöri"gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat"te. Als der Vater nach Moskau zu"rück""beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus""sen""jungen zu machen. Die besten Schu"len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so"bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa"tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon"ver"tierte - aus Liebe zu einer Mut"ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor"namen bei das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan"deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge"warte"t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten"füh"rer, hab ich recht? Herr Bachmann?Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea"mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach"mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un"versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va"ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei"tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens"umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr"schein"lich meine Art, meine eige"ne schwie"rige Vaterbe"ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie"ben habe. Ich habe selber eine Zeit"lang in Wien ge"lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb"haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge"dächt"nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num"mern"konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei"ne For"malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka"me"rad"schaft. Er war ein einsamer Exil"engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an"zu"nähern, die er mochte. Ich hat"te allen Ern"stes ein schlech"tes Gewissen, daß ich kein Num"mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei"nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im"mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin"sicht stellt es die exotischste Figur im gan"zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst"bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen"te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau"send Juden in Ham"burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz"krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig"tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera"lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa"der-Meinhoff-Bande abgab und Jahre später für Mo"hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug"entführer vom 11. September und ihrer Mit"verschwörer.Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt"ler"weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri"tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver"frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim"dienstkarriere weiterver"folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel"lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab"schie"de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes"affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder"aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro"chen hatte.Frage: Nach vierzig Jahren?Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch"land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern"seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese"hen, in denen [[der anarchistische Studenten"führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame"ri"ka auf"peitschte. Als ich danach ins Hotel zu"rück"kam, erwartete mich eine Nachricht mei"ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so"fort zum nächsten Fern"seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings"türme kra"chen zu se"hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver"bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo"balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit"gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame"r"ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun"dung auf einem Transparent am Brandenbur"ger Tor, und und und. In"""offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei"ne Generation zumindest war Rudi Dutsch"kes Botschaft noch nicht gänz"lich verhallt.Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham"burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali"stin aus einer wohlhabenden Aka"de"mi"kerfamilie ent"schie"den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke"risch, ge"gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak"tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se""xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei"nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen"lernt, war im Ge"fäng"nis und ist gefoltert wor"den. Die Folter ist ei"ne ent"setz"liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol"terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge"wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi"schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent"täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che"""mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei"nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än"dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter"schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf"ge"nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel"ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser"schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin"sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die""ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür"de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei"nung wären.Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei"heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau"ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei"ten. Unser Außen"minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter"roris"mu"sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf"zure"gen. Wir haben unsere Souveränität unserer be"sonderen Beziehung zu Amerika ge"opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in"wie"weit Deutsch""land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so. ... weniger
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Marionetten - John le Carré
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen...... mehr
