DAS NON PLUS ULTRA DER SACHLICHEN BEURTEILUNG?

4  14.01.2002

Pro:
fleissiges zusammentragen wertvoller gut nutzbarer daten,

Kontra:
vergesst die vorstellung von fair, korrekt, gemeinnützig und unkommerziell,  -  knallharte geschäftemacher mit massiven eigenen machtinteressen

Empfehlenswert: Ja 

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Stiftung Warentest, wer kennt die nicht, DIE kennt doch jeder, die halten die meisten sogar, wie ich bei einigen Berichten lesen konnte, für eine Behörde.

Sicherlich ist das nicht richtig, sie sind eine Private Einrichtung, aber, ähnlich wie das Rote Kreuz, der ADAC, kirchliche oder staatliche Einrichtungen, hat man des Öfteren das Gefühl, sie wären über allem stehend, gottgleich: wen sie loben, der gilt als gut, wen sie verdammen, der kann doch eigentlich einpacken, - die große, lebensentscheidende, Daumen runter oder Daumen rauf – Instanz Stiftung Warentest bewertet, und ob man will oder nicht, damit ist der maßgebende Maßstab gesetzt.

So geht es nun schon Jahr ein Jahr aus, die sind doch, hört man allenthalben, gemeinnützig, nicht kommerziell, haben wir es nicht alle so erklärt bekommen?

Vor vielen, vielen Jahren mag das einmal richtig gewesen sein.

Da begannen einige aufrechte Verbraucherschützer, das Wort hätte man damals wohl noch nicht gekannt, es musste erst noch erfunden werden, eine Selbsthilfeorganisation aufzubauen, die sich zur Aufgabe gesetzt hatte, durch den Markt erforschende und die Ergebnisse vergleichende aktuelle Veröffentlichungen, ähnlich wenig geliebt von den Mächtigen wie heutzutage noch Greenpeace, dem unwissenden Verbrauchern zu helfen wie sie die jeweils für jeden günstigste Auswahlentscheidung treffen.

So entstand nach und nach eine immer größere, mächtigere, unbeweglichere, verbürokratisierte Organisation.

Das kleine, zarte Pflänzchen genannt Stiftung Warentest mutierte zu einem mächtigen, bestimmenden Konzern, der selbst zu einem Player im Markt geworden ist, selbst Ewigenwirtschaftliche Interessen wahrnimmt. ZU diesem Konzern gehört ein großer Verlag, der alle Veröffentlichungen Herstellt und vertreibt, - der früher wohlfeile, hilfreiche Rat kostet inzwischen „mal eben“ DM 14,80 oder aktualisiert € 7,57 nur für eine einzige Broschüre zum Testthema „Aktienfonds“, in der auf für heutige Schriften dieser Art relativ wenigen 120 Seiten das hervorragend qualifizierte Erfahrungswissen der edlen Stiftung Warentest so richtig erfolgreich vermarktet wird, - ganz offensichtlich lässt sich die Stiftung ihr Wissen ziemlich ausreichend teuer bezahlen. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass die Auflage dieses Heftes bei nicht im Heft ausgewiesenen mal eben 100,000 Heften oder mehr liegen wird, dann ist leicht nachzuvollziehen, dass es hier um viel Geld geht, - während ein anderer Verlag dafür teure Werbekampagnen starten und zahlen muss, die oft mehr als die Hälfte aller Einnahmen verschlingen, - nur damit das Produkt bekannt wird und dadurch Käufer findet, wird die Stiftung Warentest, mit all ihren Produkten, sie gilt ja als Gemeinnützig und nichtkommerziell, - für alle Propaganda, die sie bekommt, keinen Pfennig zahlen, - die fällt doch immer unter redaktionelle Informationen, gehört eben zu den Tipps und Tricks, die man empfehlen muss, das nützt doch den Lesern, - oder nicht?

Die Heilige Kuh hat immer und überall Vorfahrt.

Ihre Unschuld hat diese dabei leider schon lange verloren, - fremde Werbung braucht sie übrigens schon lange nicht mehr, - inzwischen verfügt sie über so viele eigene, kostenpflichtige um nicht zu sagen ausreichend hochpreisige Produkte, dass sie den möglicherweise geplanten Werbeplatz für die Bewerbung ihrer Eigenprodukte benötigt.

Wenn man da so durch eines der Heft blättert findet man, wahllos herausgebriffen: DM 60,00 für eine Broschüre zum Bauen, 12,80 für eine zum Internet, 9,78 (richtig billig!) zum Euro, die Eigentumswohnungen kosten 59,00, ein anderes Bauinfo 128,00. Fondsheft 15,80. Das Jahrbuch 2002 gibt es fast geschenkt für DM 17,80.

Tolles Sonderangebot: Abbo – Vorteilspaket: drei aktuelle Ausgaben FINANZtest, den Ratgeber Pflege und einen Reisewecker (wohl ein Werbegeschenk!) gibt es jetzt schon für nur DM 14,90 alias € 7,62, ist doch ein richtiges Schnäppchen, - fast geschenkt. Wer es noch nicht verstanden hat: das soll Ironie sein, - was hat das noch mit ehrlichem Verbraucherschutz und gemeinnütziger, unkommerzieller Aktivität zu tun?