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die""""se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le""ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko"nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her"ausziehen lassen, die ich brauch""te.Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan"ge vorher in meinem Schriftstellergedächt"nis eingenistet hat"ten und auf ihren Auftritt warteten. Man"che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei"ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf"bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran"kenhaus in Palästina, dem eine Streu"bombe beide Beine wegge"rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge"recktem Daumen begrüßte. Diese bei"den habe ich bisher noch nir"gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei"me Me"lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein"lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen"gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet"sche"ne, halb Russe, und wohnte in einem musli"mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des"halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei"tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde"voll, trotz oder gerade wegen der Tat"sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet"schenen machte.Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op"position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi"schen Besat"zungs"armee. Seine Mutter war ein Mäd"chen aus den tsche"tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver"ge"waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder"herstellung der Familienehre ihre männ"lichen Angehöri"gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat"te. Als der Vater nach Moskau zu"rück""beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus""sen""jungen zu machen. Die besten Schu"len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so"bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa"tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon"ver"tierte - aus Liebe zu einer Mut"ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor"namen bei das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan"deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge"warte"t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten"füh"rer, hab ich recht? Herr Bachmann?Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea"mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach"mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un"versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va"ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei"tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens"umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr"schein"lich meine Art, meine eige"ne schwie"rige Vaterbe"ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie"ben habe. Ich habe selber eine Zeit"lang in Wien ge"lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb"haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge"dächt"nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num"mern"konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei"ne For"malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka"me"rad"schaft. Er war ein einsamer Exil"engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an"zu"nähern, die er mochte. Ich hat"te allen Ern"stes ein schlech"tes Gewissen, daß ich kein Num"mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei"nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im"mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin"sicht stellt es die exotischste Figur im gan"zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst"bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen"te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau"send Juden in Ham"burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz"krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig"tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera"lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa"der-Meinhoff-Bande abgab und Jahre später für Mo"hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug"entführer vom 11. September und ihrer Mit"verschwörer.Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt"ler"weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri"tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver"frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim"dienstkarriere weiterver"folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel"lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab"schie"de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes"affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder"aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro"chen hatte.Frage: Nach vierzig Jahren?Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch"land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern"seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese"hen, in denen [[der anarchistische Studenten"führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame"ri"ka auf"peitschte. Als ich danach ins Hotel zu"rück"kam, erwartete mich eine Nachricht mei"ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so"fort zum nächsten Fern"seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings"türme kra"chen zu se"hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver"bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo"balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit"gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame"r"ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun"dung auf einem Transparent am Brandenbur"ger Tor, und und und. In"""offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei"ne Generation zumindest war Rudi Dutsch"kes Botschaft noch nicht gänz"lich verhallt.Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham"burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali"stin aus einer wohlhabenden Aka"de"mi"kerfamilie ent"schie"den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke"risch, ge"gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak"tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se""xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei"nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen"lernt, war im Ge"fäng"nis und ist gefoltert wor"den. Die Folter ist ei"ne ent"setz"liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol"terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge"wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi"schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent"täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che"""mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei"nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än"dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter"schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf"ge"nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel"ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser"schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin"sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die""ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür"de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei"nung wären.Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei"heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau"ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei"ten. Unser Außen"minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter"roris"mu"sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf"zure"gen. Wir haben unsere Souveränität unserer be"sonderen Beziehung zu Amerika ge"opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in"wie"weit Deutsch""land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so. ... weniger
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Marionetten - John Le Carré
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen...... mehr
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die""""se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le""ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko"nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her"ausziehen lassen, die ich brauch""te.Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan"ge vorher in meinem Schriftstellergedächt"nis eingenistet hat"ten und auf ihren Auftritt warteten. Man"che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei"ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf"bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran"kenhaus in Palästina, dem eine Streu"bombe beide Beine wegge"rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge"recktem Daumen begrüßte. Diese bei"den habe ich bisher noch nir"gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei"me Me"lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein"lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen"gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet"sche"ne, halb Russe, und wohnte in einem musli"mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des"halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei"tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde"voll, trotz oder gerade wegen der Tat"sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet"schenen machte.Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op"position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi"schen Besat"zungs"armee. Seine Mutter war ein Mäd"chen aus den tsche"tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver"ge"waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder"herstellung der Familienehre ihre männ"lichen Angehöri"gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat"te. Als der Vater nach Moskau zu"rück""beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus""sen""jungen zu machen. Die besten Schu"len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so"bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa"tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon"ver"tierte - aus Liebe zu einer Mut"ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor"namen bei das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan"deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge"warte"t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten"füh"rer, hab ich recht? Herr Bachmann?Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea"mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach"mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un"versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va"ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei"tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens"umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr"schein"lich meine Art, meine eige"ne schwie"rige Vaterbe"ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie"ben habe. Ich habe selber eine Zeit"lang in Wien ge"lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb"haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge"dächt"nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num"mern"konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei"ne For"malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka"me"rad"schaft. Er war ein einsamer Exil"engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an"zu"nähern, die er mochte. Ich hat"te allen Ern"stes ein schlech"tes Gewissen, daß ich kein Num"mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei"nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im"mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin"sicht stellt es die exotischste Figur im gan"zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst"bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen"te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau"send Juden in Ham"burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz"krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig"tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera"lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa"der-Meinhoff-Bande abgab und Jahre später für Mo"hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug"entführer vom 11. September und ihrer Mit"verschwörer.Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt"ler"weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri"tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver"frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim"dienstkarriere weiterver"folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel"lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab"schie"de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes"affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder"aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro"chen hatte.Frage: Nach vierzig Jahren?Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch"land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern"seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese"hen, in denen [[der anarchistische Studenten"führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame"ri"ka auf"peitschte. Als ich danach ins Hotel zu"rück"kam, erwartete mich eine Nachricht mei"ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so"fort zum nächsten Fern"seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings"türme kra"chen zu se"hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver"bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo"balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit"gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame"r"ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun"dung auf einem Transparent am Brandenbur"ger Tor, und und und. In"""offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei"ne Generation zumindest war Rudi Dutsch"kes Botschaft noch nicht gänz"lich verhallt.Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham"burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali"stin aus einer wohlhabenden Aka"de"mi"kerfamilie ent"schie"den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke"risch, ge"gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak"tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se""xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei"nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen"lernt, war im Ge"fäng"nis und ist gefoltert wor"den. Die Folter ist ei"ne ent"setz"liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol"terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge"wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi"schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent"täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che"""mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei"nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än"dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter"schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf"ge"nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel"ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser"schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin"sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die""ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür"de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei"nung wären.Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei"heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau"ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei"ten. Unser Außen"minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter"roris"mu"sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf"zure"gen. Wir haben unsere Souveränität unserer be"sonderen Beziehung zu Amerika ge"opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in"wie"weit Deutsch""land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so. ... weniger
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Marionetten - John le Carré
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen...... mehr
Interview mit John le CarréFrage: In welcher Beziehung steht Ihr neues Buch zu den bis"he"ri""gen? Stellt es eine Rückkehr zu Ihrem alten Stil dar, oder sehen Sie darin eine neue Richtung?Antwort: Darüber muß die Kritik befinden. Und mit dem kritischen Prozeß habe ich ja nichts zu tun. Ich mag dieses Buch jedenfalls sehr. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Ich mußte meine Figuren nur anstupsen, schon lief alles so, wie ich wollte. Ich bin die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen, und meine Figuren haben die""""se Wut für mich zum Ausdruck gebracht. Ich wollte einen Thriller schreiben, und beim Schreiben hat mich genau die gleiche Angst gepackt, wie sie hoffentlich auch meine Le""ser packt. Was mich verblüfft hat, war die Öko"nomie des Ganzen. Normalerweise arbeite ich nicht so sauber. Aber diesmal gab es keine falschen Spuren, keine Sackgassen, keine riesigen Mengen von Ausschuß wie sonst so oft. Ich hatte in meine Vergangenheit gegriffen, und der Instinkt oder ein glücklicher Zufall hatten mich genau die Figuren und Hintergründe her"ausziehen lassen, die ich brauch""te.Frage: Heißt das, Sie hatten die Figuren bereits fertig im Kopf, bevor Sie überhaupt mit dem Schreiben begonnen haben?Antwort: Es gibt zwei Figuren in diesem Buch, die sich schon lan"ge vorher in meinem Schriftstellergedächt"nis eingenistet hat"ten und auf ihren Auftritt warteten. Man"che Figuren sind so. Sie reifen in der Flasche, zum Teil über Jahrzehnte. Dieser alte Mann zum Beispiel, den ich einmal in St. John's Wood getroffen habe. Er saß auf einer Bank, die Einkäufe einer ganzen Woche zu seinen Füßen, und weinte. Als ich ihn fragte, warum, sagte er mir, das Geschimpfe sei"ner Frau sei ihm so unerträglich geworden, daß er einfach nicht den Mut zum Heimgehen auf"bringe. Oder der zwölfjährige Junge in dem Kran"kenhaus in Palästina, dem eine Streu"bombe beide Beine wegge"rissen hatte und der alle, die an seinem Bett vorübergingen, mit hochge"recktem Daumen begrüßte. Diese bei"den habe ich bisher noch nir"gends untergebracht. Bei dem alten Mann habe ich es in Gehei"me Me"lodie versucht, aber irgendwie wollte er sich nicht einbauen lassen. Und über den palästinensischen Jungen werde ich wahrschein"lich niemals schreiben können. Er ist für mich nicht einfach eine Romanfigur, er ist ein Symbol nicht zu unterdrückender Tapferkeit.Dafür konnte ich über einen anderen Jungen schreiben, einen einundzwanzigjährigen Tschetschenen namens Issa, den ich 1992 bei meinen Recherchen zu Unser Spiel in Moskau kennen"gelernt hatte. Er war ein Aussteiger, halb Tschet"sche"ne, halb Russe, und wohnte in einem musli"mischen Getto in den Moskauer Außenbezirken. Im Haus trug er immer eine Pistole im Gürtel. In Moskau mußte man damals (wie heute übrigens auch noch) nur asiatisch aussehen, um verhaftet zu werden - und Issa sah asiatisch aus. Ich war mit ihm nie auf der Straße unterwegs, des"halb weiß ich nicht, ob die Pistole ihn außer Haus beglei"tete. Er war groß und ausgemergelt und gab sich fast aufreizend würde"voll, trotz oder gerade wegen der Tat"sache, daß seine halbrussische Abstammung ihn zum Gespött der echten Tschet"schenen machte.Für die tschetschenische Sache kämpfte er aus Op"position gegen seinen Vater, einen ehemaligen Oberst der russi"schen Besat"zungs"armee. Seine Mutter war ein Mäd"chen aus den tsche"tschenischen Bergen gewesen, und ihre eigenen Leute hatten sie dafür bestraft, daß sie ver"ge"waltigt worden war: die Dorfältesten sahen es - wodurch auch immer - als erwiesen an, daß sie willfährig gewesen war und kommandierten zur Wieder"herstellung der Familienehre ihre männ"lichen Angehöri"gen dazu ab, sie zu töten, sobald sie ihr Kind zur Welt gebracht