Generell ist natürlich festzustellen, dass die vom Verlag erarbeiteten Listen, Tabellen und wertenden Übersichten schon recht imponierend sind, - so enthält das Heft jedes Heft zu dem jeweiligen Thema eine Vielzahl aller möglichen, interessanten, aufschlussreichen und nützlichen Angaben. Dem stehen gegenüber die zu den jeweiligen Begriffen gehörenden Produktangebote, d.h. zu jedem Begriff gehört natürlich irgendwie ein entsprechendes Produkt.

Das alles finde ich wirklich ausgezeichnet, vielleicht sollte ich anerkennend sagen: eine äußerst löbliche, Fleißarbeit, die man immer brauchen kann, da sie eigentlich Hand und Fuß hat.

Relativiert wird das Ganze dann natürlich irgendwie, wenn man bei etwas genauerem Hinsehen feststellen muss, das bestimmte Produkte nun einmal etwas wohlwollender behandelt werden, andere ganz übergangen oder schlechter kommentiert, obwohl dazu eigentlich kein Anlass vorliegen sollte.

So fiel mir z.B. bei der Stiftungsbeurteilung für die juristischen Anbieter im Netz auf, dass dort, wo die Stiftung sicherstellen will, dass die Ergebnisse so ausfallen, wie sie es gern sieht, es passieren kann, dass eine Antwort, die entgegen ihrer 3-Tage-Forderung erst nach 4 oder 5 Tagen eingeht, mit 0, d.h. mit „ungenügend“ gewertet wird, das Produkt oder der Anbieter sich also im Empfehlungsschnitt erheblich verschlechtert, also aus der Spitzenkategorie heraus fällt, während andererseits schwächere Ergebnisse voll hoch gesetzt werden.

Der etwas nachdenklichere Betrachter fragt sich da schon, warum wird da erkennbar mit zweierlei Maß gemessen? Das Vorgehen hat doch System, - wen man loben will, den lobt man eben nach oben, was man nicht brauchen kann, das putzt man einfach herunter.

Auch das Verhältnis zu Ciao hat da so seinen bestimmten Stellenwert:

Die Stiftung Warentest hat – recht spät – erkannt, dass das Internet für sie eine weitere Quelle an Macht, Einfluss und Geld sein kann. Firmen wie Ciao oder die ähnlich geartete Konkurrenz hat diesen Bereich, ähnlich wie in anderen Medien die Stiftung Warentest, jedoch schon besetzt. – Was macht da eine Ellenbogen-erfahrene Stiftung Warentest? – Ist doch klar, einfach und leicht verständlich:

Einfach die lästige Konkurrenz mal eben als zweifelhaft und unseriös herunterputzen, - wenn man damit Erfolg hat, dann kann man deren Feld dann selbst besetzen und für den eigenen eigen-nützige Vorteil ausnutzen.

Hat das nun System, oder nicht? – ich meine das sollte jeder, der mit offenen Augen durch diese Welt geht, erkennen.

Vielleicht mag wieder einmal nicht jeder verstehen, was ich damit an Erfahrungswert vermitteln möchte:

Ein alter Deutscher Spruch heißt TRAU SCHAU WEM – oder verständlicher: ehe man jemandem, also auch der Stiftung Warentest vertraut, da sollte man sich wirklich mit den jeweiligen Fragen befassen, und hinterfragen, welchen Vorteil es möglicherweise der Stiftung bringt, wenn sie dieses oder jenes in ihrem eigenen Sinne verkündet.

Da gefällt mir der Vorschlag eines anderen Ciao-Fans recht gut, der sagte, man solle doch sich die Daten bei Stiftung Warentest holen, einerseits, und dann gegebenenfalls die Erfahrungsberichte bei Ciao dazu lesen, zusätzlich.

Dabei mag es gut sein, dass manche Ciao-Autoren die Sache weniger bierernst sehen und dadurch dem ganzen Eindruck ein lockereres, oft jedoch realistisch, praxisnaheres Bild geben, als wenn man nur den vorgegebenen eisenbahnmäßig festgefahrenen Pflicht-Schienen der übermächtigen, wohl von denkbarem Machtmissbrauch nicht immer fernen Stoiftung Warentest ohne eigenes Nachdenken folgt. Die etwas laxeren Ciao-Berichte können da recht oft den wirklich praxis- und gefühlsnaheren Part bilden.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
michay

michay

17.07.2007 14:24

Was die machen scheint an Betrug zu grenzen, denn ich hab erfahren, dass teilweise Geschäftsführer der getesteten Firmen mit Tester waren. Wie soll da jemand ne Chance haben, der nicht in der Jury sitzt und Mitbewerber ist?

Hagar66

Hagar66

05.02.2004 16:04

Da es ja hier um das Internet- Angebot der Stiftung Warentest geht: Es gibt eine Möglichkeit, die Bewertungen der Stiftung zu relativieren. Für alle Tests wird im Internet angeboten, die Bewertungskriterien nach eigenem gusto zu verändern.

jangauso

jangauso

02.07.2002 16:19

man merkt, du hast dir richtig gedanken gemacht,eine sehr differenzierte Betrachtungsweise mit einem interessanten und ausführlichem Bericht, Gruß Jan.

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