hat"te. Als der Vater nach Moskau zu"rück""beordert wurde, nahm er Issa mit und gab sich alle Mühe, aus ihm einen ordentlichen Rus""sen""jungen zu machen. Die besten Schu"len, alles das. Mit dem Erfolg, daß sich Issa, so"bald er dazu in der Lage war, den tschetschenischen Separa"tisten anschloß. Und daß er zum Islam kon"ver"tierte - aus Liebe zu einer Mut"ter, die er nie gekannt hatte. In dem Buch, das ich jetzt plante, hatte ich endlich die ideale Rolle für Issa; ich behielt sogar seinen Vor"namen bei das tschetschenische Wort für Jesus. Wobei mein Issa im Roman natürlich nicht mehr der Issa ist, den ich damals in Moskau kannte. Um echte Menschen in Romanfiguren zu verwan"deln, müssen wir unserem begrenzten Einblick in ihr Inneres nachhelfen, indem wir ihnen ein paar Züge von uns selbst verleihen.Frage: Und die zweite Figur, die schon auf ihren Einsatz ge"warte"t hat, war Ihr quertreiberischer deutscher Agenten"füh"rer, hab ich recht? Herr Bachmann?Antwort: Nein. Der hat sich auf eigene Faust Zutritt verschafft. Ich kannte eine ganze Reihe von Bachmanns zu meiner Zeit, abgehalfterte, ausgebrannte Geheimdienstleute wie Alec Lea"mas in Der Spion, der aus der Kälte kam. Bach"mann war aus demselben Stall. Nein, die andere Figur, die schon in meinem imaginären Wartesaal saß, war Tommy Brue, der sechzigjährige Schotte und Erbe einer angeschlagenen Privatbank, der un"versehens in Issas Leben hineingezogen wird. Wie Issa hatte auch Brue einen höchst problematischen Va"ter. Der von Brue hat vor ihm die Bank gelei"tet, in Wien. Alle haben Väter in diesem Buch. Alle tragen die ganz persönlichen Kämpfe aus, die ihre Geburt und ihre Lebens"umstände ihnen mit auf den Weg geben. Das ist wahr"schein"lich meine Art, meine eige"ne schwie"rige Vaterbe"ziehung aufzuarbeiten, über die ich in Ein blendender Spion geschrie"ben habe. Ich habe selber eine Zeit"lang in Wien ge"lebt. Und es ist zwar schon vierzig Jahre her, aber mir ist leb"haft der trinkfreudige schottische Bankier im Ge"dächt"nis, der mich damals immer wieder bestürmt hat, doch ein Num"mern"konto bei ihm zu eröffnen - keine Namen, kei"ne For"malitäten. Es war nicht mein Geld, hinter dem er her war. Es ging ihm um die Ka"me"rad"schaft. Er war ein einsamer Exil"engländer mit einer zerbröckelnden Ehe, und Geld war nur ein Vorwand für ihn, sich an Leute an"zu"nähern, die er mochte. Ich hat"te allen Ern"stes ein schlech"tes Gewissen, daß ich kein Num"mernkonto bei ihm aufmachte, aber dieses eine Mal siegte die Vernunft, und als ich aus Wien wegging, war er denn auch in ei"nen unschönen Skandal verwickelt. Einen Skandal übrigens, an dem sein Vater die Schuld trug!Frage: Das waren also die beiden Figuren, die es schon gab, als Sie mit der Geschichte begonnen haben?Antwort: Es gab auch noch eine dritte Figur. Eine extrem wichtige sogar: die Stadt Hamburg. Es hat mich beim Schreiben ja immer wieder nach Deutschland zurückgezogen, so wie es auch George Smiley im"mer wieder zurückgezogen hat: nach Deutschland, dem Motor Europas, Deutschland mit seinem aggressiven Alleingang im zwanzigsten Jahrhundert, Deutschland, der Wiege eines so großen Teils unserer europäischen Kultur. Aber diesmal mußte es Hamburg sein, Hamburg oder gar nichts. Und in vieler Hin"sicht stellt es die exotischste Figur im gan"zen Buch dar. Das heutige Hamburg ist eine vitale, quirlige, schöne, selbst"bewußte Stadt: kein kulturelles Juwel, aber dafür die reichste Stadt in Europa. Aber Hamburg blickt auf eine turbulen"te Geschichte zurück: erst Besetzung durch Napoleon, 1918 dann Machtübernahme durch die Kommunisten und 1933 durch die Nazis. 1933 lebten zwanzigtau"send Juden in Ham"burg, 1945 waren es keine tausend mehr. Die Bombardierung Hamburgs durch die Alliierten 1943 kostete in einer einzigen Woche mehr Menschen das Leben als der ganze Blitz"krieg gegen England oder die Atombombe auf Nagasaki: fünfundvierzig"tausend. Um so mehr grenzt der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Krieg an ein Wunder. Toleranz und Libera"lismus, so lautete Hamburgs neue Parole. Was einer der Gründe sein mag, warum die Stadt unwissentlich den Nährboden für Ulrike Meinhoff und die Baa"der-Meinhoff-Bande abgab und Jahre später für Mo"hammed Atta und ein halbes Dutzend der Flugzeug"entführer vom 11. September und ihrer Mit"verschwörer.Ich hatte noch ein anderes Motiv für meine Wahl, ein ganz persönliches. Ich war ein heimkehrender Sohn. Anfang der sechziger Jahre war ich britischer Konsul in dem mitt"ler"weile geschlossenen Hamburger Generalkonsulat gewesen. Die Bri"tische Botschaft in Bonn hatte mich in einer Eilaktion dort hinver"frachtet, nachdem ich als der Autor von Der Spion, der aus der Kälte kam enttarnt worden war. Meine Arbeitgeber hatten nichts gegen das Buch an sich, aber sie hatten nicht mit dem Aufsehen gerechnet, das meine Autorschaft erregte. Hamburg schien ihnen da angenehm weit ab vom Schuß. Da saß ich also, unschlüssig, ob ich meine Geheim"dienstkarriere weiterver"folgen oder mich ganz aufs Schreiben verlegen sollte. Als ich mich dann für die Schriftstel"lerei entschied, verließ ich Hamburg fast heimlich. Ich erinnere mich an keinerlei Ab"schie"de. Es war ein bißchen, als hätte ich eine Liebes"affäre mit der Stadt begonnen und wäre dann über Nacht abgereist, ohne meine Telefonnummer zu hinterlassen. Was wiederum ein starkes Bedürfnis in mir auslöste, die Beziehung da wieder"aufzunehmen, wo ich sie so rüde abgebro"chen hatte.Frage: Nach vierzig Jahren?Antwort: Ein paarmal war ich auch zwischendurch dort gewesen, aber nie lange genug. Es ist sicher Zufall, daß ich den 11. September 2001 in Hamburg erlebte, aber rückblickend fühlt es sich nicht so an. Ich recherchierte damals für ein ganz anderes Buch - Absolute Freunde, auch ein Roman über Deutsch"land -, und ich hatte mir den Vormittag über in einem Fern"seharchiv Filmaufzeichnungen aus den sechziger und siebziger Jahren angese"hen, in denen [[der anarchistische Studenten"führer]] Rudi Dutschke seine Anhänger gegen Ame"ri"ka auf"peitschte. Als ich danach ins Hotel zu"rück"kam, erwartete mich eine Nachricht mei"ner Sekretärin in Cornwall: "Gehen Sie so"fort zum nächsten Fern"seher." Ich gehorchte und kam gerade rechtzeitig, um das zweite Flugzeug in die Zwillings"türme kra"chen zu se"hen. Den Morgen hatte ich mit Rudi Dutschke ver"bracht, den Nachmittag verbrachte ich nun mit Osama bin Laden, beides erklärte Feinde des amerikanischen Kolonialismus, der Glo"balisierung und all dessen, was wir Fortschritt nennen. Ich blieb noch etwa eine Woche in Deutschland und hörte mir die Reaktionen von Freunden an. Nach außen hin hätte das Mit"gefühl für die Vereinigten Staaten kaum größer sein können: Kerzen auf ame"r"ikanischen Türschwellen, eine herzergreifende Beileidsbekun"dung auf einem Transparent am Brandenbur"ger Tor, und und und. In"""offiziell fielen die Kommentare oft harscher aus. Ein sechzigjähriger evangelischer Pfarrer meinte zu mir, es geschehe den Amerikanern ganz recht. Für sei"ne Generation zumindest war Rudi Dutsch"kes Botschaft noch nicht gänz"lich verhallt.Frage: Und Annabel, Ihre deutsche Bürgerrechtsanwältin, die Issa vertritt - wo kam die her?Antwort: Eigentlich hätte ich die Rolle ja gern mit einer Frau aus der ehemaligen DDR besetzt, als eine Art Gegengewicht zu Ham"burgs überbordendem Materialismus, aber das traute ich mir denn doch nicht zu. Also habe ich mich statt dessen für eine Ideali"stin aus einer wohlhabenden Aka"de"mi"kerfamilie ent"schie"den, eine Menschenrechtsanwältin, und zwar eine mit einem gehörigen Funken Rebellentum. Puritanisch, aber freidenke"risch, ge"gen das Establishment, aber dennoch Teil davon, und fast schon übertrieben korrekt, besonders im Umgang mit Issa. Und attrak"tiv. Schließlich gehört ja auch eine Portion se""xueller Spannung zu einer Beziehung zwischen ei"nem Muslim von Anfang zwanzig, der jahrelang ohne weibliche Gesellschaft auskommen mußte, und einer engagierten jungen Frau, die sich von seiner Not anrühren läßt. Der Issa, den Annabel kennen"lernt, war im Ge"fäng"nis und ist gefoltert wor"den. Die Folter ist ei"ne ent"setz"liche Art von Ritterschlag. Wir nicht Gefol"terten können mit den Gefolterten niemals gleichziehen, gottlob. Wir haben ein schlechtes Ge"wissen ihnen gegenüber, wir wollen sie beschützen, wir glauben, ihnen alles schuldig zu sein. Daraus speisen sich Annabels Gefühle. Fügen Sie der Mi"schung noch meinen Bankier Brue hinzu, und der Reigen ent"täuschter Liebe ist komplett. Ich fand, die Che"""mie stimmt. Wie ich Ihnen schon zu Anfang gesagt habe, ich mag dieses Buch.Frage: Wie wird es von den Kritikern aufgenommen werden, meinen Sie?Antwort: So wie meine Bücher immer aufgenommen werden. In mei"nem Alter hat man seine Fans und seine Feinde, und sie än"dern sich nicht groß. Diejenigen, die mich für überschätzt halten, werden das kundtun. Diejenigen, die mich für unter"schätzt halten, werden es ebenfalls kundtun. Und in ein paar Jahren wird sich sowieso keiner mehr erinnern, wie das Buch auf"ge"nommen worden ist. Jeder halbwegs seriöse Schriftstel"ler hat es im Gefühl, wann er sein bestes gegeben hat und wann er hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Eine breite Leser"schaft zu haben ist ein Privileg, und ich habe in dieser Hin"sicht sehr viel Glück gehabt. Ich halte die""ses Buch für eins meiner besten, und das macht mich sehr froh. Noch froher wür"de es mich natürlich machen, wenn meine Leser derselben Mei"nung wären.Frage: Sie sagten, Sie wären die Geschichte mit ziemlich viel Wut angegangen. Wut worüber?Antwort: Zum Teil darüber, daß um mich herum so wenig Wut zu spüren ist über das, was mit unserer Gesellschaft passiert, angeblich auch noch zu unserem eigenen besten. Wir sind unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in einen Krieg getrieben worden, wir werden in einer Atmosphäre der Panik unserer Frei"heitsrechte beraubt. Unsere Anwälte gehen nicht auf die Straße, wie es die Anwälte in Pakistan getan haben. Unsere Abgeordneten fallen auf ihre eigenen Meinungsmacher herein und glau"ben am Schluß die Propaganda, die sie selbst verbrei"ten. Unser Außen"minister muß eine Nahostmission abbrechen, damit die zweiundvierzigtätige Untersuchungshaft für Ter"roris"mu"sverdächtige durchgedrückt werden kann. Manche nennen mich einen zornigen alten Mann. Von mir aus. Man muß nicht alt sein, um sich über so etwas auf"zure"gen. Wir haben unsere Souveränität unserer be"sonderen Beziehung zu Amerika ge"opfert, an der keiner etwas Besonderes findet außer wir selbst, darum wollte ich der Frage nachgehen, in"wie"weit Deutsch""land unsere Fehler nachzuahmen gedenkt.Aber das ist alles heiße Luft, wenn nicht die Geschichte und die Figuren den Ball nehmen und damit loslaufen - und das machen sie in diesem Buch. Und deswegen mag ich es so. ... weniger
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Mutter-Vater-Kind Klinik Sellin, unbedingt empfehlenswert!!!
Pro: Meiner Meinung nach ist alles perfekt!
Kontra: Gibt es für mich nicht.
...Liebe Mama`s und Papa`s,
ich war dieses Jahr 2010 im Sommer auf der wunderschönen Insel Rügen zur Kur mit meinen beiden Kindern, 10 und 1 1/2 Jahre.
Bei der Ankunft gab es einen herzlichen und freundlichen Empfang von netten Mitarbeitern. Das Haus ist sehr groß, trotzdem übersichtlich. Die Zimmer sind freundlich, mit allem was man braucht, ausgestattet. Fehlt irgendetwas für das Baby, kann man alles ausleihen. Jederzeit ist ein Ansprechpartner im Haus, auch nachts.
Die Therapien sind auf die Diagnosen abgestimmt und werden mit dem Arzt ausgewählt. Ich war vorwiegend wegen meines Rückens da und bekam die dafür entsprechenden Anwendugen, die mir sehr gut taten. Die Therapeuten sind sehr gut geschult und jeder Einzelne versteht etwas von seinem Fach, alle waren sehr engagiert und ehrgeizig.
Da ich ein Kleinkind dabei hatte, wurde auch...
linimaus333
01.01.1970 ·
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Garantie zur Erholung für Mutter und Kind
Pro: Erholung ist garantiert,Mutter-und Kind sind gut drauf
Kontra: autsch.....die Bahnfahrt war die Hölle
...Fast den kompletten März befand ich mich mit meinem fünfjährigen Filius in einer Mutter-Kind-Kur an der Ostsee. Genauer, wir waren im Sanitas Ostseebad Boltenhagen in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Zeichen standen schon auf Sturm vor der Abfahrt, da die Bahn, mit der wir dort hinfuhren unser Gepäck zuerst zu früh abholen wollte, dann zum vereinbarten Zeitpunkt nicht kam und es letztendlich zwar verspätet aber trotzdem abholte. Der Streß stand mir schon da im Gesicht.
Es ging los am frühen Morgen und wir fuhren los von unserem Heimatbahnhof bis hoch an die Ostsee!! Sieben Stunden Bahnfahrt mit meinem Sohn, meiner besten Freundin und ihrer dreijährigen Tochter und dreimal umsteigen ist auch für die stärksten Nerven ein Desaster! Kurz vor Hamburg warf sich noch schnell ein Lebensmüder auf die Gleise, so daß alle aussteigen mußten und so...
Wikinger123
01.01.1970 ·
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warum nur Mutter und Kind?
Pro: man kann sich wirklich erholen, richtig abschalten
Kontra: nichts
...sich mit den Wegen noch zurechtfinden muß und von einem Teil des Schlosses in den anderen Teil mußte. Was ich aber genossen habe war, früh morgens Aquatraining und anschließend Massage, das tat richtig gut und war zum Glück nebeneinander. Doch ich hatte noch viele andere Anwendungen, z.B. Gordon Familientraining was ich sehr interssant fand, auch wenn es zum Teil einige Wunden bezüglich meines Sohnes aufgerissen hat, Autogenes Training, Gesprächsterapie, Fußreflexzonenmassage, Rückenschule, Qui Gong, Spaziergänge im Wald, mal alleine aber auch einmal die Woche mit den Kindern und natürlich Mutter und Kind Turnen. Jeden Motag mußte man in die Krankangymnastigabteilung und sich seine Bäder abholen, deswegen sind die Badezimmer mit Wannen ausgestattet.
Nicht nur wie Eltern gekamen Anwendungen, auch unsere Tochter, die bekam ebenso ihre...
Jakini
01.01.1970 ·
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Erholung für Mutter und Kind
Pro: Erholung für Mutter und Kind
Kontra: eigentlich nichts
...Warum ich über dieses Thema schreibe:
=
Eigentlich ganz einfach, bei mir wird es auch mal wieder Zeit für eine Mutter-Kind-Kur, denn meine letzte ist inzwischen fünf Jahre her und die hat mir sehr, sehr gut getan.
Doch manche sind von solchen Kuren noch immer voreingenommen und denken eher an alte Menschen, statt daran, daß man als Mutter ebenfalls eine solche Erholung braucht. Doch die Zeiten haben sich geändert, viele Mütter sind heute doppelt belastet, sie müssen Kinder, Haushalt und Job unter einen Hut bringen. Sicherlich gibt es ausreichend Hilfsmittel, wie z.B. Waschmaschiene und Geschirrspüler, die dieses erleichtern, trotzdem ist das Leben meiner Meinung nach in der heutigen Zeit viel, viel schwerer. Und das liegt daran, daß man einfach mehr tun muß, mehr Termnine einhalten muß, zumindest...
Jakini
01.01.1970 ·
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Bewertung für Mutter-Kind-Kur
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Mutter-Kind Kur Boltenhagen-nichts für kleine Kinder
Pro: gute Zimmerausstattung, Essen, tägl. Reinigung
Kontra: zu wenig Erzieher,laut!,kaum Freizeitangeb.für Kinder unter 5 Jahren
...Hallo, ich war im März 2011 für 3 Wochen mit meinen beiden Kindern (3 und 5 Jahre) in Boltenhagen zur Mutter-Kind-Kur. Ich wurde behandelt und die Kinder waren gesunde Begleitkinder.
Allgemeines:
die Mutter/Vater-Kind-Kurklinik besteht aus 4 Häusern, von denen 3 miteinander mittels Glasgang verbunden sind
in meinem Durchgang wurde nur Haus 1 (Haupthaus) bewohnt, es beinhaltet 114 Appartements, einen Speisesaal, den Therapiebereich und einen Großteil des Kinderlandes, eine kleine Schwimmhalle, Sauna, einen Waschraum mit 5 Waschmaschinen und 5 Trocknern ( davon je 1 Gerät für Desinfektionswaschgänge) sowie drei Wäscheständern, 2 Fahrstühle vom Keller bis in die 4. Etage u.s.w.
1. Etage:
Pro:
Ärzte, Psychologen, Schwestern, Therapie- und Anwendungsräume, Schwimmbad, Sauna, Waschmaschinen & Trockner, Kinderland etc. auf einer Ebene, kurze...
Letizia-Maus
01.01.1970 ·
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Mutter-Kind-Kur SANITAS Ostseeklinik Insel Poel
Pro: diese Klinik würde ich jedem empfehlen
Kontra: kein
...Im April diesen Jahres war mein Sohn (8 Jahre) und ich zur Mutter-Kind-Kur in der SANITAS Ostseeklinik auf der Insel Poel.
Die Kurklinik liegt idyllisch gelegen im nördlichen Teil der Insel Poel am sogenannten "Schwarzen Busch". Die Lage und Umgebung ist ruhig. Sehr schön ist die Nähe zur Ostsee (ca. 300 m). Von einigen Zimmern und der hauseigenen Cafeteria genießt man einen großartigen Blick aufs Meer. Nur ca. 15 km entfernt, liegt die Hansestadt Wismar wo sich auch der Bahnhof befindet. Ein Abholdienst holt Patienten die mit der Bahn fahren, am Anreisetag von dort ab und bringt sie am Abreisetag wieder hin. Auf dem Klinikgelände befinden sich mehrere Spielplätze mit Sandkästen und Klettergerüsten, Fussball-, Basketball- und Tennisfeld.
Insgesamt bietet das Haus Platz für 250 Personen.
Die Zimmer sind unterteilt...
mukiku
01.01.1970 ·
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Mutter-Kind-Kur in Sellin/ Rügen
Pro: Gesundheit pur!
Kontra: Psychologische Betreuung schlecht.
...Klinik Sellin/ Rügen
Ich war im Mai 2005 mit meinen 3 Kindern (damals 1, 3 und 6 Jahre alt) 3 Wochen zur Mutter-Kind-Kur in der Klinik Sellin auf Rügen.
Rügen ist eine wundervolle Insel in Mecklenburg-Vorpommern, gut zu erreichen mit Auto, Bahn oder Schiff. Sellin ist ein kleiner Kurort auf Rügen.
Rügen ist bekannt für seine reine, jodhaltige Luft, mildes Seeklima und ausgezeichneter Wasserqualität, besonders geeignet für Asthmatiker und Neurodermiker.
Auf die Klinik bin ich durch www.mutter-kind-hilfswerk.de gestoßen, die für mich auch alle Formalitäten mit Krankenkasse und Kurklinik abgehandelt haben.
Die Klinik befindet sich inmitten eines ausgedehnten Buchenwaldes und verfügt über 122 geräumige und gemütliche Apartments. Diese sind mit einem Balkon oder Terasse, Dusche, WC, Telefon, sowie Notruf und Babyphone...
ClaudiHH
01.01.1970 ·
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Mutter Kind Kur Grafenau
Pro: nette Angestellte
Kontra: super Gegend
...Klinik am Kurpark
Im Jahr 1999 war ich mit meinen Kindern (damals 1 und 2,4 Jahre alt)von Mecklenburg Vorpommern nach Grafenau in Bayern zur Mutter Kind Kur und wenn mich heute einer fragt, ob ich mitkomme dann geht es gleich los eher gestern als Heute..
Es ist ein Kurheim mit ca. 87 Appartments. Sauna, Schimmbad Turnhalle , Kindertagesstätte uvm.
Büfett zum Frühstück und Abendessen. Mittags 3 Wahlessen.
Morgens sind keine Zeiten gesetzt, wann man aufstehen will oder muß.
Ab 7.30 Uhr gibt es Frühstück und wenn man keine Anwendungen hat, kann man bis Mittag schlafen.
Kinder können ab 9 Uhr in die Kita bis ca 12.30 und ab 14 Uhr bis max. 17.00 Uhr in der Zeit geht man zu den Anwendungen und erhohlt sich halt.
Dafür ist die Kur ja da.
In der Kita wurde jeden Tag irgend etwas gemacht. Geklebt, geknetet, Malen mit Fingerfarbe...
sommermond
01.01.1970 ·
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Mutter Courage und ihre Kinder
Pro: Übersichtlich, Kurz und Knapp
Kontra: manchmal unverständlich
...(Geschäftsfrau), bekam die Kinder von verschiedenen Männern, reist durch ganz Europa den Krieg hinterher, kann aus einem Helm wahrsagen, fürchtet den Ruin des Geschäfts und das ihre Söhne Soldaten werden, Mutter Courage ist frech, mutig und hat zwei Gesichter (Mutter und Geschäftsfrau)
Eilif: Name: Eilif Nojocki, Intelligenz von seinem Vater, immer für eine Rauferei bereit, möchte Soldat werden, fürchtet nicht den Krieg, mutig, kräftig, Sohn von Mutter Courage, Vater im Krieg gefallen
Schweizerkas: Schweizer, Vater war Festungsbauer; versoffen und Ungarn, will Soldat werden, Sohn von Mutter Courage, jünger als Eilif, einfältig, ehrlich
Kattrin: Name: Kattrin Haupt, Halbdeutsche, Tochter von Mutter Courage, stumm
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B) Inhalt:
Bei...
Gerillia2001
01.01.1970 ·
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Bewertung für Mutter Courage und ihre Kinder / Brecht, Bertolt
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Mir hat die Mutter-Kind-Kur sehr viel gebracht
Pro: es kannsehr viel helfen
Kontra: nichts
...Hallo meine lieben Ciao-Leser!
Heute möchte ich Euch mal von meinen Erfahrungen mit meiner Mutter-Kind-Kur berichten.Wer meine Berichte über ADS gelesen hat,weiss,weshalb ich vor knapp 3 1/4 Jahren eine Kur beantragt hatte,und genehmigt bekam.Darauf möchte ich*Weserhexe* auch nicht mehr näher eingehen,denn sonst wird es wieder so ein Monsterbericht:-)
Also,nach meinem damaligen Nerverzusammenbruch im November 1997 entschloss ich mich,auf den Rat meiner Freunde zu hören,und eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen.Also erkundigte ich mich bei verschiedenen Einrichtungen(Krankenkasse,Caritas,Diakonie,AWO)nach einer schnellstmöglichen Mutter-Kind-Kur.Bei der Caritas bekam ich die meiste Hilfe und auch Anträge mit.Ausserdem hörten die mir zu,und unterstützten mich unwarscheinlich bei der Beantragung der Kur.Aufgrund der Sachlage waren wir...
Weserhexe
01.01.1970 ·
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Bewertung für Mutter-Kind-Kuren
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